Die Debatte am US-Staatsanleihemarkt über den künftigen Zinspfad der US-Notenbank Fed dürfte sich mit Blick auf das Jahr 2026 deutlich zuspitzen. Auslöser ist eine Reihe zentraler Konjunkturdaten, die nach der zeitweisen Schließung der US-Regierung nun mit Verzögerung veröffentlicht werden. Vor allem neue Zahlen zum Arbeitsmarkt und zur Inflation sollen Klarheit darüber schaffen, ob die Fed nach zuletzt drei Zinssenkungen kurz davorsteht, ihren Lockerungszyklus zu beenden – oder ob deutlich aggressivere Schritte bei den Zinsen notwendig werden.
Anleihemärkte vor Richtungsentscheidung
Bereits diese Woche wird ein Teil der Datenlücke geschlossen, bevor Anfang Januar weitere wichtige Arbeitsmarktzahlen folgen. Für Investoren steht viel auf dem Spiel. Anleihehändler setzen derzeit darauf, dass die Fed im kommenden Jahr zweimal die Zinsen senkt, um den Arbeitsmarkt und das Wachstum zu stützen – trotz einer weiterhin hartnäckigen Inflation. Das wäre eine Zinssenkung mehr, als die Notenbanker auf ihrere jüngsten Sitzung signalisiert haben. Sollte sich diese Markterwartung bestätigen, könnte dies den Weg für eine weitere starke Rally bei US-Treasuries ebnen, die ohnehin auf dem Weg zu ihrem besten Jahr seit 2020 sind.
Besonders im Fokus steht der Arbeitsmarktbericht. „Der mit Abstand wichtigste Datenpunkt für das nächste Jahr“ seien die anstehenden Beschäftigungszahlen, sagt George Catrambone, Chefstratege für Anleihen bei DWS Americas. „Das ist alles, worauf ich schaue – und wohin sich der Arbeitsmarkt bewegt, dorthin bewegen sich auch die Zinsen.“ Catrambone rechnet mit deutlich stärkeren Zinssenkungen durch die Fed, gestützt auf Anzeichen einer Abschwächung am Arbeitsmarkt, und nutzte zuletzt den Renditeanstieg zum Kauf von Staatsanleihen.
Zu Wochenbeginn lag die Rendite zweijähriger US-Anleihen bei 3,51 Prozent, die zehnjährige bei rund 4,17 Prozent. Der Abstand zwischen beiden Laufzeiten weitete sich zuletzt auf 66 Basispunkte aus – der höchste Stand seit Januar 2022. Nach ihren jüngsten Hochs gaben die Renditen allerdings wieder nach, nachdem Fed-Chef Jerome Powell auf einer Pressekonferenz Sorgen über eine nachlassende Einstellungsdynamik geäußert hatte. Zuvor hatte die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent gesenkt.
Vor diesem Hintergrund bauen Händler verstärkt Optionspositionen auf, die von einer Zinssenkung bereits im ersten Quartal profitieren würden. Derzeit ist eine weitere Lockerung allerdings erst zur Jahresmitte vollständig eingepreist, eine zweite Senkung folgt laut Markt im Oktober.

Fed zwischen Daten und Politik
Der Fokus richtet sich nun klar auf die anstehenden Konjunkturdaten, die sich überwiegend auf November und teilweise auf Oktober beziehen. Laut einer Bloomberg-Umfrage dürfte die US-Wirtschaft im November rund 50.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen haben. Ein verspäteter Bericht hatte für September noch einen Zuwachs von 119.000 Jobs gezeigt, während die Arbeitslosenquote auf 4,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2021 stieg.
Für Kevin Flanagan, Leiter der Anleihestrategie bei WisdomTree, ist der aktuelle Bericht nur eingeschränkt aussagekräftig, da der Regierungsstillstand die Datenerhebung verzerrt habe. Entscheidender sei der nächste Arbeitsmarktbericht Anfang Januar – kurz vor der Zinssitzung der Fed am 28. Januar. „Die Hürde für eine Zinssenkung bei der nächsten Sitzung im Januar ist höher geworden“, sagt Flanagan. „Man müsste klare Anzeichen einer Abkühlung im Arbeitsmarkt sehen.“
Alles hängt am Arbeitsmarkt
Auch Strategen sehen die Risiken asymmetrisch. „Damit der Anleiheaufschwung anhält, wird der Arbeitsmarktbericht am 16. Dezember die nächste Hürde sein“, erklärt Ed Harrison von Bloomberg Markets Live. Ein schwächerer Jobaufbau könnte die Rally verlängern und die erste vollständig eingepreiste Zinssenkung von Juni auf April vorziehen.
Fallen die Daten hingegen robuster aus, droht laut Flanagan ein Ausverkauf, der die Rendite zehnjähriger Anleihen auf 4,25 Prozent treiben könnte. Er gehört zu den Marktteilnehmern, die glauben, dass die Fed nahe am Ende ihres Lockerungszyklus steht. Studien zufolge liege der neutrale Zins bei rund 3,5 Prozent – ein Niveau, das die Wirtschaft weder bremst noch stimuliert. Powell hatte zuletzt betont, der Leitzins bewege sich „innerhalb einer breiten Spanne“ dieses neutralen Bereichs, was den Spielraum für weitere Zinssenkungen begrenze. Der Markt rechnet dennoch damit, dass die Fed den Zyklus bei etwa 3,2 Prozent beendet.
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Statt kräftiger Kursgewinne im Jahr 2026 könnte damit ein Seitwärtsmarkt drohen, in dem die Renditeerträge vor allem aus Kuponzahlungen um vier Prozent stammen. Zusätzlich rückt ein politischer Faktor in den Blick: Im Mai endet Powells Amtszeit. Präsident Donald Trump drängt auf deutlich niedrigere Zinsen, die Suche nach einem neuen Fed-Chef befindet sich in der Endphase. Ein Führungswechsel könnte die Fed „noch taubenhafter“ ausrichten, sagt Janet Rilling von Allspring Global Investments. „Die Rechtfertigung könnte am Arbeitsmarkt liegen“, erklärt sie. „Selbst eine leichte Abschwächung könnte als Deckmantel für weitere Zinssenkungen dienen.“
FMW/Bloomberg
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Die DWS Leute müssen ihr Geld anlegen …ob sie wollen oder nicht …es sind halt keine Hedgefonds…
Insofern stellt sich die Frage nicht …ob der Fondsmanager die Lage gut einschätzt oder nicht…
Fakt ist …der S&P 500 hat sich seit der Finanzkrise mehr als verzehnfacht… und er wird sich unmöglich nochmals verzehnfachen können…jedenfalls nicht von diesem Niveau aus…
Schon eine Verdoppelung… auf dann knapp 14 000 Punkte wird schwer…auf Sicht der nächsten 20 Jahre wohlgemerkt…was dann …einer Performance von 5 Prozent jährlich entspricht…
5 Prozent jährlich…soviel gibt’s jetzt schon für mündelsichere Staatsanleihen….