Die Wirtschaftswelt blickt derzeit kollektiv in den asiatischen Raum – genauer gesagt nach Kuala Lumpur in Malaysia, wo aktuell die Vorbereitungsgespräche zum Gipfel zwischen den Präsidenten der beiden größten Volkswirtschaften auf diesem Planeten auf der zweit höchsten Ebene der zuständigen Minister laufen. Dann folgt am Donnerstag das Treffen zwischen Xi Jinping und Donald Trump.
Denkwürdige Kommunikation von Zwischenergebnissen
Am gestrigen Sonntag den 27.10. haben sich denkwürdige Dinge zugetragen, wenn man die Kommunikationskaskade zu den Ergebnissen der laufenden Verhandlungen betrachtet. Normalerweise wird die Welt zuerst durch einen Tweet von Donald Trump auf seiner Social Media Plattform „Truth Social“ mit den Jubelmeldungen zu Durchbrüchen – zumindest nach Lesart des Autors – versorgt. Diesmal war es die chinesische Seite, die hier diesen Vorgang federführend angestoßen hat. Der Vize-Sekretär im Handelsministerium Li Chenggang wurde hinsichtlich der internen Genehmigungsprozesse und Wahrscheinlichkeit einer bevorstehenden Einigung maßgeblich zitiert, während sich Finanzminister Bessent eher schmallippig „über positive Verhandlungen“ äußerte.
Was hat die Zurückhaltung von Trump zu bedeuten?
Das kann prinzipiell Zweierlei bedeuten. Trump soll mit seinen eigenen Brachial-Verhandlungstaktiken spiegelbildlich unter Druck gesetzt werden, indem schon vorab die schon im Vorfeld bekannt gemachten Wunschergebnisse als wahrscheinliches Ergebnis angekündigt werden, oder die Verhandlungserfolge der Chinesen sind so bedeutend, dass Trump dazu lieber schweigt. Im ersteren Fall wäre das wohl als eine weitere Eskalation der Provokation von chinesischer Seite zu werten, was auf das Gegenteil der kolportierten Tatsachen zu einer bevorstehenden Einigung hinausläuft. Dann könnte die Angelegenheit noch prekär werden.
Was aber wahrscheinlicher ist, scheint Zweiteres zu sein – dass hier der amerikanische König wenig Motivation hatte etwas als Erfolg zu kommunizieren, weil es schlicht darauf hinausläuft, dass die amerikanische Seite dabei ist ihre Hosen bis unter beide Knöchel herunter zu lassen, mit dem einzigen Ziel die Exportkontrollen für seltene Erden zu verhindern und das Gesicht unmittelbar nicht komplett zu verlieren.
Der alleinige Sieger steht schon fest – Xi Jinping
Wie es sich also nach den bisherigen Vorkommnissen und Interpretation der „Informationsfetzen“ aktuell darstellt wird – wie auch schon an andere Stelle kommentiert – am Ende dieses Gipfels China mit Xi Jinping als alleiniger Sieger aus diesem Konflikt hervorgehen, weil Trump alle seine großmäulig und auf dubiosen Begründungen basierend eingeführten und angedrohten Sanktionen („Zölle sind mein Lieblingswort“) gegen China inklusive z.b. den Schiffsanlege-Gebühren und Software-Exportbeschränkungen vollständig zurück nehmen wird müssen, um die Super-Bazooka von Xi Jingping von seiner Stirn zu bekommen. Als „Erfolg“ wird neben der Pausierung der Exportkontrollen für die seltenen Erden wohl gefeiert, das die Soja-Bohnen, die die Amerikaner vor dem Konflikt ohnedies verkauft haben, wieder nach der Unterbrechung, die einige bäuerliche Existenzen vernichtet hat – ausgeführt werden können.
Von Tigern und Bettvorlegern
Um auf den einleitenden Titel zurückzukommen – einer der beiden Herren ist auch spätestens nach dem Sprung dieser Tage ein Tiger und der andere inzwischen ein Bettvorleger – und das wird die ganze Welt wohlwollend zur Kenntnis nehmen, und auch daraus weiteren Schlüsse im Umgang mit Trump ziehen können. Sobald auch nur der Hauch der Chance besteht, dass die US-Börsenindizes Schaden nehmen könnten, kann man mit 100% TACO („Trump always chickens out“ – Trump zieht immer zurück) rechnen. Also geht es nach neun Monaten Trump-Präsidentschaft inzwischen mehr um Hühner und lahme Enten als um Haie und Tiger. Wobei natürlich China hier als Gegenspieler definitiv eine Spezialstellung einnimmt, da Xi Jinping tatsächliche Druckmittel gegen die USA in der Hand hat.
Was man in diesem Zusammenhang nicht vergessen darf, ist allerdings, dass die auch nach der Biden-Regierung weiterlaufende und sogar akzelerierende US-Staats-Schuldenorgie auch bis zu einem gewissen Grad durch Zolleinnahmen in der Begrenzung ihrer Auswirkungen auf das Kapitalmarktzinsniveau ermöglicht wird. Man darf in der Folge also gespannt sein, wie sich der Ausfall von Zolleinnahmen auf die Renditen der US-Anleihen auswirken wird. Eine Vermutung: sie werden nach dieser Einigung – oder soll man es Kapitulation nennen? – wieder steigen.
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Es wiederholt sich im Grunde nur das, was es in der ersten Amtszeit von Donald Trump schon gegeben hat. China hatte den amerikanischen Präsidenten über mehrere Jahre hingehalten, bis dieser schließlich den größten Deal aller Zeiten vermelden konnte. Schlussendlich war es nur eine Lachnummer, ein Deal mit dem Handel von Sojabohnen. Zuletzt konnte sich die chinesische Führung bereits längere Zeit auf Trump 2.0 einstellen, zum Beispiel durch den Aufbau einer Dominanz bei Seltenen Erden, ohne die die amerikanische Tech-Wirtschaft gar nicht richtig funktionieren kann. Wieder spielt Xi Jinping auf Zeit, weil er weiß, dass in drei Jahren die nächste Amtsperiode des größten Präsidenten aller Zeiten enden wird. Der größte Dealmaker wird wieder einmal in seinen Fähigkeiten überschätzt, wie bereits bei seiner grandiosen Karriere als „Immobilien-Mogul“. Es ist so, wie es der Autor beschreibt – Tiger gegen Bettvorleger.
Wer hier denkt das es nicht schlimmer (für die pro westlichen Akteure) oder nicht schlimmer (für die die antiamerikanisch eingestellten) kommen kann, es kann.
Wann immer ein einst mächtiger in Bedrängnis gerät schlägt er wahllos um sich.
Das bedeutet Krieg.