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Zinsen: Was hat die US-Notenbank mit Rumpelstilzchen zu tun?

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Fed-Chef Jerome Powell entscheidet über die Zinsen in den USA

Kaum kann der Finanzmarkt dank der Beruhigung im Handelskrieg und einer verbesserten Chance auf einen Brexit-Deal aufatmen, tauchen am Horizont neue Herausforderungen auf. Aber auch für diese gibt es eine Lösung – nur darf man ihren Namen nicht nennen. Es sind die  Zinsen.

Zinsen – das Phänomen der kommunizierenden Röhren

So ist das im Leben: Des einen Freud ist des anderen Leid. Wie heute in einem Artikel von den Kollegen ausgeführt, verlieren sogenannte „sichere Häfen“ im Zuge der Stimmungsaufhellung an den Börsen an Attraktivität – zumindest kurzfristig. Dieses Phänomen bekommen aktuell auch die Halter von US-Staatsanleihen längerer Laufzeit zu spüren, die noch nicht Teil des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank Fed sind. Spiegelbildlich zu den fallenden Kursen steigen die Renditen der Kapitalmarktpapiere und schaffen ein neues, bekanntes Problem.

Zinsen 10 Jahre US-Staatsanleihen

In dem Maße, wie die Zinsen bei den sogenannten Benchmark-Anleihen, also den US-Staatspapieren längerer Laufzeit steigen, gehen auch die Finanzierungskosten für die private Wirtschaft wieder nach oben. Das belastet vor allem den US-Konsumenten.

Schuldentragfähigkeit ist bereits am Anschlag

Die finanziellen Bürden für Studierende, Kreditkartenschuldner, Autokäufer und Häuslebauer in den USA sind ohnehin schon historisch hoch. Steigen dann auch noch die Zinsen, schlägt das sehr schnell zum Beispiel über wegbrechende Umfinanzierungen bei Immobiliendarlehen auf den Konsum durch. In den USA ist das sogenannten Cash Out Refinancing ein beliebtes Mittel, um den privaten Verbrauch zu finanzieren. Dabei wird in Immobilien gebundenes Eigenkapital beliehen, um shoppen zu gehen. Es gibt kaum eine Kreditart, die sensibler und schneller auf sich verändernde Zinsen am langen Ende der Renditekurve reagiert. Da die Lohnsteigerungen in den USA allein nicht einmal ausreichen, um die steigenden Zinskosten der Verbraucher zu decken, ist eine Ausweitung des Konsums nur noch mit ständig steigender Verschuldung möglich. Dabei lasten auf jedem US-Bürger bereits allein 67.000 US$ resultierend aus der Staatsverschuldung. Bezogen auf die Gesamtverschuldung von 74 Billionen US-Dollar muss jeder Amerikaner, vom Säugling bis zum Greis, mittlerweile Kredite in Höhe von 227.700 US$ schultern (US-Total Debt). Jeder Prozentpunkt Anstieg bei den Zinsen bedeutet für die US-Volkswirtschaft rein rechnerisch eine Mehrbelastung in Höhe von 740 Mrd. US-Dollar pro Jahr oder 3,6 Prozent des BIP. Aktuell wächst die US-Ökonomie mit annualisiert 1,8 Prozent.

Wie lange können sich die USA die gute Laune an den Finanzmärkten also noch leisten, im Zuge derer sichere Häfen wie die US-Treasury Bonds abverkauft werden und die langfristigen Zinsen wieder steigen?

Die Lösung heißt: Psst!

Mit ihrem neu aufgelegten Anleihekaufprogramm hat die US-Notenbank zumindest einen Schuldner signifikant entlastet: die US-Bundesregierung. Doch was ist mit der schlummernden BBB-Schuldenbombe bei den Unternehmen und dem für die US-Wirtschaft essenziellen Konsumenten? Dessen Verschuldung ist ebenso prekär und bedarf einer zeitnahen Lösung. Die kann nur darin bestehen, die Zinsen über die gesamte Zinsstrukturkurve abzusenken. Andernfalls verliert die US-Privatwirtschaft durch steigende Kreditkosten mehr, als die Fed durch die Absenkung der kurzfristigen Zinsen dem US-Staat zukommen lässt.

Fazit und Ausblick

Das Dilemma der Fed liegt in der vorherrschenden Illusion, dass eigentlich alles in Ordnung sei mit der US-Ökonomie. Sobald der Handelskrieg sich beruhigt, zieht die Wirtschaft wieder an und alles ist wieder gut – so die allgemeine Erwartung. Dumm nur, dass dabei der große weiße Elefant im Raum übersehen wird – die Überschuldung amerikanischer Verbraucher, Unternehmen und des Staates. Noch ist die Lösung dieses Problems tabu, nach dem Motto: Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Quantitative Easing heiß. Die Fed wird, Handelskrieg hin oder her, nicht umhinkommen, Stroh zu Gold zu spinnen, um damit auch länger laufende Anleihen der US-Bundesregierung aufzukaufen. Nur so kann sie für alle Wirtschaftssubjekte die Kreditkosten senken und die Dose weiter die Straße runterkicken. Umso länger die Fed diese Wahrheit leugnet, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie am Ende das gleiche Schicksal ereilt wie das arme Rumpelstilzchen.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Beobachtet

    18. Oktober 2019 08:36 at 08:36

    Und schon wieder ein Superbeitrag.Ich staunte schon lange, dass man nicht mehr von diesen grossen BBB Zeitbombe sprach.müssten doch die Zombifirmen bei rückläufiger Wirtschaft noch schlechter dastehen.
    Hat man bei Börsengängen gesehen,dass die Anleger nicht mehr bereit sind unendlich in jeden Geldverbrenner zu investieren, gibt es anscheinend immer noch genügend Investoren, die diese BBB
    Zeitbomben mit ca.5%Rendite kaufen.Auch erstaunlich wie klein die Volatilität dieser Anleihen ist.
    Gemäss mehreren Berichten war doch die Besorgnis von J.Powell anfangs Jahr der Fall unter kritische Marken ( Zinsanstieg) dieser Anleihen der Hauptgrund für die totale Zinswende.
    Der Wald der vielen Probleme u.Ablenkungen ist wie erwähnt so gross geworden,dass man den grössten faulen Baum nicht mehr sieht oder willentlich versteckt.

  2. Pingback: Zinsen: Was hat die US-Notenbank mit Rumpelstilzchen zu tun? - finanzmarktwelt.de - Counternet News

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Inflation, Bitcoin, Aktien: Beck gegen Marc Friedrich

Markus Fugmann

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Kommt bald die Inflation – und was wird mit Aktien oder Bitcoin passieren? Bedeutet Inflation gleichzeitig, dass Bitcoin und Aktien und auch Rohstoffe steigen werden?

Bitcoin, Aktien und Inflation – was wird passieren?

Derzeit gehen fast alle davon aus, dass die Inflation anziehen wird: mit dem Impfstoff werde sich das Corona-Problem erledigen, woraufhin die Nachfrae anziehen werde, was dann wiederum Inflation mit sich bringe (der Reflations-Trade). Diese Inflation zeigt sich bereits bei den Asset-Preisen vor allem bei Immobilien, mit gewissen Abstrichen auch bei Aktien (vor allem aus dem US-Tech-Sektor). Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Der Potzfolioverwalter Andreas Beck bringt die Dinge in einem Interview mit Marc Friedrich in Relation: er hält Immobilien für zu teuer (aufgrund des demografischen Wandels – der ab dem Jahr 2025 kippen wird), bei Aktien sei das „Glas halbvoll“ – während er Bitcoin für eine „Thema-Verfehlung“ hält („Bitcoin ist ein Anrecht für nichts auf niemanden“) und dabei auf eine russische Firma verweist, die dafür ein Muster gegeben hat (was für den Bitcoin-Gläubigen Marc Friedrich schwer zu ertragen ist!). Andreas Beck gegen Marc Friedrich – wer hier die besseren Argumente hat, könne Sie entscheiden. So sagt Andreas Beck zu Bitcoin: „Was nichts ist, kann nicht knapp sein“ – und demaskiert damit das Argument der Bitcoin-Jünger!

 

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Inflation, Aktien und Bitcoin - Marc Friedrich gegen Andreas Beck

 

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Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlen? EU-Urteil liegt vor – mit erstaunlicher Begründung

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Scheine Euro Bargeld

Darf der deutsche Michel darauf bestehen, dass er seinen Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlt, und nicht per Banküberweisung oder Lastschrift? Deswegen war der Wirtschaftsexperte und Journalist Norbert Häring durch alle Instanzen gegangen, und landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Klage basierte auf dem Bundesbankgesetz, welches Bargeld als uneingeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel ansieht – womit impliziert werden könnte, dass alle öffentlichen Einrichtungen gezwungen sind Zahlungen in bar zu akzeptieren.

Panische Angst vor Zahlung mit Bargeld?

Aber es ist klar. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Bargeldzahlung. Man stelle sich vor hunderttausende unzufriedene Gebührenzahler würden von diesem Recht Gebrauch machen, und bei den Anstalten vor Ort mit 1 Cent Münzen zahlen, aus Protest. Der Verwaltungsaufwand wäre gigantisch. Und jetzt wird es spannend. Der Europäische Gerichtshof hat heute sein Urteil gefällt (hier im Wortlaut nachzulesen). Gleich die Headline zeigt die erstaunliche Argumentation der Richter. Sie argumentieren nämlich nicht mit Inhalten, sondern begründen ihr Urteil damit, ob die Auswirkungen für die betroffenen Einrichtungen (ARD und ZDF) verwaltungstechnisch umsetzbar sind. Zitat EuGH:

Ein Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets kann seine Verwaltung zur Annahme von Barzahlungen verpflichten, aber er kann diese Zahlungsmöglichkeit auch aus Gründen des öffentlichen Interesses beschränken. Eine solche Beschränkung kann insbesondere gerechtfertigt sein, wenn die Barzahlung aufgrund der sehr großen Zahl der Zahlungspflichtigen zu unangemessenen Kosten für die Verwaltung führen kann.

Also: Das EU-Gericht verweist die letztliche Entscheidung zurück an den Bundesgerichtshof. Aber der erhält von den EU-Richtern de facto eine Vorlage für eine Entscheidung gegen die Zahlung mit Bargeld. Nämlich in dem man sagt: Bei potenziell hunderttausenden oder Millionen Barzahlern des Rundfunkbeitrags werden die Verwaltungskosten derart hoch sein, dass dies zu ernsthaften Problemen für die Rundfunkanstalten führt. Daher wäre es angemessen für Deutschland ein Barzahlungsverbot auszusprechen. So darf man den zweiten Satz aus der Headline-Aussage des Urteils interpretieren. Und man darf vermuten, dass die deutschen Richter diesen Hinweis auch genau so aufnehmen und in ihr Urteil einfließen lassen werden. Also wird es (vermutlich) keine wirklich inhaltliche Begründung für die bevorstehende Ablehnung der Bargeldzahlung in Deutschland geben, sondern nur eine verwaltungstechnische. Das ist ziemlich armselig, so möchte ich es ausdrücken!

Der Klageführer Norbert Häring hat dazu vor wenigen Minuten seinen eigenen Kommentar veröffentlicht (hier nachzulesen). Die Richtung der deutschen Richter dürfte klar sein. Reihenweise könnten Beitragszahler auf Barzahlung bestehen, also wäre der Verwaltungsaufwand für ARD und ZDF bei nur 17,50 Euro pro Beitragszahler nicht mehr verhältnismäßig. Man kann das endgültige Urteil der deutschen Richter schon Monate im Voraus am Horizont sehen, bevor es ausgesprochen wurde. Hier auszugsweise im Wortlaut aus dem heutigen EuGH-Urteil die wohl wichtigsten Aussagen:

In einem zweiten Schritt stellt der Gerichtshof fest, dass der Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Annahme dieser Banknoten und Münzen impliziert, diese Verpflichtung aber von den Mitgliedstaaten grundsätzlich aus Gründen des öffentlichen Interesses eingeschränkt werden kann, vorausgesetzt, dass diese
Einschränkungen im Hinblick auf das verfolgte Ziel von öffentlichem Interesse verhältnismäßig sind, was u. a. bedeutet, dass andere rechtliche Mittel für die Begleichung von Geldschulden verfügbar sein müssen.

Insoweit weist der Gerichtshof darauf hin, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass die Begleichung von Geldschulden gegenüber öffentlichen Stellen dergestalt erfolgen kann, dass diesen keine unangemessenen Kosten entstehen, die sie daran hindern würden, ihre Leistungen kostengünstiger zu erbringen. Daher kann der Grund des öffentlichen Interesses, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, die Erfüllung einer hoheitlich auferlegten Geldleistungspflicht zu gewährleisten, eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen, insbesondere, wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch ist.

Es ist jedoch Sache des Bundesverwaltungsgerichts, zu prüfen, ob eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die anderen rechtlichen Zahlungsmittel möglicherweise nicht allen beitragspflichtigen Personen leicht zugänglich sind.

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

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