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Strukturelle Probleme bleiben

Zölle werden verschoben und alles ist wieder gut?

Hannes Zipfel

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Es wird Zeit für die Frage, was passiert, wenn Trump im Interesse seiner Wiederwahl den Handelskrieg de-eskaliert? Vielleicht auch wieder sinkende Zölle? Wird dies die Probleme der Weltwirtschaft lösen?

Kurzfristiges Aufatmen beim Thema Zölle

Die Aktienmärkte machen heute einen Satz nach oben dank der Aussicht auf Verhandlungen zwischen den USA und China und der möglichen Verschiebung neuer Zölle. Grund dafür sind Aussagen des chinesischen Handelsministeriums (MOFCOM), wonach die chinesische Delegation bereit ist, im September in die USA zu reisen, wenn die für 1. September angekündigten Zölle nicht eingeführt werden. Der US-Präsident scheint dieser Verlockung nicht widerstehen zu können, wie der Radiosender Fox-News soeben berichtet. So soll es zumindest noch heute Handelsgespräche „auf einer anderen Ebene“ geben.

Spielen die Chinesen nur auf Zeit?

Verhandeln hieße gleichwohl noch lange keinen Deal. Das Spiel spielen die Chinesen ihrerseits seit Mitte letzten Jahres – bis Trump im Mai der Kragen platzte und er erneut die Zollkeule schwang. Wie der Vizeministerpräsident Liu He bereits sagte, wolle man die Eskalationsdynamik aus dem Handelskonflikt nehmen. Dies könnte ein taktischer Schritt genau zu diesem Zweck sein, mehr nicht.

Strukturelle Probleme bleiben

Der globale Handelskrieg spielt sich ja nicht nur zwischen den USA und China ab, sondern auch zwischen den USA und der EU, Japan und Südkorea sowie Indien und China und bahnt sich an zwischen den USA und Vietnam, um nur einige „Kriegsparteien“ zu nennen. Das viel größere Thema ist aber der übergeordnete Schuldenzyklus, der ja erst zu dem ganzen Negativzinsdilemma inkl. aller Folgeeffekte geführt hat. Eine davon ist eben der globale Handelskrieg, da der US-Dollar als letzte verzinste Hauptwährung mit Beginn des Zinsnormalisierungs-Experiments der Fed permanent aufwertete, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie herabgesetzt wurde und das Handelsbilanzdefizit weiter explodierte.

Die USA sind als Wirtschaftsstandort eben teuer. Das setzt mittelfristig die Fed unter Druck, den Dollar abzuwerten, auch wenn das offiziell nicht ihrem Mandat entspricht aber eben in ihrer Macht liegt (die EZB lässt grüßen). Eine weitere Folge der Kombination aus Verschuldung und Dollar-Stärke ist die Emerging-Market Schuldenkrise. Die aufgebaute Verschuldung ist mit dem jetzigen Dollar-Zinsniveau dort nicht zu stemmen und mit einer aufwertenden Schuldenwährung (Dollar) schon gar nicht.

Diagramm des Institute of International Finance (Global Debt Monitor Q1 2019):

Globale Schuldenlast

Und so wundert es auch nicht, dass der globale Abschwung schon zu Beginn des Jahres 2018 begann, also weit vor den wahrnehmbaren realwirtschaftlichen Belastungen durch den Handelskriegs. Während die Amerikaner in Folge Ihrer Steuersenkungsparty noch mal konjunkturell durchstarteten befand sich der Rest der 35 OECD-Staaten bereits im Abschwung. Diese Zyklusverschiebung hat sich aber schon wieder korrigiert, wie die folgende Grafik an Hand der OECD-Wirtschaftsfrühindikatoren zeigt:

Dabei ist zu beachten, dass die bisher größte Zollanhebung von 10 Prozent auf 25 Prozent auf chinesische Importe in die USA im Volumen von 250 Mrd. US$ erst am 15. Juni in Kraft trat, also hinter dem letzten Datenpunkt dieser Zeitreihe und nach wie vor als Belastungsfaktor in Kraft bleibt – wohl bis es einen wie auch immer gearteten Deal zwischen China und den USA gibt.

Fazit

Sollte rein hypothetisch der Handelskrieg mit einer Art Plastik-Kompromiss enden, würde die Weltwirtschaft sich zweifellos erholen und die Unternehmensgewinne nebst Aktienkurse ebenfalls.

Doch das wäre nur ein Pyrrhussieg, denn die Fed würde dann wohl kaum einen von den Rentenmärkten weitgehend antizipierten Zinssenkungszyklus Richtung ein Prozent Leitzins durchziehen. Damit jedoch würden die Zinsen an den Kapitalmärkten wieder steigen, die bereits 4 ½ Zinssenkungen eingepreist haben. Daraufhin würde der US-Dollar als am höchsten verzinste Hauptwährung noch weiter ansteigen. Genau das würde die alten strukturellen Probleme wieder aufs Tableau bringen, v. a. die lichterloh brennende Emerging-Market-Währungskrise (Argentinien, Türkei, Indien, Brasilien, Venezuela etc.).

Völlig unabhängig vom Zollstreit ist der näher rückende Brexit, der die EU vollends in die Rezession zu stürzen droht. Präventiv wird die EZB mit noch aggressiverer Geldpolitik versuchen gegenzusteuern, auch mit Blick auf die weiter sinkenden Teuerungsraten. Das wiederum gibt dem höher verzinsten Dollar noch mehr Auftrieb, was das US-Außenhandelsdefizit weiter ansteigen lässt und so beginnt die ganze Krisenspirale von vorn.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    rote_pille

    29. August 2019 20:57 at 20:57

    Ich schaue nach Hongkong und denke mir, diese Chinesen wollen doch rulen. Nein, wir können keine Freunde sein.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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