Der japanische Yen steigt über Nacht. Was geht uns Europäer oder die Amerikaner das an? Der Carry Trade könnte nun in Gefahr geraten. Anleger hatten sich jahrelang in gigantischem Ausmaß in Japan zu Mini-Zinsen verschuldet, und das Geld vor allem in den USA hochverzinslich angelegt, und wohl auch in großem Umfang in US-Aktien. Wenn nun der japanische Yen deutlich ansteigt, wären zunehmend Carry Trader gezwungen, US-Aktien oder Anleihen zu verkaufen, und sie schnell in Yen zu tauschen, bevor er zu teuer wird. Der Chart zeigt US-Dollar gegen Yen seit dem Jahr 2013. Besonders in den letzten vier Jahren ist den Yen deutlich abgewertet. Droht nun die Wende? Über Nacht sinkt USDJPY von 157,12 auf 156,01.
Yen steigt – Bedrohung für Carry Trade
Das ist noch längst keine gigantische Bewegung. Aber die Bank of Japan hatte jüngst die Zinsen erhöht, und weitere Anhebungen wurden in Aussicht gestellt. Die japanischen Anleiherenditen sind in den letzten Wochen deutlich gestiegen, nur der Yen wollte nicht ansteigen. Es „baute sich Druck auf“, wie es der Experte Andre Stagge gestern formulierte. Wenn der Markt aus dem Nichts eine schnelle und spürbare Yen-Aufwertung erleben sollte, wäre das eine Gefahr für US-Aktien. Und aktuelle Aussagen aus Japan sorgen für Druck am Devisenmarkt.
Japan-Finanzminister mit Aussagen
Der japanische Yen übertrifft heute seine G-10-Pendants und legt zu, nachdem Japans Finanzminister Satsuki Katayama in einem Interview erklärt hatte, dass die Regierung „freie Hand” habe, um entschlossen gegen die Währung vorzugehen, sollten deren Bewegungen nicht mit den Fundamentaldaten übereinstimmen, so Bloomberg News. Weiter wird berichtet: Der Yen legte um bis zu 0,7 % auf 155,96 zu und erholte sich damit von ihrem etwa einmonatigen Tiefstand, den er nach der Zinsentscheidung der Bank of Japan in der vergangenen Woche erreicht hatte. Der Dollar hingegen setzte seinen Rückgang gegenüber den wichtigsten Währungen zum zweiten Tag in Folge fort.
„Es besteht eine gewisse Vorsicht hinsichtlich möglicher Interventionen durch die Behörden, und der Yen hat nach starken Verkäufen eine deutliche Erholung gezeigt”, sagte Hiroyuki Machida, Direktor für Devisen- und Rohstoffverkäufe in Japan bei der Australia & New Zealand Banking Group. „Die Entwicklung spiegelt jedoch auch die allgemeine Schwäche des Dollars wider, da die Renditen für US-Staatsanleihen gesunken sind und die wichtigsten Währungen gegenüber dem Dollar gestiegen sind.”
Während die BOJ am Freitag ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten anhob, gab Gouverneur Kazuo Ueda wenig Klarheit über den künftigen Kurs der Zentralbank bei Zinserhöhungen, was zu einem Rückgang des Yen auf ein Niveau führte, das in der Vergangenheit zu Interventionen geführt hatte. Japans oberster Währungsbeamter Atsushi Mimura sagte diese Woche, dass die Behörden geeignete Maßnahmen gegen übermäßige Bewegungen auf dem Devisenmarkt ergreifen werden.
Was Bloomberg-Strategen sagen: Der USD/JPY fällt heute weiter, wobei die Kommentare des japanischen Finanzministers Satsuki Katayama vom Vortag für zusätzlichen Schwung sorgen. Unterstützt wird der Yen durch breite Gewinne der G-10- und asiatischen Währungen, allen voran der Yuan. Ein Schlusskurs unter 156 am Dienstag wäre ein positives Signal für den Yen, da dies eine vollständige Umkehr des Anstiegs des USD/JPY bedeuten würde, der durch die Pressekonferenz von BOJ-Gouverneur Ueda letzte Woche ausgelöst wurde.
— Mark Cranfield, Markets Live Strategist.
Das Finanzministerium griff letztes Jahr ein, als die Währung auf etwa 160,17 fiel, und führte zusätzliche Interventionen bei Kursen um 157,99, 161,76 und 159,45 durch. Beamte haben angedeutet, dass sie sich mehr um die Volatilität und das Tempo der Bewegungen als um bestimmte Kurse sorgen. „Es ist zwar schwierig, ein konkretes Niveau für eine tatsächliche Intervention zu benennen, aber die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass die Nervosität an den Märkten stark zunehmen würde, sobald der Yen unter die Marke von 158 fällt, da dann jederzeit mit einer Intervention zu rechnen wäre“, so Machida.
Kommentar
FMW: Am Devisenmarkt wartet man offenkundig auf eindeutigere Signale der Bank of Japan, dass die Zinsen weiter kräftig erhöht werden. Dann könnte der Yen aber auch spürbar ansteigen. Der Carry Trade bleibt die unsichtbare Gefahr für den US-Aktienmarkt und die dortige Rally bei Techaktien. Denn wie viel Geld aus dem Carry Trade in Nvidia und Co geflossen ist – unklar.
FMW/Bloomberg
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Zur Wahrheit gehört aber auch das die Zinsen früher in Japan bei 6 Prozent lagen und darüber.
Natürlich…nach dem 90er Crash versuchte die Bank of Japan alles den Aktienmarkt zu stützen…aber erst mit dem massenhaften Ankauf von Staatsanleihen gelang das…Stichwort Abenomics…ab 2013…
Außerdem kaufte man noch ETFs… die auf den Nikkei 225 liefen…
Alles in allem pumpte die Bank of Japan umgerechnet um die 6 Billionen US-Dollar in die Märkte im Vergleich vor den Abenomics…
Das Geld ist immer noch im System….
Die Zinsen sind also nur ein Teil in der Geldpolitik…wichtiger ist aber heutzutage die Bilanz…einer Notenbank…
Japan ist bisher nicht bereit aufgekaufte Staatsanleihen wieder abzustoßen…das Gleiche gilt für die ETFs die auf den Nikkei 225 laufen…