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WTO: Welthandel wächst so schwach wie seit Finanzkrise nicht mehr – Globalisierung wird rückabgewickelt

Die WTO kassiert ihre bisherigen optimistischen Wachstumsprognosen – und hat kein Erklärungsmodell, warum es nicht läuft wie prognostiziert. Wir schon..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es ist ja so eine Sache mit den Prognosen, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Und eines ist auffällig, wenn man sich die Prognosen für Wachstum von Institutionen wie dem IWF oder der World Trade Organziation (WTO) ansieht: sie sind praktisch immer zu hoch und zu optimistisch. Woran liegt das? Eine Erklärung ist, dass solche Organisationen dazu neigen, die Vergangenheit in die Zukunft fortzuschreiben. Aber das verkennt Dynamiken, die neu entstehen – und genau das ist das große Problem!

Denn der Prozeß der Automatisierung ist ein Megatrend, der den globalen Welthandel reduzieren wird: wenn Produkte durch Roboter wieder im Westen hergestellt werden und nicht mehr wie zuvor in Billiglohn-Ländern, hat das Auswirkungen auf den Welthandel – die Schiffahrt leidet darunter am meisten, weil die Produkte eben nicht mehr tausende Kilometer über See transportiert werden müssen. Diese Transporte kosten Geld und Zeit, daher wird die Automatisierung immer attraktiver für westliche Firmen – und das wird starke Auswirkungen auf den Welthandel haben.

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Containerschiffe im Hamburger Hafen. Foto: Gunnar Ries/Wikipedia (CC BY-SA 2.5)

All das scheint etwa die WTO nicht wirklich zu beachten. Wenn der Welthandel deutlich unter den vorherigen Prognosen liegt, dann ist das eine Folge schwächerer Exporte Chinas etc. Das aber greift viel zu kurz.

Heute hat die WTO recht kleinlaut eingestanden, dass ihre Prognosen zu optimistisch waren: noch im April hatte die WTO ein Wachstum des Welthandels von 2,8% erwartet, nun sind es nur noch mickrige 1,7%. Und für 2017 wird gleich einmal die Prognose kassiert:

„World trade will grow more slowly than expected in 2016, expanding by just 1.7%, well below the April forecast of 2.8%, according to the latest WTO estimates. The forecast for 2017 has also been revised, with trade now expected to grow between 1.8% and 3.1%, down from 3.6% previously. With expected global GDP growth of 2.2% in 2016, this year would mark the slowest pace of trade and output growth since the financial crisis of 2009.“

Der Zuwachs des Welthandels (+1,7%) liegt also deutlich unter dem Zuwachs des globalen BIPs (+2,2%). Statt diese seltsame Differenz durch den immer stärker fortschreitenden Automatisierungsprozeß zu erklären, sieht die WTO China, Brailien und die USA als Ursache:

„The contraction was driven by slowing GDP and trade growth in developing economies such as China and Brazil but also in North America, which had the strongest import growth of any region in 2014-15 but has decelerated since then.“

Und der Generaldirektor der WTO, Roberto Azevêdo, macht sich daher Sorgen um Antiglobalisierungstendenzen:

„The dramatic slowing of trade growth is serious and should serve as a wake-up call. It is particularly concerning in the context of growing anti-globalization sentiment. We need to make sure that this does not translate into misguided policies that could make the situation much worse, not only from the perspective of trade but also for job creation and economic growth and development which are so closely linked to an open trading system.“

Azevêdo übersieht dabei, dass die Antiglobalisierungstendenzen mit dem faktischen Rückgang der Globalisierung einher gehen. Wenn wir weniger mit anderen Ländern direkt zu tun haben (Handel), richtet sich der Fokus wieder stärker auf das eigene Kollektiv, sinkt die Empathie für „die Anderen“. Nimmt mithin auch die Angst vor den „Anderen“ zu, insbesondere wenn die als Flüchtlinge in großer Zahl in unser Land strömen.

Der neue Trend lautet „Tribalisierung statt Globalisierung“, wie wir ausführlicher in unserem Artikel „Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren“ gezeigt haben..

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    GN

    27. September 2016 12:39 at 12:39

    Lieber Markus Fugmann,

    ich habe mir eben mal Ihren Tribalisierungsartikel durchgelesen. Der Begriff Tribalisierung verstehen Soziologen eher als den Zerfall in der Jugend. Okay, Sie haben dafür Ihre eigene Definition entwickelt und dafür in den Kommentaren viel Beifall bekommen.

    Mag sein, daß diese Entwicklung, die Sie im Artikel beschreiben so ist, nur die Ursache ist nach meiner Meinung eine völlig andere. Die Ursache für unser derzeitiges Dilemma ist unser Egoismus. Erst fielen wir raubend und mordend in die Ländern ein. Beuteten sie ohne jegliche Scham aus, versklavten die Menschen (bis zum heutigen Tage) und jetzt wundern wir uns, daß dieses geschundene Volk einfach zurückschlägt.

    Übrigens kommt selbst der eher nicht als böser „Gutmensch“ bekannte US-Politologe Zbigniew Brzeziński mittlerweile zu gleichen Schlüssen…..

    Unsere tolle westliche „Wertegemeinschaft“ schafft es täglich 5 Milliarden USD für das Militär auszugeben, ist aber unfähig auch nur irgendwie halbwegs gerechte Zustände in der dritten Welt, insbesondere auch in Afrika zu schaffen. Stattdessen ein Krieg nach dem andern zur Verbreitung unserer asozialen Werte…..

    VG

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      27. September 2016 12:45 at 12:45

      @GN, ich bin weit davon entfernt abzustreiten, dass unser Verhalten maßgeblichen Anteil an den Problemen etwa in Afrika hat, sehr maßgeblichen sogar. Allerdings erklärt das nicht alles, da die Gesellschaften (zum Beispiel in Afrika) eigene Problematiken haben aufgrund traditioneller Muster..

      • Avatar

        GN

        27. September 2016 15:03 at 15:03

        …..mag sein, ich erwarte allerdings von angeblich intelligenten Menschen auch intelligentes Verhalten. So ist der angebliche Kampf gegen den Terror ein reines Schurkenstück der USA, mit allen Folgen der derzeitigen Migrationswelle.

        Zudem sind wir uns doch auch sicher einig darüber, daß die immer weiter fortschreitende Automatisierung wohl kaum mit Arbeitszeitverlängerung bzw. zunehmender Destabilisierung des sozialen Gefüges begegnet werden kann.

        Das immer wieder gerne in den Raum gestellte Argument der Wettbewerbsfähigkeit ist geradezu grotesk. Man sehe sich nur das Beispiel von Nokia Bochum an, was andere Branchen und andere Länder ebenfalls schon erlebt haben.

        Es würde mich sehr interessieren welche Meinung die FMW-Redaktion zu den Herausforderungen der laufenden industriellen Revolution 4.0, die ja in den nächsten Jahren 5-10 Millionen Arbeitsplätze kosten soll, hat. Vielleicht gibt es ja bereits einen Artikel, den ich noch nicht gelesen habe….

        VG

    • Avatar

      joah

      27. September 2016 13:29 at 13:29

      »Der Begriff Tribalisierung verstehen Soziologen eher als den Zerfall in der Jugend.«

      Ich gehe mal davon aus, das Sie diese Aussage von folgendem Artikel her haben (hier original Spiegel-Artikel) – ich halte diese absolut für falsch [interpretiert] (nicht persönlich gemeint). Es handelt sich eher um die subversive Anwendung von Memetik (Memplex) populistischer Soziologen zur versuchten Bedeutungsverdrehung. Was die in diesem Spiegel-Artikel hingegen eigentlich zum Ausdruck bringen wollten, war Sezession.

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        GN

        27. September 2016 15:16 at 15:16

        ……ja, der Duden gibt zwei Bedeutungen an, worunter man auch die Deutung von Herrn Fugmann finden kann…..ich betrachte allerdings alle westlichen Gesellschaften in einem fortlaufenden Zerfallsprozeß, insoweit ist mir die Verbindung mit Zerfall einfach sympathischer…..

        VG

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          joah

          27. September 2016 16:39 at 16:39

          Dennoch hat das Wort Tribalisierung keinerlei Bedeutungsbeziehung zu Zerfall.

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    m.d

    27. September 2016 13:20 at 13:20

    So kann man das auch nicht stehen lassen. Wenn dem so gewesen wäre das wir „Erst fielen wir raubend und mordend in die Ländern ein. Beuteten sie ohne jegliche Scham aus, versklavten die Menschen (bis zum heutigen Tage) “ dann würden in diesen Ländern heute auch deutsch gesprochen. Ich sehe aber kein Land in Afrika oder Südamerika oder anderswo das Deutsch spricht. ? Sagen Sie das anderen.

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      GN

      27. September 2016 15:23 at 15:23

      …..dann fahre mal nach Namibia……..und vergessen hast Du, das Deutschland alle Kolonien nach dem 1. Weltkrieg an die Siegermächte verloren hat. Außerdem beschränke ich meine Aussagen überhaupt nicht auf Deutschland, sondern auf die sogenannte 1. Welt, dort federführend die USA………schön, daß sogar der Kriegstreiber Bresinski hier die brutale Landnahme von Einwanderen der USA gegenüber den Indianern anführt…….aber ist doch schön zu sehen, daß selbst solche Leute ihre Meinung ändern können……vielleicht ein Keim der Hoffnung…..VG

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    Dreistein

    27. September 2016 13:53 at 13:53

    Ich sehe die Sache ein wenig anders, nehmen wir die USA, den ging es recht gut, die Leute hatten
    gut bezahlte feste Jobs und der Konsum lief, die Nachfrage nach alles und jedes war da.
    Nicht nur der Handel blühte sondern auch die neben oder Zweitjobs waren da, es wurde einfach genug Geld verdient um auch eine Putzfrau und / oder ein Gärtner zu beschäftigen, soll heißen das Geld war immer im Umlauf. Dann kam die Zeit der Manager die alles besser konnten, Stellen streichen Einsparungen bis zum Erbrechen das Geschäft kam an die Börse und nun hat der Manager und die gut betuchten Aktionäre das Geld was ansonsten viele Leute hatten. Der Geldumlauf war gestoppt die Jobs wurden immer weniger und wenn Jobs dann schlecht bezahlt. Genau das gleiche Muster läuft gerade in der EU, nennt sich Fiskalpolitik sparen, sparen und nochmal sparen. 1€ Job 450€ Job wenn feste Jobs dann nur mit schlechteren Konditionen und der Automatismus. Das Geld liegt konzentriert bei 10% der Bevölkerung und der Rest kommt gerade mal mehr oder weniger gut über die Runden.
    Wo soll dann Was anziehen? Der Konsum lässt nach, das bekommt dann auch die so genannte 3.Welt mit ab, da die Rohstoffe nicht mehr gefragt sind, also bricht selbst dort der Konsum/Arbeit weg.
    So kann man dieses auf alle Systeme legen Krankenkassen/ Rentenkassen keine guten Löhne also kleine Renten. Maschinen kaufen keine Autos und arme Leute auch nicht.
    Feste Jobs und gute Löhne, Dividenden runter und die Weltwirtschaft zieht richtig an.
    Den Staat will ich jetzt nicht mehr erwähnen mit seinen für den „kleinen Mann“ überzogene Steuern.

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Asien

Coronavirus beendet australischen Weltrekord des „ewigen“ Wachstums

Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Down Under erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt

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Es war eigentlich schon im letzten Jahr absehbar, als der Hunger nach Rohstoffen in China abebbte: Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Australien erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt.

Konjunkturwunder in Australien vor dem Coronavirus

Rezession, was ist das?  Das dürften sich viele Erwachsene in Australien in diesen Tagen denken, wenn das Land in den Strudel vieler Länder gerät, die ihre Konjunkturaussichten infolge des Coronavirus in ungeahnte Tiefen absenken. Denn selbst gestandene Dreißiger dürften sich nicht mehr an die ersten beiden Quartale des Jahres 1991 zurückerinnern, als es zuletzt eine wirtschaftliche Schrumpfung auf dem fünften Kontinent gab – und auch noch eine sehr milde. Australien hatte schon im Jahre 2017 den bisherigen Rekordhalter, die Niederlande, als Wachstumswunder abgelöst, die eine Phase von 103 Quartalen Wachstum geschafft hatten. Jetzt ist es das Coronavirus, das mit seinen Bekämpfungsmaßnahmen ein Wirtschaften im üblichen Sinn unmöglich macht.

Die kommende Rezession

Egal wie erfolgreich ein Land im Kampf gegen das Coronavirus auch vorankommt: Covid-19 verschont keine Volkswirtschaft. Deshalb sind die Prognosen des Internationalen Währungsfonds für das Ausmaß der Rezession für Australien gar nicht so viel besser als für Deutschland: 6,7 zu 7 Prozent. Anders als in der letzen Schrumpfung im Gefolge der Subprime-Krise, als das deutsche BIP um 5,7 Prozent abstürzte, währenddessen Australien sogar noch ein zweiprozentiges Wachstum generieren konnte. Dafür gibt es natürlich ein paar handfeste Gründe. Australien ist ein Rohstoff-Reservoir ohnegleichen und für China der große Lieferant in seinem jahrzehntelangen Giga-Wachstum gewesen.

Man konnte in allen Bereichen liefern: Energie, Kohle, Erze, Metalle, alles was China für seinen Bauboom benötigte. Demzufolge kamen die ersten Wachstumssorgen schon 2019 auf, als Chinas Wirtschaft Gang für Gang zurückschaltete. Der globale Lockdown wegen des Coronavirus brachte dann den Kollaps der Rohstoffmärkte. Australischen Statistiken zufolge gingen im letzen Jahr 34 Prozent der Exporte des Landes noch nach China, gefolgt an zweiter Stelle von Japan mit 16 Prozent.

Aber damit könnte der fünfte Kontinent schon wieder etwas vorzeitigen Auftrieb bekommen, schließlich ist man im Reich der Mitte schon heftig damit beschäftigt die Produktion wieder hochzufahren, zumindest in die Nähe vorheriger Produktionskennziffern.

Das Rohstoffland Australien befindet sich in seinen Hoffnungen auf höhere Rohstoffumsätze und -preise in bester Gesellschaft, insbesondere in der der Ölstaaten. Kein Wunder, wenn der weltweite Flugverkehr zu zwei Drittel lahmgelegt wurde, Ozeanriesen und Kreuzfahrtschiffe in den Häfen stehen und 1,3 Milliarden Kfz weniger bewegt werden.

Coronavirus bereits unter Kontrolle?

In Sachen Coronavirus blicken viele Länder auf Down Under, um die Hintergründe zu erfahren, warum Australien nicht nur so wenig Coronainfizierte zu verzeichnen hat, sondern auch einen enorm raschen Rückgang dieser Zahlen erreichen konnte. Hier die letzten Zahlen der John-Hopkins-Universität:

Australien:

Insgesamt 6738 Infizierte, 88 Tote, 5626 Genesene und nur noch 1024 aktive Fälle.

Die Zahl der täglichen neue Infektionen mit dem Coronavirus kann man hingegen schon an Händen abzählen. Wieso hat der G20-Staat die Corona-Pandemie bisher so gut in den Griff bekommen? Man reagierte ähnlich wie andere südostasiatische Staaten mit einer frühen Eindämmung der Infektionsausbreitung. Konsequent durchgeführte Quarantänemaßnahmen und natürlich die besondere Lage des Inselstaates haben zu dieser Situation beigetragen. Ein großer Unterschied zu der Vorgehensweise der großen Bruderstaaten USA und Großbritannien, die sehr zögerlich mit ihren Maßnahmen vorgingen.

Auch in punkto elektronischer Überwachung der mit dem Coronavirus Infizierten ist Australien vielen Ländern voraus. Am letzten Wochenende hat man als erster westlicher Staat eine Corona-Warn-App eingeführt. Anscheinend mit großem Erfolg, denn schon in den ersten Stunden sei die App mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden, so Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt.

In einem Land mit 26 Millionen Einwohnern aber einer Fläche von 7,7 Mio Quadratkilometern (Deutschland 357.000) könnte man sich da schon etwas aus dem Weg gehen.

Australiens bisherige Bilanz im Kampf gegen das Coronavirus:

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Australien

Die noch am Coronavirus Erkrankten in Australien

Fazit

Sollte es in Down Under mehr als zwei Quartale wirtschaftlich abwärts gehen, hat ein fast 30 Jahre währender Wachtumszyklus sein Ende gefunden. Wie ungewöhnlich lang diese Periode gewesen ist, zeigt die Statistik der typischen Konjunkturzyklen. Normalerweise dauern Wirtschaftsaufschwünge um die sechs bis zehn 10 Jahre.

Der gerade zu Ende gegangene Zyklus in den USA war der längste seiner Geschichte, verlängert durch eine opulente Steuerreform und der Hilfe der Notenbank auf knapp 11 Jahre.

Rezessionen hingegen sind sehr viel kurzlebiger, so etwa 1,5 Jahre im Durchschnitt, mit Ausnahme der großen Depression von 1929 bis 1933 in den USA, die 43 Monate lang gedauert hatte.

Auch Deutschland hatte bereits sieben Rezessionen seit den 1960-er-Jahren erleben müssen, die tiefste während der Finanzkrise 2008/2009 mit gut minus fünf Prozent. Aktuell wäre man wahrscheinlich heilfroh, wenn es 2020 durch das Coronavirus mit einem solchen Minus sein Bewenden hätte..

Wegen des Coronavirus endet in Australien eine Rekordzeit ohne Rezession

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Asien

Coronakrise: Vorteil China gegenüber den USA am Automarkt

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Der Lockdown aufgrund der Coronakrise reißt riesige Löcher in die Staatsfinanzen der verschiedenen Volkswirtschaften  in der Welt, in die Bilanzen von vielen Unternehmen –  aber auch in die Budgets von Verbrauchern. Dabei ist der Konsum der ganz entscheidende Faktor in den Bruttoinlandsprodukten der Länder, nicht nur in den USA mit ihren aberwitzigen 70 Prozent, sondern auch in Deutschland (über 50 Prozent). Dabei kommt ein Produkt unter die Räder, von denen es in verschiedenen Modellen schon 1,3 Milliarden auf der Erde gibt – das Automobil. Ganz besonders betroffen sind die USA.

Vor der Coronakrise: Alles auf Pump

Klar werden auch in Deutschland Automobile geleast, auf Kredit gekauft, bestimmt über die Hälfte aller Neufahrzeuge. Nicht so wie in den 1970-ern, wo noch 70 Prozent der Privat-Pkw in bar bezahlt wurden. Damit kommt auf die deutsche Automobilindustrie in der Coronakrise ein zweifaches Problem zu: Erstens ein wochenlanger Produktionsausfall durch den Lockdown, auch infolge der Störung der Lieferketten. Fast noch schlimmer aber ist, zweitens,  die massive Verschlechterung der Solvenz vieler Leasing- und Kreditvertragskunden. So hat Daimler erst vorgestern bekanntgegeben, 400 Millionen Euro an Risikovorsorge für geplatzte Finanzierungungsverträge zurückstellen zu wollen. Der Autoverkauf läuft sehr stark über die Autobanken, die Automobilindustrie hat einen gewichtigen Anteil an der weltweiten privaten Schuldenwirtschaft.

Das Land der unbegrenzten Schulden

In den USA, wo die Beleihung von Kreditkarten zum Alltag gehört, wurde das Thema Autofahren auf Pump fast schon ins Exzessive getrieben. Man spart nicht auf ein eigenes Auto, sondern schließt einen Leasingvertrag ab, den man wiederum aus dem Gehaltskonto zu Monatsende abstottert. Aufgrund der niedrigen Zinsen hangelte man sich sogar immer höher in der Wagenklasse.

Da erkennt man sofort, aus welcher Richtung in Bälde ein richtiger Gegenwind wehen wird: Wie viele Amerikaner haben sich seit gut einem Monat arbeitslos gemeldet? Insgesamt über 26 Millionen US-Bürger! Fatalerweise standen viele von ihnen mit ihren Autokrediten schon Ende 2019 mit 1,3 Billionen Dollar in den Miesen, laut einem Bericht der US-Notenbank.

Diese Problematik gibt es natürlich auch in Deutschland, selbst die bayerische Nobelmarke BMW musste schon zu Zeiten der Finanzkrise zwei Milliarden Euro an Kreditausfällen abschreiben. Glücklicherweise gibt es noch den chinesischen Markt. Volkswagen hat trotz Coronakrise nicht nur alle seiner 23 Werke in China wieder in Betrieb genommen, das Land (war) mit 40 Prozent der Autoverkäufe auch der ganz große Treiber für den 11-Marken-Konzern.

Vorteil China in der Coronakrise

Bis vor Kurzem wollte man noch, auch auf Druck von Donald Trump, die Produktion von Kfz- und Autoteilen in den USA weiter erhöhen. Jetzt hört man die ersten Stimmen, die von Fernost als stärker zu präferierendem Ziel in der Zukunft sprechen. Hinzu kommt ein Vorteil, der in einer Schuldenkrise noch gewisse Vorteile besitzt: Der chinesische Markt hat schon einen über 20 Monate andauernden Schrumpfungsprozess hinter sich, nach einer enormen Phase der Überkapazitäten. Und noch eines zählt augenblicklich: Die Chinesen agieren noch wie die Deutschen im alten Jahrhundert – sie bezahlen ihre Vehikel zumeist bar, beziehungsweise nicht so sehr auf Kredit.

Die Coronakrise wird sich in den USA am stärksten auswirken

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Coronakrise: Warum China nicht mehr Wachstumsmotor sein wird!

China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern – und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt

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Die Wirtschaftswelt blickt in der Coronakrise wieder einmal auf China: Die weltweite Pandemie um Covid-19 hat im Reich der Mitte ihren Anfang genommen und dort scheint man das Problem auch zuerst wieder in den Griff zu bekommen. Schon nach der Finanzkrise 2009 hatte China die globale Ökonomie mit riesigen Infrastrukturprogrammen wieder auf die Beine gebracht. Doch dieses Mal könnte es viel, viel schwieriger werden.

China, der stotternde Wachstumsmotor der Welt und die Coronakrise

In der heutigen Nacht wurden die Wachstumszahlen für das erste Quartal des Jahres 2020 veröffentlicht, das Virusquartal für die Volkswirtschaft China – und es wurde das schlechteste seit Jahrzehnten. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts betrug auf Jahresvergleich minus 6,8 Prozent, es war der erste Rückgang des Wirtschaftswachstums seit Beginn der offiziellen Quartalsveröffentlichungen im Jahr 1992. Die von Reuters befragten Analysten hatten mit minus 6,5 Prozent gerechnet. Doch auch im zweiten Quartal wird das Wachstum noch sehr bescheiden ausfallen, wie chinesische Volkswirte prognostizieren. Ein Hauptgrund dafür ist die stotternde Nachfrage aus dem Ausland wegen der Coronakrise. Chinas Industrie hat zwar die Produktion nach dem wochenlangen Shutdown wieder aufgenommen, aber man produziert sehr viel auf Lager, da die Nachfrage aus dem Ausland fehlt. Covid-19 hat die meisten Exportländer im Griff – und das ist der große Unterschied zur Finanzkrise und der raschen Erholung von damals – heute fehlen viele Kunden und damit die Nachfrage.

Chinas überragende Bedeutung für die Weltwirtschaft

Das Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern steht zwar nominal nur für etwa 16 Prozent des Weltsozialprodukts – aber für weitaus mehr, wenn man seinen Anteil am Wachstum der Welt betrachtet. Noch im letzten Jahr hatte dieser Anteil 46,3 Prozent am weltweiten Wirtschaftswachstum betragen, im Jahr 2012 sogar sagenhafte 76 Prozent, wie Daten des IWF zeigen. China hatte nach 2010 mit einem Stimulus von 500 Milliarden Dollar (dies entsprach 13 Prozent der Wirtschaftsleistung) die eigene Wirtschaft angekurbelt und der Welt zu einem Aufschwung aus der Krise verholfen. Dies wird – kurzfristig in der Coronakrise – und auch langfristig nicht mehr so möglich sein, zunächst einmal stehen große Teile der Weltökonomie still.

Chinas interne Probleme

Mit Spannung erwartete man aktuell auf Daten zur Arbeitslosigkeit, wobei man hierzu gleich einmal einwenden muss, dass es kaum eine Wirtschaftszahl eines großen Landes gibt, die so sehr von den Regierungsstellen beeinflusst wird. Über viele Jahre hinweg hatte diese Zahl fast eine Konstante um die 4 Prozent dargestellt. Im Februar musste selbst China einen Anstieg auf 6,2 Prozent vermelden, aktuell wurde heute Nacht ein Rückgang auf 5,9 Prozent verkündet.

Dies ist die offizielle Rate. Michael Pettis, ein Finanzprofessor an der Peking University, kommt auf andere Daten, denn China nimmt die 293 Millionen Wanderarbeiter, die einen großen Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung ausmachen, gar nicht erst in seine Statistik mit auf. Er schätzt, dass mindestens 10 Prozent dieser Arbeiter ihren Arbeitsplatz infolge der Auswirkungen der Coronakrise, vorrangig im Dienstleistungssektor, verloren haben. Seiner Meinung nach ist die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie von der chinesischen Regierung angegeben.

Damit kommen wir zum zweiten Problem für die chinesische Volkswirtschaft. Diese hohe Arbeitslosigkeit wird Folgen für den Konsum haben. Auch im Reich der Mitte könnte es massive Probleme mit der Verbrauchernachfrage geben. Wie in anderen Ländern auch, werden die Bürger dauerhaft mehr sparen und weniger ausgeben. Interessanterweise hat man auch in China bereits begonnen, Gutscheine (Helikoptergeld) an die Bevölkerung zu verschenken. Bei Nachforschungen über deren Verwendung wurde festgestellt, dass es vor allem Lebensmittel und Zigaretten waren, für das dieses Geld ausgegeben wurde. Nicht etwa für Autokäufe, die im Januar um 90 Prozent, im Februar um circa 80 Prozent und im März um 40 Prozent wegen der Coronakrise eingebrochen waren. Außerdem hat auch Chinas Wirtschaft ein Problem, welches in vielen Ländern Sorgen bereitet.

Auch das „Institute for International Finance“ schätzt die chinesische Gesamtverschuldung auf 310 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt. Ein Faktor, der künftige Stützungsmaßnahmen limitiert, wie etwa eine größere Bazooka.

Vor Kurzem hatte man in China noch versucht, die vielen faulen Kredite der staatseigenen Firmen zu reduzieren, um das Problem der Stabilität nicht ausufern zu lassen. Nach Ansicht von Finanzexperten könnte China mit weiteren großen Fiskalpaketen noch abwarten, bis sich die globalen Nachfragebedingungen für die Produktion verbessert haben. Außerdem braucht das Land für die Herstellung von Gütern aus der Elektronik- und Automobilbranche viele Vorleistungen aus anderen Teilen der Welt – und dort ist in der Coronakrise derzeit zumeist „Ebbe“ angesagt.

Fazit: China fällt in der Coronakrise als Wachstumsmotor aus

Auch in der Volksrepublik China scheint eine Phase großen Wirtschaftswachstums zu Ende zu gehen. Nach regelmäßigen jährlichen Wachstumsraten von über 10 Prozent bis vor zehn Jahren, war die Quote auch größenbedingt gefallen, auf zuletzt 6 Prozent vor der Coronakrise. Überbordende Investitionen in die heimische Infrastruktur mit einer horrenden Verschuldung hauptsächlich staatsseigener Firmen haben die zweitgrößte Wirtschaft der Welt schon vor der Pandemie belastet. Wie oben dargestellt, war China der große Treiber für das globale Wachstum. Doch jetzt hat China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt. Globalisierung mag keine (trumpschen) Handelskriege – und sie verträgt erst recht keine pandemische Entwicklung. Aus der jetzigen dramatischen Entwicklung eines globalen Lockdowns kommt man nur gemeinsam wieder heraus, dies wird auch in China schmerzlich zu spüren sein.

In der Coronakrise wird China als Wachstumsmotor ausfallen

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