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Yahoo: Besser Selbstzerstörung als Fremdbestimmung?

FMW-Redaktion

Yahoo als Unternehmen ist ein recht tragischer Fall. Gut vergleichbar mit Nokia in der Handyindustrie, war man einst die absolute Nummer 1. Man blieb stehen, und alle anderen um einen herum machten stetig Schritte vorwärts. Jetzt ist man so weit gekommen, dass man seine einzelnen Unternehmensteile per Rundschreiben an potenzielle Investoren anbietet. Selbstzerstörung, Selbstzerfleischung, wie nennt man das? Das ganze ist dringlich, denn letzte Woche Donnerstag veröffentlichte die Firma dieses Statement (Auszug):

Yahoo today noted Starboard Value LP’s announcement of its intention to nominate nine director candidates for election to Yahoo’s Board of Directors at the company’s 2016 Annual Meeting of Shareholders. The Board’s Nominating and Governance Committee will review Starboard’s proposed director nominees and respond in due course. Additional Information and Where to Find It Yahoo! Inc. the „Company“), its directors and certain executive officers are participants in the solicitation of proxies from stockholders in connection with the Company’s 2016 Annual Meeting of Stockholders (the „Annual Meeting“). The Company plans to file a proxy statement (the „2016 Proxy Statement“) with the Securities and Exchange Commission (the „SEC“) in connection with the solicitation of proxies for the Annual Meeting.

Der Hedgefonds Starboard hat also 9 Personen für den Yahoo-Aufsichtsrat nominiert (also alle Sitze im Gremium), die bei der Yahoo-Hauptversammlung gewählt werden sollen. Und was dann folgen würde, ist ja offensichtlich bei dem „Dauerärger“, denn Starboard in den letzten Monaten schon verursacht hat. Marissa Mayer´s wackliger Stuhl im Vorstandsbüro wäre wohl nicht mehr zu halten. Was tut man also? Laut „WSJ“ hat Yahoo vor Kurzem Briefe an potenzielle Investoren verschickt. Diese sollen bis zum 11. April Kaufangebote für Unternehmensteile von Yahoo abgeben, für die sie sich interessieren. Sozusagen eine freiwillige Selbstvernichtung, die immer noch attraktiver scheint als eine Fremdbestimmung bzw. Zerlegung durch Starboard, wenn diese Firma über den Aufsichtsrat einen neuen Vorstand intronisiert.

Die Logik der aktuellen Vorstandsvorsitzenden Marissa Mayer wird wohl sein: Je mehr attraktive Vermögenswerte wir jetzt noch schnell vor der Hauptversammlung verscherbeln, desto unattraktiver wird der ganze Laden für „den Geier“ Starboard. Als Retter bzw. Aufkäufer der wichtigsten Teile von Yahoo kursierten zuletzt Namen wie Verizon, Microsoft und Tim Warner. Was Yahoo ohne seine reinen Kapitalbeteiligungen überhaupt wert ist, das ist ein großes Rätsel – alles ungewiss, und wohl alles Verhandlungssache, je nachdem wer was kaufen will. Tumblr? Die Yahoo-Suchmaschine? Die Yahoo-Entertainmentangebote etc?

Die Hauptversammlung für Sommer ist noch nicht genau terminiert. Aber den Zusammenhang zur HV kann man eindeutig ziehen. Bis 11. April konkrete Angebot einholen, dann verhandeln und verkaufen, bevor im Juni oder Juli die HV ansteht. Da ist wohl die Hoffnung im Raum: Die HV startet, Starboard zieht mit voller Wucht in den Aufsichtsrat ein, entlässt den Vorstand, und freut sich über seine neue Macht. Nur ist dann kaum noch etwas da, über das Starboard bestimmten könnte. Marissa Mayer und ihr Spitzenpersonal könnten dann rasch zum besten Bieter „übersetzen“, der ihr ein warmes Plätzchen in einer Führungsposition anbietet.

Neben dem „unmoralischen & bösen“ Vorspreschen des Hedgefonds Starboard kann man das Vorgehen des jetzigen Yahoo-Vorstands genau so als fragwürdig ansehen. Es wirkt nicht gerade so als würde Frau Mayer im Sinne von Mitarbeitern und Aktionären handeln, wenn sie mal eben so den Laden verschachert, nur um das letzte Wort zu haben. So ein Verhalten erlebt man eigentlich gar nicht im normalen Geschäftsleben. Wahrscheinlich sind die bisherigen Aktionäre ziemlich ratlos über ein alternatives Vorgehen, weil die Firma so oder so schlecht da steht.



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