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Wo ist die Nullzins-Krise? Ostdeutsche Sparkassen verdienen weiterhin gutes Geld

Wir alle verstehen die Argumentation, und können diese auch inhaltlich nachvollziehen. Durch die Abschaffung der Zinsen durch die EZB schrumpft die Zinsmarge der Banken. Damit aber haben sie jahrzehntelang ihre Kosten gedeckt, nämlich aus der Differenz von Sparbuch-Zinsen und Kreditzinsen, wenn man Geld als Kredit an Kunden herausreicht. Wenn die EZB aber seit Jahren die Zinsen auf Null hält, fällt es immer schwerer Geld zu verdienen.

Die Realität sieht aber anders aus. Natürlich haben Banken, Volksbanken und Sparkassen einen Teil ihrer Erlöse auf das Provisionsgeschäft verlagert. Man quetscht die Kunden aus, wo es nur geht. Gebühren fürs Geldabheben, Jahrsgebühren für die Bankkarte, Gebühren fürs Onlinebanking usw. Das läppert sich, und so können selbst die Sparkassen in strukturschwachen Regionen auch jetzt noch blendend gute Geschäfte machen. Wenn also, dann ist das „allgemeine Jammern“ der Bankenbranche ein Jammern auf hohem Niveau!

Der Verband Ostdeutscher Sparkassen hat seine Halbjahreszahlen veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass man in den ersten sechs Monaten im Jahr 2018 einen Vorsteuergewinn von 232 Millionen Euro erzielt. Für das gesamte Jahr 2018 rechnet man mit einem Gewinn von 516 Millionen Euro, was im Vergleich zu 2017 ein Gewinnrückgang von 14% wäre. Aber: Es ist ein Gewinn! Man vergleiche das bitte mal mit den landesweiten Überschüssen von Deutscher Bank oder Commerzbank – dann stehen die ostdeutschen Sparkassen-Banker aber blendend gut da! Hier einige wichtige Kennzahlen der Ost-Sparkassen:

Das Kreditvolumen bei den Sparkassen ist um insgesamt 1,8 Mrd. Euro (+ 3,3 Prozent) auf 55,2 Mrd. Euro gestiegen. Seit Jahresbeginn stiegen die Einlagen um 1,8 Mrd. Euro auf 100,6 Mrd. Euro. Das ist ein neuer Rekord. Nach wie vor bevorzugten die Kunden kurzfristig verfügbare Anlagen. So wuchsen die Sichteinlagen um 4 Prozent auf 55 Mrd. Euro. Der Bestand an Termingeldern erhöhte sich um 15 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Das Geldvermögen der Kunden wuchs in den ersten sechs Monaten um 1,2 Mrd. Euro auf 130,8 Mrd. Euro. Aufgrund von Kostensteigerungen und der Niedrigzinsphase erwarten die OSV-Sparkassen ein niedrigeres Betriebsergebnis vor Bewertung von 0,99 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme (DBS). Im vergangenen Jahr lag der entsprechende Wert bei 1,03 Prozent der DBS, tatsächlich erreicht wurden zum Jahresende 2017 1,14 Prozent der DBS.

Wie gesagt: Man macht ordentliche Gewinne, und steht im Vergleich zu den beiden verbliebenen „großen Banken“ im Land doch immer noch blendend gut da. Natürlich kann man fragen: Steht man nur deshalb noch gut da, weil man seit Jahren die Gebühren hochfährt und die Kosten senkt? (Filialschließungen etc).

Sparkasse EZB
Die Zentrale in Frankfurt. Foto: EZB



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