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Blick auf den Bau neuer Anlagen Zusätzliche LNG-Mengen aus den USA dauern noch zwei Jahre

Zusätzliche Lieferungen von LNG aus den USA dauern noch zwei Jahre. Der Bau neuer Anlagen ist hochkomplex. Hier ein Überblick.

Tanker transportiert LNG

Heute war es eine bedeutende Nachricht in der deutschen Medienlandschaft. Deutschlands erster LNG-Terminal in Wilhelmshaven ist fertiggestellt. Der erste LNG-Tanker sollen Mitte Januar kommen. Aber wie sieht es auf der anderen Seite aus, bei den Produzenten und Umwandlern von Gas in das Flüssiggas (LNG)? Steigen dort die Kapazitäten, damit man besser russisches Gas ersetzen kann?

Weltmarkt muss noch zwei Jahre auf neue LNG-Terminals in den USA warten

Aus Katar kann Deutschland wohl auf absehbare Zeit kein LNG erwarten. Also müssen vor allem die USA in Zukunft für zusätzliche Liefermengen als Lieferant bereitstehen? Schauen wir auf eine Analyse im Bau befindlicher LNG-Projekte in den USA, welche die dortige Kapazität erweitern werden. „Das Rennen um den nächsten großen US-Lieferanten von LNG für das kraftstoffarme Europa ist eröffnet“, so sagt es aktuell Bloomberg in seiner Analyse, die wir hier zeigen.

Während die USA einen Teil der Versorgungslücke durch den Export riesiger Mengen an Flüssiggas (LNG) aus ihren sieben Anlagen füllten, werden die Weltmärkte noch mindestens zwei Jahre warten müssen, bevor neue LNG-Anlagen in den USA in Betrieb gehen. Drei Großprojekte mit einem Finanzierungsbedarf von mehr als 30 Milliarden US-Dollar befinden sich derzeit in Texas und Louisiana im Bau, doch keines davon wird im nächsten Jahr fertiggestellt sein.

Neue LNG-Terminals im Bau

Zwei der Projekte, Golden Pass LNG in der Nähe von Port Arthur, Texas, und die erste Phase von Plaquemines LNG am Mississippi River, etwa 25 Meilen südlich von New Orleans, werden voraussichtlich 2024 in Betrieb gehen, so dass sich ein Wettlauf um den achten US-Exportterminal anbahnt. Das dritte Projekt von Cheniere Energy, dem größten LNG-Exporteur der USA, wird eine bestehende Anlage in Corpus Christi erweitern und die Produktion erst Ende 2025 aufnehmen.

Gashändler, Regierungsvertreter und Branchenbeobachter werden die nächsten Jahre damit verbringen, die Projekte auf Anzeichen von Verzögerungen oder vorzeitigen Bewegungen zu beobachten. Golden Pass ist ein Joint Venture zwischen den Branchenriesen Qatar Energy und Exxon Mobil. Mit dem Bau wurde im Mai 2019 begonnen. Plaquemines, ein Projekt des in Virginia ansässigen Entwicklers Venture Global LNG, wurde im August 2021 in aller Stille begonnen. Im Januar 2022 gelang Venture Global ein Beinahe-Wunder, als das Unternehmen die Produktion seiner ersten LNG-Anlage, Calcasieu Pass in Cameron, Louisiana, in einer Rekordzeit von 29 Monaten nach Sicherung der Finanzierung aufnahm. Viele fragen sich, ob das Unternehmen diesen Erfolg mit Plaquemines wiederholen oder gar übertreffen kann.

Michael Webber, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter des New Yorker Beratungsunternehmens Webber Research, hat anhand von Zulassungsunterlagen und Satellitenbildern festgestellt, dass das Rennen unentschieden“ ist, Venture Global aber aufgrund seines Baukonzepts einen Vorteil hat. Das Unternehmen verwendet ein modulares Verfahren, bei dem Teile der Anlage außerhalb des Standorts gebaut und nach Plaquemines verschifft werden, wo sie wie Legosteine zusammengesteckt werden. Golden Pass hingegen wählt den traditionellen Ansatz und baut alles vor Ort.

Aufwendiger Umwandlungsprozess

Erdgas ist ein reichlich vorhandener Brennstoff, der bei seiner Verbrennung weniger Kohlendioxid freisetzt als Öl und Kohle. Und in seiner supergekühlten Form (LNG) lässt es sich leicht lagern und auf Hochseetankern transportieren. In dem Bestreben, diesen Winter warm zu bleiben und die Industrie am Laufen zu halten, haben die europäischen Länder einen Aufpreis für diese Ladungen gezahlt.

Die USA haben 2016 mit dem Export von LNG begonnen und verfügen nun über sieben Anlagen, die den Brennstoff nach Übersee verschiffen können. Eines dieser Terminals, Freeport LNG in Quintana, Texas, ist nach einem Brand am 8. Juni weiterhin geschlossen. Sobald Freeport wieder voll in Betrieb ist, möglicherweise Ende des Jahres, können die sieben Anlagen zusammen 13,9 Milliarden Kubikfuß Erdgas pro Tag exportieren, wie aus den Zahlen der Energy Information Administration hervorgeht. Ende 2019 lag die Spitzenkapazität in den USA bei 11,6 Milliarden Kubikfuß pro Tag.

Der Ausbau der Kapazitäten ist eine finanzielle, technische und ökologische Herkulesaufgabe. Die mehrstöckigen Anlagen nehmen Hunderte von Hektar Land ein und verfügen über kilometerlange, gewundene Rohre, die das Erdgas transportieren, das von Verunreinigungen gereinigt und dann auf eine Temperatur von -260 Grad Celsius abgekühlt werden muss. Dann wird es zu einer Flüssigkeit, die in riesigen isolierten Tanks gelagert werden kann, die groß genug sind, um in ein Frachtflugzeug zu passen.

Eine LNG-Anlage hat viele bewegliche Teile, und viele dieser beweglichen Teile haben sich noch nie zuvor zusammen bewegt“, sagte Jeff Hammad, Chief Commercial Officer von Golden Pass LNG, am 13. Oktober auf dem Gulf Coast Energy Forum in New Orleans. „Es ist groß und teuer. Es ist technisch komplex. Und es braucht viel Zeit für die Planung und Ausführung. Hier ist der Stand der wichtigsten LNG-Projekte in den USA:

Im Bau befindliche neue LNG-Terminals in den USA

Golden Pass LNG

Bloomberg berichtet: An einem milden und windigen Tag Anfang November herrschte auf der Golden-Pass-Baustelle Hochbetrieb, als tausende von Arbeitern mit Rucksäcken in Bussen von kilometerweit entfernten Parkplätzen ankamen. Dutzende von lärmenden Lastwagen fuhren in die Anlieferungstore ein, und Baukräne zierten den Himmel. Auf der Baustelle sind derzeit 5.000 Arbeiter beschäftigt, und bis zu 2.500 weitere werden im nächsten Jahr erwartet, wenn das Projekt seinen Höhepunkt erreicht.

Golden Pass wurde 2011 als Importterminal in Betrieb genommen, doch die Schieferrevolution und die steigende Erdgasproduktion in den USA veranlassten eine Umstellung auf Exporte. Qatar Energy und Exxon Mobil haben im Februar 2019 eine endgültige Investitionsentscheidung getroffen. Nach der Fertigstellung werden die drei Produktionseinheiten des Projekts, die so genannten Trains, 18 Millionen Tonnen LNG pro Jahr produzieren, was einer Menge von mehr als 230 Ladungen entspricht.

Das 10-Milliarden-Dollar-Exportprojekt hatte einen langsamen Start mit behördlichen Verzögerungen, unter anderem wartete man fast fünf Jahre auf eine wichtige Bundesgenehmigung. Webber sagte, dass der Bau hinter dem Zeitplan zurückblieb und das Budget überschritt, noch bevor die Coronavirus-Pandemie und eine rege Hurrikansaison im Jahr 2020 auftraten. Obwohl die Anlage versucht, die verlorene Zeit aufzuholen, wird die Produktion möglicherweise nicht vor 2025 aufgenommen, sagte er.

Golden Pass ist jedoch nicht von seinem ursprünglichen Plan abgerückt, die LNG-Produktion im Jahr 2024 aufzunehmen. Das aus eigenen Mitteln finanzierte Projekt verfügt über zahlungskräftige Eigentümer, die Unabhängigkeit und finanzielle Sicherheit bieten, die anderen Exporteuren fehlen. Entsprechend ihren Eigentumsanteilen wird Katar 70 % der Produktion übernehmen, während Exxon 30 % erhält.

Plaquemines LNG

Venture Global sicherte sich im Mai eine Finanzierung in Höhe von 13,2 Milliarden Dollar für den Bau der ersten Phase seines Plaquemines-Exportterminals. Das Projekt wird 10 Millionen Tonnen LNG pro Jahr produzieren, was etwa 130 Ladungen entspricht. Die Bauunternehmen KBR und Zachry Group haben keine Zeit verschwendet. Die Anlage wird in der Nähe von Myrtle Grove, Louisiana, auf der Westseite des Louisiana Highway 23 gebaut, wo eine 26 Fuß hohe Sturmflutmauer bereits Gestalt annimmt. Die Docks und LNG-Verladearme werden auf der Ostseite des Highways entlang des Mississippi gebaut.

Die Bauarbeiten in Plaquemines begannen im August 2021. Im März bestellte Venture Global die modulare Ausrüstung bei Baker Hughes, zwei Monate vor der Sicherung der Finanzierung. Venture Global muss noch den Startschuss für die zweite Phase von Plaquemines geben, in der weitere 10 Millionen Tonnen LNG produziert werden sollen, aber das Unternehmen hat bereits 80 Prozent der geplanten Produktion verkauft und einige Anlagen bestellt.

Corpus Christi Stufe III

Cheniere Energy, der größte US-amerikanische LNG-Exporteur, sicherte sich im Juni eine Finanzierung in Höhe von 5,5 Milliarden Dollar für den Ausbau seiner LNG-Anlage in Corpus Christi. Das Unternehmen, das aufgrund der steigenden Exporte in Geld schwimmt, geht davon aus, dass es die verbleibenden Kosten selbst finanzieren kann, ohne jedoch die Höhe des Betrags zu nennen.

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Das Projekt, das sich bereits im Bau befindet und von dem Bauunternehmen Bechtel ausgeführt wird, wird die LNG-Produktion um 10 Millionen Tonnen pro Jahr steigern und etwa 130 zusätzliche Ladungen liefern. Cheniere Energy geht davon aus, dass die Produktion bis Ende 2025 aufgenommen werden kann. Nach der Fertigstellung wird Cheniere in der Lage sein insgesamt 55 Millionen Tonnen LNG pro Jahr zu produzieren und zu exportieren. Mit diesen Mengen kann das Unternehmen seine Position als größter US-amerikanischer LNG-Exporteur und als zweitgrößter Exporteur der Welt behaupten.

Andere Projekte

Es gibt drei US-LNG-Exportprojekte, deren Bau bereits begonnen hat, für die aber noch keine endgültige Investitionsentscheidung getroffen wurde. Port Arthur LNG, das sich im Besitz von Sempra befindet, und Rio Grande LNG, das sich im Besitz von NextDecade befindet, haben nach dem Einmarsch in der Ukraine mehrere Lieferverträge mit Kunden in Übersee unterzeichnet. Die beiden Projekte gaben den Auftragnehmern eine begrenzte Baugenehmigung, so dass ein Teil der Bauarbeiten bereits vor der Sicherung der Finanzierung erfolgen konnte.

Ende März verwendete das in Houston ansässige Unternehmen Tellurian seine eigenen Mittel, um Bechtel eine begrenzte Baugenehmigung für die erste Phase seines Driftwood-LNG-Projekts zu erteilen. Die erste Phase soll bis 2026 mit der Produktion von 11 Millionen Tonnen LNG beginnen, doch die Finanzierung geriet im September ins Stocken, als Tellurian eine Hochzinsanleihe in Höhe von 1 Milliarde Dollar zurückzog und zwei seiner drei Lieferverträge verlor.

Der Vorstandsvorsitzende von Tellurian, Charif Souki, schwor, die Scherben aufzusammeln, indem er Eigenkapitalpartner und neue Kunden fand. Doch es gibt auch Skeptiker. In einem kürzlich erschienenen Überblick über US-amerikanische LNG-Projekte stellte Bloomberg Intelligence fest, dass Driftwood „eine geringe Wahrscheinlichkeit hat gebaut zu werden“. Souki und sein Unternehmen bleiben jedoch entschlossen. Heute veröffentlichte das Unternehmen ein Video von den Bauarbeiten auf der Baustelle, wo 200 Arbeiter Land roden, Pfähle setzen, Betonfundamente gießen und Bermen für den Hochwasserschutz bauen.

FMW/Bloomberg



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5 Kommentare

  1. Nicht vergessen: N1 hatte eine Kapazität von etwa einem LNG- Tanker am Tag.
    Wo sollen denn die etwa 360 LNG-Tanker herkommen, um nur N1 zu ersetzen?
    Von den anderen etwa 360 LNG-Tanker, die N2 ersetzt hätte, erst gar nicht zu reden.
    Da können teure LNG-Terminals bis zum abwinken angemietet werden. Es nutzt nichts, wenn sie mangels Tankerflotte und genügend LNG- Gas nur so rumstehen.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Die schwadronieren gern und phantasieren. Da der Bürger nicht nachrechnet und die Systemmedien auch nicht vorrechnen glaubt eben die Mehrheit es funktioniert. Obwohl der Preis noch gar nicht offenbart wurde. Aber das ist die übliche Werbestrategie.
    Wie sagt der Volksmund dazu : An der Nase herumführen.
    Allein, wenn ich mir vorstelle die Planung der Regierung bei Energie aus Wasserstoff geht – so wie ich vor einem Jahr las – von einer Leistung von 5GW bis 2030 aus. Momentan liegt der Bedarf beio 60 – 80 GW. Wie viel Wirtschaft, Industrie soll zurückgefahren werden damit solche Zahlen, wei 5GW, sognifikant werden ?

  3. Hallo Ottonorma, es wird wohl mit dem wenigen Wasserstoff klappen, wenn die energieintensiven Firmen aus Deutschland verschwunden sind.
    Die Bahn kauft ja auch schon wieder Dieselloks und betreibt sie sogar auf den elektrifizierten Strecken, wenn Güter transportiert werden.
    Kohleöfen werden auch schon wieder eingebaut, und jeder der noch eine Ölheizung hat kann sich freuen. Ich streichel jedenfalls morgens ganz besonders unseren Holzofen im Bad. Und Bäcker können den Gasgebläsebrenner, gegen einen Ölbrenner austauschen.
    Das was in Deutschland passiert, wäre als lustiger Spielfilm der Renner. Titel: Regierung wie im Irrenhaus.
    Die Kritiken würden lauten:
    Lustig, aber total realitätsfremd.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Jawolll, also raus mit den energieintensiven Firmen !! und schon ist ein gewaltiges Problem gelöst.
    Was für eines dafür auf uns zukommt – darüber wird nicht gesprochen, aber unsere Systemmedien, oder auch Propagandamedien werden dies schon harmlos schreiben.
    Sieh dir hier mal die 2 Std. Film auf „auf1.tv“ an (ebenso auch andere Filme). Hier berichten 13 ehemalige mainstream Journalisten (Spiegel, MDR, SWR, etc ) warum sie ausgestiegen sind. Es ist so erschütternd wie man sich das bisher auch vorgestellt hatte.
    https://auf1.tv/elsa-auf1/inside-mainstream-media-professionals-speaking-out

  5. Hallo Ottonorma, solange für das gedruckte Geld noch etwas zu kaufen gibt, ist für die meisten Leute noch alles in Ordnung.

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