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China und die Lage der katholischen Kirche Xi Jinping düpiert Papst: Trotz Verhaftungen hofft Vatikan auf Abkommen

„Um China zu verstehen, braucht es Jahrhunderte"

Papst Xi Jinping

In der Berichterstattung rund um die erste Auslandsreise Xi Jinpings und seinem Treffen mit Wladimir Putin ging die Meldung unter, dass Papst Franziskus offenbar versuchte, in Kasachstan den chinesischen Präsidenten zu treffen, wie die italienische Zeitung „Il Messaggero“ berichtete. Bei einem möglichen Treffen sollte es auch um die Fortsetzung eines Vertrages zwischen dem Vatikan und China gehen, der 2018 abgeschlossen wurde.

Papst Franziskus und Xi Jinping in Kasachstan

Während der Pontifex den „Kongress der Führer der Welt- und traditionellen Religionen“ in Nur-Sultan besuchte, war Kasachstan die erste Station von Xi Jinping auf seiner ersten Auslandsreise. Die Seite katholisch.de sprach von einem „gescheiterten Versuch“ von Papst Franziskus, sich mit Xi Jinping zu treffen. Demnach schickte der Papst den Präsidenten eine Nachricht, die aber unbeantwortet blieb.

Ein Besuch in China – ein Lebenstraum des Papstes

Es ist seit langem bekannt, dass es der Lebenstraum des Papstes ist, das Reich der Mitte zu besuchen. In einem Interview mit Valentina Alazraki 2019 sagte er: „China ist mein Traum“. Vor allem würde er wohl gerne eine Messe in der Basilika Sheshan, auf einem der heiligen Berge Chinas, feiern. In unmittelbarer Nähe, im Priesterseminar sitzt der Bischoff von Shanghai, Thaddeus Ma Daqin, seit seiner Weihung in Hausarrest, da er sich am Ende der Zeremonie von der „Patriotischen Gesellschaft“ lossagte. Doch solch einer Reise steht einiges entgegen, auch wenn der Papst alles tut, um seinen Traum zu verwirklichen. Trotz Unterdrückung und Verhaftungen seiner Glaubensbrüder.

Abkehr von Taiwan, Hinwendung zu China

Der Vatikan ist einer der letzten Staaten, die offiziell diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhalten und diesen als Staat anerkennen. Allerdings ist seit 1972 kein apostolischer Nuntius – Botschafter – mehr in Taiwan ansässig, sondern nur ein Geschäftsträger. Schon unter Papst Benedikt kam es zu einer ersten Annäherung zu China, die der neue Nachfolger Petri weiterführte.

Das China-Abkommen – Regelung für eine schwierige Situation

Nach langen Verhandlungen wurde zwischen dem Vatikan und Peking ein Abkommen gekommen, dass zwar nicht öffentlich zugänglich, aber in weiten Teilen bekannt ist.

In China gibt es zwei katholische Bewegungen, die von der Regierung Chinas abhängige „Patriotische Gesellschaft“ und die Papst-treue Hauskirchenbewegung, oft auch etwas wenig zutreffend Untergrundkirche genannt. Beide Kirchen haben ihre eigenen Organisationen und damit Bischöfe.

Im Kern des Abkommens ging es darum, beide Organisationen zusammenzuführen und einen modus vivendi für die Bischofsernennungen zu finden. Die getroffene Reglung sah nun vor, dass die „Patriotische Gesellschaft“ ein Vorschlagsrecht für Bischöfe hat, der Papst dagegen ein Vetorecht. De facto hält sich aber die „Patriotische Gesellschaft“ nur sporadisch an die Absprache. Dies gab auch Katharina Wenzel-Teuber vom China-Zentrum Sankt Augustin in einem Interview gegenüber dem Domradio der Diözese Köln zu.

Innerhalb der katholischen Kirche ist das Abkommen umstritten. Ein großer Teil der chinesischen Katholiken fühlt sich vom Papst verraten. Denn sie haben zum Papst gehalten, gegen alle Widerstande hinweg und unter großen Opfern. Viele wurden in den letzten 70 Jahren seit der Gründung der Volksrepublik verhaftet. Die Verhaftungen halten auch unter dem neuen Abkommen an, zuletzt die Bischöfe Joseph Zhang aus Weizhou, der Bischof von Hebei Cui Tai und vor allem von Kardinal Aloysius Zen in Hong Kong.

Besonders erstaunt, dass der Pontifex bereit ist, einem Staat zu erlauben, in die ureigenste Aufgabe seiner Organisation einzugreifen, die Wahl der Bischöfe. Ganz abgesehen davon, dass Peking selbst in die Auswahl von Kirchenliedern oder Predigten eingreift.

Opfert der Papst Kardinal Zen für das Abkommen?

Es scheint, dass der Papst bereit ist, selbst Kardinal Zen für das Abkommen zu opfern. Zen wurde am Vorabend der Wahl des neuen Chief Executive, John Lee, verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, einen Fond zur Unterstützung der Demokratiebewegung verwaltet zu werden. Die Verhaftung von Kardinal Zen gilt als Zeichen, dass der neue Chief Executive auch bereit ist, gegen die religiösen Gemeinschaften in Hong-Kong vorzugehen. Diese betreiben viele Kindergärten, Schulen, Universitäten und Krankenhäuser in der Sonderverwaltungszone.

Sie sind also ein wichtiger Teil der Zivilgesellschaft und wichtig für die Versorgung der Stadt mit Bildung, Krankenversorgung und anderen sozialen Aufgaben. Kardinal Zen ist weit über die katholische Kirche beliebt und galt als großer Fürsprecher Hong-Kongs, aber auch als Kritiker beider Seiten. Er sah in dem Abkommen nicht nur einen Verrat der katholischen Ideale, sondern auch als Schwächung der Kirche. Der nun erst einmal verschobene Prozess gegen Kardinal Zen sollte eigentlich die Verhandlungen über eine Verlängerung des Abkommens zwischen Vatikan und Peking überschatten. Der Papst hob gegenüber Journalisten auf dem Rückflug aus Kasachstan aber eher die Bedeutung des Abkommens hervor und dass die „Dialog-Kommission gut vorangehen“ würde. Die Aussage war besonders bemerkenswert, da der Anlass für diese Aussage eine explizite Frage nach dem Prozess gegen Kardinal Zen war. Der Papst ist offenbar bereit, für „sein“ Abkommen und „seinen Traum“ Kardinal Zen zu opfern, wie auch das „Wallstreet Journal“ titelte.

Auf dem Rückflug aus Kasachstan sagte der Papst dann auch: „Um China zu verstehen, braucht es Jahrhunderte. Und wir leben nicht hundert Jahre”. Welch eine merkwürdige Aussage für eine Institution, die als gnadenlos rückständig gilt und bei der jede Veränderung Jahrhunderte dauert. Kardinal Zen und auch die anderen chinesischen Bischöfe in Hausarrest oder in Haft haben auch keine Jahrhunderte. Sie haben noch nicht einmal Jahrzehnte, vielleicht noch nicht einmal Jahre. Und die Hoffnung der Gläubigen in China wird auch keine Jahrhunderte überdauern.

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