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Zu wenig Impfstoff in Deutschland: Von wegen!

Wochenlang wurde darüber debattiert, dass es in Deutschland zu wenig Impfstoff gegen Corona gäbe. Aber das ist gar nicht der Fall!

Wochenlang wurde darüber debattiert, dass es in Deutschland zu wenig Impfstoff gegen Corona gäbe, dass die Impfzentren mangels Vakzinen auf Sparbetrieb laufen. Aber wie aus den letzten Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht, ist das derzeit nicht mehr der Fall. Die Lagerstätten für die Impfpräparate gegen Corona quellen über, was nicht hinterherkommt, ist das Logistische. Und dies dürfte noch heftiger werden.

Impfstoff: Die Vorreiter von der Insel

Neidisch dürften manche Gesundheitspolitiker nach Großbritannien blicken, wo es bereits über 20 Millionen Impfungen gegeben hat, bei einer Bevölkerungszahl (68 Mio), die weit unter der Deutschlands liegt, bei einer gleichzeitig erheblich größeren Grundimmunitätsquote. Demzufolge hat Premier Boris Johnson seinen Landsleuten bereits versprochen bis zum Sommeranfang, Ende Juni, alle Lockdown-Beschränkungen zurückzufahren. Und Deutschland? Etwa sechs Millionen Impfdosen gegen Corona sind derzeit verabreicht, aber bis zum Freitag waren bereits 8,5 Millionen Dosen ausgeliefert. Fast ein Drittel liegt in den Kühlvorrichtungen – Deutschland hat eine Impfquote, die im letzten Drittel der EU-Staaten angesiedelt ist. Und es dürfte noch „doller“ kommen.

Die Impfstoffe kommen in großen Schüben

Die Planungen der EU für Deutschland lesen sich wie folgt: 18 Millionen Impfdosen bis zum ersten Quartal, im zweiten 77 Millionen und dann 127 Millionen Dosen in Q3. Eine unglaubliche Menge und nur umsetzbar, wenn es zu einem Einsatz eines erweiterten Impfpotenzials kommt – sprich auch durch Hausärzte und Apotheken.

Die letzten Angaben des BGMs zeigen die Impfstoffwelle sehr detailliert an: 8.453.295 aufgelieferte Impfdosen bis zum 26. Februar, 650.400 weitere Dosen von AstraZeneca am 27. und nochmal 343.200 Dosen von Moderna bis zu Monatsende. Macht eine Bilanz für Ende Februar von 9,45 Millionen Dosen.

Doch bereits für den Wochenbeginn standen 924.300 weitere Dosen von BioNTech an, was zu einer Gesamtzahl an ausgelieferten Dosen in Höhe von 14,68 Millionen Dosen bereits für das Ende der dritten Märzwoche führen würde, wenn alles planmäßig verläuft.

Wie verlaufen die Impfungen?

Schon seltsam, diese Divergenz in den öffentlichen Verlautbarungen.

Der Schnitt bei den Impfungen betrug etwa eine Million pro Woche, jetzt steigert man das Tempo auf 170.000 Dosen täglich für die kommenden drei Wochen. Was aber bedeutet, dass es bei diesem Szenario nur zu knapp 10 Millionen Vakzinationen bis zum kalendarischen Frühlingsanfang kommen wird, fast fünf Millionen Dosen dann aber unbenutzt lagern werden.

Kein Wunder, dass sich Politiker jetzt mit Vorschlägen überschlagen, um diesen Widerspruch zu übertünchen. Was für eine Gemengelage: Man zeichnet düstere Szenarien (von Talkshow zu Talkshow, von Pressekonferenz zu Pressekonferenz), begründet weitere Lockdown-Maßnahmen mit der Gefährlichkeit der um sich greifenden Mutationen, gleichzeitig quellen die Kühlanlagen mit Impfstoff über. Selbst bei einer Steigerung der täglichen Impfungen wird der Lagerbestand zunehmen. Zumal dann die Zahl der gelieferten Impfdosen erst recht anschwellen soll. Schon bis Ostern über 2,1 Millionen Dosen wöchentlich.

BioNTech hat produktionstechnisch aufgerüstet, Johnson&Johnson hat mit seinem Impfstoff (mit dem Vorteil nur einer einmal nötigen Impfdosis) bereits die Notzulassung in den USA bekommen und was macht eigentlich unser Vorzeigeprodukt von CureVac, an dem sogar der Staat börsentechnisch beteiligt ist?

Als Nicht-Virologe soll man sich bei den Bewertungen von Inzidenzen, Reproduktionsfaktoren und weiteren statistischen Virusfakten zurückhalten, aber einige Ankündigungen von Superinfektionszahlen bis in den Frühsommer, wie passt das mit den Impfzahlen zusammen, zumal es bis dann zu einer gewaltigen Reduktion der Zahl der Vulnerablen gekommen sein muss?

Im Übrigen brächte schon die Zulassung von Johnson &Johnson die Zahl der georderten Impfdosen für die EU von unter 1,5 Milliarden auf fast 1,9 Milliarden Einheiten.

Die Überlegung ist nicht von der Hand zu weisen: Durch die zunehmende Lockdown-Müdigkeit der Bevölkerung, den Fortschritten in anderen Ländern und der anschwellenden Produktion von Impfstoff werden bald viele Bedenken hinsichtlich Impfpriorisiering bestimmter Bevölkerungsgruppen und Erweiterung der Impfstationen über den Haufen geworfen. Es wird „geimpft werden, was das Zeug hält“. Bald beginnt die heiße Wahlkampfphase, politische Äußerungen zum Thema Impfstoff werden immer „zielorientierter“, aber im wahltaktischen Sinne.

Fazit

Es scheint so zu kommen, wie es bei überraschenden Engpässen für ein Produkt häufig der Fall ist. Ein Mangel, vor allem wenn es sich um ein gesellschaftlich essenzielles Gut handelt, versetzt die Politiker in Alarmstimmung, es wird geordert, was das Zeug hält (FFP1-Masken), die Produzenten wittern die große Chance und fertig ist ein „Schweinezyklus“. Auch wenn der Vergleich in vielerlei Hinsicht hinkt, könnte eine Produktion von Impfstoff auf uns zukommen, die über das Ziel hinausschießt. Über 12 Milliarden Dosen Impfstoff sind global schon seit längerer Zeit zugesagt, aber es gibt insgesamt 202 Impfstoffprojekte (WHO-Angaben), die sich noch in der Entwicklung befinden. Besonders die Produkte von Bharat Biotech aus Indien, oder einigen aus China, Länder mit riesigen Produktionkapazitäten sind noch nicht am Markt. Könnte also doch sein, dass…..!



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1 Kommentar

  1. In DE ist zur Zeit ein unglaubliches Kompetenzen-Problem in Gange. Wenn Beamte kein Formular auf dem Tisch haben, das mit Stempel und Bestätigungen versehen ist, bedeutet das immer abwarten und vorläufig nichts tun. Die ganze Welt schaut nun Deutschland zu, wie man trotz absolutem Gefahrenlage in der Pandemie völlig überorganisiert, zuerst noch immer mit sich selbst beschäftigt ist.

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