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Inflation und Berichtssaison im Blick Zölle im Anflug – darum bleiben die Aktienmärkte gelassen

Zölle im Anflug – darum bleiben die Aktienmärkte gelassen
The New York Stock Exchange (NYSE). Foto: Bloomberg

Ein neuer Zollstreit sorgt für frischen Zündstoff an den Finanzmärkten. Mit scharfen Drohungen gegen Mexiko und die EU bringt US-Präsident Donald Trump die globalen Handelsbeziehungen erneut in Bewegung – und die Aktienmärkte reagieren. Während die drohenden Zölle neue Preisspiralen auslösen könnten, zeigt sich der S&P 500 überraschend stabil und trotzt dem geopolitischen Gegenwind. Doch wie lange kann der Leitindex dem Druck standhalten? Anleger blicken mit Spannung auf die heutigen Inflationsdaten und die anstehende Berichtssaison, die für neue Impulse sorgen dürfte – positiv wie negativ.

Zölle? Aktienmärkte bleiben gelassen

Die Aktienmärkte in den USA reagierten zum Wochenbeginn verhalten positiv auf die jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump zu neuen Zöllen. Sowohl der Nasdaq 100 als auch der S&P 500 bewegten sich nahe an ihren Rekordständen, während die Renditen von US-Staatsanleihen leicht stiegen und der Dollar zulegte. Der Ölpreis fiel, da der Plan des US-Präsidenten, Russland zu einem Waffenstillstand mit der Ukraine zu drängen, keine neuen Maßnahmen vorsah, die direkt auf die Behinderung der Energieexporte Moskaus abzielten. Für Auftrieb sorgte zudem die Meldung, dass die US-Regierung die Beschränkungen für den Verkauf von Nvidia-KI-Chips nach China aufhebte.

Laut einem Bericht von Bloomberg zeigte sich Trump trotz aggressiver Rhetorik hinsichtlich neuer Zölle offen für neue Handelsgespräche. In einem Statement bezeichnete er die Briefe mit neuen Zollandrohungen als „die Deals“. Die Aktienmärkte reagierten moderat, da Investoren zunehmend eine gewisse Immunität gegenüber den dauerhaften Zollankündigungen entwickeln. Chris Larkin von E*Trade bei Morgan Stanley kommentierte die Stimmung mit den Worten: „Die gedämpfte Reaktion der Aktienmärkte auf die jüngste Welle von Zollschlagzeilen deutet darauf hin, dass Investoren entweder abstumpfen oder annehmen, dass das Zollgebell schlimmer ist als der Biss.“

Inhaltlich kündigte Trump an, ab dem 1. August neue Zölle in Höhe von 30 % gegenüber Mexiko und der Europäischen Union einzuführen, falls keine besseren Handelsbedingungen ausgehandelt werden können. Analysten wie Mark Haefele von UBS Global Wealth Management sehen diese Drohungen als taktisches Manöver. Haefele betonte: „Wir gehen davon aus, dass sich der effektive US-Zollsatz bei rund 15 % einpendeln wird, was dem S&P 500 ermöglichen dürfte, in den nächsten zwölf Monaten weiter zu steigen.“

Zölle und Inflation lassen Anleger kalt

Laut einer Erhebung von 22V Research rechnen Investoren derzeit mit einem durchschnittlichen effektiven Zollsatz von 17 % und prognostizieren, dass Zölle die Kerninflation 2025 um 28 Basispunkte erhöhen könnten – fast die Hälfte dessen, was noch im Vormonat erwartet wurde. Im Vorfeld der Inflationsdaten zum Verbraucherpreisindex (CPI) kam es an den Anleihemärkten zu leichten Verlusten. Da viele Unternehmen beginnen, höhere Importkosten an die Verbraucher weiterzugeben, rechnen Ökonomen mit einem leichten Anstieg der Inflation im Juni.

Aktienmärkte: Neue Impulse durch Inflationsdaten und Berichtssaison

Die Volatilitätserwartungen im Optionsmarkt spiegeln diese Unsicherheit wider. Citigroup beziffert die erwartete Schwankung des S&P 500 am Tag der CPI-Veröffentlichung auf 0,6 %, was dem Niveau der letzten zwei Monate entspricht, jedoch unter dem durchschnittlich realisierten Ausschlag von 0,9 % im vergangenen Jahr liegt.

Auch bei den Unternehmensgewinnen herrscht Skepsis. Die Berichtssaison der US-Großbanken startet diese Woche unter dem Vorzeichen schwächerer Erwartungen – laut Analysten ein potenzieller Vorteil, da diese so leichter übertroffen werden könnten. Die Investoren blicken allerdings mit wachsender Vorsicht auf die hohen Unternehmensbewertungen. Emily Bowersock Hill von Bowersock Capital Partners merkt kritisch an: „Abgesehen von einer negativen Überraschung erwarten wir, dass die Selbstzufriedenheit angesichts des positiven Momentums der Aktienmärkte weiter anhält.“

Anspruchsvolles Umfeld für die Fed

Das Umfeld bleibt besonders für die US-Notenbank herausfordernd. Die Fed hatte zuletzt auf stabile Zinsen gesetzt, da der erwartete Preisdruck durch Zölle bisher ausblieb. Doch laut Seema Shah von Principal Asset Management gilt: „Die Inflation ist bislang gedämpft geblieben, aber Zölle werden letztlich durchschlagen und die Preise steigen lassen, was der Fed Schwierigkeiten bereiten wird.“

Trotzdem sehen laut 22V Research rund 67 % der Investoren den derzeitigen Inflationspfad als „Fed-freundlich“. Bei der erwarteten Marktreaktion auf den CPI erwarten 42 % eine risikofreudige Bewegung („risk-on“), 29 % eine gemischte Reaktion und ebenso viele ein „risk-off“-Szenario. Josh Rubin von Thornburg Investment Management gibt sich dennoch gelassen: „Ich glaube nicht, dass Investoren die in dieser Woche erwarteten Daten als wesentlich für die Portfolioausrichtung ansehen.“

Trump-Zölle haben kaum noch Auswirkung auf den S&P 500
US-Verbraucherpreise steigen aufgrund von Zöllen – Kerninflation für Juni höher erwartet

Sommerloch

Die Sommermonate bringen traditionell eine ruhigere Marktphase mit sich. Laut Rubin werden Investoren vor allem neue Signale zur Zollpolitik und zu künftigen Maßnahmen der Fed im Auge behalten. Glen Smith von GDS Wealth Management bringt es auf den Punkt: „Wir sind noch nicht über den Berg. Die nächsten Wochen werden entscheidend sein, um zu sehen, wie die Länder auf das neue Zoll-Ultimatum zum 1. August reagieren werden.“ Nun sei entscheidend, ob die Unternehmen mit ihren Quartalsberichten die Zolldebatte überstrahlen und den Aktienmärkten so weiteren Auftrieb verleihen könnten.

Bret Kenwell von eToro warnt jedoch: „Wenn das Management in den Ausblicken erneut eine positive Geschichte über den Konsum und die Kunden erzählt, könnte dies für Stabilität oder sogar für Aufwärtskorrekturen bei den Gewinnschätzungen sorgen. Wenn nicht, und die Prognosen gesenkt werden, könnten Aktienmärkte unter Druck geraten.“ Strategen von Morgan Stanley und RBC Capital Markets sind indes optimistisch: Besonders US-Megacaps gelten als attraktiv. RBC hebt sogar das Jahresendziel für den S&P 500 auf 6.250 Punkte an und verweist auf eine „hohe Unsicherheitsspanne“ in ihren Modellen.

Fazit: Die Aktienmärkte, insbesondere der S&P 500, zeigen sich robust – trotz geopolitischer Unsicherheiten, Zollängsten und Inflationssorgen. Doch die kommenden Wochen mit Inflationsdaten, Unternehmensberichten und möglichen handelspolitischen Weichenstellungen könnten zur Nagelprobe werden.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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