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Yuan ab Oktober 2016 im IWF-Währungskorb?

FMW-Redaktion

Der IWF hat China schon mehrmals die Aufnahme des Yuan in den erlauchten Kreis des IWF-Währungskorbs (Sonderziehungsrechte) in Aussicht gestellt. Bisher wurde dies immer abgelehnt mit den staatlichen Restriktionen des Yuan und damit der mangelhaften freien Handelbarkeit der Währung. Unausgesprochen übt die AIIB, die asiatische Alternative zum IWF, die ab Anfang 2016 ihre Arbeit aufnehmen wird, Druck auf den IWF aus.

Der IWF wird dann in Asien ein gutes Stück an Bedeutung verlieren. Da wird man jetzt, wie es aussieht, beim IWF nicht mehr so genau hinschauen bei der immer noch staatlich beeinflussten Währung Chinas. Wenn man den Yuan in den Währungskorb (bisher Dollar, Euro, Yen und Pfund) aufnimmt, verleiht sich der IWF selbst wieder mehr Gewicht. Die europäischen IWF-Mitglieder scheinen die Aufnahme der chinesischen Währung zu unterstützen, während Japan und die USA momentan wohl noch die Bremser sind – wohl eher eine politisch motivierte Bremse (geostrategisch) als inhaltlich.

Wie aktuelle Gerüchte besagen, bereiten IWF-Mitarbeiter gerade turnusmäßig einen Bericht für das IWF-Direktorium vor, auf dessen Grundlage irgendwann im November über die Aufnahme des Yuan in den Währungskorb entschieden werden soll. Und es sieht derzeit wohl recht gut aus. Es kann aber auch sein, dass die Entscheidung erst Ende 2015 oder Anfang 2016 gefällt wird. Aber egal wann, abgesehen vom Zeitpunkt der Entscheidung wird die Umstellung des Währungskorbs erst im Oktober 2016 wirksam.

Mit der Aufnahme in den Währungskorb würde der Yuan einen Anteil an der IWF-eigenen Währung (Sonderziehungsrechte) erhalten und damit eine Art Legitimität als eine der Weltreservewährungen erhalten. Das Vertrauen des Kapitalmarkts in den Yuan würde steigen und mehr realwirtschaftliche Transaktionen würden statt in Dollar oder Euro dann in Yuan abgewickelt werden. Der Druck China aufzunehmen liegt beim IWF. Lehnt man den Yuan erneut ab, macht man sich als globale Finanzinstitution noch ein Stück mehr unglaubwürdig also ohnehin schon durch die Griechenland-Krise, wo man einen Schuldenschnitt durch die Euroländer verlangte, selbst aber nicht auf Geld verzichten wollte. Lehnt man den Yuan auch weiterhin ab, wird sich Asien noch schneller vom IWF ab- und der AIIB zuwenden, als es wohl ohnehin schon ab Anfang 2016 geschehen wird.

Letztlich ist es so: Die Analysten, Volkswirte und Direktoren des IWF können noch so viele Reports und Gutachten schreiben. Entscheiden tun die großen Anteilseigner des IWF (ein kurzer Anruf bei Frau Lagarde), was geschieht oder nicht. Da sind vor allem die USA mit ihrem Hauptgewicht von 16,74% Stimmrechtsanteil zu nennen.



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1 Kommentar

  1. Mal ganz offen und ehrlich: brauchen die das eigentlich noch und was würde ihnen das nutzen, wenn sie sich damit gleichsam wieder einer amerikanischen Administrative unterordnen?

    In Realität baut China mit einer eigenen Entwicklungsbank und einen alternativen Geldtransfer(kontroll)system zu SWIFT eine konträre Struktur auf, welche aktuell noch nicht ganz aktiv geschaltet ist – die brauchen dann das bestehende, amerikanische System gar nicht mehr. Wozu dann noch in die SDR registrieren lassen? Vollkommen unnötig, somit nur ein reines Ablenkungsmanöver und damit auch nur noch ein (sehr) frommer Wunsch seitens der Amerikaner (haben die Hosen gewaltig voll), jedoch nicht der Chinesen selbst.

    Ich vermute (Achtung: absoluter Spekulatius), das man dann realistischerweise nur noch Schnittstellen zu deren System halten wird, um ansonsten davon unabhängig zu bleiden. Transfers dazwischen nur noch über Realwerte. Wir werden sehen.

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