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Experten analysieren Zölle haben US-Verbraucher und Konjunktur nicht getroffen – ein Wunder ist geschehen?

Höhere Trump-Zölle haben Konjunktur und Verbraucher in den USA nicht hart getroffen. Was ist passiert? Experten nennen Gründe.

Donald Trump
Donald Trump. Foto: Nicole Combeau/Bloomberg

Wo bleibt der massive Anstieg der Verbraucherpreise in den USA aufgrund von Trumps Importzöllen? Offenbar haben Exporteure und Importeure einen Großteil der Mehrbelastung aus eigener Tasche bezahlt, weil sie der Meinung sind, zu starke Preiserhöhungen würden die Endverbraucher in den USA nicht mitmachen, was dann einen Käuferstreik ausgelöst hätte.

Trump-Zölle: Exporteure und Importeure tragen Hauptlast

Der Chefökonom der Allianz, Mohamed El-Erian, räumte jüngst ein, dass die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle die US-Verbraucher weit weniger stark getroffen haben als erwartet. Die Kosten werden stattdessen von Exporteuren und Importeuren getragen: „Bislang trägt der Verbraucher die geringste Last. Ich kann Ihnen sagen, was derzeit in den Unternehmen vor sich geht: Sie gehen Produkt für Produkt durch, prüfen die Elastizitäten und überlegen, welche Preiserhöhungen die Verbraucher ihrer Meinung nach verkraften können, ohne dass die Nachfrage einbricht. Und sie stellen fest, dass sie nicht so viel von den Preiserhöhungen weitergeben können, wie sie möchten.“

Ökonomen: Verschiedene Faktoren halfen

Die Ökonomen der Commerzbank haben sich am Donnerstag ebenfalls mit dem Thema beschäftigt, warum die US-Wirtschaft die Zölle so gut weggesteckt hat. Prognosen einer bevorstehenden Wirtschaftskrise dämpfen im Frühjahr die Stimmung. Und tatsächlich ging die Stimmung bei Unternehmen und Konsumenten auf Tauchstation. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis diese Stimmung auch auf die Ausgabenfreude der Amerikaner durchschlagen würde, so die Ökonomen.

Tatsächlich hat die Wirtschaft die drastischen Zollerhöhungen anscheinend gut überstanden. Für das 4. Quartal 2025 rechnen die Experten der Commerzbank mit einem US-Wirtschaftswachstum um 2,0 % – damit dürfte die US-Wirtschaft 2025 um 2,4 % gewachsen sein, also genauso stark wie 2024. Hinter dieser überraschend positiven Entwicklung steht ihrer Aussage nach auch die Flexibilität der US-Wirtschaft. Importeure und ihre Lieferanten haben auf das Errichten der Zollmauern demnach rasch reagiert.

Sie haben ihre Lager vor Inkrafttreten der Zölle aufgefüllt. Damit konnten sie die Wirkung zollbedingt steigender Preise zumindest verzögern. Die höheren Zölle schlugen damit nicht sofort durch. Vielen Unternehmen wurden Ausnahme- und Übergangsregeln für „lebenswichtige“ Einfuhren eingeräumt. Ebenso wichtig war, dass Importe aus Mexiko und Kanada (immerhin rund 27 % der Gesamteinfuhren) USMCA-kompatibel gemacht wurden, sie also in den Genuss der niedrigen Zollsätze in der nordamerikanischen Wirtschaftszone kamen.

Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ist der Zoll von etwa 0,3% des BIP in den Jahren 2023 und 2024 auf 1,1% des BIP im zweiten Halbjahr 2025 gestiegen, so die Ökonomen der Commerzbank. Es gibt also durchaus eine Wirkung auf die US-Konjunktur. Aber damit liegt der Bremseffekt der Zollerhöhungen bei rund 0,8% des BIP. Und dies sei zu wenig, die US-Wirtschaft in eine Krise zu treiben, so die Experten. Schließlich wachse diese nominal gerechnet im Trend um 4-5% pro Jahr.

Zur Hilfe kam der Wirtschaft auch der Boom der Investitionen in Künstliche Intelligenz. Dieser hat die Investitionen in IT und Software nach oben getrieben, so die Ökonomen. Vor allem im ersten Halbjahr, als die zollbedingten Belastungen rasch anstiegen, lieferten diese Investitionen beträchtliche Wachstumsbeiträge. Im ersten Halbjahr lag der entsprechende Beitrag zum Wachstum des realen BIP bei knapp 1,1 Prozentpunkten, deutlich mehr als 2024 (rund 0,2 Prozentpunkte). Auch wenn die Investitionen jetzt weniger dynamisch sind, haben sie doch genau zum richtigen Zeitpunkt geboomt, so die Aussage der Ökonomen.

Fazit

FMW: Man kann also sagen, dass unter anderem KI-Investitionen und Zoll-Ausnahmen die US-Konjunktur gestützt haben. Und Exporteure wie Importeure haben einen großen Anteil daran, dass die Verbraucherpreise in den USA nicht viel stärker angestiegen sind. Die Angst vor einem Käuferstreik hat sie offenkundig dazu veranlasst, höhere Zölle zu großen Teilen selbst zu tragen – zu Lasten ihrer eigenen Margen.



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2 Kommentare

  1. Die Künstliche Intelligenz hat die Konsumfreude der Amerikaner stimuliert.

  2. Trump, auf ein Wort. Ihre scheinbar wilden Taktiken haben ein gewisses System das in ihnen Innewohnt, also ihre Natur, eine Begabung. Nicht schlecht.Nicht schlecht. Sie verwirren den Gegner dermaßen, Komma daß er, sie, es, Ihnen am Ende unterlegen sind. Wer sie kennt und mit ihnen Geschäfte gemacht hat weiß die Verwirrung zu schätzen denen man Ihnen ausgesetzt war und ist und sein wird. Machen sie weiter so. Ach ja, wollen sie Greenland nach der WM oder vor? Vor dem 4. Juli oder nach? Aha, ja dann, by Don.

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