Immobilien

Knappheit trifft auf hohe Nachfrage Wohnungsmiete im Schnitt +37 % in den letzten fünf Jahren

Die Wohnungsmiete in deutschen Großstädten ist in den letzten fünf Jahren im Schnitt um 37 % gestiegen. Hier einige Detaildaten.

Leere Wohnung

Die Wohnungsmiete in Deutschland wird immer teurer, und teurer, und teurer. Ein Effekt, der nicht sichtbar und nicht spürbar ist, aber der vorhanden ist: Durch die seit Jahresanfang schnell gestiegenen Bauzinsen ist der Immobilienkauf für viele Menschen unbezahlbar geworden. Die Monatsraten für den Kredit sind nicht mehr tragbar, zumal die hohe Inflation und hohe Baukosten dazu kommen. Und so drängen diese Immobilienkäufer, die nun doch nicht kaufen, auf den Markt für Mietwohnungen, und erhöhen dort die Anzahl der Nachfrager. Gleichzeitig sehen wir derzeit, dass die Bautätigkeit nachlässt. Denn auch für gewerbliche Projektentwickler werden bei den höheren Zinsen zunehmend Projekte unrentabel. Ein weniger stark wachsende Angebotsseite erhöht folgerichtig den weiteren Aufwärtsdruck auf die Wohnungsmiete. Der Trend zu höheren Mieten dürfte sich vermutlich fortsetzen, wohl auch weil durch die hohe Fluchtmigration aus der Ukraine die Anzahl der Nachfrager stark ansteigt. Schauen wir an dieser Stelle auf die massiven Steigerungen der letzten Jahre.

Bis zu 37 % höhere Wohnungsmiete binnen fünf Jahren

Mieten in deutschen Großstädten sind heute im Schnitt bis zu 37 Prozent höher als vor 5 Jahren. Das ergibt eine aktuelle Analyse des Portals Immowelt. Die Wohnungsmiete in deutschen Großstädten steigt seit Jahren nahezu unaufhaltsam an. Die Analyse vergleicht die Angebotsmieten von Wohnungen (40 bis 120 Quadratmeter, Bestand ohne Neubau) zwischen Januar und Oktober 2017 mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2022. Demnach hat sich die Wohnungsmiete (Kaltmiete) in den vergangenen 5 Jahren in allen 79 untersuchten Städten verteuert. In 33 Städten zahlen Wohnungssuchende aktuell sogar mindestens 20 Prozent mehr als noch 2017.

Bis zur Coronakrise erhöhten sich die Mieten in den meisten Großstädten laut Immowelt nahezu ungebremst. Im Zuge der Pandemie stockte das Wachstum in den größten Städten allerdings. Die Nachfrage verschob sich in Richtung kleinerer Großstädte, wo sich die Preise in der Folge deutlich verteuerten. Zuletzt haben die Mieten auch in den Metropolen wieder zugelegt. So ist der Immobilienkauf aufgrund der seit Jahresbeginn deutlich gestiegenen Bauzinsen für viele Menschen nicht mehr leistbar. Dadurch konzentriert sich die Nachfrage noch stärker auf den Mietmarkt, was sich preistreibend auswirkt.

Hochpreisige Städte werden immer teurer

In den ohnehin hochpreisigen Städten sind die Mieten in den vergangenen 5 Jahren laut Immowelt deutlich gestiegen. So sind die Angebotsmieten in München von 16,00 Euro auf 18,70 Euro pro Quadratmeter geklettert. Das entspricht einer Steigerung von 17 Prozent. In Stuttgart, der zweitteuersten Großstadt, zahlt man sogar 22 Prozent mehr für die Wohnungsmiete als vor 5 Jahren. Der Quadratmeter in der Schwabenmetropole kostet aktuell im Median 13,90 Euro. Damit sind Mietwohnungen in Stuttgart inzwischen teurer als in Frankfurt, wo die mittlere Angebotsmiete seit 2017 um 12 Prozent gestiegen ist und aktuell bei 13,50 Euro pro Quadratmeter liegt.

Etwas stärker fällt der prozentuale Anstieg laut Immowelt in Hamburg (12,50 Euro) und Köln (11,80 Euro) aus, wo sich Mietwohnungen seit 2017 um jeweils 18 Prozent verteuert haben. In Berlin (10,80 Euro) steht im gleichen Zeitraum ein Plus bei der Wohnungsmiete von 13 Prozent zu Buche. Für die Preissteigerungen ist insbesondere die ungebrochen starke Nachfrage nach Wohnraum bei gleichzeitig geringem Angebot verantwortlich. Zuletzt hat neben dem Anstieg der Bauzinsen und der daraus resultierenden Verschiebung der Nachfrage in Richtung Mietmarkt auch der Zuzug von Geflüchteten aus der Ukraine dafür gesorgt, dass sich die Mietpreise weiter erhöht haben.

Stärkste Anstiege in kleineren Großstädten

Noch stärkere prozentuale Anstiege als in den Metropolen gibt es in mehreren kleineren Großstädten. Diese haben vor allem im Zuge der Corona-Pandemie laut Immowelt eine steigende Nachfrage verzeichnet, als die Einführung von Home-Office das Arbeiten fernab der Metropolen ermöglicht hat. Am deutlichsten fällt das Plus in Rostock aus, wo sich die Wohnungsmiete (Angebotsmiete) seit 2017 um 37 Prozent erhöht hat. Während Wohnungssuchende vor 5 Jahren für den Quadratmeter noch 6,00 Euro zahlten, sind es aktuell bereits 8,20 Euro. Damit zählt Rostock allerdings immer noch zu den günstigeren Großstädten.

In Heilbronn (+34 Prozent) und Heidelberg (+29 Prozent) haben die Angebotsmieten ebenfalls einen großen Sprung gemacht. Mit Quadratmeterpreisen von 11,00 Euro bzw. 12,50 Euro liegt das Preisniveau für die Wohnungsmiete in beiden Städten laut Immowelt allerdings deutlich über dem von Rostock. Wer hingegen eine Mietwohnung in Hildesheim (7,70 Euro; +28 Prozent) oder Pforzheim (9,40 Euro; +27 Prozent) sucht, zahlt trotz starker Preisanstiege nach wie vor weniger als 10 Euro für den Quadratmeter.

Geringstes Plus in Salzgitter, Ingolstadt und Chemnitz

Doch nicht in allen Großstädten liegen die prozentualen Mietpreisanstiege im zweistelligen Bereich. Insgesamt sind die Angebotsmieten in 21 von 79 untersuchten Großstädten laut Immowelt langsamer gestiegen als die Inflation. Am geringsten fällt die Veränderung der Wohnungsmiete im niedersächsischen Salzgitter (+4 Prozent) und im bayerischen Ingolstadt (+5 Prozent) aus. Daneben haben sich Mietwohnungen auch in mehreren ostdeutschen Großstädten seit 2017 nur moderat verteuert: Sowohl in Dresden und Halle (jeweils +9 Prozent) als auch in Magdeburg (+7 Prozent) und Chemnitz (+6 Prozent) liegt der prozentuale Zuwachs deutlich unter der Inflationsrate von etwa 15 Prozent im gleichen Zeitraum.

Eine Außnahme ist Leipzig, wo die Angebotsmieten in den vergangenen 5 Jahren um 25 Prozent geklettert sind. Dank attraktivem Freizeit- und Kulturangebot und einer renommierten Universität ist die sächsische Großstadt vor allem bei jungen Erwachsenen beliebt, so Immowelt. In den kommenden Jahren könne es jedoch auch in anderen ostdeutschen Großstädten zu deutlich stärkeren Steigerungen der Wohnungsmiete kommen. Dafür würden insbesondere die zunehmende Ansiedlung von Industrieunternehmen im Osten sowie das bisher vergleichsweise niedrige Preisniveau sprechen. In Zukunft könnte die Nachfrage nach Wohnraum in ostdeutschen Städten somit deutlich zunehmen.



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