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Wo ist der Wohlstandszuwachs? Die verlorengegangene Produktivität

Claudio Kummerfeld

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Höhere Produktivität durch mehr Leistung in der selben Zeit?

Steigt die Produktivität, kann man mit weniger Mitarbeitern mehr Waren produzieren, oder mit der selben Anzahl der Mitarbeiter mehr Waren als vorher. Dadurch können Gehälter steigen, und Unternehmen gute Gewinne erwirtschaften. Das bedeutete jahrzehntelang einen Wohlstandszuwachs in Deutschland. Aber haben wir diesen Zuwachs in den letzten Jahren überhaupt noch? Und wo ist die Produktivität abgeblieben?

Produktivität und die Zombies

Weil die Produktivität (hier eine Begriffserklärung) Jahr für Jahr gen Null absinke, werden für das Wirtschaftswachstum wieder mehr Arbeitskräfte benötigt. Daher rühren auch die guten Arbeitsmarktdaten der letzten Jahre in Deutschland – so schlussfolgert es Alexander Horn, Publizist und Geschäftsführer beim Politikmagazin Novo im folgenden Vortrag, der 29 Minuten dauert. Seine Ausführungen sind hochinteressant. Und wenn man so zuhört, könnte man meinen, dass er auf den Spuren von Markus Krall wandelt.

Denn Markus Krall predigte gebetsmühlenartig auch schon lange vor der Coronakrise von der großen Zombifizierung der Wirtschaft. Weil immer mehr Unternehmen, die eigentlich pleite gehen müssten, dank Nullzins der EZB nun umsonst an frisches Geld kommen. Sie zahlen seit Jahren keine Kapitalkosten mehr. Müssten sie diese eigentlich normale Belastung tragen, würden sie pleite gehen.

Wie bringt man wieder Schwung in die Bude?

So sammeln sich in der Volkswirtschaft immer mehr kaputte und nicht innovative Unternehmen an, die den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt behindern, und finanzielle und menschliche Ressourcen binden. Diese Ressourcen könnten in neuen Unternehmen und Geschäftsideen die Produktivität und damit den Wohlstandszuwachs fördern. Da sind Markus Krall und Alexander Horn auf der gleichen Spur. Aber Alexander Horn erwähnt auch andere Aspekte, welche den Zuwachs an Produktivität immer mehr zum Einschlafen gebracht haben in Deutschland.

Der Staat und das politische Mainstream-Denken (verkürzt von uns formuliert) würden Risiko und Fortschritt behindern, und auf Sicherheit und Stabilität bedacht sein. Dies würge ein Wachstum der Produktivität ab. Auch hier erkennt man Parallelen zu den Thesen von Markus Krall. Die Lösungsansätze von Alexander Horn? Unternehmen müssten wieder profitabler werden, dann können sie wieder mehr investieren und somit den Massenwohlstand fördern. Auch müsse die „Stabilitätsorientierung des Staates“ überwunden werden. Und es müsse ein neues Grundvertrauen in die Vernunft und Moralität der Bürger geben, wodurch Raum geschaffen werde für neue Lösungen von Problemen. Der Vortrag ist sehenswert.

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Finden Sie beim Klick an dieser Stelle die jüngsten Aussagen von Markus Krall zur aktuellen Krise.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    23. Juli 2020 20:10 at 20:10

    Bei den Überlegungen fehlen einige wesentliche Faktoren.

    Einmal wird das Produktivitätswachstum in den früh industrialisierten Staaten überschätzt (das ist in Ostasien natürlich völlig anders). Die Situation ist also angespannter als in den Daten zu sehen. Der Grund dafür ist, dass ein erheblicher Teil des ausgewiesenen Produktivitätswachstums durch die gestiegene Frauenerwerbsquote verursacht wird und nicht „echt“ ist. Denn die wenigsten zusätzlich (viele haben ja schon immer Lohnarbeit gemacht) arbeitenden Frauen sind ja keine Ingenieure, Maurer oder Dachdecker. Sondern sie arbeiten in sogenannten „sozialen Berufen“. Hierbei wurden aber lediglich Leistungen aus dem subsidiären in den sichtbaren Bereich des BIPs verlagert. Denn die Leistungen wurden auch vorher erbracht, nur tauchten sie, als häusliche Tätigkeit, nicht in der volkswirtschaftlichen Rechnung auf.
    Der „Staat“ hat das natürlich gefördert, da er diese Leistungen nun besteuern konnte. Und die Frauen haben das auch noch als Akt der „Befreiung“ gesehen.

    Dann sind über eine ständig sich ausdehnende Bürokratie eine Menge von Bullshit Jobs entstanden, die Produktivität vernichten. Hat die Einführung des TÜV noch durch stark fallende Unfallzahlen einen tatsächlich messbaren Effekt auf den Lebensstandard gehabt (war also sinnvoll) so ist dieser seit 50 Jahren nicht mehr gegeben. Heute geht es nur noch um Gängelung. Und die kostet eben Produktivität.

    Hinzu kommt dann noch die Einführung bezahlter Hobbies, als Jobs für die keine Nachfrage besteht, wie Genderlehrstühle und ähnlicher Schrott.

    Die Verlagerung von Produktion in Länder mit niedrigem Lohnniveau hat ebenfalls die Produktivität gesenkt. Denn hier wurde der Automatisierungsgrad zurückgedreht, da die Lohnspreitzung entsprechend hoch war.
    China hat das allerdings inzwischen wieder nachgeholt.

    Der Zugriff auf die Kunden hat außerdem dafür gesorgt das die Masse der Wertschöpfung trotzdem noch innerhalb der früh industrialisierten Länder anfällt. Denn der Grenzübertrittspreis der Güter ist oft nur ein Bruchteil des Endverkaufspreises. Das sorgt dafür, dass es aktuell den früh industrialisierten Ländern immer noch gelingt einen Teil des Produktivitätswachstums der aufstrebenden Staaten für sich abzuzweigen. Das wird allerdings nicht mehr lange funktionieren.

    Dann kommt noch die Entwicklung in Richtung „Dienstleistungsgesellschaft“. „Persönliche Dienstleistungen“ haben den Nachteil das man sie per se nicht rationalisieren kann. Ein persönliches Arztgespräch von 10 Minuten dauert immer 10 Minuten. Der Durchsatz kann hier nicht erhöht werden.
    Eine Gesellschaft, die nur noch Jobs im Bereich „persönlicher Dienstleistungen“ anbietet kann per se ihre Produktivität NICHT erhöhen!

    Die Zombifizierung ist sicherlich ein Grund, warum die Produktivität auch weiterhin eher sinkt als steigt. Aber sie ist beileibe nicht der Einzige und vielleicht nicht mal mehr der entscheidende Grund.

    Der Aussage, dass der Staat die primäre Wachstumsbremse darstellt ist allerdings uneingeschränkt richtig. Aber Wachstum ist ja auch nicht mehr erwünscht. Politisch gewollt ist der Rückfall ins Mittelalter. Europa brauchte beim letzten fundamentalen Niedergangsprozess 300-400 Jahre bis es auf dem Boden aufgeschlagen ist. Ich denke das kriegen wir diesmal in 30-40 Jahren hin. Wovon die Hälfte schon rum ist.

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      Prof. Dr. Donald Marx

      23. Juli 2020 22:58 at 22:58

      @thinkSelf

      Sie schreiben regelmäßig fundierte und beeindruckende Kommentare. Und dennoch relativieren Sie letztendlich Ihre Kompetenz ebenso regelmäßig in den abschließenden paar Zeilen Ihrer Zusammenfassung und Bewertung, beinahe schon widersprüchlich in kaum nachvollziehbaren Schlussfolgerungen.

      Ein aktuelles Beispiel:
      „Aber Wachstum ist ja auch nicht mehr erwünscht. Politisch gewollt ist der Rückfall ins Mittelalter.“

      Wie begründen Sie das? Von wem ist kein Wachstum erwünscht? Wer will einen Rückfall ins Mittelalter?

    • Avatar

      Quintus

      24. Juli 2020 07:29 at 07:29

      @thinkself
      „Aber Wachstum ist nicht mehr erwünscht“
      Nein, es ist der verzweifelte Versuch aller Regierungen der westlichen Welt das System mit vordergründig notwendigen, jedoch in Wirklichkeit sinnbefreiten Tätigkeiten, zu stabilisieren. Würden wir den freiheitlich liberalen Ansatz mit einer Entzombifizierung vorantreiben, würden wir vor einer Verelendung der Massen stehen, dies blendet Markus Krall leider aus bzw. unterschätzt diese Entwicklung. Jede Produktivitätssteigerung killt menschliche Arbeitskraft und kann nur in verminderter Anzahl hinübertransformiert werden. Als Beispiel sei hier die Produktion des VW ID3 genannt, welcher nur noch die Arbeitskraft von 40% der ehemaligen Belegschaftsgröße benötigt..
      Doch wer soll diese Fahrzeuge erwerben? Das Heer an Arbeitslosen?
      Eine Produktivitätssteigerung wird uns definitiv NICHT retten.

      „The Fourth Turning“ von William Strauss und Neil Howe könnte unseren Blick auf das GROßE Ganze schärfen.
      https://www.goldseiten.de/artikel/1851–Die-vier-Generationen.html

  2. Avatar

    Peter

    24. Juli 2020 08:58 at 08:58

    Na ja, wenn ich mir den technologischen Aufschwung von China /Asien anschaue, da haben wir schon enorme Probleme. Die bauen derzeit eine Autobahn mit autonomen Baufahrzeugen 5G unterstützt… Dir hohen Nicht produktiven Tätigkeiten lassen sich nicht mehr finanzieren. Dies führt zur Armut. Armut führt zu bürgerkriegsahnlichen Zuständen… Kennen wir ja bereits…. Das ist dann eben „Mittelalter“. Wenn ich mir die Entwicklung der letzten 5 Jahre anschaue, dann dürften wir in den nächsten 5 Jahren s Hon ziemlich weit auf diesem Weg gekommen sein.

  3. Avatar

    Peter

    24. Juli 2020 08:59 at 08:59

    Sorry für die Fehler… Aber sie verstehen es sicherlich trotzdem

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    Mike Lohmann

    24. Juli 2020 09:51 at 09:51

    Der Blick zurück zeigt uns doch, dass schon immer ein massgebender Technologiesprung wie erfindung des Feuermachens, Landwirtschaft zu Industrie oder Papierorganisation zu Digitalisierung und nun zu Industrie 4.0 mit G5 und KI die eigentlichen Fortschrittstreiber der Menschheit sind. Und immer dazwischen erfolgt eine Phase des Ausgleichs der Wasserstände mit ihren Transformationen. Dieser Rhythmus ist schon seit den Neandertaler nachweisbar und dürfte sich so auch in Zukunft fortsetzen.
    Die aktuellen Zwischenströmungen wie die Verbotskultur der Grünen und ihre Einschränkungsbemühungen sind und werden keine Lösungen darstellen, die längerfristig die Menschheit weiterbringen, sondern erst der nächste Technologiesprung, wie eben schon immer.

    • Avatar

      Lausi

      24. Juli 2020 12:09 at 12:09

      Der nächste Technologiesprung sollte in der grünen Technologie stattfinden.

      • Avatar

        Klempner

        24. Juli 2020 15:27 at 15:27

        Er wird und er muss „CO-reduziert“ sein. Warum ?
        Ganz einfach. Weil jegliche Tätigkeit die passiert zu über 80% fossilen Ursprung hat.Bei wachsender Weltbevölkerung inkl.Wohlstandsangleichung die nominale CO-Emission ums selbige erhöhen wird.Das heisst auch jetzt schon fallende Ernteerträge.
        Das heisst Verteilungskämpfe , Krieg und Vertreibung . Nix SAFE THE PLANET,sondern
        ohne Das ,kein Wachstum und Wohlstandsvelust plus hässliche Bilder in den Medien.

        • Avatar

          leftutti

          24. Juli 2020 22:36 at 22:36

          @Klempner, Sie klemptnern sich hier einige völlig inkompatible und inkonsistente Annahmen und Aussagen zu einem letztendlich traurigen Weltbild zusammen. Persönlich habe ich da meine Zweifel hinsichtlich einiger Punkte.

          1. Nach aktueller demografischer Entwicklung wird die Weltbevölkerung Mitte dieses Jahrhunderts stagnieren bzw. abnehmen.

          2. Wieso sollte jegliche Tätigkeit die passiert zu über 80% fossilen Ursprung haben? Was genau meinen Sie mit dieser wirren und seltsamen Aussage?

          3. Fallende Ernteerträge sind doch auf den Klimawandel aufgrund der bisherigen Situation zurückzuführen, nicht auf neue grüne Technologien.

          4. Wie rechtfertigen Sie aufgrund dieser Basis Ihre Schlussfolgerung von Krieg und Vertreibung?

          Haben Sie ein Problem bezüglich grüner Technologien? Haben Sie Schiss vor Veränderung, vor Neuem, vor der Reise in eine fossil-reduzierte Zukunft und Denkweise?

  5. Avatar

    Mani- Pulator

    24. Juli 2020 14:17 at 14:17

    Die nächste technologische Erfindung wird sein, dass Aktienkurse wieder irgendwie etwas mit der Leistung der Firmen u.den wirklichen ungezinkten Gewinnen zu tun.

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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