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Zwei Beispiele wie Broker Kunden betrügen…

FMW-Redaktion

Nein, die Finanzkrise kann vielleicht Firmen dazu bringen ihre Politik zu ändern, aber Menschen werden sich so schnell nicht ändern. Es gab immer schon Fälle, wo sich Bankmitarbeiter, Anlageberater oder Broker bei Kundengeldern bedient haben um sich ein schönes Leben zu finanzieren oder ihre Spielsucht am Laufen zu halten. Hier zwei aktuelle Beispiele…

JP Morgan

Michael Oppenheim, ehemaliger Broker bei JP Morgan, betreute Kundengelder im Wert von 90 Millionen US-Dollar. Gestern wurde er von einem New Yorker Gesicht schuldig gesprochen 20 Millionen Dollar seiner Kunden veruntreut zu haben, dafür geht er nun 5 Jahre ins Gefängnis. Was hat er damit gemacht? Spielsucht, hauptsächlich Wetten auf American Football. Wie aus den Verhandlungsdetails hervorgeht, versuchte er verzweifelt mit Optionsgeschäften z.B. auf die Apple-Aktie Geld zurückzugewinnen um die entwendeten Gelder wieder reinholen zu können.

Aber aufgeflogen wäre er wohl auch dann, denn er entnahm Geld aus den Kundenkonten und fälschte Kontoauszüge. Hätten die Kunden irgendwann mal die echten Kontoauszüge gesehen, hätten auch spätere Einzahlungen durch Oppenheim nichts mehr an den Geldentnahmen auf den Konten geändert. Kontobuchung ist Kontobuchung! Er soll aber auch Kunden gebeten haben Gelder abzuheben, damit er sie in Anleihen investiert, die bei der Bank gehalten werden. In Wirklichkeit entnahm der dann das Geld mit Barschecks. Aber zumindest zeigten seine fehlgeschlagenen Bemühungen mit den Optionsgeschäften, dass ihm sein Verhalten irgendwie ein schlechtes Gewissen machten, oder? Hätte er sonst versucht das Geld beim Zocken zurückzugewinnen? Aber wir wollen nicht zu viel Mitleid mit Herrn Oppenheim entwickeln. Was sagte er selbst über seine Tat? Zitat:

„I recognize that what I did was horrible. I always thought I was one or two trades away from fixing everything. For me, one bet is one too many. If I were not in the grips of this addiction, I would not have stolen any money.“

Wie auch immer, die Richterin hielt ihm zu Gute, dass er spielsüchtig sei und eine kranke Tochter zu versorgen habe. Deswegen sei er mit 5 statt über 10 Jahren davongekommen. Erstaunlich ist aber, dass es ihm so einfach möglich war Kundengelder in so einem Ausmaß zu veruntreuen – immerhin lief die Nummer über insg. 7 Jahre. Die Bank will den Verlust inzwischen ersetzt haben.

ATC Brokers

Auch interessant ist der Fall des eher kleinen und unbedeutenden US-Brokers „Avail Trading Corp“, der unter dem Namen ATC Brokers in den USA firmierte. Die Firma war ein sogenannter Introducing Broker für Devisengeschäfte. Man hatte also selbst keinen Zugriff auf Kundengelder, sondern fungierte lediglich als Vermittler zwischen Kunde und dem tatsächlichen Broker. Die Hauptrolle spielt hier der Chef der inzwischen insolventen ATC David Manoukian. Ein Gerichtsurteil von Ende Februar, erwirkt durch einen ehemaligen Kunden, zwingt ATC und Manoukian dazu 1,6 Millionen Dollar an ihn zu zahlen. Sofort danach meldeten die Firma wie auch ihr Chef persönlich Insolvenz an.

Wie kam es zu dem Urteil? Ein 63jähriger Englischlehrer wurde Kunde bei ATC und zahlte auf das Brokerkonto, das über ATC vermittelt wurde, 445.000 Dollar ein. Wenn ein Introducing Broker auch eine Zulassung als Vermögensverwalter hat, kann er auch mit Vollmacht des Kunden das Kundendepot beim Broker handeln. Er hat dann zwar keinen physischen Zugriff auf das Geld, aber Handeln kann er im Konto. Und dieser Kunde gab ATC eine Handelsvollmacht für sein Konto – so weit ist daran nichts Verwerfliches zu finden.

Dann aber ging es los. In nur 9 Handelstagen produzierte ATC im Brokerkonto des Kunden ein Handelsvolumen von 730 Millionen US-Dollar. Devisengeschäfte sind Hebelgeschäfte, bei denen mit deutlich größeren Summen als der Kontoeinlage gehandelt wird um große Gewinne zu erzielen. 730 Millionen Handelsvolumen in 9 Tagen ist schon eine große Summe, aber bei einer Kontoeinlage von 445.000 Dollar ist das im Devisenbereich gar nicht mal so unüblich. Aber der eine mag das so sehen, der andere so. Wie auch immer, das Ergebnis nach 9 Handelstagen: Das effektive Kontoguthaben sank von 445.000 auf 25.000 Dollar.

Der Kunde klagte, und das Gericht befand nach gut einem Jahr Streit, dass ATC seine Sorgfaltspflichten als Vermögensverwalter verletzt habe. Auch sei man des Diebstahls und Betrugs schuldig. Laut Gericht konnte der Kunde eindeutig belegen, dass ihm insgesamt ein Schadenersatz von 1,6 Millionen Dollar zusteht! Man darf vermuten, dass so einige Kommissionen an ATC flossen. Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Manoukian und sein Bruder als Miteigentümer 2015 500.000 Dollar in bar aus der Firma zogen, wonach dann nicht mal mehr 200.000 Dollar vorhanden waren. Sogar nach Klageeinreichung Anfang diesen Jahres ließen sich die beiden laut Leaprate vom ATC-Firmenkonto einen Trip nach Disneyland im Wert von 7.200 Dollar erstatten. Und jetzt vor Kurzem, eine Woche vor dem Firmenbankrott, wurde auf Firmenkosten nochmal schnell ein Porsche für 900 Dollar pro Monat geleast. Hut ab!



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