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Wirtschaftswachstum deutlich abgeschwächt – „zu viel Schnee im August“?

Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für April veröffentlicht. Darin erwähnt sie, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland im 1. Quartal wohl deutlich schwächer ausfallen werde als im vorigen Quartal. Als Grund führt...

FMW-Redaktion

In den USA gibt es unter Journalisten und Börsianer einen flotten Spruch, wenn offizielle Statistiken mal wieder drastisch von den Erwartungen abweichen – „im August ist wohl mal wieder zu viel Schnee gefallen“. Damit will man mit Ironie den oft merkwürdigen Begründungen der Statistiker begegnen, warum Daten denn deutlich schlechter ausfallen als erwartet. Ob man so eine lustige Bemerkung auch heute verwenden kann? Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für April veröffentlicht. Darin erwähnt sie, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland im 1. Quartal wohl deutlich schwächer ausfallen werde als im vorigen Quartal. Als Grund führt man an Zitat:

Den Grund dafür sehen sie vor allem in der Industrieproduktion, die im Februar stark sank. „Zu dem Rückgang um saisonbereinigt 2% gegenüber dem Vormonat dürften die Streiks in der Metall- und Elektroindustrie sowie die in diesem Jahr besonders starke Grippewelle beigetragen haben“, heißt es in dem Bericht. Die ungewöhnlich starke Grippewelle werde wohl auch die wirtschaftliche Aktivität in anderen Branchen gedämpft haben, schreiben die Ökonominnen und Ökonomen. Betrachte man den Durchschnitt der Monate Januar und Februar, sei die Industrieproduktion um ¼ Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2017 zurückgegangen.

Na ja, Streiks und Grippe gab es in all den Vorjahren wohl nicht… aber jetzt genug davon. Die Auftragslage der Industrie sei aber nach wie vor gut, so die Bundesbank. Und wenn man annimmt, dass Grippe + Streiks im letzten Quartal nur ein negativer Ausreißer in der Statistik waren, dann kann die gute Konjunktur danach weiterlaufen. Denn die Bundesbank schreibt auch, dass sich die deutsche Wirtschaft nach wie vor in einer Phase der „Hochkonjunktur“ befinde.

Arbeitsmarkt

Auch am Arbeitsmarkt geht es immer weiter bergauf. Man sehe aber schon jetzt am deutschen Arbeitsmarkt eine ausgeprägte Knappheit. Der Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern nehme weiter zu. Zitat Bundesbank:

Innerhalb der vergangenen zwölf Monate stieg die Beschäftigung um 618.000 Personen oder 1,4 Prozent. Dabei handele es sich vor allem um sozialversicherungspflichtige Stellen, betonen die Bundesbank-Fachleute. Auch die saisonbereinigte Arbeitslosenquote sank im März erneut. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit auch in den kommenden drei Monaten weiter zurückgehen wird. Dies zeigten Indikatoren des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Inflation

Die Verbraucherpreise (HVPI) seien im März nicht weiter angstiegen. Eine etwas stärkere Verteuerung bei Dienstleistungen und eine moderate Aufwärtsdynamik bei Mieten sei durch fallende Preise für Energie und andere Industriegüter ausgeglichen worden. Preise für Nahrungsmittel blieben weitgehend konstant. Die Vorjahresrate erhöhte sich auch wegen des kräftigen Rückgangs der Nahrungsmittelpreise im März 2017 von + 1,2% auf +1,5%. Ohne Energie und Nahrungsmittel gerechnet verminderte sich die entsprechende Rate laut Bundesbank von +1,4% auf +1,3%. Dabei überlagerten ein negativer Basiseffekt bei Industriegütern ohne Energie und deren Preisrückgang im laufenden Monat die preissteigernden Auswirkungen des frühen Ostertermins auf die Dienstleistungen.

Löhne

Die Bundesbank geht davon aus, dass die Arbeitnehmer in Zukunft deutliche Lohnsteigerungen zu erwarten haben. Das habe mit der Knappheit an Arbeitskräften zu tun. Das Verhältnis an offenen Stellen habe einen Rekordwert erreicht. Vor zehn Jahren seien auf 1000 Arbeitslose nur 300 offene Stellen gekommen – in 2017 seien es 600 gewesen. Im Klartext: Die Arbeitgeber „prügeln“ sich schon bald immer mehr um die Arbeitnehmer, und versuchen sie mit mehr Geld zu halten, beziehungsweise neue Mitarbeiter mit mehr Gehalt anzulocken! Die Bundesbank kommt aber auch zu dem Schluss, dass die Löhne in den letzten Jahren insgesamt nicht so stark stiegen, weil Zuwanderer aus östlichen EU-Staaten hier Lücken im Arbeitsmarkt füllten, und das zu geringen Löhnen. Zitat:

Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass die in den vergangenen Jahren hohe arbeitsmarktorientierte Nettomigration vor allem aus anderen EU-Ländern half, die zunehmende Nachfrage nach Arbeitskräften zu befriedigen. Damit ging eine tendenziell lohndämpfende Wirkung einher. Insgesamt spricht auf Basis der aktuell zur Verfügung stehenden Daten einiges dafür, dass dieser Effekt zu einem Gutteil daher rührt, dass viele zugewanderte Arbeitskräfte ihre Beschäftigung in vergleichsweise niedrig entlohnten Tätigkeitsbereichen beziehungsweise Branchen aufnahmen.


Foto: Deutsche Bundesbank



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