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Zeit für ein Comeback des Dollar?

FMW-Redaktion

Nachdem der Euro gestern den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht hatte, geht es nun bergab mit Euro-Dollar – eine überfällige Korrektur nach dem starken Anstieg seit Jahresbeginn. Der von Bloomberg ermittelte Dollar-Index zeigt, dass die amerikanische Währung derzeit an einem neuralgischen Punkt handelt:

Der Dollar hatte gestern zunächst stark verloren im Gefolge der Missile-Abwürfe Nordkoreas, dann aber mit den steigenden Aktienmärkten in den USA ein Comeback gezeigt, weil der Markt sich auf die heutige Rede von Donald Trump in Sachen Steuerreform fokussiert. Das Thema Steuersenkung ist dabei der große Joker für den Dollar: gelänge eine Steuerreform, die vor allem auch die Repatriierung im Ausland gelagerter Dollar nach sich zöge, würden gewissermaßen die Dollars aus der Welt in die USA zurück gesaugt – mit der Folge einer Art „Dollar-Knappheit“ außerhalb der USA. Goldman Sachs (zugegebenermaßen in der Vergangenheit oft ein Kontraindikator) sieht jetzt einen guten Zeitpunkt für Dollar-Long-Positionen.

Das zweite große Thema ist die US-Schuldenobergrenze. Die Ratingagentur S&P hat gestern klar gemacht, dass man das Rating für die USA nicht abstufen werden (derzeit AA+), wenn die US-Schuldenobergrenze nicht pünktlich angehoben wird, die USA aber weiter die Anleihezinsen ausbezahlt. Die absehbare Unsicherheit über die US-Schuldenobergrenze dürfte Dollar-bullisch sein:

Eines der großen Argumente, warum Euro-Dollar nun vermutlich vor weiteren Rücksetzern steht, ist der Effekt des starken Euro: er ist nicht nur eine Exportbremse, sondern auch und vor allem dämpft er die Inflation. Das schlägt sich nun schon in den Daten nieder, so etwa bei der Inflationsentwicklung in den deutschen Bundesländern, die heute Vormittag veröffentlicht wurden:

– Nordrhein-Westfalen +0,1% gegenüber +0,4% im Vormonat

– Bayern +0,2% gegenüber +0,4% im Vormonat

– Hessen 0,0% gegenüber +0,4% im Vormonat

– Brandenburg +0,1% gegenüber +0,4% im Vormonat

Das sind deutliche Abschwächungen, und die EZB wird wohl am 07.September klar machen: solange die Inflation nicht anzieht, und der starke Euro ist das Haupthindernis, dass das passiert, werde man sehr zögerlich agieren mit einer Straffung der Geldpolitik. Mithin untergräbt also die Stärke des Euro das Fundament, von dem aus sein Anstieg erfolgte – er sägt gewissermaßen selbst den Ast ab, auf dem er sitzt!

Und der Markt ist stark Euro-Long positioniert, so stark wie seit Jahren nicht mehr. Der „pain trade“ wäre also jetzt eine deutliche Abschwächung des Euros. Das Chaos der Trump-Administration jedenfalls scheint komplett eingepreist und kann kaum mehr größer werden – würde es wirklich Fortschritte geben in Sachen Steuerreform, könnte der Dollar vor einem saftigen Comeback stehen! Der Weg des größten Schmerzes wäre jetzt also, wenn die Trump-Regierung tatsächlich etwas auf die Reihe bekommen würde..

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