Folgen Sie uns

Allgemein

Zinswende in Kanada nach 7 Jahren: Große Probleme deuten sich an

Die kanadische Notenbank hat gestern ihren Leitzins zum ersten Mal seit sieben Jahren angehoben, und zwar von 0,50% auf 0,75%. Das ist also nur ein kleiner Zinsschritt auf einem niedrigen Niveau. Was soll daran schon…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Die kanadische Notenbank hat gestern ihren Leitzins zum ersten Mal seit sieben Jahren angehoben, und zwar von 0,50% auf 0,75%. Das ist also nur ein kleiner Zinsschritt auf einem niedrigen Niveau. Was soll daran schon so schlimm sein? Nun, die Bank of Canada macht in ihren Aussagen deutlich, dass sie eigentlich alle Bereiche der kanadischen Wirtschaft weiter im Aufwärtstrend sieht. Das würde auch bedeuten, dass es nicht bei diesem einen Zinsschritt bleibt.

Das Wachstum sei breit aufgestellt über alle Wirtschaftsbereiche, so die Bank of Canada. Daher sei das Wachstum nachhaltig. Dank niedriger Ölpreise würden das produzierende Gewerbe wie auch Dienstleistungen expandieren. Die Konsumentenausgaben würden solide bleiben in den nächsten Monaten, unterstützt durch mehr Beschäftigung und steigende Löhne. Klingt alles verdammt stark nach weiteren Zinsschritten.

Der kanadische Dollar reagierte gestern kräftig mit einer deutlichen Aufwertung. So verlor der US-Dollar gegen den kanadischen Dollar. Das Währungspaar USDCAD verlor von 1,2915 auf 1,27. Seit Mai ging es runter von fast 1,38 auf jetzt 1,2728. Aber das ist nicht primär wichtig. Im Fall von Kanada ist wichtig, dass die Kanadier im Großen und Ganzen in einer Art Symbiose mit den USA leben, schon aufgrund der räumlichen Nähe und sonst fehlenden Nachbarn. Das vergleichbare Konsumverhalten zeigt sich beispielsweise bei der Kultur der totalen Verschuldung.

Wie Daten der Deutschen Bank zeigen, stieg das Verhältnis von Haushaltsschulden zu Haushaltseinkommen in den USA und in Kanada seit den 90er-Jahren parallel an von gut 80% auf ungefähr 120% kurz vor der Finanzkrise 2007. Dann aber im totalen Zusammenbruch bei den US-Konsumenten senkten sie ihre Schuldenlast in Relation zu ihren Einkommen im Laufe der folgenden Jahre auf um die 100%. Bei den Kanadiern aber stieg diese Relation auch ab 2007 immer weiter an auf 150%.

Die kanadische Volkswirtschaft hat also keine Erholungsphase mit Zusammenbrüchen hinter sich wie die der USA. Man hat einfach immer weiter Schulden gemacht. Dies geht ähnlich wie in Australien vor allem zurück auf den Immobiliensektor. In Kanada sind bezogen auf den prozentualen Anteil an allen arbeitsfähigen Menschen grob gesagt doppelt so viel Menschen im Bausektor beschäftigt wie in den USA.

Was kann nun passieren? Es kann verdammt übel werden, wenn die Zinsen in Kanada weiter klettern. Schon gestern nur Stunden nach der Verkündung der Bank of Canada haben die fünf größten Banken Kanadas, nämlich TD Canada Trust, Bank of Montreal, Royal Bank of Canada, Scotiabank und CIBC beschlossen ab heute ihre Zinsen anzuheben. Und wenn die Zinsen für Immobilienkredite dann spürbar ansteigen, gibt es ähnliche Probleme wie 2007 in den USA. Vielleicht werden sie sogar noch drastischer, weil die Kanadier viel höher verschuldet sind.

In angelsächsischen Ländern sind flexible Kreditzinsen und Festzinsdarlehen mit kürzeren Festzinslaufzeiten üblich. Von daher können zügige Zinsveränderungen dort auch schneller negativ auf die Verbraucher durchschlagen. Bei sehr hohen Verschuldungsgraden einzelner Konsumenten machen sich schon kleine Zinsanhebungen stark bemerkbar. Die monatlichen Kreditraten könnten deutlich steigen, was viele Haushalte überfordert. Das könnte eine Spirale in Gang setzen wie 2007 in den USA.

Eine deutliche Entwicklung bei längeren Laufzeiten war in Kanada schon vor dem gestrigen Tag spürbar. Zinsen mit fünf Jahren Laufzeit haben sich in jüngster Vergangenheit grob gesehen verdoppelt, und Laufzeiten mit 10 Jahren sind aktuell so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr, Tendenz steigend. Die gestrige Zinsanhebung mit Aussicht auf weitere Schritte dürfte die monatlichen Raten für Hauskredite weiter verteuern. Wann genau ein richtiger Zusammenbruch stattfindet? Den Zeitpunkt kann niemand exakt voraussagen! Aber die Einschläge werden lauter.


USDCAD seit Dezember 2016.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

weiterlesen

Allgemein

Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

weiterlesen

Allgemein

Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage