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Zugeständnisse für Airbus und Autos Zolldeal mit den USA: So kämpft die EU für ihre Industrie

Zolldeal mit den USA: So kämpft die EU für ihre Industrie
Grafik: ChatGPT

Im transatlantischen Zollstreit zwischen den USA und der EU rückt Brüssel auf Washington zu – mit einem Plan, der Europas Industrie schützen soll. Ziel ist ein Abkommen, das Airbus vor Zöllen bewahrt und deutschen Autobauern wie Mercedes den Zugang zum US-Markt erleichtert. Doch nicht alle profitieren – und die Zeit drängt.

Zolldeal soll Schlüsselindustrien schützen

Laut einem Bericht von Bloomberg steht beim Ringen um einen Zolldeal mit Washington für die Europäische Union der Schutz der Schlüsselindustrien im Fokus. Wie zu hören ist, steuert die EU-Kommission auf einen Deal zu, der Verkehrsflugzeuge von einigen Zöllen ausnehmen würde, wodurch Airbus begünstigt würde. Zudem feilt man an Ausnahmeregelungen für einige Automobilhersteller. Profiteure wären dabei vor allem deutsche Hersteller wie BMW und Mercedes.

Autobauer wie Italiens Ferrari könnten indessen leer ausgehen: Wie Bloomberg erfuhr, dürften die geplanten Vereinbarungen nur Unternehmen zugute kommen, die Fabriken in den USA unterhalten.

Welche Sektoren verschont bleiben – auch Spirituosen dürften eine Gnadenfrist erhalten – hängt vom politischen Einfluss wichtiger Mitgliedstaaten ab. Eine Rolle spielt auch, welche Branchen die EU als systemrelevant einstuft und in welchen Bereichen die USA ein starkes Interesse daran haben, ihre eigenen Hersteller zu schützen. Im Fall von Airbus trifft alles ein wenig zu.

“Das ist absolut ein Aushängeschild für den europäischen Flugzeugbau“, sagte John Strickland, Luftfahrtanalyst bei JLS Consulting, im Bloomberg-Interview. Die Weitergabe der Zölle an die Kunden “könnte sich erheblich dämpfend auf die Nachfrage und damit auf den gesamten finanziellen Erfolg von Airbus auswirken”.

Zolldeal: EU fordert Ausnahmeregelungen für Airbus und Autos von den USA

Ausnahmeregelung für Airbus

Airbus ist nicht nur der weltweit größte Hersteller von Verkehrsflugzeugen, sondern montiert seine Flugzeuge auch in einer komplexen Choreografie und ist zu einem Symbol für die industrielle Zusammenarbeit auf dem Kontinent geworden.

Der Hauptsitz von Airbus befindet sich im südfranzösischen Toulouse, wo neben dem anderen Hauptwerk in Hamburg die sogenannten Endmontagelinien für die verschiedenen Produkte stehen. Im Laufe der Jahre hat der Flugzeughersteller jedoch seine weltweite Produktionspräsenz auf Tianjin in China, Mobile in Alabama und Mirabel in Kanada ausgeweitet.

Dadurch kann Airbus lokal hergestellte Jets an Kunden in den USA und China verkaufen — den beiden größten Luftfahrtmärkten der Welt. Der amerikanische Flugzeugriese Boeing hingegen stellt dessen Flugzeuge ausschließlich in den USA her. Er hat damit keine Möglichkeit, seine Produktion an potenzielle Zölle in einigen Märkten anzupassen.

Die EU hat den Schutz des Flugzeugherstellers zu einer Priorität erklärt. EU-Industriekommissar Stephane Sejourne erklärte im vergangenen Monat gegenüber Bloomberg, dass Airbus angesichts der zusätzlichen Zölle von 10% nicht dem “unfairen Wettbewerb” von Boeing ausgesetzt sein dürfe. “Wenn wir keine Neugewichtung vornehmen, würden wir einige führende Sektoren ungeschützt lassen, daher besteht ein wirtschaftliches Interesse daran, so zu handeln.”

Verhandlungen zwischen der EU und den USA

Mit Blick auf die Verhandlungen bleibe abzuwarten, welche Zollbefreiungen die USA der EU für Flugzeuge, Flugzeugteile und Spirituosen gewähren werden, berichteten informierte Kreise Bloomberg.

Auf dem größten jährlichen Branchentreffen, der Paris Air Show im vergangenen Monat, sagte US-Verkehrsminister Sean Duffy, er unterstütze die Rückkehr zu den Bedingungen des Handelsabkommens von 1979. Es befreite den grenzüberschreitenden Handel mit Flugzeugen und Flugzeugteilen von Zöllen.

Duffy räumte ein, dass die Luftfahrt aufgrund des jahrzehntealten Abkommens Handelsüberschüsse für die USA generiert habe. Er sagte, dass “wir die Luftfahrt vom Verhandlungstisch nehmen sollten, indem wir zu den Bedingungen von 1979 zurückkehren, was uns nur dabei hilft, unseren Handelspartnern einige Instrumente zu nehmen, da wo dies für uns von Vorteil sein könnte”.

Nach Schätzungen der EU betreffen die US-Zölle nun 380 Milliarden Euro — oder etwa 70% — ihrer Exporte in die USA. In ihrer letzten Prognose vom Mai hat die Kommission ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr aufgrund des Handelskriegs deutlich nach unten korrigiert. Sie rechnet nun mit einem BIP-Anstieg von 1,1%. Im November standen noch 1,5% Wachstum in Aussicht.

Die EU hat bis zum 1. August Zeit, um ein vorläufiges Handelsabkommen mit einem pauschalen Zollsatz von 10% zu schließen. Gleichzeitig arbeitet man an einem dauerhaften Abkommen. Wird bis zu diesem Datum keine Einigung erzielt, steigen die Zölle auf fast alle EU-Exporte in die USA auf 50%.

Zölle auf Autos und Autoteile

Brüssel drängt die USA außerdem auf Kontingente und Ausnahmeregelungen, um die von Washington erhobenen Zölle von 25% auf Autos und Autoteile sowie von 50% auf Stahl und Aluminium effektiv zu senken, wie aus den Kreisen verlautet. Ein Durchbruch in dieser Frage sei jedoch nicht unmittelbar zu erwarten.

Besonders kritisch ist die Lage für deutsche Autobauer. Porsche und Mercedes meldeten diese Woche rückläufige Autoverkäufe aufgrund geringerer Auslieferungen in Nordamerika und China.

Diskutiert wird zwischen EU und USA ein sogenannter Ausgleichsmechanismus, der es europäischen Unternehmen mit Produktionsstätten in den USA ermöglichen würde, eine bestimmte Anzahl zollfrei zu exportieren, hieß es. Das würde BMW, Mercedes und Volkswagen stützen. Porsche und Ferrari betreiben derweil keine Werke in den USA und importieren alle ihre Fahrzeuge aus Europa.

Die Volkswagen-Tochter Audi erwägt derzeit die Aufnahme der Produktion in den USA. Im Mai gab man bekannt, noch in diesem Jahr ein Standort auszuwählen. Das in den USA meistverkaufte Modell, der SUV Q5, wird aus Mexiko importiert. Dessen Verkaufszahlen sind im zweiten Quartal um 29% eingebrochen.

Auch Mercedes baut um. Die Stuttgarter verlagern die Produktion des SUV GLC – das beliebteste Importmodell in den USA – bis 2027 in ihr Werk in Alabama.

“Wir wollen eine Einigung mit den Amerikanern“, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil am Dienstag vor Abgeordneten in Berlin. “Aber das Abkommen muss fair sein – und wenn wir keine faire Einigung mit den USA erzielen können, muss die EU Gegenmaßnahmen zum Schutz unserer Wirtschaft ergreifen.“

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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3 Kommentare

  1. Ein Grund mehr für Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, sich für Forschung und Weiterentwicklung diverser Satelliten aus den Bereichen Navigation, Nachrichtendienste und Internet auf der Internationale Raumstation auszusprechen, in Verbindung mit dem Kooperationspartner italienische Automobilindustrie aufgrund vorhandener Kompetenz in Sachen Navigation.

    1. …Internationale Raumstation ISS…nicht…Internationale Raumstation….Tippfehler. HV

  2. Tut nix zur Sache

    Die EU macht sich kleiner als sie muss und sollte! Airbus ist ein Aushängeschild, das ist wohl wahr. Aber sich für mögliche Gewinne in der Luftfahrtindustrie zu entschuldigen ist schon schwach. Nur aus Gewinnen heraus lässt sich Weiterentwicklung, Forschung und Ausbau finanzieren. Bei Zöllen auf Flugzeuge würde sich die USA selbst schwächen. Mit Boeing ist derzeit nicht so viel Geschäft zu machen. Die Alternativen sind sehr dünn… Vielleicht noch Russland, die VR China und auch Kanada oder Brasilien könnten Mal den Finger heben um alternativ zu liefern. Allerdings würde man wohl eher die Kutsche wieder hervorkramen, als such auf diese Länder zu verlassen.
    Es ist grundsätzlich nicht gut, sich bei diesen Zollverhandlungen, oder sollte man eher sagen Zolldiktat, so klein zu machen. Selbst ein Deal wäre nur so lange gültig, bis DT in der Folgewoche wieder auf eine dumme Idee kommt! Und dann???… Die Globalisierung hat eben doch vielfältig ungesunde Kinder geboren, deren Einhegung vieles wieder ad absurdum führt! Der Wille zu Macht und Einfluss überschattet den guten Ansatz der Anfangszeit … es ist Zeit sich zu besinnen und die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht nur neu zu bewerten sondern auch wieder zu aktivieren um in Teilen auch wieder Souveränität auf nationaler Ebene zu etablieren. Deswegen wird schon gegenseitige Achtung und Wertschätzung nicht gleich den Bach runtergehen. Die USA samt ihrer Eliten und der Regierung sind derzeit kein Heilsbringer. Es steht durchaus mehr auf dem Spiel, als nur um Zölle und Preise zu verhandeln. Der „Freund“ gebärdet sich zunehmend zum Gegner. Das muss man nicht mit dauerhafter Unterwürfigkeit auch noch verstetigen.

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