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Zinsen, Aktien, Anleihen: Wann kommt die Wende? Die Manipulation

Warum Aktien trotz´der wirtschaftlichen Lage steigen – und was die Rally der Aktienmärkte beenden könnte!

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Betrachtet man sich die langfristigen Charts, die die Entwicklung der Zinsen in den USA über 200 Jahre dokumentieren, so wird deutlich, dass wir uns derzeit in einer außergewöhnlichen Situation befinden. Nicht die Aussicht auf irgendeinen Präsidenten treibt – nicht erst seit kurzer Zeit die Aktienmärkte -, es ist die außergewöhnliche Situation für Kapitalsammelsstellen, für die es kein historisches Beispiel gibt.

Zinsen, Aktien und Anleihen

Aktien und Anleihen: Fast vier Jahrzehnte fallende Zinsen in den USA

Der Langfristchart macht es deutlich: Es gab nicht einmal nach dem Zweiten Weltkrieg, mit all seinen Kriegsschulden, so niedrige Zinsen wie derzeit in den USA. Ein Leitzins von 0 bis 0,25 Prozent bedeutet einen Negativzins, aber was noch wichtiger ist, die so bedeutsamen 10-jährigen US-Staatsanleihen notieren seit über einem halben Jahr fast durchgängig unter 0,80 Prozent. Damit nach Abzug der Inflationsrate, die um die 1,5 Prozent schwankt, deutlich im negativen Bereich. Da die US-Notenbank angedeutet hat, keine Zinssenkung in den Negativbereich vornehmen zu wollen (Beispiel für die Wirkungslosigkeit: Japan), gibt es auch kaum Hoffnung auf Kursgewinne infolge der Duration, eher das Gegenteil. Was für eine Notlage für viele Geldverwalter, die auf Einkünfte durch Zinsen angewiesen sind, um regelmäßige Auszahlungen vornehmen zu können.

Historische Vergleiche müssen hinken

Wie war es denn in der Vergangenheit, als bei Wirtschaftseinbrüchen die Aktien plötzlich in der Perspektive teurer wurden? Man parkte das Geld in den Rentenmärkten, wo man sogar noch Kursgewinne einfahren konnte. Das beste Beispiel war die Internet-Bubble im Jahr 2000. Die professionellen Investoren flohen aus dem Nasdaq mit seinem astronomischen Kurs/Gewinnverhältnis von 100+, um in die 10-jährige US-Staatsanleihe zu wechseln, für die es noch über sechs Prozent Zinsen (KGV 15/16) gab.  Durch die extremen Eingriffe der Notenbanken gibt es diese Wechselmöglichkeit nicht mehr – endgültig zertrümmert durch die Zinssenkungen infolge Corona im Frühjahr diesen Jahres.

Der zweite Effekt ist der Einfluss der Zinsen auf den Aktienmarkt. Dieser wird zur Abdiskontierung künftiger Gewinne und Dividenden verwendet: fallen die Zinsen auf Null werden Aktien immer wertvoller. Man betrachte nur den Zinschart (auch wenn dieser nur den Leitzins und nicht den Kapitalmarktzins abbildet), so wird deutlich, dass Vergleiche mit vergangenen Zyklen nicht sinnvoll sind. Aktienmärkte und Anleihemärkte stehen seit Jahrzehnten als Hauptanlageklassen für die Gedanlage in einem steten Abhängigkeitsverhältnis. Das Jahr 2018 war das letzte, in dem diese Interdependenz noch einmal beobachtet werden konnte: Als Jerome Powell vier Mal die Leitzinsen bis auf 3,25 Prozent angehoben hatte mit der Androhung weiterer Zinsanhebungen. Zugleich stiegen die Kapitalmarktzinsen von zwei auf über 3,1 Prozent. Eine positive Rendite am Anleihemarkt war möglich, der S&P 500 fiel im Dezember allein um 17 Prozent.

Dass das Gelddrucken der Notenbanken nicht ohne Konsequenzen bleiben kann, steht außer Frage, aber das ist gewiss noch nicht das aktuelle Thema.

Warum steigen die Aktienmärkte seit geraumer Zeit, selbst bei allen gegenwärtigen Unsicherheiten? Es geht nicht um so sehr um den Ausgang der Wahlen (die große Gefahr für die Kapitalmärkte wäre Bernie Sanders gewesen), sondern um den stetig weiter wachsenden Geldfluss durch die Notenbanken und die Nöte der Vermögensverwalter, weltweit. Und natürlich um die nicht unrealistische Hoffnung auf einen weiteren großen Stimulus vonseiten der Republikaner oder auch Demokraten.

Auch außerhalb von Marktspekulationen fließen Monat für Monat riesige Beträge aus Sparplänen, Einzahlungen zur Altersvorsorge und aus weiteren Motiven heraus den Geldverwaltern zu. Aber wohin mit den Geld, welches aus den beschriebenen Zusammenhängen heraus täglich weniger wird? Wer in letzter Zeit Geld auf einem Geldmarktfonds einer Fondsgesellschaft geparkt hat, wird festgestellt haben, dass die Anlagesumme täglich weniger wurde, zunächst im geringen Ausmaß, aber dann immer deutlicher, zum Ärger des Kunden.

Fazit

Angesichts der Entwicklung der Zinsen, seit dem Hoch 1981, seit 200 Jahren oder sogar seit dem späten Mittelalter, wie die Untersuchung des Harvard-Professors Paul Schmelzing gezeigt hat, wird der aktuelle Notstand bei der Geldanlage durchaus verständlicher – und das von vielen gehasste Akronym TINA. Selbst vor zwei Jahren gab es noch kurz eine Bruttorendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen von 3,15 Prozent. Und heute? Eine Realrendite von bis zu minus einem Prozent. Dazu ein Volumen von über 15 Billionen Dollar an Anleihen, die weltweit im negativen Bereich notieren.

Der obige Langfristchart zeigt die Brutalität der Manipulation der Zinsen durch Notenbanken in ihrem totalen Ausmaß. Aber gleichzeitig wird die Gefahr deutlich, in der sich die aktuelle Aktienhausse befindet. Sollte die Inflation nur ein wenig ansteigen, die Kapitalmarkt-Zinsen nur etwas in den positiven Bereich (real) steigen, könnten viele Geldverwalter in den Kapitalsammelstellen ein wenig Re-Balancing betreiben und etwas vom Aktienmarkt in den Anleihemarkt umschichten. Das Wachstum der Wirtschaft dürfte auch angesichts der Schuldenlast von Staat und Unternehmen in den nächsten Jahren demnächst etwas anämisch verlaufen – und parallel dazu die Aktiengewinne. Grafiken darüber, wie wenig ein Dollar Neuverschuldung an Wirtschaftsleistung erbringt, wurden schon reichlich herumgereicht. Für mich könnte dies zum Game-Changer werden: ein leichter Anstieg an Inflation, eine Erholung der Wirtschaft nach Corona und das Geld flösse nicht mehr so sehr in die Kapitalmärkte, sondern in die Realwirtschaft. Mit Reaktionen der Märkte, die wieder für Kopfschütteln sorgen könnte.

Die Frage ist nur wiederum einmal der Zeitpunkt der Trendwende – aber die Kurs-Charts der Zinsen werde es rechtzeitig anzeigen..

Wie die Zinsen auf Aktien und Anleihen wirken

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Zinskosten: So gigantisch sind die Ersparnisse für Kreditnehmer im Langzeitvergleich

Claudio Kummerfeld

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Dass Kreditnehmer in einem jahrelangen Umfeld immer weiter fallenden Zinsen die großen Gewinner sind, das ist kein Geheimnis. Aber es ist mal interessant zu sehen, wie viel Zinsen ein Häuslebauer vor 20 Jahren gezahlt hat, im Vergleich zu einem heutigen Abschluss, bei selber Kreditsumme und Tilgungshöhe. Die Interhyp AG hat aktuell einen Vergleich veröffentlicht, der die tatsächliche Dimension aufzeigt, wie viel Geld man heutzutage spart.

Hat man im Jahr 2000 abgeschlossen, entstanden bei einer Darlehenssumme für einen Immobilienkredit über 300.000 Euro und 2 Prozent Tilgung in 10 Jahren insgesamt 172.000 Euro an Zinskosten. Damals lagen die Zinsen bei 6,5 Prozent. Mit heute nur noch 0,8 Prozent hat man gerade mal noch 22.000 Euro Zinskosten! Das lohnt sich natürlich besonders für Häuslebauer, weil die Darlehenssummen hier so hoch sind, so möchten wir anmerken – aber die Sache hat einen Haken. Wo man als Kreditnehmer für Häuschen oder Eigentumswohnung extrem stark bei den Zinskosten spart, da zahlt man auf der anderen Seite drauf bei den in den letzten Jahren explodierten Immobilienpreisen.

Sicherlich sind die aktuellen Informationen der Interhyp AG auch eine schlecht versteckte Eigenwerbung, aber sei es drum. Die Experten sagen, auszugsweise im Wortlaut:

Auch wenn vielerorts die gestiegenen Immobilienpreise höhere Darlehenssummen erfordern, bleiben die Raten für viele Menschen leistbar. Der Zinsvorteil ermöglicht in vielen Fällen eine höhere Tilgung als früher. Die Expertin rät Eigenheimbesitzern, die Sparchancen für ihre Anschlussfinanzierung zu nutzen und sich schneller zu entschulden. Bauherren und Käufer sollten die Finanzierung wohlüberlegt angehen. Wichtig sei, bei der Finanzierung einen möglichen Zinsanstieg in Zukunft einzukalkulieren und mit langen Zinsbindungen und hohen Tilgungen vorzusorgen.

Hier auszugsweise weitere Aussagen von Interhyp. Zitat:

Im März 2020 sind die Zinsen auf ein neues Allzeittief von rund 0,7 Prozent im Mittel gefallen und auch jetzt liegen sie nur knapp darüber, berichtet Interhyp. Zum Teil sind sogar Bestzinsen von unter 0,5 Prozent möglich. Die Monatsrate für einen Musterkredit über 300.000 Euro (0,8 Prozent) beträgt im Herbst 2020 bei einer zweiprozentigen Anfangstilgung nur noch 700 Euro. Die Zinskosten über 10 Jahre liegen dafür heute nur bei 22.000 Euro – einem Bruchteil der Kosten bei Abschluss im Jahr 2000.

Rat der Experten: Sparchancen für schnelle Entschuldung nutzen

Um die Zinsersparnis zu verdeutlichen, hat Interhyp in der Beispielrechnung immer mit der gleichen Anfangstilgung gerechnet. Der Rat der Finanzierungsexperten ist jedoch, heute eine höhere Tilgung zu wählen. Das sei möglich mit Raten, die nicht wesentlich über denen früherer Jahre liegen. Mirjam Mohr: „Unsere Daten zeigen, dass Kreditnehmer ihre Entschuldung im Blick behalten. Die anfängliche Tilgung bei Bauherren und Käufern ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten von unter zwei im Mittel auf über drei Prozent gestiegen. Bei der Anschlussfinanzierung ist sie sogar von unter drei Prozent auf rund sechs Prozent gestiegen.“ Viel sparen im Vergleich zu früher könnten vor allem Eigenheimbesitzer mit Bedarf für eine Anschlussfinanzierung. Bauherren und Käufer sollten mit Blick auf hohe Kaufpreise und Darlehenssummen auf Sicherheit achten, zum Beispiel, indem sie günstige Zinsen mit langen Zinsbindungen festschreiben oder viel tilgen. „Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich das Zinsniveau über die Jahre deutlich ändern kann“, sagt Mirjam Mohr.

Grafik zeigt im Langfristvergleich sehr stark gesunkene Zinskosten

Chart zeigt langfristig extrem stark sinkende Zinsen

Grafiken und Daten: Quelle Interhyp

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Von

Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

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Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

Und die Aktienmärkte wieder mit einer Erholung, nachdem der Leitindex S&P 500 das Tief vom Montag unterschritten hat..

Aber Vorsicht: möglich ist, dass sich Pelosi nicht auf das gesamte Stimulus-Paket bezieht, sondern nur auf einen kleinen Teil davon:

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