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Zinswende treibt Börsenrally Zinssenkung in Sicht: Treibt die Fed die Aktienmärkte weiter an?

Zinssenkung in Sicht: Treibt die Fed die Aktienmärkte weiter an?
Trader an der New York Stock Exchange. Foto: Bloomberg

Ein unerwarteter Rückgang der US-Erzeugerpreise entfacht neue Fantasien an den Aktienmärkten. Der S&P 500 jagt von Rekord zu Rekord, während Anleger auf mehrere Zinssenkungen der Fed setzen. Vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung in der kommenden Woche rücken schwächere Preisdaten und die Aussicht auf eine geldpolitische Wende in den Fokus und heizen die Rally an der Wall Street weiter an. Allerdings bergen die heutigen Daten auch ein Risiko.

S&P 500 auf Rekordkurs dank Zinshoffnungen

Die Aktienmärkte in den USA haben am Mittwoch weiter zugelegt und dabei neue Höchststände erreicht. Auslöser waren unerwartet schwache US-Inflationsdaten, die Spekulationen über baldige Zinssenkungen der Fed weiter anheizen. Der Leitindex S&P 500 kletterte auf ein neues Allzeithoch, während die Renditen von US-Staatsanleihen nachgaben. Laut einem Bericht von Bloomberg erwarten die Marktteilnehmer nun fast geschlossen, dass die Notenbank bereits im September eine erste Lockerung einleitet, sogar ein großer Zinsschritt von 50 Basispunkten wird diskutiert.

Konkret fiel der Erzeugerpreisindex (PPI) im August um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat, nachdem er zuvor vier Monate in Folge gestiegen war. Auch die Juli-Daten wurden nach unten korrigiert. Auf Jahressicht beträgt der Zuwachs 2,6 Prozent, also deutlich weniger als die erwarteten 3,3 Prozent. Ökonomen werten die PPI-Zahlen als wichtigen Vorläufer für die bevorzugte Inflationskennziffer der Fed. „Das Worst-Case-Szenario bei der Inflation tritt nicht ein“, kommentierte David Russell von TradeStation. Die Anleger reagierten prompt: An den Terminmärkten sind inzwischen fast drei Zinssenkungen für 2025 eingepreist.

Aktienmärkte: S&P 500 setzt Rekordjagd dank Hoffnung auf Zinssenkung fort
S&P 500 erreicht neues Allzeithoch aufgrund von Spekulationen, dass die Fed die Zinsen senken wird

Fokus auf Verbraucherpreise

Am Donnerstag werden neue US-Inflationsdaten zur Verbraucherpreisinflation (CPI) veröffentlicht. Diese dürften entscheidend dafür sein, ob die Fed ihren geldpolitischen Kurs bereits in der kommenden Woche lockert. „Der heutige CPI-Bericht wird zwar mehr Gewicht haben, aber der gestrige PPI-Wert hat im Grunde den roten Teppich für eine Zinssenkung der Fed ausgerollt“, erklärte Chris Larkin von E*Trade. Analysten erwarten, dass die Verbraucherpreise im August um 2,9 Prozent gestiegen sind, nachdem sie zuvor bei 2,7 Prozent lagen. Eine Überraschung nach oben könnte die aktuell gute Stimmung trüben und die Aktienmärkte unter Druck setzen.

Ökonomen beobachten gleichzeitig aufmerksam, inwieweit Zölle an die Verbraucher weitergegeben werden. Eine dauerhaft hohe Kerninflation – ohne Energie und Nahrungsmittel – könnte das Bild der nachlassenden Inflation trüben und die Lockerungspolitik der Fed bremsen.

Fed-Zinssenkungen könnten die Aktienmärkte weiter antreiben
JPMorgans Erwartungen für den S&P 500 am CPI-Tag

Powell vor heikler Entscheidung

Bereits beim Notenbanktreffen in Jackson Hole hatte Fed-Chef Jerome Powell die Tür für eine Zinssenkung im September geöffnet. Nach den schwachen Arbeitsmarktdaten im August stehen die Chancen für einen Zinsschritt gut. Während einige Analysten bereits über einen großen Zinsschritt von 50 Basispunkten diskutieren, gilt eine Senkung um 25 Basispunkte als das wahrscheinliche Szenario. „Wir bleiben im Lager für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte. Für eine Senkung um ein halbes Prozent müsste der morgige Kern-CPI enttäuschen“, so Ian Lyngen von BMO Capital Markets.

Andere Beobachter sehen jedoch größere Spielräume. „Die Tauben im FOMC haben ein sehr starkes Argument“, erklärte Neil Dutta. Zwar würden die Falken auf die weiterhin niedrige Arbeitslosenquote und mögliche Zoll-Effekte verweisen, doch die schwächeren Konjunktursignale erhärten für viele die Notwendigkeit baldiger Zinssenkungen.

US-Aktienmärkte im Höhenflug

Getrieben von der Aussicht auf niedrigere Zinsen setzten die Aktienmärkte ihren Höhenflug fort. Der S&P 500 übersprang die Marke von 6.500 Punkten. Vor allem Technologiewerte trieben den jüngsten Anstieg an und profitierten dabei von Oracle. Die Aktie des Soft- und Hardwareherstellers sprang nach einer starken Cloud-Prognose um 36 Prozent nach oben und zog den gesamten Tech-Sektor mit. Angesichts des anhaltenden KI-Booms erhöhten einige Wall Street-Strategen zuletzt ihre Prognosen für den S&P 500. Laut Capital Economics könnte der Leitindex bis Ende 2025 auf 6.600 und bis Mitte 2026 auf 6.800 Punkte steigen.

Strategen wie Binky Chadha von der Deutschen Bank haben ihre Jahresendziele sogar auf 7.000 Punkte angehoben. Auch JPMorgan rechnet trotz kurzfristiger Inflationsrisiken und eines gestiegenen Rückschlagsrisikos mit einer Fortsetzung der Rally. Begünstigt wird diese durch „nachlassende politische Gegenwinde, niedrigere Zinsen und Aktienrückkäufe“.

Teure Aktien setzen Fed unter Zugzwang

Allerdings zeigt sich am Markt ein Spannungsfeld: Der Risikoaufschlag von Aktien gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen ist inzwischen negativ. „Um diese extremen Bewertungsmultiplikatoren zu stützen, müssen die Zinsen weiter fallen – das setzt Jerome Powell unter Druck“, so Michael Casper von Bloomberg Intelligence. Historisch betrachtet sei eine negative Risiko­prämie zwar kein sicheres Vorzeichen für fallende Kurse, sie deute aber auf eine weniger dynamische Fortsetzung der Rally hin.

Trotz hoher Bewertungen sehen viele Experten jedoch weiterhin Chancen im Technologiesektor. Mark Haefele von UBS Global Wealth Management betonte, dass „robuste Tech-Gewinne und bevorstehende Fed-Zinssenkungen“ die hohen Bewertungen rechtfertigten. Anleger sollten mögliche Rücksetzer an den Aktienmärkten nutzen, um ihre Engagements im Bereich Künstliche Intelligenz auszubauen.

Fazit: Aktienmärkte setzen auf Lockerung

Die Kombination aus schwächeren US-Inflationsdaten, nachlassendem Jobwachstum und abebbenden Zolleffekten schürt die Erwartung, dass die Fed schon bald die Zinswende einleitet und gleich mehrere Zinssenkungen in Folge vollzieht. Ob es auf der Sitzung in der kommende Woche bei einer moderaten Senkung von 25 Basispunkten bleibt oder doch ein größerer Schritt erfolgt, hängt maßgeblich von den heute anstehenden Verbraucherpreisdaten ab.

Fest steht: Die Hoffnung auf mehrere Zinssenkungen treibt den S&P 500 und die globalen Aktienmärkte weiter an. Anleger setzen darauf, dass eine lockerere Geldpolitik nicht nur die Konjunktur stützt, sondern auch die nächste Etappe der Börsenrally einläutet.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Rheinmetall hatte von dem russischen Angriff auf Polen profitiert. Mir scheinen allerdings die Skyranger nicht wirklich geeignet zu sein, da man damit nur wenige Kilometer abdecken kann. Man braucht also hunderte bis tausende davon plus viel Personal, wenn man einen Schutzwall damit aufbauen will. Die Ukraine entwickelt mit Sky Sentinel einen Geschützturm, gegen Drohnen. Der scheint mir deutlich geeigneter zu sein. Vielleicht lernen wir etwas von der Ukraine?

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