Folgen Sie uns

Allgemein

Zinsen: Warum auch wir jetzt in der Japan-Falle sitzen

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Zinsen und die Japan-Falle - Symbolbild Brieftasche, Geld und Auto

Für Schuldner ist es eine gute Nachricht, für Sparer eine Schlechte: Die Zinsen werden bei uns bis zur Abschaffung der Gemeinschaftswährung Euro bei null und negativ bleiben. Die Schuldenexplosion im Zuge der Corona-Krise lässt zukünftig keine steigenden Kreditkosten mehr zu.

Die Corona-Krise drückt die risikolosen Zinsen weiter nach unten

Bankenvolkswirte, Politiker und Anlageberater hatten die Hoffnung auf wieder steigende Zinsen bei ihrer Klientel stets wachgehalten. Noch im Sommer 2018 versprach der Vorstandsvorsitzende der größten Bank der USA, James L. Dimon von JPMorgan Chase & Co.: „Die Zinsen werden schneller und stärker steigen, als die meisten Menschen es sich vorstellen können“. Die These, dass auch Europa oder sogar die USA in die gleiche Nullzinsfalle wie Japan mit seiner weltweiten Rekordverschuldung in Höhe von 237 Prozent des BIP geraten könnten, wurde von „seriösen“ Ökonomen brüsk zurückgewiesen. Dabei war damals schon klar, dass die permanent steigenden Schuldenquoten im Vergleich zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt zwangsläufig auf die Abschaffung des Zinses in den entwickelten Volkswirtschaften hinauslaufen. Doch zu diesem Zeitpunkt war „Zinsnormalisierung“ das Zauberwort. Bereits ein Quartal nach den Aussagen des wohl mächtigsten Privatbankers des Planeten brach der US-Aktienmarkt fast unter der „Normalisierung“ der US-Zinsen zusammen. Das Thema Zinserhöhungen war fortan vom Tisch. Im Herbst 2019 zwang dann die Krise am US-Geldmarkt die US-Notenbank (Fed) sogar zur Auflage eines neuen Gelddruckprogramms (QE-Programm).

Im Frühling des Jahres 2020 sind die „risikolosen“ Zinsen für Staatsanleihen, Termingeld und Sparkonten nicht nur in den USA, sondern auch bei uns in Deutschland zurück auf historischen Tiefstständen. Die großen Zentralbanken haben die Leitzinsen in den letzten beiden Monaten im Rekordtempo nach unten gedrückt. Im Jahr 2020 stehen weltweit 93 Zinssenkungen lediglich 4 Zinserhöhungen gegenüber. Über den massenhaften, ja zum Teil unlimitierten Ankauf von Staatsanleihen sind auch die Zinsen am Kapitalmarkt de facto abgeschafft worden. Die Zinskupons für „mündelsichere“ Bundesanleihen weisen über alle Laufzeiten, also von drei Monaten bis zu 30 Jahren, ein negatives Vorzeichen auf. Wohlgemerkt nominal, also noch vor Abzug der jährlichen Inflationsrate.

Das Ziel dieser „Zinssteuerung“ durch die Notenbanken ist die Entlastung der stark angeschlagenen und hoch verschuldeten Wirtschaft im Bereich der Kapitalkosten. Darüber hinaus sollen Staaten, Kommunen, Banken, Unternehmen und Häuslebauer finanziell am Leben erhalten werden. Der Versuch der südeuropäischen Staaten die Nordländer zu Eurobonds mit gemeinsamer Haftung zu bewegen, zielt ebenfalls auf die Absenkung der zu zahlenden Zinsen am Kapitalmarkt ab. Niedrige Zinsen oder besser gleich die Abschaffung des Zinses sind zu einer Überlebensnotwendigkeit für Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und sogar Frankreich geworden. Das Gleiche gilt aber mittlerweile auch für die USA und unverändert für Japan. Vorsicht ist geboten bei Lockangeboten exotischer Banken aus Malta oder Estland, die um an dringend benötigte Liquidität zu kommen, deutschen Sparern ein paar Zinskrümel mit einer Null vor dem Komma hinwerfen, vor Steuern und Inflation versteht sich. Diese Zinsen sind nicht ohne Risiko, ebenso wie die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals.

Die ökonomischen Folgen der Corona-Krise sind schwerwiegend

Aus gutem Grund liegen die Zinsen in Japan seit über zwei Dekaden auf bzw. nahe oder jetzt sogar unter null. Nippon weist mit 235 Prozent die weltweit höchste Staatsverschuldung auf. Die Bank of Japan finanziert das komplette Staatsdefizit von zuletzt drei Prozent des BIP pro Jahr. Noch im Jahr 1991 lag die öffentliche Schuldenquote im Land der aufgehenden Sonne bei moderaten 39 Prozent. Die Immobilien und Bankenkrise, die auf den Boom in den Achtzigerjahren folgte, hat Japan in den letzten 30 Jahren immer tiefer in die Schuldenmisere und damit auch in die Zinsfalle getrieben. Nach dem Platzen der New Economy Blase und dem Platzen der Immobilienblase in den USA und Europa sorgt nun die Corona-Krise dafür, dass auch die entwickelten Volkswirtschaften im Westen ihre Schulden nur noch durch Gratiskredite aus der Notenpresse tragen können. Würden sich die Zinsen in den USA Richtung 5 Prozent bewegen, würden ein Drittel der öffentlichen Ausgaben ausschließlich für den Kapitaldienst aufgewendet werden müssen. In Italien mit einer Staatsverschuldung von 133 Prozent des BIP sieht die Lage noch prekärer aus.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

Seiten: 1 2

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    boernschn

    7. April 2020 09:18 at 09:18

    Warum kann das Japanische Modell nicht auch bei uns funktionieren? Den Menschen dort geht es gut, die Inflation hält sich in Grenzen und alle sind happy, oder?

    • Avatar

      Kritisch on fire

      7. April 2020 10:44 at 10:44

      Ja genau! Das Einkommen hat sich in den letzten 30 Jahren massiv reduziert, die Jungen bekommen keine Kinder weil sie es sich nicht leisten können, das japanische Volk ist das Älteste weltweit und man betreibt auf diesem Weg einen Genozid an der eigenen Bevölkerung.
      Tolle Entwicklung und sehr zur Nachahmung empfohlen!

    • Avatar

      thinkSelf

      7. April 2020 11:05 at 11:05

      „Kritisch in Fire“ erwähnt das korrekt. Das japanische Modell funktioniert eben nicht. Die Realeinkommen fallen dort seit 20 Jahren um etwa 1% pro Jahr, was bedeutet das die Haushalte dort bereits ein Fünftel ihres Einkommens verloren haben.
      Rente existiert dort faktisch nicht mehr, so dass die Alten so lange arbeiten müssen wie es irgendwie noch geht. Hier kann man einer Volkswirtschaft beim eigenen Untergang in Zeitlupe zuschauen.

      • Avatar

        boernschn

        7. April 2020 11:57 at 11:57

        Na gut, vielleicht geht es nicht allen gut. Aber immerhin wird das bestehende System am Leben erhalten. Sprich: das System funktioniert. Das ist ja das, worauf unsere Entscheidungsträger vermutlich auch hinauswollen. Ob das für die breite Masse nun gut ist oder nicht, steht ja gar nicht zur Debatte. Unsere „Spezialisten“ (Krall, Müller, Friedrich, etc.) sehen ja alle in absehbarer Zeit das Ende des jetzigen Systems voraus. In Japan sieht man, wie lange der Kollaps noch hinausgezögert werden kann, ganz ohne Revolution. Die Bevölkerung nimmt diese allmählichen kleinen Veränderungen nicht wahr und wird deshalb auch nicht auf die Straße gehen.

  2. Avatar

    Japser- Kenner

    7. April 2020 11:14 at 11:14

    Der grosse Unterschied, Japan ist zum grossen Teil im eigenen Land in eigener Währung verschuldet.
    Das wäre wie wenn die Jungen bei ihren Eltern Schulden hätten, bleibt also in der Familie. Habe das schon mehrmals gelesen u.eben wieder im Radio gehört. Der FMW – Spezialist W. Müller könnte das sicher mit Fakten belegen.
    Und trotzdem, die Japser-Börse hat nie mehr annähernd den 1990 er Stand erreicht.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

So sichern Sie Ihr Depot optimal ab – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

die Aktienmärkte eilen von einem Rekord zum nächsten. Das Virus wühlt zwar weiterhin, und tatsächlich eilt auch die Anzahl der Covid-Neuinfektionen weltweit von einem Rekord zum nächsten. Wir vertrauen allerdings auf die Kraft des Impfstoffes und sehen die Volkswirtschaften dieser Welt nächstens befreit.

Bei so viel Euphorie beschleicht allerdings den ein oder anderen Börsianer ein ungutes Gefühl. Sie haben also das Bedürfnis Ihr Depot, Ihre Buchgewinne einmal zumindest teilweise abzusichern. Im Folgenden erkläre ich Ihnen, welche drei goldenen Regeln Sie berücksichtigen müssen, damit die Absicherung auch wirklich greift.

Das Absichern oder Shorten eines Depots ist kein Hexenwerk. Allerdings sind wir als Börsianer natürlich eher geeicht auf steigende Kurse und Chancen. Mit anderen Worten: Shorten zählt bei den meisten von uns nicht zur ersten Begabung.

Das sind die drei goldenen Regeln:

– Fassen Sie immer punktuell und kurzfristig zu!
– Definieren Sie Ihren Depotschwerpunkt und vergessen Sie Einzelaktien!
– Legen Sie eine prozentuale Absicherungsquote fest!

Was sagen uns diese Regeln konkret?

Zu 1. Ein Short – ganz gleich ob als Optionsschein, Short-ETF oder Zertifikat – ist kein Pkw-Anschnallgurt, den wir fortwährend zur Anwendung bringen. Erfolgreiches Shorten verlangt eine kurzfristige Marktmeinung. Solche Instrumente kaufen wir immer punktuell und lediglich für wenige Wochen oder Monate. Andernfalls verzichten wir auf Geld und Rendite. Dabei sind weniger die laufenden Kosten eines Short-ETFs oder eines Optionsscheins das Problem. Sondern: Shorts – egal in welcher Form – bringen uns Verluste, wenn der Markt entgegen unserer Prognose doch steigt. Zudem fehlt uns das Kapital für den Short auf der Aktienseite. Zu Deutsch: Ein unsauber gesetzter Short wird schnell zum doppelten Renditekiller.

Zu 2. Das ist offensichtlich: Wenn von 20 Ihrer Depotpositionen 15 aus dem DAX stammen, sichern Sie nicht gegen den S&P 500 oder NASDAQ-Index ab, sondern natürlich gegen den DAX. Als kluger Börsianer kennen Sie den Schwerpunkt Ihres Depots und erwerben dazu passend einen Short. Ganz wichtig: Vergessen Sie…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage