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Wofür die Amerikaner ihre Stimulus-Schecks ausgeben

Amerikaner mit US-Flagge

Bereits zum dritten Mal regnet Helikoptergeld über die US-Haushalte herab. Aus deutscher Sicht kann man nur staunend zur Kenntnis nehmen, mit welch hohen Summen in den USA den Bürgern direkt geholfen wird und wie unbürokratisch der Prozess über die Bühne geht. Interessant ist auch, welchem Verwendungszweck die Stimulus-Schecks zugeführt werden.

Wer bekommt wie viel Geld via Stimulus-Schecks?

Seit März 2021 erhalten Amerikaner mit einem Einkommen unter dem Schwellenwert von 75.000 US-Dollar für Einzelpersonen, 112.500 US-Dollar für Haushaltsvorstände und 150.000 US-Dollar für Paare, die gemeinsam steuerlich veranlagt sind, jeweils 1.400 US-Dollar pro Person als Einmalzahlung per Scheck vom US-Finanzministerium. Haushalte erhalten zusätzlich 1.400 US-Dollar für jeden Angehörigen, z. B. Kinder, die in der letzten Steuererklärung geltend gemacht wurden.

Zusätzlich erhalten die meisten Amerikaner Direktzahlungen in Höhe von 3.000 US-Dollar pro Jahr für jedes Kind im Alter zwischen 6 und 17 Jahren sowie 3.600 US-Dollar für jedes Kind unter 6 Jahren. Anders als die Stimulus-Schecks wird das zusätzliche Kindergeld in Form von regelmäßigen Zahlungen über zwölf Monate gestreckt.

Laut Urban-Brooks-Policy Center kommen ca. 160 Millionen Amerikaner in den Genuss der aktuellen (dritten) Direktzahlungen seit Beginn der Pandemie. Gemäß dem Institute of Taxation and Economic Policy erhalten aufgrund der Änderung der Voraussetzungen für die Bezugsberechtigung gegenüber den vorherigen beiden Stimulus-Schecks ca. 11,8 Millionen Erwachsene und 4,6 Millionen Kinder dieses Mal kein Geld.

Arbeitslose erhalten weitere Zahlungen in Höhe von 300 US-Dollar zusätzlich zum regulären Arbeitslosengeld pro Woche. Durchschnittlich erhält jede Familie in den USA aus dem kürzlich verabschiedeten „American Rescue Plan Act“ 6.300 US-Dollar innerhalb von zwölf Monaten. Aus dem insgesamt 1,9 Billionen US-Dollar schweren Hilfsprogramm erhalten die 128,45 Millionen US-Haushalte (Census 2020) in Summe Direktzahlungen in Höhe von 809 Milliarden US-Dollar oder 3,85 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts. Die übrigen Mittel des Hilfsprogramms werden u. a. zur Unterstützung von kleinen Unternehmen, bankrotten Städten, Kommunen und Bundesstaaten ausgegeben.

(Quellen: U.S. Census Bureau, Institute of Taxation and Economic Policy, Urban-Brookings Tax Policy Center, Statista)

Sparen, Schulden tilgen und laufende Kosten bezahlen

Das US-Statistikamt (U.S. Census Bureau) befragte 73.472 Haushalte, wie sie das zusätzliche Einkommen durch die Stimulus-Schecks ausgeben wollen. Ein gutes Sechstel der Befragten will die Sonderzahlungen der Regierung für den Abbau von Schulden nutzen.
14,1 Prozent planen, das Geld zu sparen bzw. zu investieren. Vor allem Haushalte mit höherem Einkommen neigen zum Sparen und Schuldentilgen. Die unteren Einkommensschichten planen hingegen die Stimulus-Schecks für Konsum und die Begleichung von laufenden Rechnungen auszugeben.

Insgesamt gaben mehr als ein Drittel der über 21-Jährigen (Erwachsenen) an, das Geld zur Tilgung von Schulden oder zur Erhöhung der Ersparnisse verwenden zu wollen.

Das Bureau of Economic Analysis (BEA) stellte bereits für den April 2020 und den Januar 2021 eine Explosion der US-Sparquote auf 33,7 bzw. 20,5 Prozent fest. Der langfristige Durchschnitt der Sparquote in den USA liegt bei lediglich 8,95 Prozent. Zuletzt erhielten im Januar 2021 berechtigte US-Amerikaner im Zuge des im Dezember 2020 verabschiedeten 900 Mrd. US-Dollar umfassenden „Covid-19 Relief Bill“ Stimulus-Schecks über 600 US-Dollar pro Person. Neue Daten zur US-Sparquote für den Februar 2021 veröffentlicht das BEA am 26. März.

An der Höhe des Ersparten, gemessen am verfügbaren Einkommen, lässt sich sehr gut nachvollziehen, ab wann die Amerikaner seit April 2020 Stimulus-Schecks erhielten (im Balken-Chart jeweils rot markiert).

Sparquote privater Haushalte in den USA

Für den März dieses Jahres sowie für die Folgemonate wird mit einer erneuten Explosion der Sparquote gerechnet. Dennoch gehen die Statistiker davon aus, dass wie in der Vergangenheit die Ersparnisse schnell wieder abschmelzen und in den Konsum bzw. den Schuldendienst abfließen.

Gemäß einer Umfrage von Morning Consult wollen dieses Mal sogar noch mehr Amerikaner die Direktzahlungen sparen. Auch in anderen Bereichen ergeben sich Verschiebungen bei der Nutzung der dritten Stimulus-Schecks gegenüber den ersten Direktzahlungen aus dem Frühling des letzten Jahres:

Grafik über die Verwendung der Gelder aus den Stimulus-Schecks

Über die Hälfte der Erwachsenen, die von der Bundesregierung einen Stimulus-Scheck erhalten, gaben an, den größten Teil davon für laufende Haushaltskosten aufwenden zu müssen. In Haushalten mit 25.000 US-Dollar oder weniger Jahreseinkommen planen sogar 87,6 Prozent der Erwachsenen, ihre Stimulus-Schecks zur Deckung laufender Ausgaben zu verwenden. Diese Tatsache forciert die Diskussion innerhalb der Demokratischen Partei, über ein bedingungsloses Grundeinkommen nachzudenken, wenn die jetzigen finanziellen Unterstützungen auslaufen.

Wofür konkret wird das Geld ausgegeben?

Etwa 80 Prozent der Befragten gaben an, die Direktzahlungen auch für Lebensmittel und 77,9 Prozent für Miete, Hypotheken, Zinsen, Nebenkosten, einschließlich Gas, Strom, Kabelgebühren, Internet- und Mobilfunkkosten zu verwenden. Mehr als die Hälfte (58,2 Prozent) der Befragten gab an, die Stimulus-Zahlungen für Haushaltswaren (Weißware) und Körperpflegeprodukte auszugeben. Etwa ein Fünftel (20,5 Prozent) will ein Teil des Geldes in Kleidung investieren.

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Nur ein sehr geringer Teil von knapp über 8 Prozent möchte das Geld für neue Haushaltsgeräte wie Unterhaltungselektronik, Möbel oder Freizeitartikel wie Fitnessgeräte, Spielzeug und Spiele ausgeben. Die Umfrage des Census Bureau zeigt, wie wichtig die Stimulus-Schecks als finanzielle Nothilfe für viele Amerikaner zur Deckung der Grundkosten wie Wohnen, Ersatzinvestitionen (z. B. für kaputte Waschmaschinen) oder Nahrungsmittel sind.

Wer profitiert am meisten von den Stimulus-Schecks?

Kurz gesagt: die Bürger der USA. Das klingt zunächst banal, erklärt aber u. a. die Unterschiede zwischen den Entwicklungen der einzelnen Volkswirtschaften weltweit. So zum Beispiel das relativ hohe Wirtschaftswachstum von geschätzten 6,5 Prozent für die USA in diesem Jahr (Quelle: Economic projections of Federal Reserve Board) im Gegensatz zu den zuletzt für Deutschland von 4,0 auf 3,0 Prozent nach unten revidierten Wachstumszahlen. Die Staatsverschuldung in den USA fällt gemessen am Bruttoinlandsprodukt zum Ultimo 2020 dafür mehr als doppelt so hoch aus wie in Deutschland.

Auf der Mikroebene profitieren vor allen die Amerikaner am meisten von den Stimulus-Schecks, die das Geld zur Mehrung ihres Kapitalstocks nutzen können, anstatt es für laufende Ausgaben verwenden zu müssen oder es an der Börse verzocken.



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