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Zinswende: Die alten Hasen sind die neuen Sterne am Aktienhimmel

Zinswende: Die alten Hasen sind die neuen Sterne am Aktienhimmel (Value)

Ist Value das neue Growth? Zwei Jahre lang herrschte an den Börsen Partystimmung, damit dürfte erstmal Schluss sein. Denn die Zinswende eröffnet ein neues Kapitel an den Aktienmärkten. Während An­leger in den vergangenen zwei Jahren sehr bullisch für Tech-Unternehmen waren, geht die Tendenz im neuen Jahr hin zu zyklischen Value-Werten. Die Rotation von Growth zu Value, die im vergangenen Herbst begonnen hat, dürfte sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Davon pro­fitieren vor allem Aktien aus dem Finanz- und dem Energiebereich. Hinzu kommen Unternehmen, die von einer Öffnung der Wirtschaft profitieren, wie zum Beispiel aus der Tourismusbranche. Diese Sektoren könnten aufgrund des monetären Klimawandels und einer Öffnung nach der Pandemie die Nutznießer sein. Es ist also an der Zeit, auf die etablierten Unternehmen mit hohen Cash-Flows zu setzen – Value ist das neue Growth!

Die jüngste Korrektur an den Aktienmärkten und im Speziellen an den US-Börsen gibt einen Vorgeschmack auf ein schwieriges Börsenjahr. Die Zinswende der US-Notenbank hat hier ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Viel Potenzial für den sehr hoch bewerteten amerikanischen Aktienmarkt besteht im laufenden Jahr nicht. Hier tummeln sich überdurchschnittlich viele Techwerte, die sich in einer Phase steigender Zinsen deutlich schwerer tun. Zudem haben Anleger im vergangenen Jahr viel Positives vorweg­genommen. Das begrenzte Kurspotenzial bedeutet aber nicht, dass alle Titel unter einem schwächeren Gesamtmarkt leiden. Anleger müssen in diesem Jahr jedoch viel selektiver die Aktientitel für ihr Depot auswählen.

Geldpolitische Trendwende als Game-Changer

Seit dem Corona-Tief hat sich der technologielastige Nasdaq mehr als verdoppelt. In Anbetracht der bevorstehenden Zinswende ist mit solchen Wachstumschancen allerdings nicht mehr zu rechnen. Nachdem die US-Notenbank Fed bereits die Zinswende angekündigt hat, deutet erstmals auch die Europäische Zentralbank eine mögliche Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik an. Im Anschluss an die jüngste EZB-Sitzung hat sich Präsidentin Christine Lagarde vorsichtig zu einem Kurswechsel in der Geldpolitik geäußert. Was soll sie auch anderes tun, die hohe Inflation lässt ihr gar keine andere Wahl. Das sture Verhalten der EZB hat die Währungshüter schließlich erst in die missliche Lage gebracht. Für Anleger kann der Kurswechsel aber auch Chancen bieten.

Im Gegensatz zu der EZB ist die Fed schon einen Schritt weiter, sie will ihre Anleihekäufe im März beenden und hat eine erste Zinserhöhung in Aussicht gestellt. Die Andeutung eines Kurswechsels im Euroraum hat zuletzt zu einem Anstieg der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe geführt. Nach über zwei Jahren im negativen Bereich, stieg sie bis auf 0,2 Prozent. Während höhere Zinsen Gift für Wachstumstitel sind, profitieren hingegen die Finanztitel.

Die Gewinner und Verlierer der Zinswende

Da verwundert es auch nicht, dass hierzulande die Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank zu den Gewinnern gehören. Während die Deutschen Bank mit einem Plus von 22 Prozent glänzen kann, hat der Aktienkurs der Commerzbank sogar schon seit Jahresanfang um 28 Prozent zugelegt. Aber auch Aktien der Energiekonzerne RWE und E.ON und vom Telekommunikationsunternehmen Telekom setzten ihre positive Entwicklung fort.

Aufgrund der Zinswende geht der Trend wieder in Richtung „langweiliger“ Value-Unternehmen, deren Kursschwankungen weniger stark ausfallen, die aber dafür stabile Dividenden liefern. Im Dax gehören zudem die Versicherer Allianz und Münchner Rück und die Deutsche Post dazu. Darüber hinaus bietet der Softwarekonzern SAP einen konstant hohen Cash-Flow.

Die Verlierer der Zinswende sind schnell ausgemacht. Vor allem der jüngste Kursabsturz der Meta-Aktie, der Mutterkonzern von Facebook, zeigt, dass sich das Klima für Unternehmen aus dem Technologiesektor verändert. Die Liste der Verlierer ist lang, neben den Wachstumstiteln sind es ebenfalls die vorherigen Pandemie-Gewinner, die unter die Räder geraten sind. Meist also hoch verschuldete und hoch bewertete Tech-Unternehmen, die nur aufgrund ihrer Wachstumsfantasie stark gestiegen sind. Prominente Namen aus Deutschland sind zum Beispiel HelloFresh, Teamviewer und Delivery Hero.

Zinswende: Gewinner vs. Verlierer

 

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