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Zinswende: Bundesbank-Chef Weidmann nennt möglichen Zeitpunkt

FMW-Redaktion

Wann kommt die Zinswende? Das fragen sich Milllionen Sparer, Banken, und Verbraucher. Bundesbank-Chef Jens Weidmann hat schon diverse Male versucht seine EZB-Kollegen zu drängen – das blieb natürlich ohne Erfolg. Je mehr die Inflation derzeit einschläft mit aktuell nur noch 1,1%, desto mehr rückt die Zinswende eigentlich in weite Ferne!

Selbst 2020 noch kein Erreichen des EZB-Ziels

Umso erstaunlicher ist es, dass Jens Weidmann gerade in diesem aktuellen „Inflations-Koma“ bereit ist einen relativ konkreten Zeitpunkt für eine Zinswende in Euroland zu nennen. Aber erstmal einen Schritt zurück. Bevor die Zinsen angehoben werden können, muss ja das Inflationsziel der EZB erreicht werden. Und das liegt bei „2,0% oder nahe bei 2,0%“. Also wohl mindestens 1,8% oder 1,9%. Und diese Zahl muss laut EZB auch eine ganze Zeit lang konstant gehalten werden – und das nicht nur in der Headline-Zahl, sondern auch in der „Kernrate“. Zur erwarteten Inflation sagte Weidmann heute bei einer Rede in Wien Zitat:

Die Ökonomen der EZB gehen davon aus, dass die Inflationsrate 2018 und 2019 jeweils 1,4 Prozent betragen und 2020 auf 1,7 Prozent steigen wird – also auf einen Wert, der mit unserer mittelfristigen Definition von Preisstabilität im Großen und Ganzen vereinbar ist.

Zinswende ohne Erreichen des EZB-Ziels?

Also wird nicht mal 2020 das EZB-Ziel erreicht werden. Dennoch nennt Weidmann heute einen Zeitraum. Mitte 2019, wo laut seinen eigenen Aussagen die Inflation gerade mal bei 1,4% liegen soll, würde die Zinswende möglicherweise kommen. Notenbanker drücken sich wie im folgenden Beispiel ja stets sehr verschachtelt aus, aber die Andeutung ist schon klar zu verstehen. Weidmann glaubt also an eine Zinswende, lange bevor das Inflationsziel erreicht ist. Selbst wenn er neuer EZB-Chef wird, braucht er für Entscheidungen im EZB-Rat ja stets eine Mehrheit. Und da hat er die Notenbanker der Euro-Südländer wohl gegen sich. Kann er genügend Druck aufbauen? Hier das entscheidende Zitat aus seiner heutigen Rede:

Ferner hat er angekündigt, dass die Leitzinsen weit über den Zeithorizont der Netto-Käufe hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden. Die Märkte sehen eine erste Zinsanhebung etwa zur Mitte des Jahres 2019, was wohl nicht ganz unrealistisch ist. Sparerinnen und Sparer, die schon seit Jahren unter niedrigen Guthabenzinsen leiden, hätten natürlich am liebsten möglichst schnell höhere Zinsen. Das Ende der Netto-Käufe ist jedoch erst der Anfang eines mehrjährigen Prozesses der geldpolitischen Normalisierung. Gerade deswegen ist es aber auch so wichtig, tatsächlich bald anzufangen.

Weidmann-Rede über Zinswende
Jens Weidmann. Foto: Gaby Gerster / Deutsche Bundesbank

Quelle: Deutsche Bundesbank



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2 Kommentare

  1. Mieten und Hauspreise explodieren seit Jahren. Leider werden diese wichtigen Faktoren bei der Inflationsberechnung ignoriert.

  2. Ja wie viel Inflation wollen Sie denn ?
    Alles nur eine Frage der Perspektive, man kann auch heute schon eine Inflation von 10% in der EU/Deutschland erreichen wenn man andere/zeitgemäßere Faktoren berücksichtigt.

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