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Zertifikate: Steuerliche Bevorzugung durch Ministerium? Bitteres Geschmäckle?

Redaktion

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Zahlreiche Banken in Frankfurt vermarkten aktiv Zertifikate

Die deutsche Bankenwirtschaft bietet dem privaten deutschen Börsenzocker nur all zu gerne alle möglichen Art von Derivaten an, die man als Zertifikate bezeichnet. Dies sind Inhaberschuldverschreibungen, die mit diversen Spezifikationen versehen werden, und so verschiedene Funktionen erfüllen. Unterm Strich sind die Zertifikate für die Banken gute Geschäfte. Warum sonst werden sie von den Banken hierzulande vor allem promotet, und nicht alternativ CFDs, wie es im Ausland durch eine riesige breit gefächerte Brokerindustrie der Fall ist? Aber gut, der eine so, der andere so. Wir wollen hier keine Werbung für bestimmte Produktkategorien machen.

Minister Scholz und die Bestrafung der Börsen-Zockerei

Seit einiger Zeit ist das Thema Steuern für Privatanleger in Deutschland in den Mittelpunkt gerückt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagt sogar öffentlich, dass er ein totaler Fan des guten alten Sparbuchs ist. Zur Börse und Börsenprodukten hat er sich nie so richtig offensiv geäußert. Aus mangelnder Sachkenntnis? Gut, das wäre jetzt eine reine Spekulation. Aber halt, da hat Olaf Scholz ja seinen SPD-Kumpel Jörg Kukies mit ins Boot geholt, als er Finanzminister wurde. Der gute Herr Kukies ist als Staatssekretär sozusagen die rechte Hand von Olaf Scholz.

Ist er auch der Börsen-Flüsterer des Ministers, wenn es um das Thema Steuern geht? Denn laut offizieller Vita des Herrn Kukies war er vor seinem Job beim deutschen Staat Chef von Goldman Sachs Deutschland in Frankfurt, und davor Chef für Aktien-Derivate für Goldman, zuständig für ganz Europa. Also sind Zertifikate, Optionen, Futures etc dem Herrn Staatssekretär bestens bekannt. Olaf Scholz hat unlängst neue Steuergesetzte für Termingeschäfte durchgesetzt, wodurch Anleger extrem benachteiligt werden. Zahlreiche Kommentatoren und Portale (wir auch) haben vor der Coronakrise darüber berichtet, und auch anhand von Rechenbeispielen aufgezeigt, dass in Zukunft Anleger sogar Steuern zahlen müssen, obwohl sie unterm Strich Verluste gemacht haben (siehe hier).

Zertifikate sind keine Termingeschäfte?

Aber dies gilt nur für Termingeschäfte (hier eine Definition). Realisierte Verluste aus Termingeschäften dürfen ab dem kommenden Jahr nur noch bis zur Höhe von 10.000 Euro pro Jahr verrechnet werden. Und Verluste dürfen dann nur noch mit Gewinnen aus Termingeschäften und mit den Erträgen aus Stillhaltergeschäften verrechnet werden. Und wer mit Aktien, Anleihen etc Totalverluste erleidet, kann demnach schon dieses Jahr nicht mehr unbegrenzt verrechnen, sondern nur noch bis zur Höhe von jährlich 10.000 Euro. Nicht berücksichtigte Verluste können als Verlustvortrag auf das Folgejahr vorgetragen werden.

Tja, nur ist die Frage interessant: Was sind denn nun Termingeschäfte aus der Sicht des Finanzministers, und aus Sicht der Steuerverwaltung? Denn nach dem Gesetz kommt ja noch die Verwaltungsanweisung aus dem Bundesfinanzministeriums, wie die Finanzämter das neue Gesetz denn konkret handhaben sollen. Und wie Berichte und offenkundig auch erste Aussagen von Experten zeigen, sollen Zertifikate (hier eine genaue Erklärung des Produkts) im Sinne dieser Verwaltungsanweisung womöglich nicht als Termingeschäfte angesehen werden, und fallen damit nicht unter dieses für Privatanleger desaströse neue Steuergesetz. Und man darf mal raten: Wir vermuten, dass CFDs aber als Termingeschäfte angesehen werden, wie es erste Andeutungen auch hergeben. Nur warum sind CFDs Termingeschäfte, Zertifikate aber nicht? Denn beides sind ja Derivate. Dann dürften in Zukunft über CFDs realisierte Verluste nur noch bis zu 10.000 Euro jährlich verrechnet werden. Tja, und die Zertifikate-Industrie? Die könnte dann breit grinsend die CFD-Trader abwerben mit diesem wunderschönen steuerlichen Vorteil, der durchaus ins Gewicht fallen wird.

Hat Herr Kukies im Sinne „seiner“ Branche interveniert, und seinem Minister erzählt, dass Zertifikate eben keine Termingeschäfte sind, aber andere Produkte wie CFDs schon? Wir werden es wohl nie erfahren. Denn was für eine Auskunft würde man bei einer Anfrage ans Ministerium erhalten? Richtig, sie ahnen es. Aber wen interessieren derzeit schon solche „steuerlichen Kleinigkeiten“, wo doch Herr Scholz momentan mit dem Wirecard-Desaster bestens bedient ist, wie auch sein Staatssekretär? Und da waren ja noch die Treffen von Olaf Scholz als Hamburger Bürgermeister mit dem Chef einer „vornehmen“ Hamburger Privatbank, von der die Hamburger Finanzverwaltung im Zuge des Cum Ex-Skandals Millionen von Steuern nicht einforderte. Tja, der Olaf Scholz, an dem perlt einfach alles ab? Hier sehen Sie zum aktuellen Steuer-Thema auch ein interessantes Video. Am Ende des Tages, wenn Zertifikate verschont bleiben, dürften sich die in- und ausländischen Banken freuen, die äußerst aktiv an deutsche Privatanleger Zertifikate aller Art vermarkten.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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