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Zinswende? Welche Zinswende? Anleger stürmen Ausgabe deutscher Bundesschätze, Wolfgang Schäuble macht 42 Mio Euro Gewinn

Ja ist denn schon Zinswende? Ach was, nein. Zumindest nicht wenn es nach der heutigen Ausgabe zwei Jahre laufender Bundesschatzanweisungen geht. Die Finanzagentur Deutschland GmbH hat für Wolfgang Schäuble heute...

FMW-Redaktion

Ja ist denn schon Zinswende? Ach was, nein. Zumindest nicht wenn es nach der heutigen Ausgabe zwei Jahre laufender Bundesschatzanweisungen geht. Die Finanzagentur Deutschland GmbH hat für Wolfgang Schäuble heute 4 Milliarden Euro Schuldenaufnahme angeboten für eine Laufzeit von zwei Jahren. Die heutige Tranche ist die Aufstockung einer Neuemission, die am 23. Mai startete mit 5 Milliarden Euro. Ende Juni wurden weitere 4 Milliarden Euro verkauft, heute sollten weitere 4 folgen.

Die zweijährigen Schätze haben einen Zinskupon von 0,00%. Bei 4 Milliarden Euro Angebotsvolumen lag die Nachfrage bei 6,5 Milliarden Euro, und damit fast genau so hoch wie vor vier Wochen. Anleger waren bereit im Volumen von 2,74 Milliarden Euro unlimitiert zu kaufen – sie waren also bereit jeden angebotenen Kurs zu akzeptieren. Letztlich verkauft wurden nicht 4, sondern 3,219 Milliarden Euro.

Die Differenz von 781 Millionen Euro floss in die sogenannte Marktpflegequote. Wenn nämlich rein theoretisch alle kaufenden Anleger ihre Bundesschätze die nächsten zwei Jahre in ihren Depots liegen lassen, gäbe es am Markt keine Handelbarkeit. Dafür sorgt die Finanzagentur mit dieser Reserve, die für fortlaufende Liquidität am freien Anleihemarkt sorgen soll.

Es ist schon der Knaller. Bei der schönen Nachfrage konnte Deutschland sogar noch bessere Konditionen durchsetzen als vor vier Wochen, wo die Rendite bei -0,61% lag mit einem Verkaufskurs von 101,20% (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). Heute lag der Verkaufskurs bei 101,30% und einer Rendite von -0,69%. Also statt -0,61% vor vier Wochen jetzt sogar -0,69%. Das muss man sich mal vorstellen. Rückt die bevorstehende Zinswende in den Augen der Investoren also in noch weitere Ferne?

Es wirkt so. Und Wolfgang Schäuble kann mal wieder auf Kosten der Investoren den deutschen Staatshaushalt weiter sanieren. Ein Verkaufsvolumen von 3,219 Milliarden Euro (Nominalsumme von 100%) bedeutet bei einen Verkaufskurs von 101,30%, dass man in Wirklichkeit 3.260.847.000 Euro eingenommen hat. Also ist dies ein Plus von 41,85 Millionen Euro, welches dem deutschen Staatshaushalt zu Gute kommt. Denn in zwei Jahren wird ja nur die Nominalsumme von 3,219 Milliarden Euro zurückgezahlt.

Und ja, man könnte denken: Super, dann zahlen eben die bösen Investoren die Zeche für den deutschen Steuerzahler? Ja, die bösen großen Investoren. Wer sind die denn? Es sind Pensionskassen, Fonds und Versicherungen, die im Auftrag der Kleinsparer und Arbeitnehmer, die Altersvorsorge betreiben, Geld in Bundesanleihen investieren. Also zahlt der Kleinsparer die Gesundung des deutschen Staatshaushaltes.


Wolfgang Schäuble. Foto: EPP / Wikipedia (CC BY 2.0)



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4 Kommentare

  1. „Es sind Pensionskassen, Fonds und Versicherungen, die im Auftrag der Kleinsparer und Arbeitnehmer, die Altersvorsorge betreiben, Geld in Bundesanleihen investieren. Also zahlt der Kleinsparer die Gesundung des deutschen Staatshaushaltes.“

    Es kann nicht oft genug geschrieben werden! Dieser Hinweis sollte in jeder Publikation zu diesem Thema als Schlusssatz stehen, damit irgendwann einmal alle Kleinsparer wissen, wie und von wem sie ausgeplündert werden. Gleiches betrifft die schleichende Enteignung über die Inflationsrate.

  2. Wenn die ganze Mittel- u.Unterschicht verstehen würde in welchem Ausmass sie umverteilt ( enteignet ) wird ,würde es eine Revolution geben.Diese Leute googeln oder spielen eben lieber unwichtige Sachen u.haben zum Glück für die Politiker keine Ahnung von Finanzen.

  3. Die Zinswende im März 2018 werden wir sehen, zu 0,25 % – Ende der Durchsage.

  4. In Zeiten von H4 und minijobs sind es vielleicht Pensionskassen . aber 1. nicht die Pensionen der unteren Schicht und 2 . könnten sie jederzeit umschichten / bzw war es ihre Entscheidung sich daran zubeteiligen .

    Btw haben Pensionskassen doch einen Auftrag der Werterhaltung . also wird es schon die richtigentreffen

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