Folgen Sie uns

Allgemein

Zinsen: Warum die Fed schon wieder hinter der Kurve ist

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Gehen die Zinsen weiter in den Keller? Zentrale der Fed

Bereits drei Tage nach der US-Notzinssenkung schaltet der Kapitalmarkt erneut in den Kaufpanik-Modus bei Staatsanleihen und zieht die Zinsen auf nie zuvor gesehene Niveaus nach unten. Von der Fed wird mittlerweile eine Monster-Zinssenkung für Mitte März erwartet. Doch haben die US-Notenbanker überhaupt noch so viel Zeit?

Die US-Notenbank wird in Sachen Zinsen zur Getriebenen

Die späte Erkenntnis, dass die globale Virus-Epidemie vor den Toren der USA nicht halt macht, löst einen neuerlichen Abwärtsschub an den Aktienmärkten und beim US-Dollar aus. Die wirtschaftlichen Folgen der Seuche in China hatte man bis Ende Februar nicht sonderlich ernst genommen. Doch mit der Ankunft des Virus in den Küsten-Metropolen der USA ändert sich diese Sichtweise schlagartig und damit auch die Einschätzung der möglichen ökonomischen Schäden für die größte Volkswirtschaft der Welt.

Einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung gleich, antizipiert der Aktienmarkt die Gewinnausfälle bei den Kapitalgesellschaften und schickt deren Kurse auf Talfahrt. In der Konsequenz schmilzt die Wohlstandsillusion von Millionen Amerikanern weiter ab. Die Folgen sind bereits sichtbar: Die Aktienrückkäufe in den USA gehen im Vergleich zu den Vorjahren stark zurück und liegen bis Ultimo Februar 2020 bereits 64 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Einzelhandelsumsätze sind bereits den vierten Monat in Folge rückläufig und die Investitionsplanungen in den US-Konzernzentralen liegen praktisch auf Eis. Setzt sich die Talfahrt der Aktienpreise fort, kann allein dieser Effekt eine Rezession in den USA auslösen und eine weitere Neubewertungen bei US-Standardaktien erforderlich machen. Die US-Notenbank Fed wird somit zur Getriebenen und läuft mit ihrer Geldpolitik der Realität erneut hinterher.

Die Zinsen fallen ins Bodenlose und die Zinssenkungserwartungen explodieren

Ganz anders stellt sich die Situation bei den US-Staatsanleihen dar: Die Kurse der amerikanischen Regierungsobligationen schießen durch die Decke und erreichen historische Höchstpreise. Die Flucht in diesen vermeintlich sicheren Hafen führt vice versa zu einem wasserfallartigen Rückgang bei den Zinsen am Kapitalmarkt. Die Dynamik des Renditeverfalls nimmt dabei krisenhafte Züge an treibt die Zinsstrukturkurve trotz der großen Notzinssenkung vom vergangenen Dienstag binnen kürzester Zeit erneut in die Inversion.

Zinsstrukturkurve in den USA

Am dramatischsten verläuft der Verfall der Zinsen bei den über 30 Jahre laufenden US-Treasury Bonds, deren Rendite sich innerhalb von nur 16 Monaten fast gedrittelt hat (minus 63 Prozent). Einen so heftigen Verfall bei den Zinsen gab es nicht einmal im Zuge der Finanzkrise. Damals sank der Zins für langlaufende US-Staatsanleihen von in der Spitze 5,3 Prozent im Juni 2007 auf 2,4 Prozent im Juli 2012 (minus 55 Prozent).

Zinsen für 30jährige US-Staatsanleihen Chart

Diese aktuelle Konstellation bei den Kapitalmarktzinsen und der Zinsstrukturkurve und die Panik am Aktienmarkt setzen die Fed enorm unter Zugzwang. Dies wird auch deutlich an der mittlerweile extremen Erwartung weiterer Zinssenkungen durch die Fed: Gemäß dem „Fed Watch Tool“ der CME Group, die anhand der Fed Funds Futures die Markterwartungen für zukünftige Zinssenkungen misst, wird aktuell bereits zu 100 Prozent eine Monster-Zinssenkung um einen Dreiviertelprozentpunkt (0,75 Prozent) eingepreist. Der effektive US-Leitzins läge dann ab dem 18. März nur noch bei 0,3 Prozent (aktuell 1,05 Prozent). Noch vor nicht einmal acht Monaten lagen US-Leitzinsen noch bei effektiv 2,3 Prozent. Dies entspräche einem Rückgang von 200 Basispunkten oder 89 Prozent. Das ist historisch beispiellos.

Wie wird die Fed reagieren?

Aus der Notzinssenkung am vergangenen Dienstag konnte man eines lernen: zwischen der Verbalakrobatik der US-Notenbanker und ihren Handlungen liegen Welten. Mögen ihre Worte momentan erneut beschwichtigend sein und darum bemüht, die Erwartungen an schnell und stark weiter sinkende Zinsen zu dämpfen. Tatsache ist aber, dass die US-Geldpolitiker Getriebene der Ausbreitung des Coronavirus und des Verfalls der US-Aktienpreise sind. Sollten die amerikanischen Standardaktien weiter nachgeben, wird die Fed auf jeden Fall schnell und deutlich reagieren – und zwar nicht nur mit dem Instrument der Zinssenkung.

Mit der Ankündigung eines 8,3 Mrd. US-Dollar schweren Hilfspakets der Trump-Administration zur Bekämpfung der SARS COV 2 Seuche wird auch der Geldbedarf des Staates ansteigen. Bei den 8,3 Mrd. US-Dollar dürfte es nicht bleiben und dazu summieren sich die Einnahmeausfälle bei den Steuern und Abgaben, die durch Mehrverschuldung des Staates kompensiert werden müssen. Daher erwarten die Marktteilnehmer auch ein „echtes“ QE-Programm, im Zuge dessen die US-Fed längerfristige Verbindlichkeiten des Staates aufkauft und so die zu erwartenden Löcher im Haushalt stopfen hilft.

Für Anleger bietet das aktuelle Szenario bei den US-Zinsen auch Chancen: Mittlerweile liegen die Dividendenrenditen im S&P 500 unter den Kapitalmarktzinsen. Sollte die Virusepidemie im zweiten Quartal abebben, ergeben sich hier zum Teil attraktive Bewertungen. Gold profitiert von den bereits jetzt negativen Realzinsen in den USA. Es profitieren aber auch die Anleger, die US-Staatsanleihen zur Absicherung in ihre Portfolios beigemischt haben. Die 30-jährigen US-Treasury Bonds weisen aktuell eine Jahresrendite auf Dollarbasis von 18 Prozent auf (S&P 500: 7,8 Prozent). Auch die Bauzinsen dürften diesseits und jenseits des Atlantiks noch weiter absinken, mit entsprechend positiven Implikationen für die Immobilienpreisentwicklung.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Der heutige Anstieg bei Gold (hier der jüngste Bericht auf FMW dazu) ist für mich der erste Hinweis, dass für einen Long-Einstieg etwas möglich sein könnte. Jetzt fehlt noch ein Trigger. Das Szenario hierfür bespreche ich im folgenden Video.

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

weiterlesen

Allgemein

Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage