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Wohnungsmieten explodieren – Mitverantwortliche beschweren sich am lautesten

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Eine der unsozialsten Nebenwirkungen der Eurorettungspolitik ist die Entstehung einer Immobilienblase in Deutschland – nebst explodierender Wohnungsmieten. Die mitverantwortlichen Volksvertreter verschweigen diesen Zusammenhang beharrlich.

Zinsen runter – Wohnungsmieten rauf

Die zur Rettung der Eurozone von Mario Draghi seit 2012 propagierte Geldpolitik des „What ever it takes“ schlägt über den Zinsschwund und den daraus resultierenden Preisboom bei Immobilen mehr und mehr auch auf die Wohnungsmieten durch. Wer viel für seine Immobilie bezahlt, benötigt natürlich auch deutlich höhere Einnahmen, um überhaupt noch eine real positive Mietrendite erzielen zu können.

Zudem bringen immer mehr Südeuropäer ihr Vermögen in den Norden Europas in Sicherheit, auch nach Deutschland. Im Zweifel wird die hier erworbene Immobilien eines Tages wieder in einer deutschen Nationalwährung bepreist und nicht in Drachme oder Lira. Wir hier in Berlin und im umliegenden Speckgürtel können ein Lied von dieser preistreibenden Auslandsnachfrage singen.

Wohnungsmieten – Explosion erzeugt Existenznöte

In Berlin haben sich die Wohnungsmieten seit 2005 verdoppelt, wohingegen die Reallöhne nur um knapp 12 Prozent zulegten. Die Wohnausgaben liegen für ein Siebtel der Deutschen bereits über 40 Prozent des verfügbaren Einkommens (Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion). Gründe genug für die linke Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher einen Mietendeckel auf 7,79 Euro zu fordern.

Dabei waren es doch gerade die etablierten Parteien, auch die Linke, die jedes Eurorettungspaket im Bundestag durchwinkten. Die Zinspolitik der EZB wurde zwar hier und da medienwirksam angeprangert aber schlussendlich immer mitgetragen. Der Gipfel der Heuchelei ist die via Hinterzimmer-Deals ins Spitzenamt der EZB gehobene designierte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Die noch Chefin des IWF hat bereits angekündigt, die Zinsen tief in den negativen Bereich absenken zu wollen (bis zu -5 Prozent), wenn es zum Erhalt der Eurozone notwendig ist.

Effektivzins für Hypothekendarlehen in Dtl. von 1994-2018 (Statista)

Die Extrementwicklung bei den Zinsen hat sich jüngst weiter zugespitzt und ist in dem obigen Chart noch nicht ersichtlich. Analog zu den neuen Allzeittiefstständen bei den deutschen Umlaufrenditen sinken auch die Refinanzierungskosten weiter: Die Sparkassen bieten Hypothekendarlehen aktuell bereits bei adäquater Bonität ab 0,44 Prozent eff. Jahreszins an. Da die Darlehenszinsen negativ korrelieren mit den Immobilienpreisen (steigen), bleibt die Zins-Preis-Mieten-Spirale voll in Gang.

Entwicklung des Mietpreisindex für Deutschland von 1995 bis 2017 (2010=100, Statista)

Daran wird sich vorläufig auch nichts ändern. Im Gegenteil ist aus zwei Gründen zu erwarten, dass das skandinavische Phänomen des negativen Hypothekenzinses auch bei uns Einzug hält: Erstens schwingt die europäische Wirtschaft gerade ab, was die EZB zu weiteren Zinssenkungen nötigt und zweitens kommt mit Christine Lagarde eine Frau an die Spitze der EZB, die noch ganz andere Kaliber in Sachen Geldpolitik auffahren könnte (Schwundgeld/ umlaufgesichertes Geld).

Konklusion

Die Explosion der Wohnungsmieten als Folge des zinsinduzierten Immobilienbooms zeigt, dass wir in Sachen Eurorettung alle in einem Boot sitzen: Ein Boot, das sich auf einer Stromschnelle Richtung Abgrund bewegt – Aussteigen oder Umkehren sind keine Optionen mehr.

Würden die Zinsen steigen, zerbräche die schuldengeplagte Eurozone und triebe große Teile der Bevölkerung in die Armut. Wird die Eurozone hingegen weiter mittels Null- und Negativzinsen inkl. Kreditgeldschwemme am Leben erhalten, steigen Hauspreise und Mieten weiter schneller als das Einkommen der normalen Bevölkerung (siehe der Cantillon-Effekt).

Die einzige Möglichkeit für Sie als Individuum, die negativen Folgen dieses Dilemmas abzumildern, ist es, Ihren Informationsvorsprung zu nutzen. Orientieren Sie sich an einer Anlagestrategie die es ermöglichen könnte, die finanziellen Repressalien zumindest teilweise zu kompensieren.

Die Wohnungsmieten expodieren immer weiter

23 Kommentare

23 Comments

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    Münzsammler

    30. August 2019 13:29 at 13:29

    Hallo Herr Fugmann, seit wann wohnen Sie in Berlin? Dachte Sie sind ein Münchner im Hamburger Exil.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      30. August 2019 13:38 at 13:38

      @Münzsammler, ich wohne in Hamburg – anfangs war der Artikel fälschlicherweise mit mir als Autor gekennzeichnet, aber der Artikel ist von Herrn Zipfel..

      • Avatar

        flieg

        31. August 2019 23:11 at 23:11

        Hallo Herr Fugmann,

        wurde Herr Zipfel irgendwo einmal vorgestellt? Ich finde ihn weder bei den Redakteuren noch bei den Gast-Autoren?

        • Markus Fugmann

          Markus Fugmann

          1. September 2019 13:37 at 13:37

          @flieg, Herr Zipfel ist erst seit kurzem als Autor dabei – und wird sehr bald in die von Ihnen angesprochenen Rubriken eingetragen..

  2. Pingback: Aktuelles vom 30. August 2019 | das-bewegt-die-welt.de

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    Schmul Rosenzweig

    30. August 2019 14:47 at 14:47

    Im Artikel wird von der wahren Ursache abgelenkt bzw. man erkennt sie nicht.
    Ein Vermieter kann nur den Mietpreis verlangen welchen der Markt hergibt.
    Bis 2015 wurde gesagt in D. müssten eigentlich jährlich ca. 400.000 Wohnungen gebaut werden (dies geschah nie).
    Dann wurden die Grenzen geöffnet und es kamen bisher ca.2-3 Mio. junge Männer (Facharbeiter ,Arzte und sonstige Akademiker).
    Da diese zu ca.99,9% noch immer arbeitssuchend sind ,wird ihnen unter anderem auch die Miete (gern etwas erhöht) vom Sozialstaat gezahlt.
    Was würde passieren ,wenn die 3Mio. Männer sofort wieder Heim gehen und als Mieter wegfallen ?

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      Michael

      30. August 2019 16:33 at 16:33

      @Schmul Rosenzweig, bereits im Jahr 2014, also vor der großen Flüchtlingswelle, lag das Verhältnis von Miete zu Einkommen, auch Mietbelastung genannt, in vielen Regionen an oder über der als kritisch betrachteten Grenze von 30%
      https://www.immonet.de/service/fileadmin/presse/presseservice/2014/140917_Immonet_Grafik_Miete_Einkommen.pdf

      Nur weil ein Markt etwas hergibt, lässt sich daraus noch kein Recht ableiten, dies auch bis Oberkante Unterlippe auszunutzen. Diesen Marktinteressen stehen nämlich Menschenrechte auf bezahlbares, menschenwürdiges Wohnen gegenüber. Ganz interessant dazu:
      https://www.fr.de/fr-serien/menschenwuerdiges-wohnen-menschenrecht-11200140.html

      Es steht dabei völlig außer Frage, dass gestiegene Kosten bei Neubau, Kauf oder Sanierung auch weitergereicht werden sollten, um einen adäquaten Kaufpreisfaktor zu gewährleisten. Diesem muss jedoch die Mietbelastung gegenüber gestellt werden und dann gilt es einfach, einen guten und gangbaren Mittelweg zu finden.

      Nun hat sich ja die Einwohnerzahl in Deutschland bei weitem nicht in dem Maße entwickelt, wie Sie es etwas plakativ in Ihren Migrantenzahlen anführen. Seit 2014 stieg die Einwohnerzahl um etwa 1,8 Mio., seit 2008 sogar nur um etwa 1 Mio.

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      Michael

      30. August 2019 16:39 at 16:39

      Ich versuchs nochmal mit einem Zeilenumbruch im ersten Link, vielleicht ist der an dem nicht vorhandenen Umbruch des ganzen Textes Schuld.

      @Schmul Rosenzweig, bereits im Jahr 2014, also vor der großen Flüchtlingswelle, lag das Verhältnis von Miete zu Einkommen, auch Mietbelastung genannt, in vielen Regionen an oder über der als kritisch betrachteten Grenze von 30%
      https://www.immonet.de/service/fileadmin/presse/presseservice/
      2014/140917_Immonet_Grafik_Miete_Einkommen.pdf

      Nur weil ein Markt etwas hergibt, lässt sich daraus noch kein Recht ableiten, dies auch bis Oberkante Unterlippe auszunutzen. Diesen Marktinteressen stehen nämlich Menschenrechte auf bezahlbares, menschenwürdiges Wohnen gegenüber. Ganz interessant dazu:
      https://www.fr.de/fr-serien/menschenwuerdiges-wohnen-menschenrecht-11200140.html

      Es steht dabei völlig außer Frage, dass gestiegene Kosten bei Neubau, Kauf oder Sanierung auch weitergereicht werden sollten, um einen adäquaten Kaufpreisfaktor zu gewährleisten. Diesem muss jedoch die Mietbelastung gegenüber gestellt werden und dann gilt es einfach, einen guten und gangbaren Mittelweg zu finden.

      Nun hat sich ja die Einwohnerzahl in Deutschland bei weitem nicht in dem Maße entwickelt, wie Sie es etwas plakativ in Ihren Migrantenzahlen anführen. Seit 2014 stieg die Einwohnerzahl um etwa 1,8 Mio., seit 2008 sogar nur um etwa 1 Mio.

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    Schmul Rosenzweig

    30. August 2019 18:30 at 18:30

    @Michael
    Aha ,Sie meinen also es kommt nicht auf ca. 2Mio. neuen Mieter + Faktor 5 der potentiellen Familiennachzügler an ? Also jährl, eine Stadt von ca. 300.000 Einwohnern.
    Wenn diese Leute mit ihrem Paten zum Vermieter gehen ,haben die Paten sehr gute finanzielle Argumente um den Vermieter zu überzeugen an ihre Schützlinge zu vermieten.
    Das treibt nochmals die Mietpreise.
    Mehr Nachfrage erhöht nicht den Marktpreis .

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      Michael

      30. August 2019 19:55 at 19:55

      @Schmul Rosenzweig, ich schreibe nur, wie sich die Einwohnerzahl in Deutschland entwickelt hat. Und dass ich so meine Zweifel hege, dass eine Bevölkerungsentwicklung von +1,2% (= 100.000 Einwohner p.a.) seit 10 Jahren für eine Steigerung des Mietpreisindex von 13,5% im selben Zeitraum ursächlich ist. Fast in ganz Süddeutschland und einem riesigen Speckgürtel um Berlin sind die Mieten um fast 25%, in vielen Städten schon auch einmal um 100% und mehr gestiegen. Es gilt noch zu bedenken, dass nicht jeder der 1,2% eine eigene Wohnung benötigt, die durchschnittliche Haushaltsgröße liegt bekanntermaßen bei 2. Auf potenzielle Nachzügler kommt es natürlich nicht an, solange diese nur potenziell sind.

      Die Gründe müssen also auch an anderen Ursachen festzumachen sein. Das ist einerseits natürlich die unselige Zinspolitik der Notenbanken, die viele Anleger in die Immobilienblase treibt. Zum anderen sind es zahlreiche Spekulanten aus Russland, Italien, USA, Israel, Irland, China usw., denen deutsche Städte und Regionen noch immer als Schnäppchen im internationalen Vergleich erscheinen.

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    Immobilionär

    31. August 2019 13:41 at 13:41

    @Michael, sie haben als Spekulant irgendwelcher Produkte sicher mitbekommen ,dass die Notenbanken
    die ganzen Märkte verzerrt haben, worunter auch die Immobilienpreise.Dass sie den privaten Immobilienbesitzern zumuten infolge Menschenrecht auf Wohnen,auf Marktpreise zu verzichten finde ich äusserst naiv.Gibt es auch ein Menschenrecht, dass alle Leute in einer Grossstadt wohnen müssen.Wenn schon müsste der Staat das machen, wie wir wissen hat der Staat als Immobilienverwalter total versagt u.zu Schnäppchenpreisen verkauft als es in den 1990 erJahren ein Verlustgeschäft infolge hohen Zinsen war.
    Ein bekannter Immo-Journalist hat damals geschrieben, IMMOBILIEN KÖNNE MAN AUF JAHRZEHNTE VERGESSEN, weil Renditen auf sicheren Staatsanleihen über 7% lagen ( USA sogar 14%)
    Es gibt Mieter ,die nie kaufen möchten, auf ihren Anlagen mindestens 10% Rendite erwarten u.dem Vermieter keine 5% gönnen. Schizophren hoch 5.

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      Michael

      31. August 2019 19:43 at 19:43

      @Immobilionär, vermutlich habe ich mich etwas unklar oder missverständlich ausgedrückt. Ich war es doch, der die Zinspolitik der Notenbanken thematisiert hat. Ich plädiere doch für angemessene Renditen von mindestens 5% für Vermieter. Für einen gangbaren Mittelweg und fairen Kompromiss zwischen den Interessen von Mietern und Vermietern. Ok, ich unterscheide zwischen seriösen Vermietern und wüsten Spekulanten. Entsprechend gestiegene Baupreise bei Neubauten, Modernisierung und Sanierung müssen selbstverständlich auch weitergereicht werden, um Vermietern einen passablen Kaufpreisfaktor zu gewährleisten. Anders sieht es allerdings bei der ungleich wesentlich höheren Anzahl von Bestandsmieten in kaum oder unsanierten Gebäuden aus. Zwei neue Fenster rechtfertigen noch lange keine Mieterhöhung um 50% auf Lebenszeit.

      Was ich noch nie verstanden habe, ist die Argumentation, dass unersättliche Märkte und hemmungslose Marktpreisentwicklungen quasi wie ein unumstößliches Naturgesetz betrachtet werden, dem sich alles und jeder unterzuordnen hat. Und dass jeder, der einen oder mehrere weitere Aspekte oder Blickwinkel einbringt, als äußerst naiv eingeschätzt wird. Haben nicht gerade die Märkte und die unregulierte Gier, die auch als freie Marktpreisentwicklung bezeichnet wird, schon so oft ganze Gesellschaften in Krisen geführt? Und waren es dann die Verursacher, die „Märkte“, die diese Katastrophen ausgebadet und wieder ausgebügelt haben, oder waren es die Spekulationsgüter, auch als kleine Steuerzahler bezeichnet?

      Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Zwei meiner besten Freunde sind seit Mitte der 80er Jahre in Berlin als Hausverwalter und Makler für Verkauf und Vermietung tätig. Eines der ganz frühen Projekte war ein ganz typisches Haus in Berlin-Charlottenburg, in sehr guter und dennoch ruhiger Lage sehr nahe am Ku’damm (Weimarer Straße). 4 Etagen mit je zwei gegenüberliegenden Wohnungen, ein nicht ausgebautes Dachgeschoss. Eigentümer war ein Prinz irgendwo aus dem arabischen Raum. Dieser hatte die Immobilie zu Beginn der 80er für etwa 400.000 DM erworben. 1989, in den weltpolitischen Wirren und der neuen Goldgräberstimmung der freien Märkte, wurde das Haus häppchenweise, sprich in einzelnen Stockwerken an Spekulanten verkauft. Jedes Stockwerk für 400.000 DM, Faktor 4 + Dachgeschoss für den Prinzen! In der ersten Hälfte der 2000er Jahre wurde schließlich jede einzelne Wohnung an neue Spekulanten verkauft, für 400.000 EUR, also nochmal Faktor 4! Für den letzten Schritt musste jedoch das Problem der teilweise seit Lebzeiten oder Generationen dort wohnenden Bestandsmieter neutralisiert werden. Die Mittel dafür waren „offizieller“ Eigenbedarf, vorgeschobene Modernisierungsabsichten und sogar Rauskaufen für ein paar EUR, die zumindest fairste Lösung.

      Sie stellen die Frage Gibt es auch ein Menschenrecht, dass alle Leute in einer Grossstadt wohnen müssen? Natürlich müssen nicht alle in einer Großstadt wohnen oder dorthin ziehen, aber was hat das mit all den Millionen an Bestandsmietern zu tun, die seit vielen Generationen dort leben? Gibt es ein Menschenrecht für Multi-Millionärs-Erben, so viele Menschen wieder und wieder aus ihren gewohnten Verhältnissen zu vertreiben, nur weil ein neuer Bezirk gerade angesagt ist?
      https://interaktiv.morgenpost.de/mietkarte-berlin/
      (Bitte einmal die Regler bei Wohnungsgröße und Einkommen betätigen, um den Verdrängungsprozess, ich korrigiere, die Marktmechanismen aufzuzeigen).

      In den 1990er Jahren war Vermietung und Verpachtung übrigens alles andere als ein Verlustgeschäft aufgrund der hohen Zinsen. Vor allem nicht in Berlin. Aber das Weiterverscherbeln zu mindestens 100% nach der Spekulationsfrist war einfach so viel reizvoller.

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    Schmul Rosenzweig

    31. August 2019 15:59 at 15:59

    Michael. Das Baukosten gestiegen sind mag sein ,das ist aber seit 1945 durchgehend so und wurde immer umgelegt.
    Sie können hier versuchen die Fachkräfteinvasion zu verharmlosen.
    Es sind seit 2015 ca. 2 Mio.+X gekommen um zu bleiben.
    Bei eigentlich schon fehlendem Wohnraum von 400.000 Wohnungen jährlich können Sie schreiben was sie wollen.
    Es hat genau vorliegende Auswirkungen ,wenn innerhalb von 4 Jahren solch eine Masse auf den Wohnungsmarkt drückt.
    Gerade diese „Fachkräfte“ wollen ja in die Ballungsräume und verschärfen das Problem tägl..
    Könnte man sie über Nacht weg zaubern hätten wir enormen Leerstand und die Mietpreise würden sofort einbrechen.

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      leftutti

      31. August 2019 20:36 at 20:36

      @Schmul Rosenzweig, was verstehen Sie unter Fachkräfteinvasion? Eine Google-Suche hat leider nichts ergeben. Es besteht ein allgemeiner Wunsch nach Sachlichkeit und der Vermeidung von Begriffen, die der persönlichen Überlegenheit, Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit und Anmaßung dienen. Um nicht in irgendwelche unerwünschten Themengebiete abzudriften, die mit den Kernthemen einer Finanzmarktwelt nichts zu tun haben und viele Leser damit extrem nerven, wäre es wünschenswert, wenn Sie in klaren und für jedermann verständlichen Worten sprechen würden.

      Bei klarer und ehrlicher Ausdrucksweise müsste keiner etwas hinzu oder weg zaubern und niemand könnte auf den Gedanken kommen, ein rassistischer Troll unter völlig neuem Namen eröffnet eine neue Front. Verzeihen Sie den Vergleich, aber der Duktus erinnert einfach zu sehr an vorherige Kommentare unter anderem Namen.

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      Michael

      1. September 2019 14:31 at 14:31

      @Schmul Rosenzweig, soweit ich weiß, ist eines der Hauptprobleme am Wohnungsmarkt der steigende Wohnraumbedarf in qm pro Kopf. Viele wollen einfach in größeren Wohnungen leben, vor allem die Anzahl der Singlehaushalte mit einem Bedarf um die 67 qm steigt laufend weiter. Obwohl die Haushalte im Mittel immer kleiner und vor allem Ein-Personenhaushalte immer häufiger werden, steigt der Raumbedarf. Ältere Haushalte belegen viel Wohnraum, weil Eltern nach Auszug der Kinder oft in der großen Familienwohnung bleiben.
      https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wohnflaeche#textpart-3

      Der Bedarf an Eigenheimen und Eigentumswohnungen steigt stark an. Sehr oft wird völlig am Bedarf vorbei gebaut. Wo kleinere Ein-Zimmer-Wohnungen gesucht sind, existiert ein Überhang an größeren Wohnungen u.u. Dies gilt nicht nur im Bestand, sondern auch bei Neubauten. Die Flüchtingswelle mag die Situation vorübergehend kurzzeitig verschärft haben, Ursachen und Auslöser für die Wohnungsnot sind jedoch schon viel früher und woanders zu suchen.

      https://www.sueddeutsche.de/politik/sz-serie-schaffen-wir-das-wo-sie-geblieben-sind-1.4124185

      • Avatar

        Michael

        1. September 2019 16:00 at 16:00

        Zum Thema Eigenheim und Eigentumswohnungen ist mir doch glatt ein Absatz entfleucht:

        Der Bedarf an Eigenheimen und Eigentumswohnungen steigt stark an. Für den Nachfragezuwachs sorgen dabei die Eigentümerhaushalte (+16,2%), während die Wohnflächennachfrage der Mieter für Deutschland insgesamt rückläufig ist (-4,9%) … Es zeigt sich, dass die positive Entwicklung der Baugenehmigungen von ca. 285.000 in 2014 bereits zu einem Niveau geführt hat, das über den Prognoseergebnissen liegt.
        https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/WohnenImmobilien/Wohnungsmarktprognosen/Fachbeitraege/Prognose2030/Prognose2030_node.html

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    md

    31. August 2019 23:59 at 23:59

    ich muss auch einlenken. einer der großen ursachen ist ganz einfach.
    wir sind ein assoziales land geworden seit spd und grünen 1998 das ruder übernommen haben so einfach ist das zu erklären.
    ich muss es als beispiel erläutern:
    ich wohne an der grenze zu frankreich. in der 80 ern 90 ern war es so das ein arbeiter bei uns 3000 mark verdient hat für die gleiche arbeit hat ein franzose 3000 franc ( umgerechnet 1000 mark verdient ). also das verhältnis war quer beet durch alle berufe 1 zu 3. mein arbeitskollege ist rüber gezogen weil natürlich er in frankreich viel weniger steuern bezahlt. er hat 4000 netto gehabt, ich in deutschland 3000 ( beide in der gleichen firma beschäftigt gleicher beruf ). also hat er schon mal 1000 mehr verdient. er hat sich ein schönes efh gekauft für 65.000 mark in frankreich.
    heute verdienen die franzosen für die gleiche arbeit genauso viel wie wir bzw manche sogar mehr. strom wasser kostet die hälfte. sozialleistungen sind viel besser. mein kollege habe ich dem letzt gesehen er hat dieses haus für 285.000 euro verkauft.
    die immobilienpreise in frankreich sind teurer wie bei uns, zu den alten zeiten unvorstellbar. in metz kriegst du eine altbauwohnung nicht unter 2-3000 euro/qm.
    die mieten sind genauso hoch bzw manchmal sogar höher als bei uns.

    wir dürfen nicht den fehler machen und von oben nach unten jetzt versuchen zu regulieren. wir müssen schauen was wir mit der unterschicht und den geringverdienern unten angerichtet haben. wir haben diese menschen vernachlässigt. die spd grünen regierung hat seinerzeits ja verlogene umfragen erstellt wonach wir unsere nächsten generationen ein schuldenfreies land übergeben wollen. und deshalb sparen wir wo es nur geht. geiz ist geil politik auf unterer ebene ist einfach nur assozial. ich habe mal die „hart aber fair“ sendung gesehen da gings um ne 5 oder 10 euro erhöhung für sozi empfänger. wie abscheulich war die spd und grünen vertreter. die waren strikt dagegen weil die sozi empfänger das geld in zigaretten und alkohol investieren würden. das geld solle in die bildungskasse. bildung muss gefördert werden, alles geld fliesst in die bildungskasse aber kindergartenplätze werden teurer und für schulkinder wird auch alles teurer.
    und die erlaubte miethöhe vom sozi satz ist erst vor kurzem angehoben wurden. die mietsätze in fronkreich liegen auch höher.
    also was haben wir auf der hand:
    frankreich:
    bessere sozialleistungen
    weniger steuern auf einkommen
    wasser hälfte billiger
    strom hälfte billiger
    mietzuschüsse für kinderreiche familien
    deshalb auch höhere mieten

    deutschland:
    wasser, strom alles teurer – wenn ich mir schon von der roth und künast im fernsehen erklären lassen muss wie ich strom zu welchen uhrzeiten verbrauchen soll, und mein wasserverbrauch durch weniger waschen mindern kann, dann muss man schon das „dummer michel“ ertragen können/müssen.
    ausserdem sind auf vermieter soviele regulierungen gekommen ich glaube die gibts auch nur bei uns.

    letztens habe ich den hubertus heil gelesen der ja die renten erhöhen will, liebenswert, aber dafür muss welche steuer kommen, :) die co2 steuer soll die rentenkassen füllen. da macht man soviel wirbel um die umwelt und die steuer muss kommen und fliesst zum teil in die rentenkasse.

    in jedem supermarkt gibts ne flasche wein für 2 euro, bier die dose für 40 cent. warum erhebt man nicht hier ordentliche steuern. sogar in der türkei kostet ne dose bier – billigste 2,20 euro :). also alkohol zigaretten steuern rapide hoch.
    sozi empfänger und geringverdienern stadtliche erhöhungen. und mietsätze auf frankreich niveau. lohnerhöhungen für alle arbeitnehmerschichten. ich meine wenn ich mir die dividenden von unternehmen ansehe verdienen die doch alle sehr gutes geld.

    und noch was, hört auf bitte immer konservative meinungen als afd ler zu entlarven.
    mein sohn wird bald 18 und fragt mich ob er den deutschen pass oder türkischen pass behalten soll. meine antwort war:
    mein sohn egal, du hast mit beiden pässen probleme. wenn du den türkischen behälst, hast du ein problem mit zb der afd ( gegen ausländer ) falls du den deutschen pass holst hast du ein problem mit den deutsch hassern der grünen. die grünen mögen deutsche nicht :). wenn du mal irgenwo mit deutschen erfindern prahlen willst kommt sofort ein grüner und erzählt dir wieviel menschen dabei ums leben gekommen sind oder welche umweltschäden durch diese erfindung entstanden ist. und erschwerend kommt dazu das du konservativ erzogen wurdest. damit kommst du, wenn die grünen an die macht kommen, nicht weit in deinem leben.
    also sitzt du in der zwickmühle. die politische medaille, auf der einen seite die grünen partei und auf der anderen seite die afd, ist die unnötigste und schlimmste was deutschland passieren konnte. beide parteien sind unnötige störenfriede.

    das wars von meiner seite. leftutti du darfst loslegen :)

    • Avatar

      Nico

      1. September 2019 12:34 at 12:34

      @md.Sie schreiben „wir sind ein assoziales Land geworden“. Auch wenn wir auch in Deutschland eine deutliche Schere zwischen arm und reich erleben, ist dieser Satz doch ziemlicher Unsinn. Deutschland ist der Sozialstaat schlechthin, fast die Hälfte der Steuereinnahmen werden für soziale Zwecke verwendet.In wie vielen Ländern ist die Quote höher? Warum haben wir eine so starke Zuwanderung in den Sozialstaat? Wo glauben Sie, wird die soziale Absicherung bei einer schweren Wirtschaftskrise besser sein, als in Deutschland? Etwa in Frankreich oder in der Türkei? Sie schließen aus ein paar Beobachtungen auf das große Ganze.

    • Avatar

      leftutti

      1. September 2019 12:42 at 12:42

      @md, was soll ich da viel dazu sagen, du hast natürlich in fast allen Punkten recht. Was deinen Sohn angeht, wäre vielleicht der französische Pass eine gute Alternative.

      Apropos Frankreich: So toll und glorreich, wie du es beschreibst, ist es nun auch wieder nicht. Objektiv betrachtet, schneidet Deutschland in den meisten Punkten einfach besser ab.

      Gesamtüberblick Lebensqualität (hier bitte unter den Grafiken Deutschland als Vergleich auswählen)
      http://www.oecdbetterlifeindex.org/de/countries/france-de/

      Lebenshaltungskosten – Kaufkraft
      https://www.laenderdaten.info/lebenshaltungskosten.php

      Mit den Grünen muss ich dir zustimmen. Die regieren jetzt seit 21 Jahren, jetzt wäre es an der Zeit für einen Regierungswechsel. Die AfD taugt aber auch nichts, also wie wäre es mit CDU/CSU? Die Grünen halten die Alkohol- und Tabaksteuer bewusst so niedrig, weil sie alle Kiffer und Säufer sind. Gut, man muss zugeben, seit 2002 wurde die Tabaksteuer 9 Mal erhöht, seit 20 Jahren ist Rauchen etwa 5x teurer geworden. Und weißt du, was die bösen Raucher tun? Rauchen einfach weniger oder hören ganz damit auf. Und damit sind die ganzen schönen Erhöhungen für die Katz.

  8. Avatar

    Immobilionär

    1. September 2019 08:43 at 08:43

    @Michael, solche Excesse finde ich natürlich auch nicht gut, wobei dies natürlich an der Börse gang u.gäbe ist.Wenn man die Ursachen sucht , kommt man immer wieder auf die gleichen Verursacher ?
    Mit der Mietbreisbremse wird wieder Symptombekämpfung gemacht, statt Ursachenbekämpfung.

  9. Avatar

    Korrektor

    1. September 2019 09:56 at 09:56

    Und immer wieder der leftutti in der Schulmeisterrolle! Ich meine die Kommentare von S.Rosenzweig ( wer immer das ist) sind erträglich u.die Meisten haben verstanden was er meint.( ohne zu googeln)

    • Avatar

      leftutti

      1. September 2019 13:06 at 13:06

      @Korrektor, nein, da täuschen Sie sich. Ich habe nur aus der Diskussion der letzten drei Tage zitiert, was man von mir so in Richtung Sachlichkeit, Überheblichkeit und Abgleiten in politische Themen erwartet und verlangt. Und auch das mit googeln. Und da wir ja in einer Demokratie leben und alle das Gleichheitsprinzip sehr schätzen, sollte das doch auch für alle gelten. Oder sehen Sie das anders?

      Warum um den heißen Brei herumreden? Sagen Sie es doch im Klartext, wenn schon Herr Rosenzweig nicht will. Ich finde immer, solche Euphemismen haben einen unangenehmen Beigeschmack von Überlegenheit, Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit und Anmaßung. Und man weiß nie so ganz genau, was gemeint sein könnte. Lieber Klartext reden, dann kann auch nichts missverstanden werden.

  10. Avatar

    Thomas

    1. September 2019 21:44 at 21:44

    Seit dem „Deutschland ist scheiße“-Ruck der Volksparteien sind in der Tat ein asoziales Land geworden.

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Verbraucherpreise in Deflation – Rabattschlacht bei Bekleidung

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Geldbörse in einer Klemme

Für die deutschen Verbraucherpreise im Monat Dezember liegen ganz frisch die endgültigen und ausführlichen Daten vor. Weiterhin hängen sie mit -0,3 Prozent in der Deflation. Wie die Details zeigen, passiert genau das was man erwarten darf. Weil alle Daten zeigen, dass die stationären Verkäufer in den Bereichen Bekleidung und Schuhe die großen Corona-Verlierer im Einzelhandel sind, durfte man von einer kräftigen Rabattschlacht ausgehen. Und so kam es auch. Dank Lockdown muss man mit kräftigen Rabatten die Produkte online an die Kunden bringen – Hauptsache man bekommt überhaupt Geld in die Kasse um durchzuhalten?

So kam für den Bereich Bekleidung und Schuhe im Dezember im Jahresvergleich ein deutliches Minus von 5,4 Prozent zustande. Oben drauf kommt ja für alle Endkundenprodukte noch dazu, dass der Dezember der letzte Monat mit reduzierter Mehrwertsteuer dazu. Dieser Faktor wird sich wohl auf alle Segmente ausgewirkt haben – weshalb man aber für Januar mit steigenden Preisen rechnen darf? Die Verbraucherpreise für den Sektor Verkehr lagen mit 2,7 Prozent im Minus. Hier wirken nach wie vor die schwachen Energiepreise.

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise für Dezember

An dieser Stelle zitieren wir auszugsweise die aktuellen Aussagen des Statistischen Bundesamts zum Gesamtjahresvergleich zwischen 2019 und 2020:

Im Jahresdurchschnitt 2020 verbilligten sich vor allem die Energieprodukte

Die Energieprodukte verbilligten sich 2020 gegenüber dem Vorjahr deutlich um 4,8 % nach einem Anstieg um 1,4 % im Jahr 2019. Preisrückgänge gab es insbesondere bei leichtem Heizöl (-25,9 %) und bei Kraftstoffen (-9,9 %). Verantwortlich war neben der Senkung der Mehrwertsteuersätze vor allem der Ölpreisverfall auf dem Weltmarkt in den ersten Monaten des Jahres. Dagegen verteuerte sich Strom um 3,0 %. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Jahresteuerungsrate 2020 bei +1,1 % gelegen.

Preise für Nahrungsmittel überdurchschnittlich gestiegen

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich 2020 gegenüber 2019 überdurchschnittlich um 2,4 %. Im Jahresverlauf hat sich der Preisauftrieb zeitgleich mit der Senkung der Mehrwertsteuersätze abgeschwächt. Deutlich teurer waren im Jahr 2020 Obst (+7,1 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+6,1 %). Günstiger hingegen wurden insbesondere Speiseöle und Speisefette (-4,1 %).

Waren verbilligten sich 2020 gegenüber 2019 um 0,4 %

Waren insgesamt verbilligten sich 2020 gegenüber 2019 um 0,4 %. Unter den Verbrauchsgütern verteuerten sich Tabakwaren (+4,9 %) deutlich, die von der Senkung der Mehrwertsteuersätze ausgenommen wurden. Unter den Gebrauchsgütern verbilligten sich zum Beispiel Telefone (-6,0 %) sowie Geräte der Informationsverarbeitung (-4,4 %).

Dienstleistungen verteuerten sich 2020 gegenüber 2019 um 1,3 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich im Jahresdurchschnitt 2020 gegenüber 2019 mit +1,3 % überdurchschnittlich, darunter Nettokaltmieten mit +1,4 %. Bei einigen Dienstleistungen stiegen die Preise deutlich stärker, unter anderem für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,2 %), Leistungen für Friseure und Körperpflege (+4,1 %) sowie für die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+3,2 %). Die Ursachen hierfür waren vielschichtig, neben der Mindestlohnerhöhung dürfte auch der Aufwand für Hygienemaßnahmen zur Vermeidung von Corona-Infektionen relevant gewesen sein. Günstiger wurden vor allem Fahrkarten im Bahnfernverkehr (-14,9 %), bedingt vor allem durch die bereits seit Jahresbeginn abgesenkte Mehrwertsteuer für Bahnfernfahrten von 19 % auf 7 %.

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Allgemein

Covid-19: Sehen wir bald Peak-Corona? Einiges spricht dafür!

Es gibt einige Aspekte, die durchaus dafür sprechen, dass der Hochpunkt der Infektionen mit Covid-19 bereits überschritten ist!

Wolfgang Müller

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Sicher klingt es extrem merkwürdig, wenn man mitten im kalten Januar, beim Auftreten von massenhaft Mutationen von Covid-19 und einer noch nicht richtig in die Gänge gekommenen Impfaktion von einem möglichen und baldigen Überschreiten des Höhepunktes der Coronakrise spricht.

Aber es gibt einige Aspekte, die durchaus dafür sprechen.

Covid-19: Impfwelle und Dunkelziffer

Eines vorweg: Gemeint ist damit nicht das Ende der Infektionen, sondern die Zahl der Neuinfektionen, die in der zweiten oder dritten Welle ständig geklettert sind.

Die Zahl der offiziell an Covid-19 Infizierten hat am 7. Januar 2021 mit über 834.000 Menschen ihren bisherigen Höhepunkt erreicht (lt. John-Hopkins-Universität). Seither geht es tendenziell, trotz der Mutationszahlen, nach unten.

Ist der Hochpunkt von Covid-19 bereits überschritten?

Noch muss dies nicht die Wende bei den Infektionen gewesen sein, aber es deutet sich an, dass dies zumindest bald bevorstehen könnte. Dafür sprechen einige Faktoren: Es gibt weitere temporäre Verschärfungen in den Lockdowns (Europa, USA). Der Frühling naht, denn bis zum meteorogischen Frühlingsanfang auf der Nordhalbkugel sind es nur noch sechs Wochen, und die Impfquoten werden demnächst ein Vielfaches der offiziellen Infektionszahlen erreichen. Vor allem, wenn die USA über eine Million Menschen pro Tag impfen, die EU mit ihren 27 Staaten voll einsteigt und viele andere Staaten und die für Februar deutlich erweiterte Impfstoffproduktion anschwillt.

Sonderfall Deutschland

Was Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten sehr unterschiedlich macht, ist die Zahl der bisher Infizierten und zugleich die wahrscheinlich niedrigere Dunkelziffer zu anderen europäischen Ländern. Die offizielle Infektionsrate mit Covid-19 liegt aktuell bei gut 2,4 Prozent, während sie in Großbritannien und vielen europäischen Staaten bei vier oder gar fünf Prozent liegt, bei einer gleichzeitig deutlich höheren Dunkelziffer. Das heißt, die Gesamtinfektionsrate läge möglicherweise in Deutschland bei weniger als 10 Prozent der Bevölkerung, während sie in anderen Ländern vielleicht schon über 20 Prozent liegt. Mit großer Auswirkung für die durch die Impfung zu beschleunigende Gefahrenabwehr gegenüber der Pandemie. Vorteil USA, auch wenn es makaber klingt: Wegen einer „offiziellen“ Infektionsrate von 7,5 Prozent, einer vielfach höheren Dunkelziffer, weil sich Teile der Bevölkerung bis zuletzt aus Angst vor beruflichen Konsequenzen nicht haben testen lassen und das Virus weitaus mehr verharmlost wurde, als in Deutschland. Und jetzt Joe Biden mit allem Einsatz 100 Millionen Menschen in sehr kurzer Zeit impfen lassen will.

In Deutschland kommt noch das Gefahrenmoment einer relativ alten Bevölkerung zum Tragen.

Laut statista gibt es derzeit in Deutschland rund 18,1 Millionen Menschen, die 65 Jahre oder älter sind. Ein prozentualer Anteil von rund 22 Prozent an der Gesamtbevölkerung im Lande. Dabei etwa drei Millionen Pflegebedürftige, über zwei Millionen zuhause und mit anderen Familienangehörigen zusammenlebend. Auch die Zahl der über 80-Jährigen liegt in Deutschland bei über fünf Millionen, es leben sogar schon 20 Tausend Hundertjährige in Deutschland.

Aus diesen Zahlen erklärt sich auch die große Fürsorgepflicht der Regierung gegenüber der älteren Bevölkerung.

Hier liegt auch der große Effekt der Impfaktion in Deutschland, denn bis vor Kurzem lag der Anteil der Coronatoten bei den über 70-Jährigen bei 87 Prozent und 70 Prozent bei den über 80-Jährigen. Diese Altersgruppen sollten jedoch in der großen Mehrheit bis in den März geimpft sein.

China und Indien

Ein Drittel der Menschheit (über 2,8 Milliarden Menschen) lebt in diesen beiden Ländern. Und wie sehen die Infektionszahlen aus? China wird sich weiter abschotten (bei unglaublich niedrigen Infektionen) und selbst impfen und im 1,39 Milliarden-Land Indien (mit der halben Bevölkerung unter 20 Jahre) zeigen die Zahlen schon seit Monaten nach unten.

Covid-19 in Indien

Fazit

Natürlich wird es nicht einfach sein, die Menschheit in ihrer Gesamtheit gegen Covid-19 zu impfen. Man weiß auch weder wie lange eine „erimpfte“ Immunität gegen Corona anhält, noch im Entferntesten, wie viele Menschen die natürliche Immunität bereits erlangt haben. Dabei soll die Krankheit bei einem Großteil der jungen Menschen sogar symptomlos verlaufen. Die Zahl der jungen Menschen unter 18 Jahre beträgt weltweit 30 Prozent, immerhin über 2,3 Milliarden Jungbürger.

Aber sollten sich die Impfpläne so umsetzen lassen, wie von den Firmen und den Ländern mit ihren Gesundheitsbehörden geplant, wird sich rasch Peak Corona einstellen. 750.000 Neuinfektionen, mit abnehmender Tendenz gegenüber Millionen täglicher Impfungen, zunächst bei den „Vulnerablen“, Peak Corona eben, auch wenn die Pandemie nicht so schnell erledigt sein dürfte. Was sind da nicht alles für Fragen offen, in Richtung Immunität, Übertragbarkeit und so weiter, aber aus meiner Sicht gibt es ein gewaltig helles Licht am Ende des Tunnels, zumindest für Covid-19.

Der Peak bei Covid-19 könnte bereits überschritten sein!

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Allgemein

Banken halten bei EZB 3,3 Billionen Euro – Daten zu Strafzinsen und Freibeträgen

Claudio Kummerfeld

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Türme von Banken in Frankfurt

Die einfache Sichtweise der „großen“ Experten in den Türmen der Notenbanken lautet: Je tiefer wir die Zinsen setzen, desto weniger attraktiv wird es für die Menschen Geld auf Bank- und Sparkonten zu parken. Sie werden dann immer mehr Geld in den Konsum pumpen. Aber egal wie viel sehr man auch an so einer Theorie festhält – die Realität sieht oft ganz anders aus. Die Bürger (vor allem die Deutschen) wollen gerade in Krisenzeiten offenkundig weiterhin Monat für Monat von ihrem Ersparten anständig was auf die hohe Kante packen – Vorsorgen für die schlechten Zeiten, sozusagen.

Und bei de facto Nullzinsen, die in den letzten Jahren in der Regel (nach Abzug der Inflation) reale Negativzinsen bedeuten, legen die Menschen einfach pro Monat noch mehr Geld auf die hohe Kante, sozusagen als Ausgleich für die fehlenden Zinsen. Und so steigen seit Jahren in der Eurozone die Bankguthaben immer weiter an. Das wird für die Banken immer mehr zu einem dramatischen Problem. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wollte nicht nur, dass der (einfältige?) Bürger endlich sein Geld in den Konsum steckt. Nein, die EZB wollte auch erreichen, dass die (faulen?) Banken endlich mehr Geld als Kredit herausreichen an Privat- und Geschäftskunden, damit die Konjunktur angekurbelt wird – und dadurch letztlich die Inflation ansteigt – die letzten Jahre geschah aber letztlich das Gegenteil.

Banken vor immer größerem Problem

Aber egal wie fleißig die Banken auch sein mögen bei der Kreditvergabe – der Sparfleiß der Bürger ist stärker. Die Guthaben bei den Banken wachsen immer mehr. Und genau deswegen hatte sich die EZB eine Art Strafmechanismus ausgedacht, damit die Banken nun wirklich mal die Einlagen der Kunden vermehrt als Kredit rausreichen. Verrechnet man das von den Bankkunden eingezahlte Guthaben mit den ausgegebenen Krediten, dann haben praktisch alle Banken eine Überschussliquidität, die bei der EZB geparkt wird. Die EZB bestraft die Banken hierfür mit einem Negativzins von derzeit -0,5 Prozent (ab 2014 stufenweise eingeführt, damals noch bei -0,1 Prozent). Je mehr die Kunden sparen und je höher sich die Banken-Überschüsse auf ihren EZB-Konten auftürmten, desto mehr mussten sie als Strafzins an die EZB überweisen.

Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einem Problem für die Banken, die sowieso dank Nullzinsen ein ernsthaftes Problem mit ihrem wichtigsten Geschäft hatten, nämlich der Zinsmarge. Die EZB sah dieses Problem, und führte einen Freibetrag ein. Die Banken sollten für zu viel hinterlegte Einlagenüberschüsse also bestraft werden – aber nicht so sehr, dass sie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und so gibt es EZB-Strafzinsen für die Banken mit einem Freibetrag an Einlagen, der nicht mit einem Strafzins bedacht wird.

Gigantische Überschüsse, Strafzinsen und Freibetrag

Heute veröffentlichte Daten der Bundesbank zeigen die Dimension der Beträge. Demnach gab es im Dezember 2020 eine Überschussliquidität im Euroraum in Höhe von 3,35 Billionen Euro. Zwischen Einführung des Tiering-Systems (Freibeträge) im Oktober 2019 und Dezember 2020 betrug der Zinsaufwand der Banken im Euroraum für das Halten dieser Überschussliquidität bei der EZB 8,9 Milliarden Euro. Dieser Zinsaufwand (die Strafzinsen) fiel laut Bundesbank um 4,7 Milliarden Euro niedriger aus, als dies unter sonst gleichen Bedingungen ohne ein Tiering-System der Fall gewesen wäre. Gleichzeitig wurde mit zuletzt 2,498 Billionen Euro der größte Teil der Überschussliquidität weiterhin negativ verzinst.

Während die Überschussliquidität der Banken bei der EZB in den letzten Jahren immer weiter stieg (oberer Teil der Grafik), dachte die EZB wohl sie könnte dies verhindern, indem sie den Strafzins immer weiter anhebt. Es brachte aber nichts! Wer arg ins Detail gehen möchte, kann sich beim Klick an dieser Stelle in den Bundesbank-Bericht auf den Seiten 61-72 in das Thema vertiefen. Wer sich für die Rücklagen der Deutschen interessiert, der klicke bitte hier. Im Krisenjahr 2020 wurde von deutschen Haushalten 333,5 Milliarden Euro auf die hohe Kante gelegt, nach 220,3 Milliarden Euro in 2019. Diese Summe steigerte sich in den letzten Jahren immer weiter, obwohl das Zinsniveau für die Sparer immer weiter abrutschte.

Grafik zeigt Bundesbank-Daten zu Strafzinsen und Überschussliquidität

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