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Zinsen – der Senkungswettlauf geht in eine neue Runde

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Hatte man nach dem Jahr 2019 mit über 100 Senkungen der Zinsen der Notenbanken dieser Welt mit einer Pause im Zinssenkungswettlauf gerechnet, so wird man durch die Auswirkungen des Coronavirus eines Besseren belehrt. Die von Covid-19 betroffenen Staaten setzen mit Hilfe ihrer Notenbanken und auch der internationalen Organisationen, wie IWF oder Weltbank, alle Hebel in Bewegung, um einen Wirtschaftseinbruch abzumildern.

Zinsen: Eine konzertierte Aktion auf Raten

Vorgestern kamen nach der überraschenden Senkung der Zinsen durch die Federal Reserve noch Zweifel an einem koordinierten Vorgehen auf – die aber zerstreut werden, wenn man sich die Aktionen der Notenbanken dieser Welt im Überblick betrachtet. Beginnend mit China, das schon seit Januar die Geldschleusen weit geöffnet hat, um Firmen, Banken und Konsumenten mit allerlei Stimuli unter die Arme zu greifen, inzwischen haben andere asiatische Notenbanken nachgezogen.

Dazu Senkungen der Zinsen in Thailand, Malaysia, Indien, Australien und selbst in Japan, dem Urland der Nullzinsen, denkt man über weitere Schritte nach. Die Bank of Japan hat im Zusammenhang mit Corona bereits angekündigt, die weitere Entwicklung zu beobachten und ausreichend Liquidität bereitstellen zu wollen. Sie pumpte auch schon Geld in den Kreislauf durch den Aufkauf von weiteren Staatsanleihen.

Anders die erste Reaktion von Südkoreas Zentralbank. Man verzichtete zunächst auf die erwartete Senkung der Zinsen von 1,25% auf 1,0% mit der Begründung, dass direkte Hilfen an Unternehmen, die von der Epidemie besonders hart getroffen werden, effektiver seien als geldpolitische Maßnahmen. Hierzu gibt es ein Hilfsprogramm in Höhe von 15 Milliarden Euro.

Eine Zinssenkung ausschließen wollte Notenbank-Chef Lee Ju-yeol dennoch nicht. Die südkoreanischen Leitinsen liegen seit gestern auch auf dem Niveau der US-amerikanischen.

Und was macht Europa?

In Großbritannien versprach der langjährige Notenbankchef Carney, der nur noch bis 15. März im Amt ist, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs zu unterstützen. Viel Spielraum hat man indessen nicht, da die Zinsen sich nur noch bei mageren 0,75 Prozent befinden.

Bei der Europäischen Zentralbank hat die neue Chefin, Christine Lagarde, ebenfalls ihre Bereitschaft signalisiert, wenn erforderlich, mit angemessenen, gezielten geldpolitischen Schritten auf Covid-19 zu antworten. Der Spielraum für zinspolitische Maßnahmen ist nach „Draghis Nullzinspolitik“ doch recht begrenzt. Dr. Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, erwartet dennoch eine Senkung der Zinsen um 0,1 Prozentpunkte und zumindest zeitweise eine Verdoppelung der Anleihekäufe. Was ein Problem werden dürfte, denn die EZB stößt bei ihren Käufen von Staatsanleihen rasch an die Grenzen der erlaubten 33 Prozent der verfügbaren Papiere. Deshalb war gestern von günstigen Langfristkrediten (TLTRO) an Banken die Rede, die ihre Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen ausweiten sollen, um die Folgen des Coronavirus abzumildern.

Je nach Entwicklung der Virusinfektion in Europa erwartet mancher Analyst eine Aktion der EZB sogar schon vor der offiziellen Sitzung vom 12. März.

Ja, um es nicht zu vergessen. Gestern hat auch die Bank of Canada nachgezogen und ist mit einer 50 Basispunkte-Senkung dem großen Bruder aus dem Süden gefolgt.

Zinsen und die Bilanz der großen Notenbanken

Die Höhe der Bilanzsumme der Notenbanken sollte eigentlich Aufschluss darüber geben, wie stark das System angespannt ist. Dies stimmt in jedem Fall für die japanische Notenbank, deren Quote inzwischen 105 Prozent zum japanischen Bruttoinlandsprodukt beträgt. Die BoJ kauft nicht nur die eigenen Staatsanleihen auf, sondern auch japanische Aktien-ETFs. Sie hält damit umgerechnet 250 Milliarden Euro oder 5 Prozent des Topic-Index.

Auf den Pfaden Japans wandelt die EZB, die aber mit 40,6 Prozent zum BIP noch ein ganzes Stück von japanischen Verhältnissen entfernt ist. Richtig niedrig muten die Bilanzsummen der Bank of England (21,4 Prozent) und der Federal Reserve (19,14 Prozent) in Relation zum BIP an.

So haben die USA in der Krise nicht nur einen gewissen Spielraum bei den Zinsen (1,0 – 1,25 Prozent), sondern auch bei ihrer Notenbankbilanz. Das klingt ziemlich absurd bei einer Staatsverschuldung von 24 Billionen Dollar (2020 erw.) und damit 108 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt. Aber auch diese Kennziffern wirken noch „moderat“ im Vergleich zu Japan.

Fazit

Wer glaubt, dass das billige Geld der Notenbanken keinen Effekt auf einen virusbedingten Angebots- und Nachfrageschock haben wird, hat zweifellos recht. Aber wenn man sich die geballten Aktionen von Staaten und vor allem der Notenbanken betrachtet, so erkannt man einen wahren Tsunami an Liquidität, der auf die Finanzmärkte zurollt.

Ungeachtet der Fundamentaldaten, die in nächster Zeit mit Schreckensmeldungen über Gewinn- und Umsatzeinbrüche auf die Börsianer einprasseln werden, kann man auch als kritischer Betrachter der Szenerie Zweifel daran bekommen, ob der Einbruch an den Börsen in nächster Zeit wirklich noch lange weitergeht. Eine gigantische Flut hebt die Boote und in China, dem Auslöser der Krise mehren sich die Anzeichen, dass die Produktion zeitnah wieder hochgefahren wird. Auch sind die aktuellen Konjunkturdaten in der größten Wirtschaftsnation, den USA, wieder überaus robust ausgefallen.

Verrückte Welt: Wenn nicht einmal ein Produktionsstopp in der Werkbank der Welt mit anschließender Pandemie die Aktienkurse (bisher) mehr als 15 Prozent in die Tiefe treiben kann, ja was dann?

Und „in the long run“: kann das ewig so weiter gehen? Natürlich nicht, die Möglichkeiten der Notenbanken zur Senkung der Zinsen erschöpft sich zusehends – aber das ist das Thema der Zukunft.

Die Notenbanken senken die Zinsen

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    5. März 2020 09:00 at 09:00

    Da fehlt aber die SNB die mit 122% des BIP Weltmeister ist, Sie kauft zwar keine Inlädischen Aktien dafür besitzt Sie 0.25% der Weltmarktaktienindizes….und das mit einer Aktienquote von ca 20%….viel liegt in Euro Staatspapieren….Baöd streiten sich SNB und EZB darüber wer den Schrott kaufen darf….gut man kann auch sagen die Notenbanken sind eventuell genial, Sie kaufen mit nichts als bunt bedruckten Papier die Weltmärkte auf, immerhil besser als wenn Sie alleine Nominalwerte halten, wenn die Währungen absaufen haben Sie immerhin noch Realwerte in den Bilanzen….

    • Avatar

      Columbo

      5. März 2020 09:55 at 09:55

      Die Notenbanken werden früher oder später auch ETFs kaufen. Einfach alles, Anleihen, Gold…alles.
      Beispiel Gold: Solange sie kaufen, sollte man es haben, aber wehe, sie verkaufen eines Tages!

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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