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Ukraine-Krieg und Zinswende als Hauptgründe Wohnungsmiete in Deutschland deutlich verteuert in 2022

Die Wohnungsmiete in Deutschland hat sich deutlich verteuert in 2022 mit bis zu 13 % Plus. 75 und 79 Städte sahen Anstiege. Hier die Details.

Leere Wohnung

Es ist ein verständliches Phänomen. Durch den Ukraine-Krieg sind viele Menschen in sehr kurzer Zeit neu ins Land gekommen. Und diese Menschen benötigen Wohnraum. Und die schnell steigenden Zinsen verlangsamen gleichzeitig den Neubau von Wohnungen. Dieser von beiden Seiten (Nachfrage und Angebot) wirkende Effekt bewirkt, dass sich die Wohnungsmiete in Deutschland im letzten Jahr deutlich verteuert hat! Dazu wurden heute neueste Daten veröffentlicht.

Wohnungsmiete in 2022 deutlich teurer

75 von 79 untersuchten Städten in Deutschland zeigten im vergangen Jahr einen Anstieg der Wohnungsmiete (Angebotsmiete) im Vergleich der Jahre 2022 zu 2021. Der stärkste Anstieg lag sogar bei 13 Prozent, so die präsentierten Daten des Portals immowelt. Wie kommt es? Nachdem die Mietpreisentwicklung 2021 spürbar an Dynamik verloren hatte, ist es 2022 vielerorts laut immowelt wieder zu deutlicheren Anstiegen bei der Wohnungsmiete gekommen. So sind die Angebotsmieten im vergangenen Jahr in 34 Städten um mindestens 5 Prozent nach oben geklettert – 2021 war dies nur in 23 Städten der Fall. Zum einen liegt das am starken Anstieg der Bauzinsen innerhalb der vergangenen 12 Monate (laut Interhyp seit Anfang 2022 gestiegen von 1,00 % auf aktuell 3,89 %). Viele Menschen können sich folglich den Immobilienkauf nicht mehr leisten und die Nachfrage nach Mietobjekten steigt, was die Mietpreise wiederum nach oben treibt. Zum anderen hat der Zuzug von Geflüchteten aus der Ukraine für zusätzlichen Druck auf dem Mietmarkt gesorgt. Neben den steigenden Kaltmieten werden Mieter auch durch die wachsenden Nebenkosten immer stärker belastet.

Millionenstädte werden immer teurer

In den ohnehin teuren Metropolen haben sich Mietwohnungen von 2021 auf 2022 weiter verteuert. In München sind die Angebotsmieten laut immowelt im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent gestiegen und liegen aktuell im Median bei 18,70 Euro pro Quadratmeter. Vor einem Jahr zahlten Wohnungssuchende in Deutschlands teuerster Großstadt noch 18 Euro Wohnungsmiete für den Quadratmeter. In Hamburg haben sich die Mieten von Bestandswohnungen innerhalb von 12 Monaten sogar um 7 Prozent erhöht und liegen derzeit bei 12,50 Euro. Etwas günstiger wohnen Mieter in Berlin (10,90 Euro) und Köln (11,90 Euro), wenngleich die Quadratmeterpreise auch dort zugelegt haben. In der deutschen Hauptstadt sind die Angebotsmieten von 2021 auf 2022 um 5 Prozent geklettert, in Köln beträgt der Zuwachs 2 Prozent. Die Anstiege in den deutschen Millionenstädten liegen vor allem an der ungebrochen hohen Nachfrage auf dem Mietmarkt, bei gleichzeitig begrenztem Angebot. Die Bundesregierung hatte für 2022 zwar eine Wohnungsbau-Offensive angekündigt, verfehlte ihr selbst gesetztes Neubauziel aber deutlich. Durch den schleppenden Neubau könnte sich der Wohnungsmangel in den Metropolen laut immowelt zukünftig noch verschärfen.

Stuttgart überholt Frankfurt

Neben den Millionenstädten haben sich Mietwohnungen auch in anderen hochpreisigen Großstädten weiter verteuert. So sind etwa in Stuttgart die Angebotsmieten laut immowelt um 3 Prozent gestiegen und liegen aktuell im Median bei 13,90 Euro pro Quadratmeter. Damit ist die Schwabenmetropole hinter München nun die zweitteuerste Großstadt Deutschlands und hat Frankfurt am Main überholt. In der Mainmetropole sind die Mietpreise im vergangenen Jahr dagegen minimal gesunken: Nach einem Minus von einem Prozent kostet die Wohnungsmiete pro Quadratmeter derzeit 13,50 Euro. Nachdem der Mietpreisanstieg bereits 2021 praktisch zum Erliegen gekommen war, ist in Frankfurt nun scheinbar die Grenze des Bezahlbareren erreicht und die Mietpreise sinken zum ersten Mal seit Jahren leicht. In anderen hochpreisigen Städten nimmt der Mietpreisanstieg hingegen kein Ende. So verzeichnet etwa Freiburg (12,60 Euro) ein Plus von 4 Prozent, während der Zuwachs in Heidelberg (12,50 Euro) sogar bei 7 Prozent liegt. In Darmstadt (12 Euro; +4 Prozent) und Mainz (11,80 Euro; +2 Prozent) haben sich die Angebotsmieten ebenfalls weiter erhöht.

Stärkste Anstiege in Lübeck und Potsdam

Auch in Städten, die bislang nicht zu den kostspieligsten Pflastern zählten, werden Mietwohnungen immer teurer. Am stärksten fallen die prozentualen Zuwächse dabei in mehreren kleineren Großstädten aus. Diese haben bereits während der Corona-Pandemie eine steigende Nachfrage verzeichnet, als die Einführung von Home-Office das Arbeiten fernab der Metropolen ermöglicht hat. Auch Wohnungssuchende, die sich das Leben in den größten Städten nicht mehr leisten können, konzentrieren sich zunehmend auf kleinere Großstädte, was die Wohnungsmiete weiter nach oben treibt. Am größten fällt das Plus in Lübeck aus, wo der Quadratmeter nach einem Anstieg von 13 Prozent im Median laut immowelt 9,80 Euro kostet. Dahinter folgt Potsdam mit einem Zuwachs von 11 Prozent binnen eines Jahres auf 10,90 Euro pro Quadratmeter. Die Angebotsmieten in der Landeshauptstadt Brandenburgs sind damit inzwischen genauso hoch wie in Berlin. Auch in Münster und Reutlingen steigen die Mieten im zweistelligen Bereich: Nach einem Plus von jeweils 10 Prozent kostet der Quadratmeter in beiden Städten mittlerweile 11 Euro.

Günstige Mietwohnungen finden Wohnungssuchende dagegen vor allem im Ruhrgebiet und im Osten Deutschlands. Am geringsten fallen die Angebotsmieten in Chemnitz aus, wo die Wohnungsmiete pro Quadratmeter 5,30 Euro kostet (+1 Prozent). Auch in Magdeburg (6,20 Euro; +3 Prozent) und Halle (6,30 Euro; +3 Prozent) wohnt es sich laut immowelt vergleichsweise preiswert. Das Gleiche gilt für Ruhrgebietsstädte wie Hagen (6 Euro; +3 Prozent) oder Gelsenkirchen (6,20 Euro; +3 Prozent). Vor allem in den Großstädten Ostdeutschlands könnten die Nachfrage nach Wohnraum und folglich die Mietpreise in den kommenden Jahren jedoch deutlich zulegen. Dafür sprechen die zunehmende Ansiedlung von Industrieunternehmen im Osten sowie das bisher vergleichsweise niedrige Preisniveau.



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2 Kommentare

  1. Wenn jedem Ukraine-Flüchling Bürgergeld (und die damit verbundenen Wohnungsgrößen) zusteht, dann ist das sicherlich nicht zu beanstanden, aber dann werden Wohnungen natürlich noch knapper. und teurer.
    Die damit verbundenen anderen Wohltaten, wie kostenloser Zahnersatz, keine Zuzahlung zu Medikamenten usw., wird sicherlich durch eine Erhöhung des Zusatzbeitrages bei den gesetzlichen Krankenkassen ausgeglichen werden können.
    Läuft es dann bei den Rentenansprüchen auch so wie bei der Deutschen Einheit, oder müssen Rentenbeitragszeiten in der Ukraine nachgewiesen werden?
    Aber, genau für diese Menschen, die vor dem Krieg flüchten mussten, nämlich hauptsächlich Frauen und Kinder, muss gesorgt werden.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Nicht vergessen, die Mietzinsen sind nachlaufend und werden erst in wenigen Monaten in der Statistik erscheinen.Man könnte ja auch wieder einen Mietdeckel erfinden, in Berlin hat man schon geübt und gute Erfahrungen gemacht. So oder so die Inflation wird nicht so schnell verschwinden.

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