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Zentralbank der Zentralbanken: Durch einen Minenfeld in Richtung Konjunktur-Rettung

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Die „Bank für Internationalen Zahlungsausgleich“ (BIS) in Basel wird zurecht auch als Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet – eine Art Branchen-Dachverband der weltweiten Notenbanker-Community. Sie verkündet aktuell grundsätzlich das, was man überall hört. Die Weltwirtschaft läuft gut – noch! Man müsse aktiv werden um einen Abschwung zu verhindern. Dazu schreibt die BIS (Zitat auszugsweise):

Eine Verschärfung protektionistischer Maßnahmen oder ein plötzlicher Anstieg der historisch niedrigen Renditen an den wichtigsten Staatsanleihemärkten könnten einen neuerlichen Abschwung auslösen. Politische Unruhen oder enttäuschende Gewinnzahlen könnten die Risikobereitschaft der Anleger dämpfen und an den überbewerteten Finanzmärkten zu Turbulenzen führen, schreiben die Autoren des Wirtschaftsberichts. Diese Risiken zeichnen sich in einem Umfeld ab, in dem die private und öffentliche Verschuldung weltweit weiter steigt und das Zusammenspiel zwischen Finanz- und Konjunkturzyklus intensiver geworden ist, wodurch sich Auf- oder Abschwünge verstärken können. Abschwünge des Finanzzyklus sind durch einen hohen Schuldendienst, Schuldenabbau und fallende Vermögenspreise gekennzeichnet.

Die bevorstehenden Risiken, wie sie im vorigen Absatz beschrieben sind, rollen teilweise mit voller Wucht auf die Weltwirtschat zu. Laut BIS ist die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen eine „vorrangige Aufgabe“. Die Zentralbanken müssten laut BIS bei der geldpolitischen Normalisierung beharrlich auf Kurs bleiben und dabei mögliche Risiken im Auge behalten. Man schaue bitte auf folgende Grafik: Die Schulden von Staaten, Konsumenten und Unternehmen steigen seit der Finanzkrise 2007 bis 2017 kontinuierlich immer weiter an. Obwohl die Konjunktur ja angeblich so gut läuft, wachsen die Schulden immer weiter. Die BIS sagt selbst, dass die gute konjunkturelle Lage durch die Notenbankpolitik ermöglicht wurde. Zitat BIS:

Das Wirtschaftswachstum war kräftig und die Inflation niedrig, was in einer so späten Phase des Aufschwungs ungewöhnlich ist. Diese positive Entwicklung ist zum großen Teil die Folge der außerordentlichen geldpolitischen Maßnahmen der letzten zehn Jahre.

Also wünscht sich die BIS, dass die weltweiten Staatsschulden abgebaut werden. Aber vorher hat die BIS mit ihren Mitgliedern (EZB, Fed usw) alles dafür getan, dass Staaten sich weiter massiv und möglichst billig verschulden konnten, um die Konjunktur zu pushen (Nullzinsen +  Gelddrucken). Den Schaden verursachen, und danach den Geschädigten drängen den Schaden zu beheben – das ist eine interessante Logik!

In der folgenden Grafik sieht man links den Anstieg der Staatsschulden seit 2007 vor allem in den „entwickelten Industriestaaten“ (in blau), und rechts für den selben Zeitraum den Anstieg der Notenbank-Bilanzen. Irgendwer musste all die neuen Schulden ja kaufen.

Das Grundproblem (unsere Meinung) ist: Jetzt auf dem Höhepunkt des Konkunkturzyklus, wo der Abstieg schon erkennbar ist, haben die Notenbanken es versäumt die Zinsen anzuheben (abgesehen von den USA). Wenn in ein, zwei Jahren eine Rezession möglicherweise volle Fahrt aufnimmt, werden die Zinsen in Euroland immer noch voll im Keller sein. Will die EZB dann die Zinsen drastisch ins Negative senken, um erneut einen „Stimulus“ zu erzeugen? Wie will die BIS dem nächsten konjunkturellen Abschwung vorbeugen? Anscheinend mit einem Schwall von 0815-Standardmaßnahmen aus dem FDP-Parteiprogramm. Mehr Flexibilisierung bei Arbeit und bei Gütern, dann passt das schon? Zitat:

Makroprudenzielle Instrumente sollten gezielt gegen aufkommende Risiken für die Finanzstabilität eingesetzt werden. Die Flexibilisierung der Arbeits- und Gütermärkte und die Umsetzung der nach der Krise beschlossenen Reformen zur Finanzsektorregulierung sind weitere wichtige Voraussetzungen, um langfristig Wachstum zu ermöglichen.

Den kompletten aktuell veröffentlichten Jahresbericht der BIS auf 134 Seiten finden Sie hier.

Zentralbank der Zentralbanken
Die BIS-Zentrale in Basel. Foto: Taxiarchos228 / FAL

5 Kommentare

5 Comments

  1. GN

    25. Juni 2018 15:54 at 15:54

    Meine Herren!!! Lieber Markus Fugmann, was ist bloß passiert??? Woher kommt diese geistige Wende????

    Plötzlich werden hier Themen angesprochen z. B. Vollgeld), die hier bislang ja völlig verpönt waren. Also ich will sagen die Finanzmarktwelt schlägt einen ganz neuen Kurs ein, der mir sehr gut gefällt!!!

    Also auch das absolut berechtigte Hinterfragen des deutschen Geschäftsmodells, was doch auch in den letzten Jahren nur deshalb funktioniert hatte, weil es mit einer neuen Schuldenorgie (Target2, EZB-QE) überhaupt noch am Leben gehalten wurde….

    Die Menschen werden über unser Wirtschats- u. Geldsystem vorsätzlich falsch informiert. Fast niemand weiß doch, wie es in Wirklichkeit funktioniert, weil selbst die herrschende Lehre der Ökonomie vorsätzlich an völlig falschen Paradigmen festhällt (siehe Prof. Richard A.Werner)….

    So fand ich es besonders bezeichnend, daß ein Radsportfreund von mir, Dipl. Ökonom und sein Leben lang tätig beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (heute BAFIN) nicht weiß, wie unser Geldsystem funktioniert. Er behauptet, daß Geld stammt von den Notenbanken. Das ist aber leider so nicht richtig. Der größte Teil unseres Geldes wird von den privaten Geschäftsbanken aus dem Nichts geschöpft. Dieser Geldschöpfungsvorgang aus dem Nichts muß perse nicht schlecht sein. Es bleibt halt nur die Frage, was mit diesem geschöpften Geld passiert. Und das wandert halt zum aller größten Teil in die Spekulation mit Anleihen, Aktien und Immobilien. Die daraus entstehenden Blasen führen immer wieder zu systemischen Finanzkrisen (über 470 seit 1980)…

    Also lieber Markus Fugmann, bewahren sie sich ihre kritische Haltung, sie ist die richtige….die kann man auch haben, wenn man Trader ist. Als solcher sollte man aber unbedingt eine neutrale Haltung haben und nur den Chart traden…

    Liebe Grüße

    GN

  2. Marcus

    25. Juni 2018 16:35 at 16:35

    Das ist schon nicht ganz falsch, insbesondere die Anmerkungen von FMW: Die Fed kann im Falle des Abschwungs die Zinsen senken, da sie sich entsprechenden Spielraum geschaffen hat. Die EZB, BoE und die BoJ haben diese Möglichkeiten nicht. Bleibt also nur als einziges geldpolitisches Instrument nur die Quantitative Lockerung. Und selbst dort wird man dann mit wesentlich höheren Einsätzen spielen müssen als man das derzeit tut, ich schätze mal um die 100-150 Mrd. Euro monatlich.

    Theoretisch kämen auch tiefere Negativzinsen in Frage, die haben aber meiner Meinung nach überhaupt keinen Effekt, wenn man dich beispielsweise mal die „deposit facility“ der EZB anschaut die trotz negativem Zins auf die Einlagen bei etwa 650 Mrd. Euro steht. Was bedeutet, das die Liquidität letztendlich gar nicht im System ankommt.

  3. TINOGRUCHMANN

    25. Juni 2018 19:11 at 19:11

    Helikoptergeld als Massnahme und dann hoffentlich die Umstellung des Wirtschafts und Geldsystems auf eine Resourcenbasierte Oekonomie

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Fed – des einen Glück ist des anderen Leid

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Das Fed-Hauptgebäude

Mit ihren massiven Interventionen am Markt für kurzlaufende US-Staatsanleihen hat die US-Notenbank Fed eine künstliche Versteilerung der Zinsstrukturkurve bewirkt. Die Zinsen am langen Ende steigen nun an. Damit ist ein QE-Programm offizieller Definition noch zwingender geworden.

Fed – die Zinswippe ist am langen Ende schwerer

Aufgeschreckt durch die Erosion der Margen im klassischen Zinsgeschäft der Banken via Fristentransformation sowie durch akute Liquiditätsengpässe am US Repo-Markt tritt die US-Notenbank seit Mitte September als Käufer für kurzlaufende Staatsanleihen auf. Mit über 200 Mrd. US-Dollar Kaufvolumen hat die Fed in einem Monat zehnmal mehr Anleihen erworben, als die EZB dies ab November pro Monat plant. Das Ergebnis ist eine künstliche Versteilerung der Zinsstrukturkurve. Die Zinsen für dreimonatige US-Staatsanleihen, sogenannte T-Bills, sind im Zuge dessen auf 1,65 Prozent p. a. gefallen. Die Zinsen für länger laufende US-Staatsanleihen, sogenannte T-Notes oder T-Bonds, sind hingegen angestiegen. Im Fahrwasser der auf Kurzläufer fokussierten künstlichen Nachfrage durch die Fed haben die Rentenhändler die Langläufer abverkauft, sich an den Interventionszug der Fed angekoppelt und in Kurzläufer umgeschichtet.

Zinsen US-Staatsanleihen

Auf der einen Seite hat die Fed das Problem der schwindenden Zinsmargen der Kreditbanken durch eine Umkehrung der Zinsstrukturkurve etwas gemindert, gleichzeitig hat sie damit die Kreditkosten für Unternehmenskredite, Hypothekendarlehen, Konsumkredite und Kreditkartenschulden tendenziell erhöht. Gesamtwirtschaftlich wiegt die Steigerung des Benchmarkt-Zinses für längerfristige Verbindlichkeiten jedoch für ein so hoch verschuldetes Land wie die USA deutlich schwerer als eine geringfügige Verbesserung der Zinsmargen für die Banken.

Problem nur halb gelöst

Da die steigende Schuldenlast der US-Konsumenten sowie das Auslaufen der Steuerstimuli nun zunehmend den kreditgetriebenen Konsum in den USA belasten, kommen steigende Zinsen am langen Ende der Kurve zur Unzeit.#

Studenten Auto Kreditkarten USA mit Daten der Fed

Wie stark der Rückgang der Konsumdynamik in den nächsten Monaten ausfallen wird, kann man sehr gut anhand des Basiseffektes der Vorjahresperiode erahnen. Getrieben durch höhere Nettoeinkommen und Neuverschuldung stiegen die Konsumausgaben in den großen US-Einzelhandelsketten im vierten Quartal 2018 mit einer Jahresrate von in der Spitze 9,3 Prozent stark an. Da es keinen vergleichbaren Impuls in diesem Jahr gibt, sieht man bereits den Rückgang der Steigerungsraten, die noch nicht um die Teuerungsrate in Höhe von aktuell 1,7 Prozent bereinigt sind.

Umsatzentwicklung US-Einzelhändler

Sowohl die Bedeutung der Langfristzinsen für den US-Immobilienmarkt, als auch für die hoch verschuldeten Unternehmen und erst recht für den US-Konsumenten lassen eine einseitige Fokussierung der Intervention der US-Notenbank auf das kurze Ende der Zinsstrukturkurve dauerhaft nicht zu.

Die EZB hat das Problem in Europa so gelöst, dass man die Zinsen in allen Laufzeitbereichen weiter nach unten geschleust hat, nur am kurzen Ende etwas mehr. So existiert in der Eurozone eine leicht steile Zinsstrukturkurve – unter der Nulllinie. Dass heißt, die Zinsen am kurzen Ende sind tiefer im negativen Terrain als die Zinsen am längeren Ende.

Fazit

Der erneute Einstieg in den Bilanzaufbau der US-Bundesbank Fed durch den Ankauf kurzfristiger T-Bills ist nach offizieller Lesart noch kein QE-Programm. Doch es ist nur der Beginn einer breiteren Marktintervention auch zugunsten der Zinsen am langen Ende der Laufzeit. Die Fed muss schon deshalb so agieren, weil sie sonst dem Rentenmarkt falsche Signale liefert und die Spekulanten zu einem Arbitragegeschäft verleitet, bei dem diese Langfristanleihen verkaufen und Kurzfristanleihen erwerben. Das würde die Zinswippe weiter am langen Ende nach oben bewegen – entgegen der ökonomischen Notwendigkeit, die Zinsen auch dort weiter zu reduzieren, um die Schuldentragfähigkeit von Konsumenten und Unternehmen aufrecht zu erhalten.

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Die Lüge vom sauberen Elektro-Auto

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Sind Elektro-Autos wirklich sauber? Nein, sagt der Professor für Leichtbau an der TH Ingolstadt Jörg Wellnitz. Aber die „Generation Greta“ und der inzwischen grüne Mainstream will einfach ein reines Gewissen haben – und daher wird an den Fakten gerne vorbei gesehen!

Und die Autoindustrie? Die kann sich ihre Öko-Bilanz damit wunderbar „schön rechnen“:

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Eurozone: Diese sinkenden Staatsschulden, die in Wirklichkeit immer weiter steigen

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Ja, ja, das ist schon ne schöne Sache. Die Staatsschulden in Euroland, die sinken aufgrund der jahrelang brummenden Konjunktur, und immer noch guten Steuereinnahmen. Richtig? Falsch. Schaut man auf die aktuelle Headline der offiziellen EU-Statistiker von Eurostat, dann liest man dort wortwörtlich „Rückgang des öffentlichen Schuldenstands im Euroraum auf 86,4% des BIP“. Wow, Rückgang. Da sinkt also etwas, da geht etwas zurück, richtig? Ja, wenn man die Sache nur aus prozentualer Sicht betrachtet.

Staatsschulden steigen weiter an

Schaut man sich die Tabelle in der Statistik-Veröffentlichung aber genauer an, dann sieht man: Die tatsächliche Schuldenlast der Regierungen in der Eurozone ist von Mitte 2018 zu Mitte 2019 gestiegen von 9,94 auf 10,1 Billionen Euro! Die Schuldenquote in Relation zum BIP sank tatsächlich von 87,3% auf 86,4%. Das liegt aber nur daran, dass in diesen zwölf Monaten auch das BIP (Wirtschaftsleistung) angestiegen ist. Also wurde die Bezugsgrößte für die prozentuale Berechnung größer. Somit konnte trotz Schuldenanstieg die Prozentquote sinken.

Auch die Staatsschulden in der Gesamt-EU (also alle EU-Mitglieder, die noch ihre eigene Währung haben) sind gestiegen binnen Jahresfrist von 12,76 auf 12,99 Billionen Euro. Auch hier sinkt die Quote gleichzeitig, nämlich von 81,5% auf 80,5%. Die höchsten Verschuldungsquoten im Verhältnis zum BIP am Ende des zweiten Quartals 2019 wurden laut Eurostat in Griechenland (180,2%), Italien (138,0%), Portugal (121,2%), Zypern (107,2%) und Belgien (104,7%) verzeichnet, und die niedrigsten Quoten in Estland (9,3%), Luxemburg (20,3%) und Bulgarien (20,4%).

Staatsschulden in Europa steigen weiter an

Grafik Schuldenquoten

Immer nur Defizite

Trotz jahrelang brummender Konjunktur in Euroland sind die Staatsschulden immer weiter gestiegen. In der folgenden aktuellen Grafik sieht man zurück bis zum 2. Quartal 2017. Quartal für Quartal immer nur Defizite im Gesamtschnitt der Eurozone und Gesamt-EU. Die Ausgaben der Mitgliedsstaaten lagen also ständig über den Einnahmen. Und das in diesen konjunkturell so guten Zeiten. Wie soll es dann erst werden, wenn die aktuelle Rezession der Industrie die Volkswirtschaften ganz runterziehen sollte? Dann geht der große Kampf um die 3% Hürde aus Maastricht wieder los?

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