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Zinsen: Anstieg der Kapitalmarktzinsen – Folgen für Aktienmärkte

Zinsen und Aktienmärkte

Kommt jetzt, gewissermaßen im zweiten Versuch, der große Anstieg der Zinsen?

Erinnerungen an den Jahresanfang werden wach, als die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihe von Jahresbeginn bis Mitte März von 0,92 Prozent auf 1,77 Prozent gestiegen waren. Mit der Folge einer Korrektur von BigTech in den USA und dem so genannten Reflation Trade, dem Anstieg von zyklischen Titeln in einem Umfeld von Wachstum plus Inflationsanstieg. Gibt es damit wieder eine Rotation von der Rotation?

2021, ein Auf und Ab der Sektoren

Begonnen hatte die Renaissance eigentlich schon im November 2020, als es nach der Wahl von Joe Biden und seinen Infrastrukturplänen in zeitlicher Koinzidenz mit der großen Impfstoffhoffnung, stark nach oben ging. Die kleinen Aktien meldeten sich zurück, bis ins Frühjahr 2021, als urplötzlich die Kapitalmarktzinsen wieder zu fallen begannen. Hier eine etwas ältere Grafik, die das Wechselspiel von Small Caps zu Big Caps, von Growth zu Value zeigt.

Zinsen und Aktienmärkte

Dann plötzlich im Frühjahr 2021 drehte sich der Spieß um, die Korrektur bei den Techtiteln war beendet, Value korrigierte und lief für Monate nur seitwärts. Sehr schön auch an der Performance des Portfolios von Berkshire Hathaway zu erkennen, in dem es trotz des großen Apple-Anteils von Anfang Mai bis vor wenigen Tagen sogar leicht abwärts gegangen war. Vorher hatte die Beteiligungsgesellschaft den Markt mit plus 34 Prozent seit Jahresbeginn stark outperformt.

Die Fed-Sitzung, der erneute Gamechanger in Sachen Zinsen

Der zeitliche Zusammenhang ist unverkennbar. Als Fedchef Jerome Powell am letzten Mitwoch die Tür für ein Tapering leicht aufgestoßen hatte, reagierten die Zinsen umgehend und trieben die Renditen bei der Benchmark, der 10-jährigen US-Treasury, von 1,30 Prozent bis auf 1,567 Prozent am gestrigen Dienstag.

Die Zinsen für die Fünfjährigen kletterten auf 1,035 Prozent, dem höchsten Stand seit Februar 2020 und damit so hoch wie noch nie nach dem Corona-Einbruch. Auch in Deutschland gab es einen Anstieg der Zinsen. Die 10-jährige Bund erreichte mit minus 0,172 Prozent den höchsten Stand seit Mitte Juni.

Wenngleich dieses Umfeld den lange stagnierenden Zyklikern wie Banken, Versicherungen, Energieunternehmen und allen Arten von Industriewerten Leben einhaucht, leiden auf der anderen Seite die bisherigen Niedrigzinsprofiteure aus dem Tech- und dem Gesundheitssektor. Warum dies nicht für steigende Indizes sorgen kann, habe ich heute im Artikel „S&P 500: Klumpenrisiko! In den Fängen der Tech-Werte“ dargelegt.

Fazit

Normalerweise könnte man bei optimistischer Sichtweise davon sprechen, dass der jetzige Anstieg der Zinsen in Verbindung mit der Branchenrotation zu einer Stabilisierung der Aktienmärkte führen könnte, eine Wiederholung des ersten Halbjahres. Aber so einfach gestaltet sich die Sachlage nicht. Denn im Gegensatz zu den ersten Monaten des Jahres gibt es eindeutige Trends der Abschwächung des Wirtschaftswachstums, insbesondere aus China kommend, der Verringerung der Gewinnmargen der Unternehmen und einer Enttäuschung in der Berichtssaison im dritten Quartal. Diese neue Entwicklung haben die Märkte so nicht eingepreist: Höhere Kapitalmarktzinsen und schwächeres Wachstum, kein Stoff für eine größere Jahresendrallye in den letzen 65 Börsentagen des Jahres. Außer die Zinsen fahren erneut Achterbahn.

Denn für Indexanstiege werden stabile Tech-Aktien benötigt, die Indexschwergewichte – aber diese sind nach ihrer langen Rallye erst recht zinssensitiv geworden. Es ist eben deren Abdiskontierung künftiger Gewinne und diese verschlechtert sich bei höheren Renditen. Dies gilt ganz besonders bei der Fahrt aus dem „Zinskeller“.



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