Seit Monaten gärt es am Anleihemarkt. Die hunderten von Milliarden Euro, die der deutsche Staat für Investitionen und das Stopfen von Löchern neu aufnehmen will, drohen die Zinsen für Anleihen (Anleiherenditen) weiter nach oben zu drücken. Übers Wochenende hat Donald Trump den „roten Knopf“ für diese Entwicklung gedrückt, wenn man es so bildhaft ausdrücken möchte. Denn er eskaliert den Handelskrieg mit 30 % Zoll gegen die EU. Die Marktzinsen für deutsche Bundesanleihen steigen deutlich.
Zinsen für Bundesanleihen im Aufwind
Für die 30jährige Laufzeit steigen die Zinsen deutscher Bundesanleihen am Markt seit Freitag Abend von 3,22 % auf 3,25 %, jetzt der höchste Stand seit zwei Jahren. Ab 3,26 % wäre es sogar das höchste Niveau seit dem Jahr 2011. Noch vor vier Wochen lag das Renditeniveau unter 3 %. Die zehnjährige Laufzeit springt übers Wochenende von 2,68 % auf 2,73 %. Im Chart sehen wir: Bei der 30jährigen Laufzeit (rote Linie) wurde das Hoch aus März bereits überschritten, als Friedrich Merz die große Schuldensause verkündete. Da Problem, wenn die Zinsen am Markt steigen? Damit werden Anleihen attraktiver in Relation zu Aktien, was Dax und Co belasten könnte. Und natürlich verteuern sich Kredite für den Staat, aber auch für Häuslebauer und andere Kreditnehmer, weil sich die Zinsen für längere Kreditlaufzeiten an den Anleiherenditen am Markt orientieren.
Bloomberg-Einordnung
Der Grund für die steigenden Zinsen bei deutschen Bundesanleihen? Bloomberg schreibt aktuell: Es geht um Bedenken hinsichtlich Zöllen und zusätzlicher Staatsausgaben, was Anleger dazu veranlasste, langfristige Anleihen zu verkaufen (Anleihekurse runter = Renditen rauf). Längerfristige Anleihen waren in diesem Jahr weltweit anfällig, und auch japanische 30-jährige Anleihen brachen am Montag ein. Die jüngste Entwicklung in Europa erfolgte als Reaktion der Märkte auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Zölle in Höhe von 30 % auf Waren aus der Europäischen Union zu erheben, sowie im Vorfeld einer EU-Anleiheemission, die später am Tag stattfand und unter anderem Anleihen mit Fälligkeit im Jahr 2054 umfasste.
Der allgemeine Anstieg der deutschen Zinsen wurde durch Investoren getrieben, die eine steigende Prämie für die Finanzierung der umfangreichen Ausgabenverpflichtungen der Regierung verlangen. Der deutsche Bundestag verabschiedete im März ein wegweisendes Konjunkturpaket, das Hunderte von Milliarden Euro an Schuldenfinanzierungen für Verteidigung und Infrastruktur freigibt. Im vergangenen Monat kündigte die Bundesfinanzministerien an, in den kommenden Monaten etwa ein Fünftel mehr als geplant aufzunehmen, um den Ausgabenanstieg zu finanzieren.
FMW/Bloomberg
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