Aktien

Zinsanhebung durch die Fed? Zinssenkung!

FMW-Redaktion

Es gibt eine Zeit vor, und eine Zeit nach dem Brexit. Das gilt vor allem für die Frage, ob und wann die Fed die Zinsen anheben wird. Nun waren die (Geld-)Märkte bislang sehr viel besser als die Fed selbst, wenn es um die Prognosen für die US-Zinspolitik geht. Und nach dem Super-GAU Brexit hat sich auch die Erwartung der US-Zinspolitik geradezu eruptiv verändert. Das zeigt eine Blick auf die Fed Fund Futures, die nun sogar eine höhere Wahrscheinlichkeit dafür sehen, dass die Fed etwa im September die Zinsen senken wird, anstatt sie anzuheben. Das wird nun indirekt bestätigt durch den ersten Vertreter, der sich nach dem Brexit geäußert hat, Jerome Powell.

Jerome_H__Powell
Fed-Gouverneur Powell
Foto: Federal Reserve

Ähnlich auch die Optionen auf den sogenannten Eurodollar-Futures (nicht zu verwechseln mit dem Devisenpaar Euro-Dollar), die die Erwartung von Zinsdifferenzen einpreisen: mit einer Wahrscheinlichkeit von 25% ist in diesen Optionen nunmehr eingepreist, dass die Fed im September die Zinsen senken wird!

Vom Juli als möglichen Termin einer Anhebung haben sich die Märkte komplett verabschiedet, klar. Es ist die Dollar-Stärke nach dem Brexit-Votum, die einen solchen Schritt der Fed praktisch vom Tisch genommen hat. Zunächst einmal dürfte die Fed die Füsse still halten und abwarten, wie die Märkte reagieren, vor allem, was mit dem Dollar passiert. Wertet er weiter auf, kommen die Emerging Markets in Schwierigkeiten (aufgrund ihrer Dollar-Verschuldung), fallen die Rohstoffpreise, würde sich damit dann der deflationäre Druck verstärken. In einem solchen Umfeld kann und wird in Sachen Zinspolitik nichts passieren.

Glaubt man Fed Fund Futures und den Eurodollar-Futures, ist eine Zinsanhebung bis Mitte 2017 inzwischen praktisch ausgeschlossen. Aktuell sehen die Fed Fund Futures nur eine Wahrscheinlichkeit von 50%, dass die Fed bis Anfang 2018 überhaupt die Zinsen anheben wird. Nach dem Brexit, das ist die logische Überlegung dahinter, wird die Fed die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Verbraucher nicht erschweren wollen, daher fährt man gewissermaßen erst einmal „auf Sicht“.

Heute Nacht hat sich der erste Fed-Vertreter geäußert, der Fed-Gouverneur Jerome Powell. Die Brexit-Abstimmung, so Powell, habe das Potential, global Gegenwind für die Volkswirtschaften zu erzeugen – einschließlich der USA. Das ist eine direkte Absage an baldige Zinsanhebungen. Gleichwohl sei der US-Finanzsektor robust, Subtext: keine Panik bitte.

Nun ist die Frage, wie der Dollar reagieren wird. Bleibt die Unsicherheit groß, wird er weiter aufwerten, auch wenn das Thema Zinsanhebung sich erst einmal erledigt hat. Die Fed ist durch den Brexit wieder ein Stück näher an die Erwartung der Märkte gerückt. Ihre Prognosen für die Entwicklung der US-Zinsen aber sind (und bleiben) ein echtes Armutszeugnis..



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage