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Yanis Varoufakis: Wenn es hart auf hart kommt, tritt Deutschland vor Italien aus!

Der ehemalige griechische Finanzminister mit einer messerscharfen Analyse der Lage Europas!

Redaktion

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Einst rockte Yanis Varoufakis nicht nur die Politik, sondern auch die Finanzmärkte. Nun ist der einstige „Rockstar“ wenigern in den Medien, aber nach wie vor sehr aktiv – mit durchaus interessanten Vorschlägen: so fordert er, dass die EZB vor allem armen Europäern Schecks ausstellt und damit die ohnehin überschüssige Liquidität unter die Leute bringt und damit eine Umverteilung beginnt, die für Gesamteuropa zu positiven Ergebnissen führen würde.

Deutschland habe, so Varoufakis, sein Geld in ein schwarzes Loch geschüttet – und wenn die Dinge so weiter laufen, werde Italien aus dem Euro austreten – aber zuvor würde wohl Deutschland diesen Schritt tun. Was auch immer man von Varoufakis halten mag: es gibt jede Menge dümmere Menschen als ihn auf diesem Planeten! Sehr sehenswertes Video, in dem Varoufakis am Ende über „deutsche Euros“ spricht!

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By Robert Crc – Subversive festival media, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27132007

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    frank

    27. Juni 2018 10:55 at 10:55

    Varoufakis ist doch nur ein Dummschwätzer. Ich gebe nichts auf seine Aussagen. Er vermarktet sich gut. Seit er kein Finanzminister mehr ist schreibt er Bücher u. hält Vorträge, gut bezahlt. Aus reinem Eigeninteresse muss er steile Thesen aufstellen, sonst hört ihm niemand mehr zu. Deutschland wird als letztes Land im Euro bleiben und bis zum bitteren Ende, bis zur totalen Vernichtung im Euro bleiben.

    • Avatar

      Simply

      27. Juni 2018 11:06 at 11:06

      @frank. Ich sehe es genauso wie Sie. Deutschland wird als letzter gehen und die Zeche zahlen. Was würden die restlichen EU-Staaten ohne unseren Selbstbedienungsladen machen. ;-)

      LG,
      Simply

      • Avatar

        frank

        27. Juni 2018 11:36 at 11:36

        so sieht es aus. Das ist unser Schicksal. Die Deutschen wollen bzw. können nicht anders. Selbst wenn schon alles verloren ist, wird bis zum letzten Mann gekämpft. Das war schon 1944 so, damals galt der Krieg als sicher verloren, alle wussten es, doch niemand konnte bzw. wollte aufgeben. Erst die totale Vernichtung und Zerstörung und zwangsweise Kapitulation hat den schrecklichen Krieg beendet. Aber das Verhalten der Deutschen wird sich niemals ändern, egal welches System gerade herrscht. Auch die DDR hat erst aufgegeben als auch die SU niedergegangen ist. So wird es auch beim Euro kommen, auch wenn der Vergleich sicherlich nicht angemessen ist. Der Euro wird hoffentlich keinen Krieg auslösen.

    • Avatar

      burberg

      27. Juni 2018 13:28 at 13:28

      „Varoufakis ist doch nur ein Dummschwätzer.“

      Na, das sagt ja wohl ein Fachmann. Ich als Laie finde das sehr schlüssig, vor allem motzt er nicht nur rum, sondern nennt auch die Alternativen. Das Einzige, was ich bezweifle ist, dass Deutschland als erstes die Reißleine zieht. Dann sind wir wieder die Bösen, nach WK 1 und 2. Außerdem haben wir nicht die Politiker, die mal einen Arsch in der Hose haben.

  2. Avatar

    Chris

    27. Juni 2018 12:31 at 12:31

    Ich fand es interessant wie der Sozialist die beiden gefühlsmäßig und intellektuell eingewickelt hat. Keine Rückfragen bei offenbaren Unstimmigkeiten, keine zu den Zielen.

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    Marcus

    27. Juni 2018 13:53 at 13:53

    Viel heiße Luft aber wenig Substanz. Kernbotschaft ist, eine Transferunion mit gemeinsamem Haushalt zu installieren sodass man an die Vermögen der „reichen“ Eurozonenländer herankommt. Dazu sollte die EZB nach Möglichkeit alles kaufen was möglich ist und Helikoptergeld an die Bürger ausreichen. Deutschland selber wird nie im Leben die Eurozone verlassen, die geben lieber mit der EZB den „lender of last resort“.

    Die grundsätzlichen Konstruktionsfehler werden aber nicht behoben.

  4. Avatar

    Wolfgang Koch

    27. Juni 2018 14:39 at 14:39

    Der „Deep State“in Deutschland verzockt sich gerade genauso,wie der in den USA vor 2 Jahren!Frage:Wer wird die deutsche oder der deutsche Trump sein,der nach der fälligen Neuwahl aufräümt?Was haben wir an Schauspielern oder Baumagnaten,die momentan auf freiem Fuss sind zu bieten?Till Schweiger,Jürgen Schneider,Markus Söder(wg.Patricia und so!,Elias M’Barak,usw.Die Märkte,das neue allein wichtige,brauchen kein intelligentes Gegenpart mehr,sie sind quasi alternativlos,sagt zumindest IM Erika,der beiden Erichs Rache!Meine Vorfahren stammen auch aus Sachsen-Anhalt.Deshalb fühle ich mich befähigt & befugt,in Memoriam,posthum,als legitimer Vertreter unserer geliebten Beauftragten für Agitation&Propaganda,Genossin Angela Kasner-Merkel,den Orden der Republik mit goldenen Sicheln & Zirkeln,den höchsten Orden unseres geliebten Vaterlandes zu verleihen!Sollte Ihnen das etwas zu nordkoreanisch vorkommen,gewöhnen sie sich schon mal daran,das wird demnächst total in sein.Ende der deutschen Wochenschau.

  5. Avatar

    Delion Delos

    6. Juli 2018 17:36 at 17:36

    Erst fängt er ganz langsam an… aber dann… aber dann…
    Varoufakis ist ein Sozialist, wie er im Buche steht. Sein Rezept besteht im Wesentlichen darin, das Geld der anderen zu verteilen. Die 2-3 Billionen, von denen er spricht und die er gern in einem GEMEINSAMEN europäischen Fond investieren möchte, sind NICHT von Griechenland, Portugal, Italien oder Spanien erwirtschaftet worden – ABER sie sollen (auch) nach dorthin verteilt werden. Griechenland (z.B.) soll NICHT durch eigene Reformen und durch eigene PRODUKTIVITÄT im Wettbewerb mit anderen seine Schulden zurück zahlen, sondern dadurch, dass in dem vergemeinschafteten Fond so viel Geld verdient wird, dass nach der Verteilung (auch) an den griechischen Staat dieser genug Geld besitzt, um Schulden zu bezahlen.
    Zudem würden auch weiter extreme Eingriffe in den Markt nötig sein, denn die EZB müsste den gleichbleibend guten Zinssatz des Gemeinschaftsfonds (der den „Fehler“ hat, sich nur aus den Gewinnen des Nordens zu speisen) garantieren, indem sie immer dann, wenn die Sache ins Wanken gerät, durch Aufkäufe eingreift. Das hat mit einer Marktwirtschaft nichts zu tun, dafür aber umso mehr mit einer Planwirtschaft.

    Auch Varoufakis gehört zu denen, die meinen, das Volk sei ja so überaus dumm, dass es ganz dringend umerzogen werden müsse: die bisher fehlende europäische Identität will er durch diverse Aktionen erreichen

    Um dem Ganzen mehr Nachdruck zu verleihen, schreckt auch er nicht vor Diffamierungen zurück: auch für ihn sind die Kritiker des Eurosystems schlichtweg Populisten. Vor ihnen warnt er, indem er behauptet, sie würden die Schwachstellen des Systems „ausnutzen“. So eine Äußerung entlarvt ihn als das, was er ist: ein eitler griechischer Gockel, von sich selbst restlos überzeugt, der sich nur dann ins richtige Licht setzen kann, wenn er andere diffamiert – ganz so, wie es seine Kumpels aus den anderen sozialistischen, grünen und sozialdemokratischen Parteien auch tun.

    Nach Varoufakis würden die Nordeuropäer weiter für die Südeuropäer bezahlen, alles bliebe beim Alten.
    Zuletzt – als wäre es noch immer nicht genug – setzt Varoufakis noch einen drauf: Er empfiehlt (zusätzliche?) EUROPÄISCHE Parteien, damit es zu einer Veränderung der europäischen Mentalität käme. Das gemeinsame Einsetzen für gemeinsame Belange – das würde es bringen, damit käme eine europäische Identität zustande.
    Da zäumt er jetzt das Pferd von hinten auf, denn damit so eine europäische Partei überhaupt gewählt werden kann, müsste es ja eine Interessenvertretung in Gestalt eines PARLAMENTS geben – ansonsten wäre es ja witzlos, europäische Parteien zu unterhalten. Das europäische Parlament aber ist ein zahnloser Tier, es darf keine Gesetzesvorschläge einbringen.
    Was also sollen zusätzliche europäische Parteien, wenn sie absolut machtlos sind?
    WENN aber das europäische Parlament mit der ÜBLICHEN MACHT eines ECHTEN Parlaments ausgestattet werden würde, DANN bräuchte es auch keine europäischen Parteien mehr, denn DANN könnten wir mit unseren nationalen Parteien das erreichen, was uns wichtig ist.
    Man kann es drehen und wenden, wie man will: heraus kommen immer nur die hab-ausgegorenen Ideen eine Sozialisten. Mich graust es bei dem Gedanken, dass die Länder schon WIEDER (!!) zum Experimentierfeld sozialistischer Weltverbesserer werden sollen.
    Die Erfahrungen mit den nationalen Sozialisten der Jahre zwischen 1933 und 1945 und ebenso die Erfahrungen mit den internationalen Sozialisten der Ostblock-Zeit (Stalin, Ceaușescu, Ulbricht/Honnecker, Mao Tsedung, Pol Pot & Co) sollten doch eigentlich endlich ausreichen, um zu wissen, dass sozialistische Ideen IMMER zum Scheitern verurteilt sind, weil ihnen zu viele Denkfehler anhaften und weil sie IMMER zu Diktaturen führen.

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Aussicht für deutsche Exporte verfinstern sich spürbar

Claudio Kummerfeld

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Über den Hamburger Hafen laufen viele Exporte Richtung Übersee

Die Stimmung der deutschen Industrie für ihre Exporte in den nächsten Monaten verfinstert sich gerade spürbar. Denn laut aktueller Veröffentlichung des ifo-Instituts hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren merklich verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im November von plus 7,0 auf minus 2,1 Punkte gefallen. Der Chart zeigt nach der Erholung aus dem „Corona-Tal“ den Absturz bei den Erwartungen an die Exporte. Erstmals seit Juni ist der Erwartungsindex wieder negativ.

Insbesondere die Heftigkeit der zweiten Corona-Welle in vielen europäischen Ländern belastet laut ifo-Institut die Exporte. Einen deutlichen Dämpfer beim künftigen Auslandsgeschäft musste die Automobilbranche verkraften. Der Optimismus der vergangenen Monate ist verflogen. Mit deutlichen Rückgängen beim Export rechnet die Nahrungsmittelindustrie. Der Maschinenbau geht eher von einer konstanten Entwicklung bei den Exportumsätzen aus. Gleiches gilt für die Metallbranche. Weitere Zuwächse erwarten hingegen die Chemische Industrie und die Elektrobranche.

Der Chart vom ifo-Institut zeigt Erwartungen für die deutschen Exporte

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EZB warnt wieder vor Risiken, die sie selbst geschaffen hat!

Markus Fugmann

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In ihrem heute veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht warnt die EZB wieder einmal vor Risiken und dem Platzen einer Blase, die sie letztlich selbst geschaffen hat!

Die EZB zur permanenten Intervention verdammt

So beklagt Europas Notenbank etwa die „Konzentration von Risiken“ in einigen Bereichen – und man sollte doch die Frage stellen, warum es diese Konzentration von Risiken wohl gibt! Die Antwort ist fast schon unterkomplex: wegen der finanziellen Repression, die durch die EZB ausgeübt wird. Wie ließe sich etwa sonst erklären, dass griechische Staatsanleihen mit Laufzeit bis vier Jahren negative Renditen aufweisen  – Anleger also bereits sind, einem de facto bankrotten Staat für den Kauf von Schuldpapieren sogar noch Geld zu bezahlen?

Dazu kommt: die Notenbank beklagt die schwache Profitabilität der Banken der Eurozone,  die ja eben aufgrund der Zinspolitik der EZB mit Negativzinsen schlicht kaum profitabel arbeiten können.

Mit anderen Worten: die EZB betreibt eine massive Manipulation nicht nur der Märkte für Staatsanleihen, sondern zerstört im Grunde die Existenzgrundlage europäischer Banken, die nicht zufällig deutlich schlechter dastehen als die amerikanische Konkurrenz. So entsteht eine Situation, die immer neue Eingriffe verlangt, um die weitgehend selbst verursachten Schieflagen zu korrigieren. Wer die Büchse der Pandora öffent, sollte sich eben nicht wundern, dass ungeahnte Konsequenzen entstehen. Die EZB hat den Limes überschritten – und ist damit zur permanenten Manipulation verdammt, weil die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft, aber die Illusion des ewigen Wohlstands aufrecht erhalten weredn muß! Die Notenbank ist gewissermaßen die Kraft, die stets das Gute will – und das Böse schafft.

Nun hat die Coronakrise letztlich auch die Staaten gezwungen, immer stärker in die Wirtschaft einzugreifen und zu retten. Ein Risiko sieht die europäische Notenbank nun darin, dass diese eigentlich als einmalige Maßnahme gedachten Eingriffe zu früh enden könnten. Die Coronakrise scheint sich als „door opener“ für den staatlich gelenkten Kapitalismus zu erweisen, der Weg zu MMT ist wohl endgültig geebnet!

Für Schmerzbefreite hier die Kurzfassung des Berichts der EZB zur Finanzstabilität im Wortlaut:

 

  • Dispersed economic and financial market impact on countries and sectors could lead to concentration of risks in some areas
  • Policy measures have addressed liquidity challenges but risks can arise from premature or delayed withdrawal of fiscal support
  • Bank profitability prospects remain weak with losses potentially materialising with a lag relative to the recover

Vulnerabilities in the corporate sector are increasing as the pandemic evolves and their unearthing could test the resilience of euro area banks in the future, the European Central Bank (ECB) says in its latest Financial Stability Review (FSR). Current extensive policy support is helping euro area corporates and households to cope with the fallout of the pandemic, but risks can arise either from a premature end to measures or from prolonged support. Premature withdrawal of fiscal support – including government loan guarantees and statutory loan moratoria – could set back the economic recovery, transforming the corporate liquidity challenges observed at the outset of the pandemic turn into solvency issues. The sharp rise in corporate and sovereign indebtedness increases the risks to financial stability from an emerging sovereign-corporate bank nexus in the medium-term, as banks and sovereigns alike are exposed to pandemic-induced risk faced by euro area firms.

“Bank profitability is expected to remain weak. Provisions have increased but look optimistic in some cases, while guarantees and moratoria may have lengthened the time it takes for weak economic performance to translate into loan losses,” said Luis de Guindos, Vice-President of the ECB. “Government support schemes are essential currently but should remain targeted towards pandemic-related economic support and avoid giving rise to debt sustainability concerns in the medium term,” he added.

For euro area banks, which entered the pandemic with stronger balance sheets than at the time of the global financial crisis, a premature end of government guarantees and moratoria could lead to an additional wave of losses. They are also expected to face continued pressures on profitability, including from a weaker outlook for lending and continued structural challenges. Banks’ capital buffers remain comfortable and should remain available to absorb losses and support lending for an extended period. Authorities need to monitor the effectiveness of policies to support buffer use and avert deleveraging. Looking beyond the pandemic, it is important for banks, together with the rest of the financial system, to manage the financial stability risks posed by climate change and support the transition to a greener economy.

A return to risk-taking by non-banks, including investment funds, also increases their vulnerability to outflows and losses should corporate credit risks rise materially. These risks are accentuated by continued gaps in the macroprudential framework for non-bank financial institutions.

Die EZB ist die Kraft, die stets das Gute will - und das Böse schafft

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EZB soll Make-Up-Strategie umsetzen

Hannes Zipfel

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Die Zentrale der EZB in Frankfurt

Es ist schon ein makaberes Wortspiel in Zeiten zwangsgeschlossener Kosmetikstudios sowie arbeitsloser Maskenbildner und Visagisten, dessen sich der finnische Zentralbank-Gouverneur und Ratsmitglied der EZB, Olli Rehn, bedient. Auf einer Konferenz in Helsinki forderte Rehn am Dienstag neben einem symmetrischen Inflationsziel die Umsetzung einer Make-Up-Strategie. Was konkret ist damit gemeint und was kommt als Nächstes?

EZB braucht Make-Up

Ohne die Europäische Zentralbank hätte sich das Thema Eurozone längst erledigt. Das will aber die Masse nicht hören und die Zentralbanker nicht sagen. Also werden seit dem Beginn der Weltfinanzkrise und der Eurokrise alle unkonventionellen Maßnahmen mit dem nicht Erreichen des Inflationsziel der Europäischen Zentralbank begründet, da dieses den Kern des EZB-Mandats darstellt.

Da aber mittlerweile jedem Geld- und einigen Fiskalpolitikern dämmert, dass bei einer Gesamtverschuldung der Industrieländer laut Institute for International Finance von knapp 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dieses Mandat nicht mehr ausreicht, wird es nun angepasst. Dazu gehört auch, dass man das Inflationsziel von zwei Prozent p. a. (Konsumententeuerung) irgendwie umgehen muss. Denn selbst wenn die jetzige Ausnahmerezession vorüber ist, bleiben die hohen und weiter steigenden Schulden. Die EZB kauft einen Großteil davon auf und hält die Zinsen nominal bei null und real im negativen Bereich, um den Schuldendienst erträglich zu machen.

Am Beispiel der USA, wo die US-Notenbank Fed mit dem Versuch in den Boom nach Trumps Steuerreform hinein die Zinsen zu normalisieren, scheiterte, will man bei der EZB nun vorsorgen. Sollte es zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen und die Inflation (Konsumententeuerung) über zwei Prozent hinausschießen, will und kann man wegen der extrem hohen privaten und öffentlichen Verbindlichkeiten die Zinsen dennoch unten halten. Ein eventuelles Überschießen des Inflationsziels soll daher via Make-Up überdeckt werden.

Dazu fordert unter anderem und erneut Olli Rehn die Einführung eines flexiblen Inflationsziels. Die Präsidentin der EZB, Madame Lagarde, spricht sich neben anderen Rats-Mitgliedern ebenfalls dafür aus. Um ein Überschießen der Inflation zu überdecken, soll statt des bisherigen asymmetrischen Inflationsziel ein symmetrisches Inflationsziels eingeführt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass die Notenbanker statt eines festen Wertes einfach einen Durchschnittswert eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit ausrechnen. Solange dieser Wert sich nicht allzu lange und allzu massiv über zwei Prozent befindet, muss die EZB nicht inflationsbekämpfend eingreifen. Angepeilt wird ein Zeitraum der letzten fünf Jahre zur Durchschnittsbildung der Inflationsrate.

Im Falle der Eurozone bedeutet dies eine durchschnittliche Inflationsrate seit Oktober 2015 in Höhe von knapp einem Prozent p. a. Durch Überdeckung einer zukünftigen höheren Inflation mit statistischem Make-Up könnte die Teuerungsrate für eine lange Zeit über zwei Prozent liegen, ohne dass das symmetrische Inflationsziel der EZB übertroffen wird. Die für die Errechnung des symmetrischen Inflationsziels relevanten Parameter (betrachteter Zeitraum etc.) sollen flexibel gehalten werden. Somit ist gewährleistet, dass selbst bei steigender Konsumententeuerung die EZB ihre ultralaxe Geldpolitik gemäß ihrem Kernmandat der statistischen Preisstabilität (ohne Vermögenspreise) beibehalten kann.

Welche Ziele hat die Zentralbank laut EU-Vertrag?

Doch auch der u. a. von Rehn sowie Lagarde und seit dem virtuellen Notenbanker Treffen in Jackson Hole sogar vom Präsidenten der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, geforderte „Monetary Shift“ könnte nicht ausreichen, um die explodierende Gesamtverschuldung durch das symmetrische Inflationsziel zu managen. Daher gräbt man nun bei der EZB im EU-Vertrag nach weiteren Möglichkeiten des geldpolitischen Make-Ups. Und siehe da, man wurde fündig: Ebenso wie bei der US-Fed gestattet der EU-Vertrag auch zwei Nebenmandate, wie Olli Rehn in Helsinki am Dienstag klarstellte: „Wenn wir unser gesetzliches Mandat respektieren, müssen wir danach streben, Vollbeschäftigung, ausgewogenes Wachstum und eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen“. Das symmetrische Inflationsziel wurde zwar im Nebensatz noch mit erwähnt, aber es wird immer deutlicher, dass die EZB nach einer Legitimation ihrer dauerhaften Krisenpolitik sucht.

Wie weit kann die EZB ihr Mandat auslegen?

Schon seit Längerem hat die EZB das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt und möchte verstärkt Unternehmen Kredite durch den Ankauf von Firmenanleihen zu sehr vorteilhaften Konditionen (für die Schuldner) vornehmen. Mit Nachhaltigkeit ist dabei gleichwohl nicht die geldpolitische Nachhaltigkeit oder gar die Schuldentragfähigkeit gemeint, sondern der Klimawandel. Die EZB trägt daher bei einigen Ökonomen schon scherzhaft den Beinamen „Grüne EZB“. Anders als Lagardes Vorgänger Draghi, für den der Klimawandel kaum ein Thema war, ist dies ein Lieblingsthema der jetzigen EZB-Chefin Lagarde. Mit dem neuen deutschen EZB-Ratsmitglied Elisabeth Schnabel hat sie eine Gleichgesinnte gefunden, die ebenfalls durch Billigkredite aus der digitalen Notenpresse den Wandel der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität unterstützen möchte.

Das gibt der EZB weiteren Spielraum, denn bislang befinden sich Unternehmensanleihen in Höhe von einer viertel Billion Euro im Portfolio der EZB, von denen laut Greenpeace gemäß einer aktuellen Studie vom 3. November 63 Prozent von klimaschädlichen Unternehmen stammen. Um diese Zahl prozentual kosmetisch zu relativieren, könnte man das Portfolio einfach umschichten und mehr „Grüne-Anleihen“ kaufen. Doch das wäre der Todesstoß für unzählige Unternehmen und Arbeitsplätze, was wiederum die anderen Mandate der EZB untergraben würde.

Also geht man den anderen Weg und kauft noch mehr Unternehmensanleihen (vornehmlich Grüne), um die Anzahl der Klimaschädlinge im eigenen Anleiheportfolio zu relativieren. Auch die Mandate Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum geben der EZB praktisch einen Freibrief für die Beibehaltung ihrer ultralaxen Geldpolitik.

Fazit und Ausblick

Die Umstellung von einem asymmetrischen auf ein symmetrisches Inflationsziel ist eine weitere „unkonventionelle“ geldpolitische Maßnahme, um die Notfallgeldpolitik zu prolongieren. Richtig spannend wird es am 10. Dezember, wenn die nächste EZB-Ratssitzung mit anschließender Pressekonferenz stattfindet, auf der neue Maßnahmen bekannt gegeben werden sollen – auch kosmetische. Noch spannender wird es dann im Januar 2021, wenn das Thema „Worldwide-Reset“ von den wichtigsten Notenbankern und anderen supranationalen Institutionen erneut besprochen wird. Höflich ausgedrückt ist ein Reset ein Neustart. In der Praxis geht es aber um einen globalen Schuldenschnitt inkl. Währungsreform, also einen Neustart mit Enteignung breiter Bevölkerungsschichten und Sparer.

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