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Zinswende für Kredite in Deutschland im Anflug

Kredite für Unternehmen und private Immobilienkäufer werden teurer, die Zinsen steigen – und das obwohl die EZB an ihrem Nullzins und der lockeren Geldpolitik festhält. Die Zinswende läuft also auch in Deutschland an, auch wenn sie noch in einem überschaubaren Rahmen stattfindet.

Kredite für Immobilien werden teurer

Immobilienkredite werden in 2022 voraussichtlich teurer. Zu diesem Fazit kommt die Interhyp AG in einer heutigen Veröffentlichung. Die Zinsen für Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung liegen demnach aktuell bei rund 1,0 Prozent und damit etwa 0,3 Prozentpunkte über den Konditionen von Anfang 2021. Der zuletzt durch die neuen Corona-Unsicherheiten gebremste Anstieg bei den Bauzinsen wird laut Interhyp im Laufe des kommenden Jahres wieder an Fahrt aufnehmen – vor allem, wenn im Frühjahr die Inzidenzen wieder abnehmen und mehr Sicherheit und Zuversicht in die konjunkturelle Entwicklung vorherrschen werde.

Kurzfristig halte aber die Unsicherheit durch die neue Omikron-Variante an. Im aktuellen Bauzins-Trendbarometer, für das Interhyp monatlich rund zehn Kreditinstitute befragt, werden in den nächsten Wochen eher gleichbleibende bis leicht steigende Zinsen erwartet. Auf Halbjahres- und Jahressicht seien sich alle befragten Institute aber einig, dass die Bauzinsen steigen werden. Mit Blick auf die Zinspolitik, Inflation und Konjunkturentwicklung halte man im Jahr 2022 einen weiteren Anstieg der Zinsen bei Immobiliendarlehen für wahrscheinlich. Man erwarte einen leichten, aber merklichen Anstieg der Bauzinsen im Bereich mehrerer Zehntelprozentpunkte.

Eine anziehende Konjunktur und die hohe Inflation sprechen laut Interhyp dafür, dass die Notenbanken ihre Zinspolitik anpassen. Das werde die Zinsen in der Tendenz nach oben ziehen. Die Entwicklung der Pandemie bleibe dabei jedoch eine schwer kalkulierbare Variable. Die Unwägbarkeiten zeige auch der Blick auf die Renditeentwicklung deutscher Staatsanleihen, die als Orientierungsgröße zur Entwicklung der Bauzinsen gilt. Im Dezember hatten Investoren vermehrt die Sicherheit der Staatsanleihen gesucht. Die höhere Nachfrage habe die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe vor Weihnachten auf etwa minus 0,35 Prozent gedrückt. Zum Jahreswechsel habe ein zunehmender Optimismus die Renditen nun wieder leicht nach oben gezogen. In den nächsten Wochen und Monaten werde sich zeigen, wann sich die Zuversicht stärker durchsetzt und für eine nachhaltige Trendwende am Zinsmarkt sorgt.

Auch Kreditzinsen für Unternehmen steigen

Laut jüngsten Daten der Barkow Consulting steigen auch die Zinsen für Unternehmenskredite. Die sieht man in der folgenden Grafik, die Kredite für Unternehmen mit fünf Jahren Zinsbindung anzeigen. Der durchschnittliche Zins ist im Wochenvergleich um 0,05 Prozent gestiegen. Und gegenüber 1,40 Prozent im Januar 2021 kann mit aktuell 1,71 Prozent bereits einen spürbaren Anstieg erkennen, der seit Herbst 2021 stattfindet.

Grafik zeigt Zinsen für Unternehmenskredite



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