Das Ende der Ausnahmeregeln für Kleinpakete, die sogenannte De-Minimis-Regel, lässt die Frachtraten in dieser Woche zusammen mit neuen Preisen für alle Transporte (FAK) deutlich steigen.
Zoll-Aus für Kleinpakete lässt Frachtraten steigen
Der Drewry World Container Index (WCI) stieg diese Woche um 6 Prozent auf 2.712 US-Dollar. Haupttreiber war die starke Verteuerung auf den Routen von Asien nach Europa. Auf der Verbindung von Shanghai nach Rotterdam zogen die Raten um 15 Prozent an, während die Route von Shanghai nach Genua um 10 Prozent anzog. Die Frachtraten für Container mit dem Ziel Nordamerika verzeichneten nur einen leichten Anstieg um ein Prozent nach Los Angeles bzw. zwei Prozent nach New York.
Der Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) legte um 4 Prozent zu, während der Inter Asia Container (IACI) Index um 2 Prozent stieg.
Torschlusspanik vor dem Zoll-Stichtag: E-Commerce flutet Europa
Die Verteuerungen der Frachtraten nach Europa sind das Ergebnis dreier unterschiedlicher Entwicklungen, wovon zwei die indirekte Folge der Straße von Hormus sind. Der Haupttreiber ist das Ende der Ausnahmeregeln für Kleinpakete, das in der EU am 1. Juli in Kraft tritt. Bisher sind Kleinpakete bis zu einem Wert von 150 Euro, die direkt von einem Endkunden in der EU empfangen werden, vom Einfuhrzoll befreit. In zwei Monaten fällt ein genereller Zoll von drei Euro pro Zollklasse an. Befinden sich also in einem Paket zwei Produkte von unter 150 Euro Wert, die aber in zwei unterschiedlichen Zollklassen erfasst sind, fallen sechs Euro an Zoll an, handelt es sich um zwei Produkte derselben Zollklasse, nur drei Euro. In 2024 erreichten 4,6 Milliarden Päckchen, die unter die De-Minimis-Regel fielen, die EU, wovon 94 Prozent aus China stammten. Daher beeilen sich die chinesischen E-Commerce-Anbieter wie Temu und Alibaba, noch vor dem Stichtag möglichst viele Produkte in die EU einzuführen.
Der zweite Grund ist die erneute Erhöhung der allgemeinen Frachtraten (FAK), die unter anderem CMA CGM angekündigt hat und ab 1. Juni in Kraft treten soll. Zusätzlich wird wohl auch die Peak Season Surcharge früher als gewöhnlich für die europäischen Routen erhoben, was ebenfalls eine Verteuerung der Spot-Raten zur Folge haben wird. Neben der Aufhebung der De-Minimis-Regel ist dies eine indirekte Folge des Iran-Krieges. Denn europäische Importeure haben früher als gewöhnlich ihre Weihnachtsproduktionen in China geordert, was zu einem Anstieg der Nachfrage auf diesen Routen führt.
Die Aufpreise für den Treibstoff blieben trotz der Verknappung des Angebots im Mai unverändert.
Dominoeffekt erfasst asiatischen Markt und US-Ostküste
Als Folge der erhöhten Nachfrage in Europa steigen auch die Frachtraten im asiatischen Raum, denn die großen Carrier verlagern ihre Schiffe auf Verbindungen nach Europa, was zu einer Verknappung des Frachtraums in Asien führt.
Langsamer folgt die Entwicklung beim SCFI, was einerseits an seiner Zusammensetzung, andererseits an der unterschiedlichen Datengrundlage gegenüber dem WCI liegt. Denn der WCI setzt sich aus den tatsächlich gezahlten Spot-Preisen zusammen, während der SCFI die nachgefragten Preise, also weder die Angebote noch die tatsächlichen Preise, widerspiegelt. Daher reagiert der SCFI hier verzögert.
Auch wenn die Raten nach Nordamerika im Moment stabil sind, kündigen sich hier für den Sommer und Herbst massive Preissteigerungen durch die Peak Season Surcharge (PSS) an. Das Ocean Network Express (ONE), das u. a. die Reeder MOL, NYK und K-Line umfasst, hat eine PSS von 2,000 US-Dollar pro 40-Fuß-Container angekündigt, die ebenfalls von anderen Reedern wie Maersk erhoben wird. Dazu kommen noch 322 US-Dollar zusätzliche Bunkerkosten, sogenannte Emergency Fuel Surcharges (EFS), für die Ostküste und 234 US-Dollar für die Westküste für einen 20-Fuß-Container, die MSC und andere Carrier für Mai eingeführt haben. Die Beförderung eines 40-Fuß-Containers von Shanghai nach New York würde also noch einmal um rund ein Drittel steigen, selbst wenn die Spot-Raten von heute stabil bleiben würden.
Die Steigerung der Frachtraten gerade nach Europa beruht im Wesentlichen auf einer erhöhten Nachfrage und nur in geringerem Maße auf inflationären Umständen. Dies lässt auf einen höheren Output der chinesischen Fabriken schließen und damit gibt es einen ersten Hinweis, dass die Exporte Chinas im Mai stärker steigen werden, als es die reinen saisonalen Effekte vermuten ließen.
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