Ein dramatischer Handelskonflikt wirbelt derzeit die Weltwirtschaft durcheinander: Zölle auf Rekordniveau belasten die US-Wirtschaft, schüren Unsicherheit an den Aktienmärkten und stellen die Inflationsentwicklung auf die Probe. Während Ökonomen vor einer drohenden Rezession warnen, zeigt eine neue Analyse von Bravos Research, dass die Dynamik komplexer ist, als es die ersten Schlagzeilen vermuten lassen – und dass sich aus den Spannungen zwischen steigenden Kosten und stabilisierenden Faktoren durchaus neue Chancen für Anleger ergeben könnten.
Zölle und ihre weitreichenden Folgen
In ihrem neuen Video „Dies wird die Geschichte neu schreiben“ analysiert Bravos Research die weitreichenden Folgen der jüngst verhängten Zölle auf die US-Wirtschaft, ihre Auswirkungen auf Inflation und Arbeitsmarkt sowie die Chancen für Investoren in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld an den Aktienmärkten.
Neue Zölle, die seit einigen Monaten in Kraft sind, haben die US-Wirtschaft in eine Phase der Unsicherheit gestürzt. Ökonomen warnen vor einer möglichen Rezession, da die Handelsbarrieren Investitionen bremsen und den Arbeitsmarkt schwächen, wie die jüngsten Daten eindrucksvoll gezeigt haben. Tatsächlich ist das Beschäftigungswachstum in den USA in den letzten drei Monaten praktisch zum Erliegen gekommen, während das Bruttoinlandsprodukt von rund drei Prozent Ende 2024 auf zwei Prozent gefallen ist.
Besonders gravierend: Mit einem effektiven durchschnittlichen Zollsatz von 18 Prozent liegt die Belastung auf dem höchsten Niveau seit der Großen Depression. Partnerländer wie die EU, Japan oder Südkorea sehen sich mit Zöllen von mindestens 15 Prozent konfrontiert, während Kanada und Indien mit bis zu 50 Prozent deutlich härter betroffen sind. China drohen sogar noch höhere Zollbelastungen, je nachdem wie die laufenden Verhandlungen ausgehen.
Die entscheidende Frage lautet nun, wie die Unternehmen auf die hohen Zölle reagieren. Laut Umfragen geben knapp die Hälfte der Dienstleister und rund ein Drittel der Industrieunternehmen die Kosten vollständig an die Verbraucher weiter. Nur eine Minderheit absorbiert die zusätzlichen Belastungen durch geringere Margen oder Kostensenkungen. Auffällig ist, dass die Preisweitergabe sehr schnell erfolgt – oft innerhalb weniger Wochen. Damit dürfte ein Großteil der Effekte bereits in den Konsumentenpreisen sichtbar sein.
Inflation steigt nur moderat
Dennoch zeigt sich die Inflation bislang erstaunlich robust. Zwar zog der Verbraucherpreisindex in den letzten Monaten leicht an, doch sinkende Mieten und rückläufige Energiepreise üben einen erheblichen dämpfenden Effekt aus. Die Wohnkosteninflation erreichte den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten, während auch die fallenden Benzinpreise zur Stabilisierung beitrugen. Das erklärt, warum die Teuerung trotz hoher Zölle und steigender Importpreise relativ stabil geblieben ist. Den nächsten Hinweis zur Entwicklung der Inflation gibt es bereits am Mittwoch und Donnerstag, wenn in den USA die Erzeuger- und Verbraucherpreise für August veröffentlicht werden.
Die Belastung der Unternehmen ist allerdings nicht zu unterschätzen. So berichten rund 40 Prozent der US-Konzerne von rückläufigen Gewinnen durch Zölle, wenn auch meist in moderatem Ausmaß. Die Auswirkungen auf die Beschäftigung sind bislang begrenzt, doch die Unsicherheit hat deutliche Spuren hinterlassen. Neueinstellungen wurden verschoben, Investitionsentscheidungen auf Eis gelegt und die Aktienmärkte reagierten mit einem Einbruch von 20 Prozent auf die ersten Zollankündigungen Anfang April. Seitdem ist der Leitindex S&P 500 jedoch schon wieder um 30 Prozent gestiegen und hat in der letzten Woche neue Rekordstände erreicht.
Ist das Schlimmste überwunden?
Gleichzeitig gibt es Anzeichen, dass die Phase der größten Unsicherheit überwunden sein könnte. Kleinunternehmen zeigen sich so optimistisch wie seit fünf Jahren nicht mehr, was historisch eher für eine Fortsetzung des Konjunkturzyklus als für einen Abschwung spricht. Auch die Erholung der Aktienmärkte deutet auf ein gewisses Vertrauen in eine Stabilisierung hin. Vor allem die Aussicht auf sinkende Zinsen durch die US-Notenbank Fed beflügelt derzeit sowohl die Wall Street als auch den Goldpreis, der zuletzt eine fulminante Rally hingelegt hat.
Bravos Research sieht daher die Chancen überwiegen. Trotz kurzfristiger Belastungen durch Zölle und Inflation könnten die Aktienmärkte in den kommenden Monaten weiter anziehen. Allerdings schließen die Analysten temporäre Rückschläge aktuell nicht aus. Diese könnten jedoch neue Kaufgelegenheiten in einem intakten Bullenmarkt darstellen. Aus Sicht der Marktstrategen bleibt die Kernaufgabe, objektiv auf die Makrodaten zu blicken. Diese deuten momentan eher auf eine temporäre Schwächephase als auf einen tiefen Abschwung der Wirtschaft hin.
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