Der Staatsbesuch von Xi Jinping in Pjöngjang offenbart Verschiebungen im Machtdreieck: Nordkorea nutzt Russland, um die Vorherrschaft von China zu testen.
Xi Jinping in Nordkorea: Die verschobene Statik der Macht
Die Visite von Xi Jinping bei Kim Jong-un markiert eine tiefgreifende Zäsur im asiatischen Machtgefüge und verdeutlicht die veränderte Statik im regionalen Geflecht. Während Moskau und Pjöngjang durch den Ukraine-Krieg militärisch und technologisch eng zusammenrücken, gerät die traditionelle Ordnung ins Wanken. Die Führung in Peking sieht sich mit einem Nachbarn konfrontiert, der die wirtschaftliche Abhängigkeit verringert und eigene strategische Optionen nutzt. Dieser Besuch zeigt, wie sehr sich die Gewichte zwischen den autoritären Partnern verschoben haben.
Das Ende der nuklearen Formel
Als Xi Jinping am 8. Juni in Pjöngjang landete, hatte Kim Jong-un seine Botschaft bereits gesetzt. Wenige Tage zuvor ließ er eine neue Urananreicherungsanlage öffentlich präsentieren und eine exponentielle Ausweitung des nordkoreanischen Atomarsenals ankündigen. Xi antwortete öffentlich nicht darauf. In keinem der offiziellen Dokumente des zweitägigen Staatsbesuchs tauchte das Wort „Denuklearisierung” auf, weder in einer Erklärung noch in einer Rede noch in einem gemeinsamen Kommuniqué. Bei jedem Vorgängertreffen seit der Normalisierung der Beziehungen nach dem Ende des Kalten Krieges hatte es zumindest eine Pro-forma-Formel zur nuklearen Frage gegeben. Nicht bei diesem Besuch.
Blutiger Deal: Nordkoreanische Soldaten gegen russische Militärtechnologie
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Der Ukraine-Krieg hat die Arithmetik zwischen den drei autoritär geführten Staaten verändert. Russland benötigt Artillerie und Soldaten aus Nordkorea. Mindestens zwölftausend Soldaten hat Kim Jong-un in die Ukraine entsandt. Praktisch alle sind in Leichensäcken zurückgekommen, wenn überhaupt. Es hat schätzungsweise 6 Millionen Artilleriegranaten geliefert und über 10.000 Arbeiter, die unter sklavenähnlichen Verhältnissen auf Russlands Baustellen arbeiten. Im Land selbst sind sie als zuverlässig bekannt, die mit hoher Qualität arbeiten. Damit hat sich das kleine Land stärker an das ehemalige Zarenreich gebunden als je zuvor seit Ende des Kalten Krieges.
Russland bezahlt mit Reis und militärischem Know-how, abzulesen an der Choe Hyon, der größten Fregatte, die Nordkorea je gebaut hat. Das rund 5.000 Tonnen schwere Schiff trägt Phased-Array-Radarsysteme und das russische Nahbereichsverteidigungssystem Pantsir-ME. Auch wenn nicht ganz klar ist, ob die Choe Hyon einsatzbereit ist und das Schwesterschiff, die Kang Kon, beim Stapellauf kenterte, demonstriert die Existenz dieser Schiffsklasse dennoch, dass Russland Nordkorea Militärtechnologie transferiert. Moskau liefert Nordkorea Militärtechnologie, die Peking ihm aus strategischen Gründen verweigert oder nie angeboten hat.
Noch brisanter ist der Fall der MV Ursa Major, eines russischen Frachters, der im Dezember des Vorjahres nahe der spanischen Küste sank. Der Kapitän sagte spanischen Ermittlern, das Schiff habe Komponenten zweier Atomreaktoren für U-Boote geladen, bestimmt offenbar für Nordkorea. Sollte sich das bestätigen, liefert Russland Proliferationstechnologie, die Chinas eigene Sicherheitsinteressen auf der koreanischen Halbinsel direkt untergräbt.
Pjöngjang mit neuen Optionen: China sichert die Dominanz
Peking braucht Pjöngjang mehr, als es je zugeben würde. Ein Zusammenbruch des Regimes würde Flüchtlingsströme auslösen, US-Verbündete an die chinesische Grenze rücken lassen und Jahrzehnte regionaler Stabilisierungspolitik zunichte machen. Zugleich gilt das Gegenteil. Ein nuklear hochgerüstetes Nordkorea, das seine wirtschaftliche Abhängigkeit von Peking durch russische Transfers und Handelsumleitungen reduziert, entzieht sich der chinesischen Steuerung. Der Hebel Pekings über Pjöngjang war stets die ökonomische Abhängigkeit: Öl, Devisen, Getreide. Je mehr diese schwindet, desto mehr wird aus dem kontrollierbaren Pufferstaat ein autonomer Akteur, dessen nächste Entscheidung Peking nicht vorhersehen und nicht beeinflussen kann.
Dahinter steht Chinas Anspruch, niemals wieder in eine abhängige Position gedrängt zu werden, geprägt von den Erfahrungen mit den westlichen und japanischen Mächten der Zeit der ungleichen Verträge und der Stalin-Mao-Ära, in der Mao trotz globaler Ambitionen faktisch Juniorpartner Moskaus war. Eine eigenständige Achse zwischen Moskau und Pjöngjang würde genau dieses historische Muster in neuer Form wiederbeleben und zugleich Pekings Einfluss auf beide Seiten untergraben.
Für China steht Russland weniger für Zukunft als für Vergangenheit. Rohstoffe bleiben notwendig, um eine Volkswirtschaft am Laufen zu halten, doch die entscheidenden Machtfaktoren liegen längst in High-Tech-Industrien und Künstlicher Intelligenz. In diesen Feldern hat Russland China wenig zu bieten. Das Scheitern der Zusammenarbeit beim Großraumflugzeug C929 hat offengelegt, wie begrenzt die industrielle und technologische Anschlussfähigkeit Russlands inzwischen ist. Selbst in klassischen Ingenieursdisziplinen gelingt es Moskau kaum noch, Projekte auf Augenhöhe umzusetzen. Hinzu kommt ein schleichender Verlust an Ausbildungskapazitäten in Wissenschaft und Technik, der sich über Jahre aufgebaut hat. Für Peking liegen die technologischen Referenzpunkte deshalb nicht in Moskau, sondern in den Vereinigten Staaten und in Europa.
Gerade deshalb wird die wachsende militärische und technologische Kooperation zwischen Russland und Nordkorea für China zum strategischen Risiko. Denn was Moskau nicht in der Lage ist, im Wettbewerb mit den führenden Industrienationen zu leisten, gibt es selektiv an Pjöngjang weiter und unterläuft damit genau jene Abhängigkeitsstrukturen, auf denen Pekings Einfluss beruht. Ein Nordkorea, das durch russische Unterstützung militärisch aufrüstet und zugleich ökonomisch unabhängiger wird, entzieht sich Schritt für Schritt der chinesischen Kontrolle.
China erneuert seinen Status in der CRINC-Hierarchie
Vor diesem Hintergrund erhält Xi Jinpings Besuch in Pjöngjang eine andere Bedeutung. Er ist weniger Ausdruck gefestigter Kontrolle als der Versuch, sie sichtbar zu erneuern. Peking inszeniert weiterhin die Rolle des übergeordneten Akteurs auf der koreanischen Halbinsel. Doch die Realität hat sich verschoben. Nordkorea tritt selbstbewusster auf, gestützt durch neue militärische Fähigkeiten und eine wachsende strategische Öffnung gegenüber Moskau. Xi kommt nicht in ein abhängiges System, sondern zu einem Partner, der über zusätzliche Optionen verfügt und diese gezielt einsetzt.
Am Ende ist der eigentliche Gewinner Pjöngjang. Während Peking versucht, Einfluss zu bewahren, und Moskau kurzfristige militärische Vorteile sucht, erweitert Nordkorea seinen Handlungsspielraum. Es nutzt die Konkurrenz beider Seiten, um Abhängigkeiten zu reduzieren, Ressourcen zu sichern und zugleich seine militärischen Fähigkeiten auszubauen. Aus dem einst isolierten Pufferstaat ist ein Akteur geworden, der zwischen den Interessen größerer Mächte manövriert und daraus strategischen Nutzen zieht. Dass Xi Jinping bei seinem Besuch selbst die Formel der Denuklearisierung nicht mehr aufgriff, markiert dabei mehr als nur diplomatische Zurückhaltung. Es zeigt, wie weit sich das Kräfteverhältnis bereits verschoben hat.
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Ich bin mir nicht sicher ob ihre Einschätzung so zutreffend ist.
Sehen sie sich nur einmal die Grenze zwischen Nordkorea und Russland an.
Was passiert da gerade?
Warum haben sich die 3 Länder seit 150 Jahren nicht gestritten, obwohl es für China eine extrem hohe Belastung war, dass der Grenzfluss durch eine nur 10 Meter hohe Brücke den ganzen Nordosten Chinas vom Meer abrennte?
Jetzt wird eine neue Brücke aufgebaut.
Alle 3 Länder arbeiten zum gegenseitigen Erfolg zusammen. Und auch der Iran wird einbezogen.
Neue Bilder aus der Hauptstadt Nordkoreas beweisen das. Da gibt’s gerade mit Hilfe Chinas und Russlands einen enormen Wirtschaftsaufschwung.
Iran und sogar Kuba sorgen dafür das die USA ganz langsam den eigenen Abgesang eingeleitet hat.
Kuba hat tausende Solaranlagen und Stromspeicher von China bekommen.
Die Sanktionen bestrafen den der sie erlassen hat. Deutschland ist das beste Beispiel dafür.
Naja, Russland verkauft (als drittgrößter Waffenlieferant der Welt) auch China spezielle Waffantechnologien.
Russland baut aktuell vier große Atomreaktoren an zwei verschiedenen Standorten in China.
Russland und China planen gemeinsam den Bau einer dauerhaften Forschungsstation auf dem Mond.
Hauptsächlich werden weiter großen Infrastrukturen gemeinsam aufgebaut werden, um China aus Russland mit Öl und Gas zu versorgen.
Für ein Land, dass sich seit über 4 Jahre im Krieg befindet, und seit über 4 Jahre schon wirtschaftlich ruiniert sein sollte, doch bemerkenswert.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut