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Gegenzölle -Eskalation Zoll-Lügennetz: Was droht als nächstes durch Gegenzölle?

Donald Trump sitzt auf einer Terrasse auf einem Stuhl, und hinter ihm sind US-Flaggen zu sehen, die an dem Haus im Hintergrund hängen. Möglicherweise denkt er gerade über Gegenzölle nach.
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Kann sich die EU Gegenzölle leisten, oder sollte man es lieber mit einem gut bebilderten Erklärungsversuch wagen, um Herrn Trump von der Unhaltbarkeit seiner Behauptung von 39 % EU-Zoll gegen die USA zu überzeugen? Behauptet Donald Trump wissentlich falsche Tatsachen, oder ist er schlichtweg schlecht informiert? Die Europäische Kommission schätzt den durchschnittlichen Zollsatz bis zum 1. April 2025 für beide Seiten auf etwa 1%, wobei die tatsächlichen Handelsvolumina berücksichtigt wurden.

Wirklich 39 % Zoll?

Die Welthandelsorganisation (WTO) ihrerseits bezifferte den handelsgewichteten durchschnittlichen US-Zoll auf 2,2% und den der EU auf 2,7%. Im Gegensatz dazu behauptet US-Präsident Trump, der effektive EU-Zoll auf US-Waren betrage 39%. Diese Diskrepanz wirft die Frage auf, ob er bewusst irreführende Aussagen trifft oder ob ihm die tatsächlichen Zahlen nicht bekannt sind.

Trump fokussierte sich konsequent auf „reziproke“ Zölle, mit dem Ziel, die Zölle anderer Länder auf US-amerikanische Waren zu spiegeln. Seine tief verwurzelte Überzeugung von unfairen Handelspraktiken der EU lässt eine hohe Wahrscheinlichkeit für Strafmaßnahmen als Reaktion auf neue Zölle vermuten. Seine über die Zeit hinweg konsistente Rhetorik deutet auf eine fundamentale Haltung hin, die über eine bloße Verhandlungstaktik hinausgeht. Diese Konsistenz macht seine erklärten Positionen zu einem verlässlichen Indikator für potenzielle zukünftige Maßnahmen durch Gegenzölle der EU.

Eskalationspotenzial: Reaktionen auf EU-Zölle

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Donald Trump auf neue EU-Zölle mit Gegenmaßnahmen reagieren wird, insbesondere in Form von einem erhöhten Zoll auf EU-Waren. Dies birgt ein erhebliches Eskalationspotenzial, das zu einem umfassenderen Handelskonflikt in verschiedenen Sektoren führen könnte. Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und der EU unter einer Trump-Präsidentschaft sind von Unsicherheit geprägt, und Unternehmen sowie politische Entscheidungsträger müssen sich auf mögliche Störungen vorbereiten. Der tatsächliche Umfang und die Dauer eines Handelskrieges werden vom Zusammenspiel politischer und wirtschaftlicher Faktoren abhängen.

Trump hat in seiner Rhetorik stets betont, dass die EU die USA durch unfaire Handelspraktiken und hohe Zölle ausgenutzt habe. Diese Behauptungen zeugen von einem bemerkenswerten Maß an Dreistigkeit.

US-Gegenzölle: Wahrscheinlichkeit und Form

Angesichts seiner bisherigen Reaktionen und seiner erklärten Politik ist es sehr wahrscheinlich, dass die USA auf EU-Gegenmaßnahmen mit eigenen Gegenmaßnahmen reagieren werden. Das Ausbleiben einer Reaktion würde im Widerspruch zu Trumps bisherigen Handlungen und seiner Handelsphilosophie stehen. Trumps politische Marke basiert auf der Projektion von Stärke und dem Ergreifen entschiedener Maßnahmen, insbesondere im Handel. Das Ignorieren von EU-Zöllen würde dieses Image untergraben.

Die wahrscheinlichste Form der Gegenmaßnahmen wären zusätzliche Zölle auf EU-Importe. Diese könnten Sektoren betreffen, in denen die EU einen Handelsüberschuss mit den USA hat, oder politisch sensible Industrien. Trump könnte auch die den Zoll auf Stahl und Aluminium erhöhen oder die Drohungen gegen die Automobilindustrie wieder aufnehmen. Darüber hinaus könnten Agrarprodukte, alkoholische Getränke (insbesondere Wein und Spirituosen) und möglicherweise sogar digitale Dienstleistungen Ziele sein. Nichttarifäre Handelshemmnisse sind als unmittelbare Reaktion weniger wahrscheinlich. Trumps „reziproke“ Handelspolitik deutet darauf hin, dass Höhe und Umfang der US-Gegenmaßnahmen wahrscheinlich mit der wahrgenommenen Schwere und Breite der EU-Zölle korrelieren werden. Trumps erklärtes Ziel, die Zölle anderer Länder zu spiegeln, impliziert eine direkte Proportionalität in seiner Reaktion. Bei erheblichen EU-Zöllen ist daher eine noch stärkere US-Reaktion zu erwarten.

Gegenzölle-Apokalypse: Trump droht mit 200% Strafzöllen

Trump drohte bereits mit 200% Zoll auf Wein, Champagner und andere alkoholische Getränke aus EU-Ländern, falls die Gegenzölle der EU beispielsweise einen 50-prozentigen Aufschlag auf US-Whiskey erheben. Nimmt man diese Aussage ernst, dass Trump die Zölle gegen die EU um das Drei- bis Vierfache der EU-Gegenzölle erhöhen könnte, würde das bedeuten, dass seine Gegenzölle bei 40, 60 oder mehr Prozent liegen würden. Schon jetzt reagiert die Börse mit starken Kursverlusten auf Trumps Zölle.

Wenn Trump, wie ein bockiges Kind, die Gegenzölle auf 40% festsetzen würde, hätte das katastrophale Auswirkungen. Die Auswirkungen wären weitreichend und könnten die Grundfesten der globalen Wirtschaft erschüttern. Für die Europäische Union stünden Schlüsselindustrien wie die Automobilbranche, Luxusgüter, Bekleidung, der renommierte Wein- und Spirituosensektor sowie die lebenswichtige Landwirtschaft auf dem Spiel. Auf der anderen Seite des Atlantiks würden Einzelhandel, Importeure und die komplexen Zulieferketten, die auf Vorleistungen aus der EU angewiesen sind, ins Wanken geraten. Die Aktienmärkte würden einen dramatischen Einbruch erleben, und die Inflation, ein schleichendes Gift für die Stabilität, würde unaufhaltsam ansteigen.

Und doch, was wäre, wenn dies erst der Anfang wäre? Was, wenn – und die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten ist hier der entscheidende Faktor – die Zölle noch weiter als 40% eskalierten? Ein Szenario, dessen volle Tragweite man sich kaum auszumalen wagt.

US-Austritt aus der Nato?

Es ist leider nicht auszuschließen, dass in einem Akt der Vergeltung durch Gegenzölle der EU ein Bruch mit der Nato erfolgt, die seit Jahrzehnten als Bollwerk der Sicherheit gilt.

Die Europäische Union ist sich der tückischen Unberechenbarkeit des US-Präsidenten in vollem Umfang bewusst. Angesichts dieser Bedrohung wird sie keine Anstrengungen scheuen, um durch Verhandlungen eine Zoll-Eskalation abzuwenden. Es wird unumgänglich sein, sich dem Diktat zu beugen und mit beschwichtigenden Worten jeder Forderung Trumps nachzukommen. Die EU muss eine weitere Eskalation um jeden Preis verhindern. Daher wird sie vorerst von Gegenzöllen absehen.
Doch stellt sich die quälende Frage: Muss man sich tatsächlich derart demütigen und sein Gesicht verlieren? Die ernüchternde Antwort lautet: Ja, dies ist wohl die bittere Realität. Und Trump ist sich dessen bewusst, denn genau dies ist der Kern seiner perfiden Strategie.



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6 Kommentare

  1. Was soll verhandelt werden? Trump geht es um die Rücknahme der zahlreichen Handelshemmnisse aufgrund der dirigistischen, protektionistischen und ideologischen Handelspolitik der EU-Kommission. Von der Leyen kann bei Trump antanzen und ihm die Liste der EU-Regularien vorlegen, die er gestrichen haben will. Das würde die unrealistische freiwillige Aufgabe der grün-sozialistisch-woken-Politik in der EU bedeuten. Eher ziehen die Politiker die Staaten in den Abgrund, als sich und Zehntausende von beamteten Anhängern und NGOler überflüssig zu machen.

    1. @Dagoberti
      also, weil Trump sich mit den Zöllen in den eigenen Fuss schießt, soll die EU bei Trump antanzen und ihn Fragen, welche Handelshemmnisse abgebaut werden sollen?
      Interessante Logik.
      Wir sollten eher die Gewinne von US Pharmafirmen und komischen Medienfirmen a la X zur Kasse bitten und da die Gewinne mit Steuern extra für sie abschöpfen.

  2. Die Gegenzölle ist klar so berechnet worden das der Exportüberschuß gegenüber der USA reduziert wird. Warum akzeptiert man nicht das die USA nicht mehr das gigantische Handelsdefizit will. Und wenn die USA sich deshalb ins Bein schießt, müssen wir uns auch ins Bein schießen? Seltsame Logik.

  3. Interessante Frage: „Behauptet Donald Trump wissentlich falsche Tatsachen, oder ist er schlichtweg schlecht informiert?“
    Beides trifft zu! Und dazu gesellt sich: Es ist einfach strohdumm, ignorant, machtbesessen und maximal ideologisch orientiert.

  4. „Trumps erklärtes Ziel, die Zölle anderer Länder zu spiegeln, impliziert eine direkte Proportionalität in seiner Reaktion.“
    Das erinnert mich an ein Bonmot aus meiner Studienzeit. In leicht abgewandelter Form könnte man heute sagen:
    Die quantitativ-apokalyptische Expansion reaktionärer Sanktionen auf sub- und supraterrane Agrarprodukte steht in reziproker Relation zum Intelligenzquotienten des erratischen Imperators 😄

    „Es wird unumgänglich sein, sich dem Diktat zu beugen und mit beschwichtigenden Worten jeder Forderung Trumps nachzukommen. Muss man sich tatsächlich derart demütigen und sein Gesicht verlieren? Die ernüchternde Antwort lautet: Ja, dies ist wohl die bittere Realität.“
    Das sehe ich völlig anders.

    Niemand muss sich Diktatoren, Autokraten, Egomanen und irrlichternden, übergeschnappten Libertären beugen, deren Hirn von Größenwahn, Machtgeilheit und hohen dreistelligen Milliardensummen komplett vernebelt wurde.
    Nicht, solange eine Handvoll Verrückter mit Waffen und Geld versucht, die ganze große Welt für Ihre erbärmlichen Eigeninteressen und Machtfantasien zu knebeln.
    Nicht, solange noch ein Rest von Vernunft, Verstand, Solidarität und eine Bereitschaft zu Kooperation und Kompromissen in demokratischen Ländern vorhanden ist.
    Nicht, solange sich die aufgeblasenen, überalterten Bad Boys noch gegenseitig abwatschen und der rechtlibertäre MAGA-Wahnsinn den kommunistisch-sozialistisch-nationalistischen BRICS-Irrsinn nicht noch enger zusammenschweißt.

  5. Die Trump’schen Einfuhrzölle werden ihren Jahrestag nicht erleben, weil sie eine self inflicted wound sind: Was auf der einen Seite an Zöllen reinkommt, muss auf der anderen Seite wieder als Zuschüsse an die Armen fließen, sonst sieht man bald soziale Revolten, echt MAGA! Auch der Lenkungseffekt (Produktion zurück in die USA) ist für die Ära Trump II illusorisch, undurchführbar. Beides wird auch der Trump-Administration bekannt sein, da man sich nicht einmal die Mühe macht, ein halbwegs rationales Zollsystem auszuarbeiten. Auch legistisch bemüht man sich nicht und wählt eine rechtlich angreifbare Notfallgesetzgebung. Die Zölle sollen nur Aufreger sein, die Wirtschaft in Stockstarre versetzen, Bestand brauchen die Zölle nicht zu haben. Durch den Schock werden die echten Ziele erreicht, nämlich die kontrollierte Beseitigung der US-Aktienblase und die Senkung der langfristigen Zinsen, beides trägt zur Systemstabilisierung bei. Wie abgebrüht muss man wohl sein, um als Präsident diese Agenda für die Superreichen durchzuziehen?

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