Anleihen

Zinsen weniger stark senken und sogar erhöhen – Märkte mit Neubewertung

Zentralbanken sollen Zinsen weniger stark senken und teilweise sogar anheben. Anleiherenditen zeigen die neue Marktbewertung.

Fed-Sitzunge
Fed-Sitzung. Foto: Federal Reserve

Die Anleiherenditen steigen, woran man eine Art von Neubewertung beim Thema Zinsen erkennen kann. Die Märkte erwarten je nach Wirtschaftsraum entweder weniger stark sinkende Zinsen, oder sogar steigende Zinsen. Im Chart sehen wir den Verlauf der letzten drei Wochen: Spätestens seit Ende November ist bereits eine globale Bewegung erkennbar, die sich aktuell verstärkt. Die Renditen für Staatsanleihen steigen. Wir sehen seit dem 28. November: Die zehnjährige US-Rendite (orange) steigt von 3,99 % auf 4,14 %. Die deutsche Rendite steigt seitdem von 2,67 % auf 2,85 %, die japanische Rendite von 1,80 % auf 1,96 %.

Chart zeigt Wende bei Zinsen durch aktuell steigende Anleiherenditen

Von Australien über Europa bis in die USA setzen Händler darauf, dass geldpolitische Lockerungen der Zentralbanken (sinkende Zinsen) langsamer voranschreiten oder ganz zum Stillstand kommen. Dazu berichtet Bloomberg: Die Geldmärkte preisen inzwischen nahezu keine weitere Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank mehr ein und sehen bis Ende 2026 rund 30% Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung.

In Australien schloss Notenbankgouverneurin Michele Bullock heute weitere Lockerungen aus, sodass Swaps bis Ende nächsten Jahres nahezu zwei Viertelpunkt-Anhebungen implizieren. Auch in Japan sind sich Händler fast sicher, dass die Bank of Japan ihren Leitzins in der kommenden Woche um 25 Basispunkte auf 0,75% anheben wird, mit mindestens einer weiteren Erhöhung im kommenden Jahr.

Selbst in den USA, wo die Federal Reserve morgen wohl die Zinsen senkt, verändert sich der Ausblick für 2026. Händler erwarten nun nur noch zwei weitere Reduzierungen im kommenden Jahr, verglichen mit drei Ende letzten Monats.

“Es ist auffällig, wie die Märkte Straffungen als nächsten Schritt für eine wachsende Zahl von Regionen einpreisen”, sagte Jim Reid, Global Head of Macro Research bei der Deutschen Bank, in einer Kundenmitteilung. “Sollte dies auch in den USA geschehen, würden Risikoanlagen und die Aussichten für das nächste Jahr zweifellos grundlegend verändert.”

Auslöser für die Neubewertung des geldpolitischen Pfads waren Äußerungen einer EZB-Vertreterin am Montag. Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel zeigte sich einverstanden mit den Erwartungen der Investoren, dass die nächste Zinsentscheidung der Zentralbank eine Erhöhung sein wird. Dies befeuerte Wetten auf eine EZB-Anhebung im nächsten Jahr.

Die Folge der Neubepreisung dürfte ein Anstieg der Anleiherenditen sein. Während die Renditen für US-, europäische, britische und japanische Staatsanleihen heute leicht nachgaben, liegen sie im Monatsverlauf deutlich höher.

Kurzfristig könnten die Bewegungen jedoch durch den geldpolitischen Beschluss der Fed am Mittwoch (wahrscheinlich sinkende Zinsen) begrenzt werden. Die USA veröffentlichen heute außerdem die Zahl der offenen Stellen für Oktober. “Schwache Zahlen könnten ausreichen, damit Dollar-Anleihen einen Teil ihrer in den letzten Sitzungen verlorenen Positionen wieder zurückgewinnen”, sagte Evelyne Gomez-Liechti, Strategin bei Mizuho International.

FMW/Bloomberg



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