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Wo ist der Wohlstandszuwachs? Die verlorengegangene Produktivität

Claudio Kummerfeld

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am

Höhere Produktivität durch mehr Leistung in der selben Zeit?

Steigt die Produktivität, kann man mit weniger Mitarbeitern mehr Waren produzieren, oder mit der selben Anzahl der Mitarbeiter mehr Waren als vorher. Dadurch können Gehälter steigen, und Unternehmen gute Gewinne erwirtschaften. Das bedeutete jahrzehntelang einen Wohlstandszuwachs in Deutschland. Aber haben wir diesen Zuwachs in den letzten Jahren überhaupt noch? Und wo ist die Produktivität abgeblieben?

Produktivität und die Zombies

Weil die Produktivität (hier eine Begriffserklärung) Jahr für Jahr gen Null absinke, werden für das Wirtschaftswachstum wieder mehr Arbeitskräfte benötigt. Daher rühren auch die guten Arbeitsmarktdaten der letzten Jahre in Deutschland – so schlussfolgert es Alexander Horn, Publizist und Geschäftsführer beim Politikmagazin Novo im folgenden Vortrag, der 29 Minuten dauert. Seine Ausführungen sind hochinteressant. Und wenn man so zuhört, könnte man meinen, dass er auf den Spuren von Markus Krall wandelt.

Denn Markus Krall predigte gebetsmühlenartig auch schon lange vor der Coronakrise von der großen Zombifizierung der Wirtschaft. Weil immer mehr Unternehmen, die eigentlich pleite gehen müssten, dank Nullzins der EZB nun umsonst an frisches Geld kommen. Sie zahlen seit Jahren keine Kapitalkosten mehr. Müssten sie diese eigentlich normale Belastung tragen, würden sie pleite gehen.

Wie bringt man wieder Schwung in die Bude?

So sammeln sich in der Volkswirtschaft immer mehr kaputte und nicht innovative Unternehmen an, die den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt behindern, und finanzielle und menschliche Ressourcen binden. Diese Ressourcen könnten in neuen Unternehmen und Geschäftsideen die Produktivität und damit den Wohlstandszuwachs fördern. Da sind Markus Krall und Alexander Horn auf der gleichen Spur. Aber Alexander Horn erwähnt auch andere Aspekte, welche den Zuwachs an Produktivität immer mehr zum Einschlafen gebracht haben in Deutschland.

Der Staat und das politische Mainstream-Denken (verkürzt von uns formuliert) würden Risiko und Fortschritt behindern, und auf Sicherheit und Stabilität bedacht sein. Dies würge ein Wachstum der Produktivität ab. Auch hier erkennt man Parallelen zu den Thesen von Markus Krall. Die Lösungsansätze von Alexander Horn? Unternehmen müssten wieder profitabler werden, dann können sie wieder mehr investieren und somit den Massenwohlstand fördern. Auch müsse die „Stabilitätsorientierung des Staates“ überwunden werden. Und es müsse ein neues Grundvertrauen in die Vernunft und Moralität der Bürger geben, wodurch Raum geschaffen werde für neue Lösungen von Problemen. Der Vortrag ist sehenswert.

Finden Sie beim Klick an dieser Stelle die jüngsten Aussagen von Markus Krall zur aktuellen Krise.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    23. Juli 2020 20:10 at 20:10

    Bei den Überlegungen fehlen einige wesentliche Faktoren.

    Einmal wird das Produktivitätswachstum in den früh industrialisierten Staaten überschätzt (das ist in Ostasien natürlich völlig anders). Die Situation ist also angespannter als in den Daten zu sehen. Der Grund dafür ist, dass ein erheblicher Teil des ausgewiesenen Produktivitätswachstums durch die gestiegene Frauenerwerbsquote verursacht wird und nicht „echt“ ist. Denn die wenigsten zusätzlich (viele haben ja schon immer Lohnarbeit gemacht) arbeitenden Frauen sind ja keine Ingenieure, Maurer oder Dachdecker. Sondern sie arbeiten in sogenannten „sozialen Berufen“. Hierbei wurden aber lediglich Leistungen aus dem subsidiären in den sichtbaren Bereich des BIPs verlagert. Denn die Leistungen wurden auch vorher erbracht, nur tauchten sie, als häusliche Tätigkeit, nicht in der volkswirtschaftlichen Rechnung auf.
    Der „Staat“ hat das natürlich gefördert, da er diese Leistungen nun besteuern konnte. Und die Frauen haben das auch noch als Akt der „Befreiung“ gesehen.

    Dann sind über eine ständig sich ausdehnende Bürokratie eine Menge von Bullshit Jobs entstanden, die Produktivität vernichten. Hat die Einführung des TÜV noch durch stark fallende Unfallzahlen einen tatsächlich messbaren Effekt auf den Lebensstandard gehabt (war also sinnvoll) so ist dieser seit 50 Jahren nicht mehr gegeben. Heute geht es nur noch um Gängelung. Und die kostet eben Produktivität.

    Hinzu kommt dann noch die Einführung bezahlter Hobbies, als Jobs für die keine Nachfrage besteht, wie Genderlehrstühle und ähnlicher Schrott.

    Die Verlagerung von Produktion in Länder mit niedrigem Lohnniveau hat ebenfalls die Produktivität gesenkt. Denn hier wurde der Automatisierungsgrad zurückgedreht, da die Lohnspreitzung entsprechend hoch war.
    China hat das allerdings inzwischen wieder nachgeholt.

    Der Zugriff auf die Kunden hat außerdem dafür gesorgt das die Masse der Wertschöpfung trotzdem noch innerhalb der früh industrialisierten Länder anfällt. Denn der Grenzübertrittspreis der Güter ist oft nur ein Bruchteil des Endverkaufspreises. Das sorgt dafür, dass es aktuell den früh industrialisierten Ländern immer noch gelingt einen Teil des Produktivitätswachstums der aufstrebenden Staaten für sich abzuzweigen. Das wird allerdings nicht mehr lange funktionieren.

    Dann kommt noch die Entwicklung in Richtung „Dienstleistungsgesellschaft“. „Persönliche Dienstleistungen“ haben den Nachteil das man sie per se nicht rationalisieren kann. Ein persönliches Arztgespräch von 10 Minuten dauert immer 10 Minuten. Der Durchsatz kann hier nicht erhöht werden.
    Eine Gesellschaft, die nur noch Jobs im Bereich „persönlicher Dienstleistungen“ anbietet kann per se ihre Produktivität NICHT erhöhen!

    Die Zombifizierung ist sicherlich ein Grund, warum die Produktivität auch weiterhin eher sinkt als steigt. Aber sie ist beileibe nicht der Einzige und vielleicht nicht mal mehr der entscheidende Grund.

    Der Aussage, dass der Staat die primäre Wachstumsbremse darstellt ist allerdings uneingeschränkt richtig. Aber Wachstum ist ja auch nicht mehr erwünscht. Politisch gewollt ist der Rückfall ins Mittelalter. Europa brauchte beim letzten fundamentalen Niedergangsprozess 300-400 Jahre bis es auf dem Boden aufgeschlagen ist. Ich denke das kriegen wir diesmal in 30-40 Jahren hin. Wovon die Hälfte schon rum ist.

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      Prof. Dr. Donald Marx

      23. Juli 2020 22:58 at 22:58

      @thinkSelf

      Sie schreiben regelmäßig fundierte und beeindruckende Kommentare. Und dennoch relativieren Sie letztendlich Ihre Kompetenz ebenso regelmäßig in den abschließenden paar Zeilen Ihrer Zusammenfassung und Bewertung, beinahe schon widersprüchlich in kaum nachvollziehbaren Schlussfolgerungen.

      Ein aktuelles Beispiel:
      „Aber Wachstum ist ja auch nicht mehr erwünscht. Politisch gewollt ist der Rückfall ins Mittelalter.“

      Wie begründen Sie das? Von wem ist kein Wachstum erwünscht? Wer will einen Rückfall ins Mittelalter?

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      Quintus

      24. Juli 2020 07:29 at 07:29

      @thinkself
      „Aber Wachstum ist nicht mehr erwünscht“
      Nein, es ist der verzweifelte Versuch aller Regierungen der westlichen Welt das System mit vordergründig notwendigen, jedoch in Wirklichkeit sinnbefreiten Tätigkeiten, zu stabilisieren. Würden wir den freiheitlich liberalen Ansatz mit einer Entzombifizierung vorantreiben, würden wir vor einer Verelendung der Massen stehen, dies blendet Markus Krall leider aus bzw. unterschätzt diese Entwicklung. Jede Produktivitätssteigerung killt menschliche Arbeitskraft und kann nur in verminderter Anzahl hinübertransformiert werden. Als Beispiel sei hier die Produktion des VW ID3 genannt, welcher nur noch die Arbeitskraft von 40% der ehemaligen Belegschaftsgröße benötigt..
      Doch wer soll diese Fahrzeuge erwerben? Das Heer an Arbeitslosen?
      Eine Produktivitätssteigerung wird uns definitiv NICHT retten.

      „The Fourth Turning“ von William Strauss und Neil Howe könnte unseren Blick auf das GROßE Ganze schärfen.
      https://www.goldseiten.de/artikel/1851–Die-vier-Generationen.html

  2. Avatar

    Peter

    24. Juli 2020 08:58 at 08:58

    Na ja, wenn ich mir den technologischen Aufschwung von China /Asien anschaue, da haben wir schon enorme Probleme. Die bauen derzeit eine Autobahn mit autonomen Baufahrzeugen 5G unterstützt… Dir hohen Nicht produktiven Tätigkeiten lassen sich nicht mehr finanzieren. Dies führt zur Armut. Armut führt zu bürgerkriegsahnlichen Zuständen… Kennen wir ja bereits…. Das ist dann eben „Mittelalter“. Wenn ich mir die Entwicklung der letzten 5 Jahre anschaue, dann dürften wir in den nächsten 5 Jahren s Hon ziemlich weit auf diesem Weg gekommen sein.

  3. Avatar

    Peter

    24. Juli 2020 08:59 at 08:59

    Sorry für die Fehler… Aber sie verstehen es sicherlich trotzdem

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    Mike Lohmann

    24. Juli 2020 09:51 at 09:51

    Der Blick zurück zeigt uns doch, dass schon immer ein massgebender Technologiesprung wie erfindung des Feuermachens, Landwirtschaft zu Industrie oder Papierorganisation zu Digitalisierung und nun zu Industrie 4.0 mit G5 und KI die eigentlichen Fortschrittstreiber der Menschheit sind. Und immer dazwischen erfolgt eine Phase des Ausgleichs der Wasserstände mit ihren Transformationen. Dieser Rhythmus ist schon seit den Neandertaler nachweisbar und dürfte sich so auch in Zukunft fortsetzen.
    Die aktuellen Zwischenströmungen wie die Verbotskultur der Grünen und ihre Einschränkungsbemühungen sind und werden keine Lösungen darstellen, die längerfristig die Menschheit weiterbringen, sondern erst der nächste Technologiesprung, wie eben schon immer.

    • Avatar

      Lausi

      24. Juli 2020 12:09 at 12:09

      Der nächste Technologiesprung sollte in der grünen Technologie stattfinden.

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        Klempner

        24. Juli 2020 15:27 at 15:27

        Er wird und er muss „CO-reduziert“ sein. Warum ?
        Ganz einfach. Weil jegliche Tätigkeit die passiert zu über 80% fossilen Ursprung hat.Bei wachsender Weltbevölkerung inkl.Wohlstandsangleichung die nominale CO-Emission ums selbige erhöhen wird.Das heisst auch jetzt schon fallende Ernteerträge.
        Das heisst Verteilungskämpfe , Krieg und Vertreibung . Nix SAFE THE PLANET,sondern
        ohne Das ,kein Wachstum und Wohlstandsvelust plus hässliche Bilder in den Medien.

        • Avatar

          leftutti

          24. Juli 2020 22:36 at 22:36

          @Klempner, Sie klemptnern sich hier einige völlig inkompatible und inkonsistente Annahmen und Aussagen zu einem letztendlich traurigen Weltbild zusammen. Persönlich habe ich da meine Zweifel hinsichtlich einiger Punkte.

          1. Nach aktueller demografischer Entwicklung wird die Weltbevölkerung Mitte dieses Jahrhunderts stagnieren bzw. abnehmen.

          2. Wieso sollte jegliche Tätigkeit die passiert zu über 80% fossilen Ursprung haben? Was genau meinen Sie mit dieser wirren und seltsamen Aussage?

          3. Fallende Ernteerträge sind doch auf den Klimawandel aufgrund der bisherigen Situation zurückzuführen, nicht auf neue grüne Technologien.

          4. Wie rechtfertigen Sie aufgrund dieser Basis Ihre Schlussfolgerung von Krieg und Vertreibung?

          Haben Sie ein Problem bezüglich grüner Technologien? Haben Sie Schiss vor Veränderung, vor Neuem, vor der Reise in eine fossil-reduzierte Zukunft und Denkweise?

  5. Avatar

    Mani- Pulator

    24. Juli 2020 14:17 at 14:17

    Die nächste technologische Erfindung wird sein, dass Aktienkurse wieder irgendwie etwas mit der Leistung der Firmen u.den wirklichen ungezinkten Gewinnen zu tun.

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Donald Trump und die Deutsche Bank – hochinteressante Doku

Redaktion

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Von

Warum hat Donald Trump von der Deutschen Bank immer wieder Geld bekommen? Das ist vielleicht die interessanteste Frage, die in der folgenden Doku besprochen wird. US-Banken wollten Donald Trump offenbar kein Geld mehr leihen. Aber die Deutsche Bank tat es, und gab immer mehr Geld, für immer mehr Immobilienprojekte des heutigen US-Präsidenten. Und das, obwohl er vorher zahlreiche Projektpleiten hingelegt hatte. Gab es Sicherheiten aus Russland?

Die Doku beleuchtet im Detail die Beziehungen von Donald Trump nicht nur zur Deutschen Bank, sondern auch wie eng tatsächlich seine Verbindungen zu russischen Geschäftskreisen in New York und in Russland selbst waren. Bisher kam der Präsident selbst bei den Mueller-Ermittlungen in den USA ungeschoren davon. Der Schlüssel liegt wohl in den Geschäftsunterlagen der Deutschen Bank. Wer machte mit wem Geschäfte? Wer hat eventuell Geld gewaschen? Auffällig oft haben russische Käufer bei Trump-Projekten Wohnungen gekauft. Beispielhaft beleuchtet wird dieses Lizenz-System an einem Hochhaus in New York, für das er nur seinen Namen gab, und dafür 18 Prozent der Einnahmen kassierte.

Wusste Donald Trump, dass über seinen Namen und seine Projekte womöglich in gigantischem Umfang Geldwäsche zwielichtiger russischer Kreise abgewickelt wurde? Nachweisen lässt sich bis jetzt definitiv nichts, aber die Dokumentation der Geschäftsabläufe, wie es im folgenden Beitrag gezeigt wird, ist doch sehr aufschlussreich.

Donald Trump im Jahr 2020
Donald Trump

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Immobilienpreise steigen kräftig an – keine Spur von Corona!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hausbau

Bei Immobilien ist keinerlei Spur von der Coronakrise zu entdecken. Unfassbar. Die Immobilienpreise klettern weiter nach oben wie in den letzten Jahren auch. Im zweiten Quartal sind die Preise für Wohnimmobilien nämlich im Vergleich zum 2. Quartal 2019 um 6,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet. Die folgende Grafik zeigt den Häuserpreisindex seit dem Jahr 2015. Es ist keinerlei Einbruch erkennbar in den letzten beiden Quartalen. Nochmal… unfassbar, dass bei 10 Millionen Kurzarbeitern im Höhepunkt der Krise kein Einbruch der Immobilienpreise erkennbar war. Die Statistiker melden aktuell auch, dass die Preise für Wohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 2 Prozent gestiegen sind. Damit verteuerten sich Wohnimmobilien trotz Corona-Krise weiterhin sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.

Immobilienpreise klettern mitten in der Coronakrise immer weiter nach oben

Hier weitere Details von den Statistikern im Wortlaut:

Im 2. Quartal 2020 waren in den sieben größten Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) Ein- und Zweifamilienhäuser 6,5 % und Eigentumswohnungen 6,1 % teurer als im Vorjahresquartal. Damit setzte sich der Anstieg der Preise für Wohnimmobilien in Metropolen zwar fort, jedoch weiterhin mit einer abnehmenden Dynamik bei Wohnungen. Für Eigentumswohnungen hatte die Veränderungsrate zum Vorjahresquartal im 2. Quartal 2019 noch 7,9 % betragen, im 2. Quartal 2018 lag sie bei 11 %. In den anderen Großstädten ab 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern stiegen im 2. Quartal 2020 die Häuserpreise um 7,3 % und die Preise für Eigentumswohnungen um 8,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch in ländlichen Kreisen wurden Wohnimmobilien im Durchschnitt teurer. So erhöhten sich die Preise für Häuser in dichter besiedelten ländlichen Kreisen um 8,9 % und für Eigentumswohnungen um 5,9 %. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 4,8 %, Wohnungen verteuerten sich um 6,6 %.

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US-Wirtschaft: Warum es ohne KMUs keine Erholung gibt

Hannes Zipfel

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US-Wirtschaft ist angewiesen auf Arbeiter bei den KMUs

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind für die US-Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Sie stellen einen Großteil der Arbeitsplätze, stehen aber vor enormen Herausforderungen und viele sogar vor dem Aus. Ohne die KMUs wird es keine nachhaltige Erholung und erst recht keinen Wirtschaftsboom in den USA geben.

US-Wirtschaft braucht dringend neue Finanzhilfen

Als Steven Terner Mnuchin (Rep.), seit Februar 2017 US Finanzminister, am Dienstagnachmittag vor dem US-Repräsentantenhaus vom kommenden Boom der US-Wirtschaft im vierten Quartal schwärmte, muss dem ehemaligen Chef der Investmentbank Goldman Sachs die zuvor veröffentlichte Umfrage zum Paycheck Protection Program (PPP) seines früheren Arbeitgebers entgangen sein. Das Ergebnis der Umfrage kontrastiert die Jubelstimmung, die auch von seinem Amtskollegen Olaf Scholz (SPD) in Deutschland immer häufiger zu vernehmen ist.

Nüchterner war da schon die dringende Empfehlung des US-Notenbankchefs Jerome Powell an die Abgeordneten im US-Kongress, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) des Landes mit zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen zu unterstützen, da ansonsten eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft nicht möglich sei.

Gemäß der jüngsten verfügbaren Daten gab es in den USA im Jahr 2019 gut 31 Millionen Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Diese sogenannten „Small Businesses“ repräsentieren 99,9 Prozent aller Unternehmen und sind größter Arbeitgeber im privaten Sektor der US-Wirtschaft. Die amerikanischen KMUs schufen im letzten Jahr mehr als 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Daher ist das Schicksal der kleinen und mittleren Unternehmen bei der Wiederherstellung der wirtschaftlichen Erholung von so großer Relevanz.

Weil das so ist, hat die Trump-Administration Ende April im Rahmen des CARES Act (Coronavirus Aid, Relief and Economic Security Act) das Paycheck Protection Program (PPP) über 659 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Das ermöglichte es vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen, zinsgünstige Privatkredite zu beantragen, um ihren Gehaltsverpflichtungen trotz Coronakrise weiter nachzukommen.

Die Höhe eines PPP-Darlehens entsprach dabei ca. dem Zweieinhalbfachen der durchschnittlichen monatlichen Lohnkosten des Unternehmens. Die Darlehen können neben der Zahlung von Löhnen (Paychecks) auch für Mieten, Zinsen und Nebenkosten verwendet werden. Das Darlehen wurde aber nur dann gewährt, wenn das Unternehmen versprach, die Anzahl seiner Mitarbeiter und die Löhne stabil zu halten. Die ursprüngliche Frist für die Beantragung eines PPP-Darlehens war zunächst der 30. Juni dieses Jahres und wurde später bis zum 8. August 2020 verlängert.

Der PPP-Stimulus läuft aus

Nachdem das Gesetz seit fünf Monaten in Kraft ist, läuft die Hilfe nun aus und kann wegen der Blockade im US-Kongress für ein fünftes Konjunkturpaket nicht aufgestockt und verlängert werden. Das bringt viele KMUs an den Rand des Ruins – ein enormes Problem für die US-Wirtschaft!. Gemäß einer aktuellen Umfrage von Goldman Sachs unter US-KMUs haben 88 Prozent ihre PPP-Kredite bereits vollständig ausgeschöpft. Ein Drittel der befragten Unternehmen sah sich bereits gezwungen, die Löhne zu kürzen oder Entlassungen vorzunehmen. Weitere ca. 30 Prozent gaben an, dass ihnen ohne weitere Finanzhilfen bis zum Ende des Jahres das Geld ausgeht.

Anders als Großkonzerne können sich kleine Unternehmen nicht direkt über den Kapitalmarkt refinanzieren und kommen somit auch nicht in den Genuss der Unternehmensanleihekäufe durch die US-Notenbank (Fed), die in diesem Jahr ein neues Rekordvolumen erreicht haben.

Die auf Banken zur Refinanzierung angewiesenen KMUs haben ein weiteres, sich verschärfendes Problem: Wegen der anhaltend schlechten geschäftlichen Situation, aufgebrauchter Rücklagen und ausgeschöpfter Kreditlinien sind die Perspektiven für viele potenzielle Kreditnehmer so schlecht, dass die Banken sie als zu risikoreich einstufen und weitere Kredite verweigern. Schattenbanken, v. a. Hedgefonds, die in diese Lücke springen, verlangen dem Risiko angemessene hohe Zinsen, die für die in Not geratenen KMUs nicht zu stemmen sind.

Da gleichzeitig die im Sommer vom US-Finanzministerium an US-Bürger mit geringen und mittleren Einkommen verteilten Schecks in Höhe von 1.200 US-Dollar pro Person zunehmend eingelöst und aufgebraucht sind, haben viele Kleinunternehmer, Soloselbstständige und Freiberufler auch immer stärker eingeschränkte private Finanzspielräume.

US-Wirtschaft mit Entlassungswelle ab 1. Oktober

Ohne neue Fiskalstimuli droht der US-Wirtschaft im Abschlussquartal eine sich wieder verstärkende Entlassungswelle. Zumal ab 1. Oktober auch die US-Fluggesellschaften trotz vorheriger finanzieller Unterstützung aus dem PPP wieder Massenentlassungen vornehmen dürfen und dies auch bereits für Anfang Oktober angekündigt haben. Allein die größte US-Fluggesellschaft American Airlines will ab diesem Stichtag 20 Prozent ihrer Belegschaft abbauen – also jeden fünften Mitarbeiter. Ähnliche Ankündigungen gibt es von der zweitgrößten US-Fluggesellschaft Delta Airlines und kleineren Fluggesellschaften. Damit wird in den USA das nachgeholt, was bei deutschen und europäischen Airlines wie Lufthansa oder Ryanair bereits Realität ist.

Besonders betroffen von dem Auslaufen des PPP sind neben den Branchen Verkehr und Touristik vor allem Gastronomen, Konzert-Veranstalter, Kreuzfahrt Reedereien, stationäre Einzelhändler, Unterhaltungskünstler, Wedding Planner und andere Event-Manager. Besonders in der US-Gastronomie sind viele KMUs tätig. Generell wird der Dienstleistungssektor von KMUs dominiert. Für die US-Wirtschaft hat dieser Sektor eine besondere Bedeutung: 79,4 Prozent aller Erwerbstätigen ist hier angestellt, davon über 90 Prozent bei KMUs (Daten von 2019, Quelle: Statista).

Fazit

Die Indizien verdichten sich, dass es im vierten Quartal entgegen der Beschwichtigungsrhetorik mancher Politiker statt eines Booms einen Pleite-Tsunami und Massenentlassungen in der US-Wirtschaft geben könnte. Das Erschreckende dabei ist, dass diese Entwicklung noch keine zweite Pandemie-Welle berücksichtigt, die den Schaden in der US-Wirtschaft nochmals maximieren würde. Es bleibt für die KMUs Amerikas zu hoffen, wenn aus heutiger Sicht auch unwahrscheinlich, dass sich der US-Kongress nach dem Wahltermin Anfang November schnell auf ein neues, billionenschweres Hilfspaket einigen kann.

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