Die deutsche Wirtschaftswachstum (Bruttoinlandsprodukt oder auch BIP) lag in 2025 bei „sagenhaften „0,2 %, so heutige offizielle Daten. Nach zwei Jahren Rezession in 2023 und 2024 ist das keine große Wende. Aber vor uns liegt vermeintlich der „große Aufschwung“ dank Sondervermögen-Investitionen und Aufrüstung, alles mit Schulden finanziert. Hier zeigen wir dazu mehrere Expertenaussagen und unsere Einschätzung.
Maues Wirtschaftswachstum – 2026 Anstieg dank Schulden
Bevor wir Volkswirte und Analysten zu Wort kommen lassen, vorab unsere Sichtweise: Die Aufrüstung ist de facto auf Pump unbegrenzt möglich. Dies wird wohl ab 2026 einiges an Schub für die deutsche Industrie bringen. Und in Sachen Sondervermögen gilt: So viel von den 500 Milliarden Euro auch zweckentfremdet wird: Egal wie schlecht und fehlgeleitet Politiker solche gigantischen Summen investieren oder verbrennen – einen kurzfristigen positiven Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt wird es haben! Dem gegenüber steht die fortschreitende Deindustrialisierung. Abgesehen von einer notdürftigen Hilfe bei den Stromkosten für einige Industriekonzerne sind die strukturellen Probleme für die breite Masse der Unternehmen hierzulande nicht gelöst, Aufbruchstimmung hat Friedrich Merz auch keine versprüht. Aber nachhaltiges Wachstum wird der schuldenfinanzierte Stimulus kaum bringen! Und für den Augenblick darf man annehmen, dass das deutsche Wirtschaftswachstum in 2026 wohl über 1 % liegen wird. Aber dass man sich bei dem finanziellen Kraftakt über 1 % (oder vielleicht 2 %) BIP-Wachstum freuen soll? Diese Größenordnungen sind doch eher ein Klacks bei der Relation zum schuldenfinanzierten Stimulus!
Commerzbank mit sehr mauer Aussicht
Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sagt zur aktuellen Meldung für das Wirtschaftswachstum in 2025 folgendes (Headline-Aussage): Im vierten Quartal ist die deutsche Wirtschaft endlich wieder gewachsen, und zwar wie erwartet um 0,2% gegenüber Q3. Wegen der sehr expansiven Fiskalpolitik der Bundesregierung wird das Bruttoinlandsprodukt in den kommenden Quartalen wohl weiter zulegen. Allerdings dürften die Zuwächse etwas verhaltener ausfallen als bisher von uns unterstellt, weil die Unternehmen über das Ausbleiben breit basierter Reformen enttäuscht sind und sich bei Investitionen weiter zurückhalten. Nicht umsonst sind Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima zuletzt wieder gefallen. Wir senken unsere 2026er Wachstumsprognose von 1,2% auf 0,9%.
Deutsche Bank erwartet für 2026 Plus von 1,5 %
Hier der aktuelle Kommentar von Marc Schattenberg, Volkswirt bei Deutsche Bank Research: „Mit 0,2% BIP-Wachstum hat sich die deutsche Wirtschaft 2025 stabilisiert. Zum Jahresende hin könnte die Konjunktur angezogen haben, darauf deuten auch einige harte Daten hin. Vor dem Hintergrund des schwachen Konsumklimas fiel der private Verbrauch 2025 überraschend kräftig aus. Hingegen schwächelte der Außenhandel erneut spürbar, was angesichts der US-Zölle und kostenseitiger Standortnachteile kaum überraschen kann. Die Investitionszurückhaltung bremste das Wachstum zusätzlich. Auch hier wirkten sich hohe Kosten und eine erhöhte Unsicherheitswahrnehmung negativ aus.
Die deutsche Wirtschaft dürfte sich in diesem Jahr spürbar erholen. Aktuell rechnen wir für 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5%, primär angetrieben durch die nun deutlich expansive Fiskalpolitik. Zusammen mit den großzügigen degressiven Sonderabschreibungen dürfte dies auch die privaten Investitionen ankurbeln. Der private Verbrauch bekommt unter anderem Rückenwind von der Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns, der geplanten Rentenerhöhung sowie durch die schwächere Inflation.“
DIHK appelliert
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer schreibt aktuell: „Auf zwei Rezessionsjahre ist 2025 nun ein Mini-Wachstum gefolgt. Zu Jahresbeginn gibt es zumindest den Hoffnungsschimmer, dass wir die Talsohle endlich erreicht haben. Die jüngsten Industriezahlen sind ein Anzeichen für eine Stabilisierung der heimischen Produktion. Es liegt allerdings noch ein weiter Weg vor uns, bis wir einen echten Aufschwung sehen werden. Darauf weisen auch erste Rückmeldungen aus der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage hin.
Auf den Herbst der Reförmchen muss jetzt ein Jahr der echten Reformen folgen, damit unsere Unternehmen die verlorengegangene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen können. Die Betriebe werden weiterhin von hohen Kosten, umfangreichen Berichtspflichten und noch immer überlangen Verfahren ausgebremst.
Wirtschaftliches Wachstum ist die Voraussetzung für Wohlstand in unserem Land und für eine stabile, nachhaltige Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Die Politik ist gefordert, die Weichen endlich wieder auf Wachstum zu stellen. Dazu gehören Entlastungen bei den hohen Energiekosten und Steuerzahlungen. Ebenso brauchen die Unternehmen einen radikalen Abbau der überbordenden Bürokratie und endlich mehr Tempo bei Infrastrukturprojekten und Genehmigungsverfahren. In der Summe würden diese Maßnahmen positive Anreize für mehr private Investitionen setzen. Das ist es, was der Wirtschaftsstandort Deutschland im Jahr 2026 braucht.
Bloomberg-Aussagen
Hier zeigen wir aktuelle Aussagen von Bloomberg News (auszugsweise): Die Daten vom Donnerstag zeigten, dass sich die Flaute im deutschen Fertigungssektor 2025 auf ein drittes Jahr ausweitete, wobei die Produktion um 1,3 % schrumpfte. Der Bausektor ist schon länger rückläufig und verzeichnete einen Rückgang von 3,6 %. Der jahrelange Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt kam unterdessen zum Stillstand, da die Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie deutlich zurückging.
Für die kommenden Jahre gehen Ökonomen davon aus, dass diese Ausgaben das Wachstum auf über 1 % treiben werden. Sie betonen jedoch, dass die Ausgaben mit Reformen einhergehen müssen, um die Nachfrage weiter zu stützen.
Was Bloomberg Economics sagt: „Das Statistikamt bestätigte einen moderaten Anstieg des BIP im Jahr 2025 nach zwei Jahren des Rückgangs. Die Aussichten für dieses Jahr sind besser, gestützt durch einen starken Anstieg der Staatsausgaben, der das Wachstum auf 0,8 % anheben dürfte. Dennoch deutet die gedrückte Stimmung in der Wirtschaft auf einen schleppenden Start ins Jahr 2026 hin. Es besteht das Risiko, dass der fiskalische Impuls geringer ausfällt und sich langsamer als erwartet auf die Wirtschaft auswirkt.“
—Martin Ademmer.
Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen in der deutschen Automobilindustrie rund 100.000 Arbeitsplätze verloren gehen, wobei die Leiterin der Arbeitsagentur, Andrea Nahles, davor warnt, dass die Aussichten für Arbeitslose schlechter denn je sind.
Jüngste Daten deuten darauf hin, dass Deutschland tatsächlich den Beginn einer Erholung erleben könnte. Sowohl die Fabrikaufträge als auch die Industrieproduktion stiegen im Oktober und November – dem letzten Zeitraum, für den Zahlen vorliegen – stark an. Verteidigungsaufträge trieben den Aufschwung voran und veranlassten den Rüstungskonzern Rheinmetall, seine Gesamtjahresprognose anzuheben.
FMW/Bloomberg
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„Die Aufrüstung ist de facto auf Pump unbegrenzt möglich.“
Ist sie nicht. Man kann nur begrenzte Ressourcen in Aufrüstung stecken.