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Zinsschock, Rekordanstieg – Experten über Zinsen für Unternehmenskredite

Euro-Geldscheine

Die Zinsen für Unternehmenskredite steigen in kurzer Zeit deutlich an. Obwohl die EZB mit ihrem Leitzins noch bei Null klebt, nimmt der Markt die Zinswende aber schon mal vorweg. Eine Analyse der Barkow Consuting in Kooperation mit Teylor – einem Anbieter für digitale KMU-Finanzierung – hat ergeben, dass die Zinsen für Unternehmenskredite in den vergangenen drei Monaten Anstiege verzeichnet haben, deren Dynamik von historischem Ausmaß ist. Die Dopplung zweier solcher Zinsschocks innerhalb eines so kurzen Zeitraums sei sogar bislang einzigartig.

Zinsen für Unternehmenskredite nehmen kräftig Fahrt auf

Zwei Zinsschocks, die innerhalb relativ kurzer Zeit aufeinanderfolgen, seien eine historische Ausnahmesituation. Zunächst verursachte der Fed-Entscheid einen Zinssprung, der kurzzeitig wieder abflachte. Zeitlich verzögert lösten Sekundäreffekte des ersten Zinsschocks kombiniert mit den Folgen des Krieges in der Ukraine einen weiteren Anstieg der Finanzierungskosten aus.

Zuvor waren die Kreditzinsen für Unternehmen laut der Analyse über fast vier Jahrzehnte mit nur wenigen Ausnahmen gesunken. Im August 2019 erreichten sie mit 0,99 Prozent für einen marktüblichen Kredit mit fünfjähriger Zinsbindung ihren historischen Tiefpunkt. Durch überraschend hohe Inflationswerte zu Anfang 2022 in der Eurozone sei (nach der Fed in den USA) nun auch der Druck auf die EZB, ihre Geldmarktpolitik wieder zu normalisieren, erheblich gestiegen. Als Konsequenz hätten die Zinsen an den Kapitalmärkten bereits erheblich angezogen (deutsche Rendite für Staatsanleihen auf höchstem Stand seit fünf Jahren).

Dies hat sich laut der Analyse auch auf die Zinsen für Unternehmenskredite ausgewirkt. Lagen sie kurz vor Weihnachten 2021 noch bei 1,45 Prozent, so sind sie vor kurzem bis auf 2,65 Prozent angestiegen. Man habe die Zinsschocks der vergangenen 40 Jahre und ihre Auswirkungen auf Unternehmenskredite eingehend analysiert. Im Ergebnis sei der heftige Anstieg der Kreditzinsen innerhalb weniger Wochen auch im historischen Kontext erheblich, je nach Betrachtungsweise sogar einmalig, so der Anbieter Teylor.

Der höchste Zinsanstieg der letzten 20 oder sogar 40 Jahre

Der Zinsanstieg von Januar/Februar dieses Jahres betrug laut der Analyse bis zu 78 Basispunkte oder 54 Prozent innerhalb eines Zeitraumes von 8 Wochen. Der prozentuale Zinsanstieg war der höchste, der jemals für Unternehmenskredite innerhalb von 8 Wochen gemessen wurde. Aber auch der absolute Zinsanstieg von 78 Basispunkten sei immerhin noch der höchste der vergangenen 20 Jahre gewesen. Die Invasion in der Ukraine habe kurzfristig zu deutlich sinkenden Zinsen geführt, nur um danach umso stärker zu steigen. In der Folge sei im März mit einem Anstieg von 78 Basispunkten innerhalb nur eines Monats ein weiterer Zinsschock entstanden.

Niveau immer noch niedrig

Bemerkenswert sei aber, dass selbst nach dem letzten Anstieg die Zinsen für Unternehmenskredite mit aktuell 2,64 Prozent im historischen Kontext immer noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau liegen. „Unsere Analyse der Zinsschocks und Zinssteigerungsphasen der letzten 40 Jahre macht deutlich, dass wir erst am Anfang einer längeren Phase steigender Zinsen stehen könnten. Darauf deutet auch hin, dass die realen Unternehmenszinsen, also nach Abzug der Inflation, immer noch so stark im Minus sind wie im Prinzip noch nie in den letzten 40 Jahren.“, so Teylor CEO-Patrick Stäuble.



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2 Kommentare

  1. Wer sich die Vorträge von Herrn Dr. Markus Krall angesehen hat, wurde schon 2018/19 darauf hingewiesen.
    Nur in einer Prognose lag er falsch.
    Die Notenbanken drucken nicht nach der Bankenpleite Billionen an Euro, sondern haben die Billionen Euro schon vor den Bankenpleiten gedruckt. Was natürlich auch die Zombifirmen noch am Leben gehalten hat, zumal erlaubt war Bilanzen abzugeben, worauf früher mehrere Jahre Gefängnis stand.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Der Anleihenmarkt ist ziemlich unter Druck.

    Bei den Anleihen eigenen sich Unterwassecharts sehr gut, wie ich finde, zur Visualisierung der Anleihenkursverluste. Siehe Video ab Min.: 8

    https://www.wallstreet-online.de/video/15301966-warburg-chefvolkswirt-klude-crash-rentenmarkt-ziemlicher-giftcocktail-anleger-tun

    Und die Bezeichnung „Unterwasserchart“ passt gut zur Marktentwicklung ;-)

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