Devisen

Plaza-Abkommen-Echo im Markt Yen steigt zum Dollar: Takaichi-Warnung befeuert Intervention

Der Yen hat seine Erholung zum Wochenstart ausgeweitet und zeitweise bis zu 1,1% gegenüber dem US-Dollar zugelegt. Laut einem Bericht von Bloomberg bleiben Marktteilnehmer nach der jüngsten Abwertung der japanischen Währung in Alarmbereitschaft: Die Wahrscheinlichkeit einer staatlichen Stützung – bis hin zu direkten Devisenmarkt-Interventionen – wird wieder höher eingepreist. Auslöser war unter anderem eine Warnung von Japans Premierministerin Sanae Takaichi am Sonntag, die in den Handelssaalen als Signal verstanden wurde, dass Tokio spekulative Übertreibungen nicht länger tolerieren könnte.


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Die Währung stieg in der Folge auf 153,88 Yen je Dollar. Parallel gerieten japanische Aktien unter Druck: Der Nikkei-225-Index fiel zeitweise um bis zu 2%. Anleihemärkte zeigten hingegen Entspannungstendenzen, viele Papiere legten zu. Atsushi Mimura, im Finanzministerium der ranghöchste Beamte für Yen-Fragen, erklärte am Montagmorgen, Japan stehe beim Thema Devisen in engem Austausch mit den USA. Zu Spekulationen über sogenannte „Rate Checks“ – informelle Abfragen von Wechselkursen bei Banken als Vorstufe möglicher Interventionen – wollte er sich nicht äußern.

Japan: Takaichi erwägt Intervention bei Dollar-Yen
Yen legt kräftig zu, da Spekulationen über Interventionen zunehmen

Takaichi formulierte in ihrer Warnung bewusst breit und ohne konkrete Zielmarken: „Wir werden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um spekulative und hochgradig anormale Bewegungen zu adressieren.“ Dass sie den Yen oder japanische Staatsanleihen nicht ausdrücklich nannte, änderte wenig an der Botschaft. Zwar schob die Premierministerin ein, es sei nicht ihre Aufgabe, „Angelegenheiten zu kommentieren, die vom Markt bestimmt werden sollten“. Doch Finanzministerin Satsuki Katayama hatte zuvor betont, Japan habe „freie Hand“, bei Bedarf zu handeln – einschließlich Interventionen.

Signale für Yen-Verteidigung


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Die japanische Währung hat gegenüber dem Dollar um fünf Yen zugelegt, nachdem sie Ende letzter Woche ein 18-Monats-Tief erreicht hatte. Die Trendwende setzte am Freitag zum Ende der Tokioter Handelszeit ein und gewann im US-Handel deutlich an Tempo. Händler verwiesen dabei auf Berichte, wonach die Federal Reserve Bank of New York Finanzinstitute kontaktiert habe, um sich nach dem Yen-Wechselkurs zu erkundigen. Solche Abfragen gelten am Markt als mögliches Frühwarnsignal, dass politische Stellen die Lage intensiver beobachten.

Die Fed-Anfragen sowie die zuletzt enge Kommunikation zwischen Katayama und US-Finanzminister Scott Bessent nähren bei Investoren die Erwartung einer koordinierten Aktion. Die Rally am Freitag war die kräftigste seit dem 1. August. Hinweise auf abgestimmte Warnsignale für Devisen und Anleihen zeigten, dass „die Behörden keine spezifischen Niveaus verteidigen, sondern signalisieren, dass ungeordnete, spekulative oder übermäßig schnelle Bewegungen nicht-lineare Reaktionen auslösen können“, sagte Shoki Omori, Chefstratege am Handelstisch von Mizuho Securities in Tokio. Das mache „Einbahnstraßen-Positionierung“ deutlich unattraktiver.

Damit steigt der Druck auf Yen-Short-Positionen, deren Umfang zuletzt so stark gestiegen ist wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Bewegungen im Devisenmarkt gehen zudem mit Turbulenzen bei japanischen Staatsanleihen einher. Renditen am langen Ende waren in der ersten Hälfte der Vorwoche auf Rekordwerte gestiegen, bevor eine Gegenbewegung einsetzte.

Plaza-Abkommen-Echo im Markt

Am Montag setzte sich die Erholung bei Japans zehnjährigen Staatsanleihen fort: Die Rendite sank um 4,5 Basispunkte auf 2,21%. Am Mittwoch steht zudem eine Auktion 40-jähriger Anleihen an, die nach dem Renditesprung der Vorwoche – zeitweise über die psychologisch wichtige Marke von 4% – besonders genau beobachtet werden dürfte.

Für manche Marktakteure weckt die Aussicht auf konzertiertes Handeln zwischen Tokio und Washington Erinnerungen an das Plaza-Abkommen von 1985, als mehrere große Volkswirtschaften faktisch eine Dollar-Abwertung einleiteten. Bereits vor mehr als einem Jahr war eine politische Debatte über wirtschaftliche Ungleichgewichte aufgekommen, die durch eine „anhaltende Dollar-Überbewertung“ getrieben seien. Die USA haben laut Website der New Yorker Fed seit 1996 nur dreimal in Devisenmärkte eingegriffen – zuletzt 2011, als sie gemeinsam mit anderen G7-Staaten Yen verkauften, um nach dem Erdbeben in Japan die Märkte zu stabilisieren.

„Japan kann den Yen nicht reparieren, ohne inländischen Stress oder globale Spillovers zu riskieren, daher ist die Idee einer Koordination, eines Plaza-Accord-II-ähnlichen Ergebnisses, für einige plötzlich nicht verrückt“, sagte Anthony Doyle, Chef-Anlagestratege bei Pinnacle Investment Management. „Wenn das US-Finanzministerium anfängt, Anrufe zu tätigen, ist das normalerweise ein Zeichen, dass das über eine normale FX-Story hinausgeht.“

USD/JPY: Tokios rote Linie bei 160

Tokio hatte 2024 fast 100 Milliarden Dollar für Yen-Käufe ausgegeben, um die Währung zu stützen. Auffällig: In allen vier Fällen lag der Wechselkurs um 160 Yen je Dollar – ein Niveau, das sich damit als grober Marker etabliert hat, ab dem erneute Eingriffe wahrscheinlicher werden. „Letztlich: Wenn dies ein echter Versuch ist, USD/JPY zu verankern, muss Tokio mit tatsächlicher Intervention nachlegen“, sagte Homin Lee, Senior-Makrostratege bei Lombard Odier. Er ergänzte, ein gemeinsames Eingreifen von Japan und den USA wäre „eine ungewöhnlich offene Demonstration bilateraler Koordination“.

Japan hat bereits zuvor versucht, die Schwäche des Yen einzudämmen

Die jüngsten Marktbewegungen fallen zudem in eine politisch heikle Phase: Japan bereitet sich auf eine überraschend angesetzte Wahl am 8. Februar vor. Takaichis Versprechen, Lebensmittelsteuern zu senken, hatte in den vergangenen Tagen Schockwellen durch den japanischen Rentenmarkt geschickt. Umfragen vom Wochenende zeigen sinkende Zustimmungswerte – ein Hinweis auf die Risiken ihres Vorgehens. Der Renditesprung bei 40-jährigen Papieren markierte den höchsten Stand seit Einführung dieser Laufzeit und zugleich das höchste Renditeniveau über alle Laufzeiten japanischer Staatstitel seit mehr als drei Jahrzehnten.

„Das entwickelt sich zu einem kontrollierten, politisch konstruierten Reset“, sagte Masahiko Loo, Senior-Strategist für Fixed Income bei State Street Investment Management. Das Risiko einer „ungeordneten, systemischen Auflösung des Yen-Carry-Trades“ habe deutlich nachgelassen.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Japan ist am Ende des Schuldenzyklus angekommen… .

    Von um die 50 Prozent in 1980 stiegen die Staatsschulden bis auf über 275 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt.

    Ohne Geld drucken im ungedecktem Papiergeldsystem in Perfektion ausgereizt wird Japan nicht überleben.

    Die Japaner fliehen in die Edelmetalle so stark ist deren Vertrauen in die Bank of Japan.

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