Anleihen

Zinswende voraus: Negativzins bei deutschen Kurzläufern schrumpft, Nachfrage reicht nicht aus

Vor einem Monat hatten wir darüber berichtet, in welch traumhaftem Umfeld die Finanzagentur Deutschland GmbH im Auftrag von Wolfgang Schäuble kurzlaufende zweijährige deutsche...

FMW-Redaktion

Vor einem Monat hatten wir darüber berichtet, in welch traumhaftem Umfeld die Finanzagentur Deutschland GmbH im Auftrag von Wolfgang Schäuble kurzlaufende zweijährige deutsche „Bundesschatzanweisungen“ verkaufte. Die Anleger zahlten mehr als sie nach zwei Jahren zurückerhalten, ohne Zins, dafür aber mit einer Rekord-Negativrendite von -0,92%. Da ist man doch gerne Finanzminister. Die Nachfrage übertraf vor vier Wochen das Angebot bei weitem.

Heute hat sich das Blatt gewendet, was erneut die Zinswende in einem frühen Stadium andeutet. Der institutionelle Anleger schreit förmlich nach mehr Rendite. So wollte der deutsche Staat heute im Rahmen einer Aufstockung der überzeichneten 5 Milliarden Euro-Erstemission vom 28. Februar jetzt 4 Milliarden Euro an den Investor bringen, wieder mit 0,00% Zinskupon für zwei Jahre Laufzeit.

Anders als vor vier Wochen gab es heute nicht genug Nachfrage. 4 Milliarden Euro Angebotsvolumen standen dieses Mal nur 3,19 Milliarden Euro Nachfrage gegenüber. 2,04 Milliarden Euro davon waren unlimitiert – also war man praktisch bereit zu jedem Kurs zu kaufen. Der Staat nahm auch von den Limit-Orders einen Großteil mit und verkaufte letztlich für ein Volumen von 2,89 Milliarden Euro. Nach -0,92% Rendite vor vier Wochen stieg die Rendite auf heute -0,71%. Aber das reichte nicht mehr für eine volle Nachfrage.

Die Investoren kauften die Bundesschatzanweisungen zu 101,40% (Anleihekurse notieren immer in Prozent). Da sie am Laufzeitende nur 100,00% zurückerhalten, liegt die Rendite effektiv im Minus – aber eben nicht mehr so stark wie noch vor vier Wochen. Wie schon bei anderen Laufzeiten in den letzten Wochen zeigt sich auch dieses Mal: Der Investor ist nicht mehr unbegrenzt bereit sein Geld zu verleihen und dafür auch noch Zinsen bezahlen zu müssen. Irgendwann ist auch mal gut?

Das Verhalten kann man auch vereinfacht ausgedrückt so interpretieren: Die Investoren signalisieren der EZB und den europäischen Staaten: Wir wollen endlich wieder Rendite sehen, hebt endlich mal eure Zinsen an! Wir müssen es gleich nochmal betonen, was da vor vier Wochen stattfand. Die -0,92% Rendite für zwei Jahre Laufzeit für deutsche Staatsschulden waren ein Minusrekord! Und bei 5 Milliarden Euro Angebot sogar 7,3 Milliarden Euro Nachfrage – das zeigte den Nachfragedruck, wenn man bereit ist so kräftig draufzuzahlen. Das sieht heute vier Wochen später schon ganz anders aus. Die Nachfrage reichte nicht mehr aus für dieses Angebot!



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