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Zahlen Sie 2020 mehr Steuern, als Sie Gewinn machten?

Absurde Änderung beim Thema Steuern

Ich habe es erst nicht geglaubt, als mir ein Freund einen Link schickte. Sollte die Bundesregierung tatsächlich ein Gesetz beschlossen haben, das die Verlustverrechnung pro Jahr auf 10.000 Euro Verlust beschränkt? Es macht keinen Sinn. Es geht um das Thema Steuern! Damit würde jeder halbwegs größere Wertpapierhandel, jede Trading- oder Hedging-Strategie sinnlos werden, da Sie am Ende schnell mehr Steuern bezahlen müssten, als Sie überhaupt Gewinn machten. Und doch stimmte es augenscheinlich – der direkt beim Bundesrat einsehbare Gesetzestext (Seite 17) sieht genau das vor. Oder doch nicht?

Das Gesetz liest sich, als sollten Sie nicht existierende Gewinne versteuern!

Würde der Gesetzgeber die Verlustverrechnung auf 10.000 Euro pro Jahr beschränken, dann könnten Sie den Börsenhandel vergessen. Ich kenne Trader, die mit dutzenden Millionen Euro Gewinn- und Verlusttrades pro Jahr arbeiten. Stellen Sie sich vor, Sie realisieren 60 Millionen Euro Gewinn- und 59 Millionen Euro Verlust-Trades. Am Jahresende bleiben dann eine Million Euro Gewinn übrig, nachdem alle Gewinne und Verluste miteinander verrechnet wurden. Wäre die Verlustverrechnung auf 10.000 Euro pro Jahr beschränkt, dann würden die 59 Millionen Euro Verlust fast vollständig unter den Tisch fallen und Sie müssten 59.990.000 Euro Gewinn versteuern. Dieser mir bekannte Trader wäre nach diesem Jahr pleite, obwohl er eine Million Euro Gewinn machte.

Im kleineren Rahmen würden Sie zwar nicht pleite gehen, aber lohnen würden sich viele Aktientrades und Absicherungsgeschäfte trotzdem nicht mehr. Schlimm genug, dass Sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr Aktiengewinne mit Verlusten aus Derivaten und umgekehrt verrechnen können. Wer ein Aktienportfolio mit Zertifikaten absichert, muss unter Umständen auf Gewinne Steuern zahlen, die gar nicht entstanden sind. Nun sollte aber selbst die Verlustverrechnung innerhalb einer einzigen Anlageklasse beschränkt werden.

Trading wäre damit de facto tot. Und auch die Wertpapieranlage würde schweren Schaden erleiden. Privatanleger wären gezwungen, sich der Fondsindustrie auszuliefern, denn Fonds dürfen Verluste weiter beliebig mit Gewinnen verrechnen. Eigene Entscheidung, der mündige Bürger, beides wäre abgemeldet gewesen. Und obendrein wird ja auch noch die Transaktionssteuer geplant, die natürlich auch weitgehend Kleinanleger betrifft. Statt den angeblich so schädlichen Derivatehandel zu besteuern, gehen die Planungen schließlich dahin, vor allem Aktientransaktionen mit der Transaktionssteuer zu belegen. Also ausgerechnet den unschädlichsten, für Unternehmen und Anleger so wichtigen Bereich des Börsenhandels.

Wie schlimm kommt es nun wirklich?

Letztendlich scheint es nicht ganz so schlimm zu kommen, wie befürchtet. Die Transaktionssteuer ist natürlich immer noch geplant. Und auch die Begrenzung der Verlustverrechnung auf 10.000 Euro pro Jahr bleibt. Doch das Finanzministerium stellt klar: Gemeint ist damit aber nicht die unterjährige Verlustverrechnung, sondern der Übertrag auf Verluste ins Folgejahr. Bislang konnten Sie Verluste aus den Vorjahren mit Gewinnen im aktuellen Jahr verrechnen. Künftig ist das nur noch bis zu einem Betrag von 10.000 Euro möglich.

Gestrichen ist außerdem die unterjährige Verlustanrechnung auf Ebene eines Bankinstituts. Bisher war es so, dass Ihre Bank realisierte Gewinne sofort mit bestehenden realisierten Verlusten auf dem gleichen Konto verrechnet. Realisierten Sie 1.000 Euro Gewinn und hatten noch 1.000 Euro Verlustvortrag, wurde keine Abgeltungssteuer abgezogen. Nun werden Ihnen von den 1.000 Euro Gewinn die Steuern abgezogen und Sie müssen sie sich umständlich mit der Jahressteuererklärung zurückholen. Dadurch wird natürlich auch das reinvestierbare Kapital empfindlich geschmälert. Werden Ihnen grundsätzlich 26,375% Abgeltungssteuer abgezogen, können Sie von 1.000 Euro realisiertem Gewinn auch nur noch 736,25 Euro reinvestieren.

Künftig sollten Sie am Jahresende Gewinne realisieren, um Verlustvorträge zu minimieren

Die Begrenzung des Verlustübertrags ins Folgejahr auf 10.000 Euro macht zudem die Planungen deutlich schwieriger. Sie müssen künftig darauf achten, höchstens 10.000 Euro Nettoverlust mit ins Folgejahr zu nehmen. Haben Sie netto im Jahr schon 15.000 Euro Verluste realisiert, sollten Sie also zum Jahresende eventuell bestehende, unrealisierte Gewinne in Höhe von 5.000 Euro realisieren. Die verbliebenen 10.000 Euro Verlust werden ins Folgejahr übertragen und können dann mit Gewinnen verrechnet werden. Würden Sie mit 15.000 Euro Verlust ins Folgejahr gehen, wären 5.000 Euro aus steuerlicher Sicht verloren. Haben Sie nicht genug unrealisierte Gewinne, um die realisierten Verluste auf maximal 10.000 Euro zu drücken, haben Sie künftig Pech gehabt. Bleibt nur zu hoffen, dass jemand das Gesetz bis vors Bundesverfassungsgericht bringt und es dort gekippt wird!



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12 Kommentare

  1. Hallo,

    leider gab es in dem verlinkten Bericht ein „unangenehmes“ Update…

  2. Und dann schimpfen/spotten alle, die Deutschen wären Weltsparmeister! Wo ist das Wunder?

    Um angeblich den Reichen das Geld wegzunehmen, wie es die grünen Sozialisten und die SPD immer herausposaunen, machen sie immer nur mehr Gesetze, um der Masse das Geldverdienen zu verunmöglichen. Und die Masse der Tagesschauer glotzt hinterher und ballt die Faust in der Hose.
    a) Was war die Riesterrente ein Reinfall. Ich weiß noch genau, wie unsere Chefin und SPD-Wählerin laut ihre Riesterrente lobte. 3 Jahre später entdeckte sie, daß sie im Rentenalter noch drauflegen werde und aus den Verträgen nicht mehr herauskam. Sie machte sehenden Auge minus, mußte noch Nachzahlungen leisten, die im Nichts landeten usw.
    Es bleibt uns bei einer solchen Regierung nur der Sparstrumpf unter dem Kopfkissen. Da kommen sie (noch) nicht dran!
    b) Das ist sogar dasselbe mit dem normalen Geldverdienen. Jede Überstunde haben wir damals abgefeiert. Denn jeden verdienten Euro mehr hat die Steuern erhöht. Einige sind dabei tatsächlich ins Minus gerutscht.
    c) Auf der anderen Seite sind die sozialistischen Großmäuler zu doof, die Mammut-Gehälter in Deutschland zu deckeln. (Fr.Wagenknecht hatte öfters daran erinnert.) Frau Merkel verdient 350.000€ im Jahr, und muß sich von der Hälfte der Republik und den Medien täglich anschimpfen lassen. Die Großen der Daxkonzerne verdienen das zwei oder dreifache im Monat, aber haben wohl etwas weniger Stress. (Kaeser von Siemens 2019 -> 14,2 Mill.)
    https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/siemens-joe-kaesers-verguetung-steigt-auf-14-millionen-euro-a-1299685.html
    Nach strahlendem Glück sieht er nicht gerade aus, aber Frau Merkel ja auch nicht.

    1. Liebe Sabine, ich bin etwas verwirrt: Die grünen Sozialisten machen immer mehr Gesetze? Sind die denn (schon) in der Regierungsverantwortung? Und dann noch Sympathie und Anerkennung für die Frauen Merkel und Wagenknecht von den ganz linken Sozial-Kommunisten?

  3. Warum zum Teufel soll des das nicht wie bisher von der Bank automatisch passieren. Wieso muss es denn komplizierter und nicht einfacher werden … Das ist einfach nur grottenschlechte Politik.

  4. Ich bin eher überrascht, dass darüber fast nichts zu lesen ist. In keiner Bösrsenzeitung, nirgendwo. Schliesslich wurde gerade per Steuergesetz das Hedging „verboten“

  5. Ab wann tritt den das ganze in Kraft? Sind da schon die Gewinne und Verluste von 2019 oder aber erst ab 2020 betroffen?

  6. Es wird von Jahr und Tag offensichtlicher. Wir werden von Idioten regiert. Wann findet dieser Spuk endlich ein Ende?

  7. @Markus Fugmann

    Hi Markus, hiermit mache ich von meinem bürgerlichen Rücksenderecht Gebrauch und würde gerne den sinnlosen und verwirrten Finanz-Olaf nach Hamburg retournieren.

    Gründe:
    Gefällt nicht
    Passt nicht
    Artikelbeschreibung war mangelhaft
    Zu teuer

    Versandart:
    Politikergemäß alleine im Großraumflugzeug

    Zustellfahrzeug:
    Boeing 737 Max

    Für Transportschäden erfolgt keine Haftung ;)

    1. @Michael, die Hamburger verweigern die Rücksendung entschieden!! Scholzomat hat schon bei G20-Treffen bewiesen, was er drauf hat

      1. @Markus, ich bin gerne kompromissbereit und für Lösungen offen. Wie wäre es mit einem Tauschgeschäft: Hamburg nimmt Scheuer, Scholzomat wird dafür in die EU befördert …

      2. Die EU, in der Deutschland natürlich in der Unterzahl ist, nimmt den Castortransport gerne an. Voraussetzung ist, daß als Entschädigung die Geldtöpfe, wo das deutsche Geld natürlich in der Überzahl ist, mit noch mehr deutschem Geld gefüllt werden.

        Des Weiteren ist die EU zu weiteren ähnlichen Geschäften bereit und hofft, dass die Deutschen nicht auf die Idee kommen, einfach mal keinen roten oder grünen Sondermüll mehr zu produzieren. Denn die politische Abfallwirtschaft in Brüssel ist aktuell ein florierendes Geschäft.

        1. @Petkov, das ist nun schon sehr verwirrend and calls for another hit. Scholz, Castor, rot-grüner Sondermüll, EU-Müllgeschäfte? Wovon philosophieren Sie? Könnten Sie alle Leser am allumfassenden Petkovschen Wissensrausch teilnehmen lassen?

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