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Zinspolitik: Betriebsrenten geraten unter Wasser

Wolfgang Müller

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Betriebsrenten sind ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge

Es war nur eine Frage der Zeit, bis es zu diesem Ergebnis im Stresstest bei den Betriebsrenten kommen würde. Schließlich dauert die Niedrigzinsphase jetzt schon mehrere Jahre und der Anleihemarkt ist nun mal aus gesetzlichen Bestimmungen das Hauptanlagevehikel der betrieblichen Altersvorsorge. Es drohen empfindliche Einbußen – so die Botschaft der Europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA nach dem letzten Stresstest.

Ergebnisse des jüngsten Stresstests – ein Problem für Betriebsrenten

Die Experten der Versicherungsaufsicht haben berechnet, wie die Portfolien der Pensionsfonds und Pensionskassen auf einen Zinsschock oder plötzliche Schwankungen an den Aktienmärkten reagieren würden. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bei starken Schwankungen in den 176 größten Betriebsrenten-Portfolios (in Europa) bis zu 216 Milliarden Euro fehlen könnten. Nach Berechnungen der EIOPA würde ein Marktschock in den Töpfen Werte von 270 Milliarden Euro und damit fast ein Viertel der kompletten Kapitalanlagen auslöschen.

Immerhin hat auch jeder zweite Angestellte in Deutschland eine Betriebsrente, die man zwar nicht so einfach kürzen könnte, aber bei freiwilligen Leistungen drohen dennoch erhebliche Einbußen. Die Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Pensionsansprüche gewährt haben, müssten im Falle von Marktstress zudem viele Milliarden Euro frisches Geld nachschießen, was sie selbst in Schwierigkeiten bringen könne, so die EIOPA.

Der Schock im Jahr 2018

Die Träger der betrieblichen Altersvorsorge sind insbesondere in langfristigen festverzinslichen und sicheren Wertpapieren investiert, aber auch in schwankenden Aktienanlagen. Das gerade durchgespielte Stress-Szenario hatte im Vorjahr schon eine Vorlage. Im letzten Quartal 2018 wurden die Portfolios der Rentenkassen richtig in Mitleidenschaft gezogen. Damals gab es nicht nur den heftigen Aktieneinbruch, auch an den Anleihemärkten kam es gleichzeitig zu einem kräftigen Zinsanstieg mit fallenden Kursen bei den Festverzinslichen. Folge: Von den rund 130 Pensionskassen im Land stehen 31 unter intensivierter Aufsicht der Bafin.

Langfristeffekte der Niedrigzinsen für die Betriebsrenten

Die Träger der Betriebsrenten investieren, wie viele der Versicherer, in langfristige festverzinsliche Wertpapiere. So stecken drei Viertel der Vorsorgemilliarden in Anleihen, die kaum mehr Rendite bringen. Die Aktienquote liegt bei niedrigen elf Prozent, bedingt auch durch strenge Regularien. Damit werden die Betriebsrenten für die Unternehmen von zwei Entwicklungen in die Zange genommen: Da ist zum einen das niedrige Zinsniveau, welches wahrscheinlich noch für Jahre für sehr geringe Renditen sorgen wird – und zum anderen werden die Menschen immer älter und beziehen länger ihre Rente. Was folgt daraus? Die Firmen werden entweder die freiwilligen Zusagen an ihre Mitarbeiter kürzen oder aber in Zukunft mehr Geld für die Betriebsrenten einzahlen müssen.

Die Kapitallücken der Dax-Unternehmen

Zu welchen Problemen dies führen kann, zeigt eine Übersicht über die Rentenlücke bei unseren Dax-Konzernen, bei denen sich eine Rentenlücke von 111 Milliarden Euro auftut. Weit an der Spitze steht ausgerechnet der Konzern Volkswagen, der mit seinem Dieselskandal schon 30 Milliarden Euro in den „Sand gesetzt hat“, mit einem Loch von 33 Milliarden Euro an ungedeckten Pensionsverpflichtungen. Dahinter folgen:

Allianz mit 8,9 Milliarden Euro
Bayer 8,4 Milliarden Euro
BASF 7,4 Milliarden Euro
Siemens 7,2 Milliarden Euro

Schlussfolgerung der EIOPA

EIOPA-Chef Gabriel Bernardino sprach in seiner wichtigsten Schlussfolgerungen aus dem Stresstest von der Notwendigkeit einer größeren Diversifikation der Kapitalanlagen bei den Pensionsfonds. Zur Vermeidung von Branchenrisiken oder auch aus geographischer Sicht. Kommt es doch irgendwann zu einer Änderung der Anlagerichtlinien, wie es Börsenurgestein Gottfried Heller schon ins Spiel gebracht hat – durch eine Erhöhung der Aktienquote, wie es auch schon der norwegische Staatsfonds gemacht hat? Ein schrecklicher Gedanke für so manchen Aktiengegner. Derzeit noch nicht vorstellbar, denn wir haben einen Finanzminister, der seine Ersparnisse aus seinem Staatsgehalt nach eigenen Bekundungen im Geldmarkt anlegt, gleichzeitig die Aktienanlage – vornehmlich für den kleinen Aktiensparer – mittels einer Transaktionssteuer unattraktiver machen will.

Fazit

Wie schon öfters angedeutet: Nicht nur der kleine Sparer leidet unter den nicht mehr vorhandenen Sparzinsen, auch das ganze Vorsorge – wie auch Versicherungssystem gerät in heftige Schwierigkeiten. Unsere Marktwirtschaft verträgt auf Dauer keine Negativzinsen. Das hat man in Schweden jüngst erkannt, wann reagiert die EZB?

Wobei insgesamt betrachtet das System schon in eine prekäre Lage manövriert wurde. Die Kapitalsammelstellen, die sich auf Festverzinsliche stützen müssen, brauchen höhere Zinsen für Neuanlagen, leiden aber gleichzeitig bei einem Zinsanstieg unter den Kursverlusten der letzten Niedrigzinsanlagen. Die vielen „Zombiefirmen“ hingegen, würden allergisch (oder toxisch) auf höhere Zinsen und damit höhere Kapitalkosten reagieren. Es ist schon ein kleines Dilemma entstanden, durch die so genannte „finanzielle Repression“, die die Staatsfinanzen (vieler EU-Länder) sanieren sollte, aber gleichzeitig erhebliche Nebenwirkungen auf den Vorsorgemärkten zeitigt.

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    20. Dezember 2019 15:42 at 15:42

    Und da wird immer über die Crash-Propheten gelästert. Unser Finanzsystem steht unverkennbar vor dem Zusammenbruch. Die Grundlagen unseres gesamten Altersversorgungssystems sind ausgehebelt und es wird kollabieren. Die Notenbanken können hier nichts ausrichten. Alle die glauben, es wird schon irgendwie werden, sind wirklich sehr naiv.

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      Columbo

      20. Dezember 2019 16:33 at 16:33

      @Hesterberg

      Was heißt „vor dem Zusammenbruch“? 3…20…100 Jahre vor…? Auch 2000 Jahre ist vor…
      Etwas genauer wäre schön.
      Nichts für ungut, aber irgendwie erinnern Sie mich an das Orakel von Delphi.
      Dagegen sind die ausgewogenen Analysen von @Wolfgang Müller eine Wohltat, für mich wenigstens.

      • Avatar

        Hesterberg

        20. Dezember 2019 21:03 at 21:03

        @Columbo
        Wollten Sie nicht andere Teilnehmer hier mit Ihren Unterkommentaren beglücken und mich in Ruhe lassen? Sie laufen mir ja nach wie ein Hündchen.

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        joah

        24. Dezember 2019 23:38 at 23:38

        Es ist nicht sinnvoll, mit unseriös herausgekitzelten Termindaten – welche vorab niemand wissen kann – jemanden direkt an die Wand pinnen zu wollen. Bekanntermaßen eine leider mittlerweile onimöse Gesprächstaktik.

        • Avatar

          Dorinela

          25. Dezember 2019 16:37 at 16:37

          @joah
          Vor allem, wenn der Deal überhaupt nicht zu Stande kommt!

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            Dorinella

            27. Dezember 2019 16:46 at 16:46

            @joah und an den Troll !
            Dieser Satz ist nicht von mir. Aber zielt vom Troll auf meine Haltung zum Deal ab.
            @Troll ! Hast Du keine eigene Meinung ?? Echt schwach 🤮

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            Claudia

            27. Dezember 2019 17:13 at 17:13

            @Dorinella, das macht er mit jedem so: Name klauen oder leicht abändern, dämliche Kurz-Kommentare ohne tieferen Sinn absetzen. Am besten ignorieren und/oder an Herrn Fugmann melden, die Mailadresse hat er Ihnen ja bereits mitgeteilt…

          • Avatar

            Jan

            27. Dezember 2019 21:28 at 21:28

            Ein einsamer und verzweifelter Geist treibt in den Tiefen digitaler Ozeane sein Unwesen. Noch nicht einmal den ersten Weihnachtsfeiertag konnte er in seiner Verzweiflung überstehen, ohne Freude in der Provokation anderer zu finden. Ein Nichts ist er, sich seines Nihilismus und seiner existenziellen Sinnlosigkeit sowohl bewusst, wie auch zugleich erfolgreich leugnend. Ihm ein schlechtes und erfolgloses neues Trolljahr und einen Funken Verstand in 2020 🤯

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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am

Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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